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Ein Traumkontinent, vielfach unterschätzt…von mir geliebt

Italien 2020, IV: Toskana- SatuRnia, Pitigliano & Montopoli

Die Nacht was eindeutig für unseren Ferienmodus zu kurz. Bereits um 6:30 Uhr klingelte der Wecker, Emily hatte sich so gegen 3:00 Uhr zu uns getrollt, nachdem die kleine Lady Helena ins Bett gekotzt hatte! Wie gut das Helenchen zwei Betten zur Verfügung hatte!

Wir waren ziemlich gut an diesem Morgen unterwegs, das Auto war schnell beladen und unser karges Frühstückchen ( Brot, Käse und Schinken) war schnell mit dem Instantkaffee heruntergespült. Statt der 8:30 Moby Fähre ( für die wir Tickets hatten) kamen wir bereits auf die 8:00 Uhr Torremar.

Elba verabschiedete sich mit einem schönen Blick vom Hafen und kurz nach 9:00 Uhr waren wir wieder auf dem Festland und machten uns auf den weiten Weg nach Saturnia

Noch nie was von Saturnia gehört? Die heißen Quellen liegen in der tiefen Maremma im Süden der Toskana, fast an der Grenze zu Umbrien. Eigentlich wären wir gar nicht so tief in den Süden gekommen, wenn wir nicht auf Elba gewesen wären und es von dort binnen eines Tagesritts machbar geworden war.

Wikipedia schreibt zu Saturnia: Eine Legende besagt, dass Saturnia die erste von Saturn gegründete Stadt auf der italienischen Halbinsel sei – daher leitet sich der Name Saturnia ab. Der Ort liegt auf einem Travertinfelsen und gilt als die erste Stadtgründung der Etrusker, die ihn Aurina nannten. Teile der Stadtmauern stammen aus dem 2. Jahrhundert v. Chr. aus Römischer Zeit,[2]die Präsenz der Römer, die den Ort als Aurinia bezeichneten, wird seit 280 v. Chr. vermutet. Zwischen dem 3. und 12. Jahrhundert hinterließ Saturnia keine weiteren Spuren.[3]

Erstmals schriftlich erwähnt wird der Ort 1188 in einem Dokument von Papst Clemens III.,[4] zu dieser Zeit waren die Therme und die Festung, die Rocca, schon vorhanden.

Die naturlichen Quellen sind um die 40-45 Grad warm und was Wikipedia nicht schreibt,dass sich dort zu jeder Tages,- u. Nachtzeit Horden an Menschen herumtreiben. Die Italiener stehen auf das Schwefelwasser und würden sich sogar mit Mund- Nasenschutz dort noch hineinsetzen. Der Wasserfall, die Becken ( Pamukkale nicht unähnlich) sind übrigens für umme, die großangelegten Parkplätze ebenfalls. Was ebenfalls nicht in Wikipedia steht, dass aufgrund der heißen Quellen eine wahnsinnige Thermik im Tal vorherrscht, die Hitze machte uns wirklich kirre…..es können gut 45-50 Grad gewesen sein.

Wir vergaßen zu allen Übel auch noch unsere Badeschuhe und stolperten auf nackten Füßen mehr schlecht wie recht über die Steine. Der aufgeweckte Leser liest heraus, dass der Besuch von Saturnia eher Qual als Wohltat gewesen ist…dafür sind die Thermalbecken schön anzusehen und im November, bei schlechtem Wetter, bestimmt lauschig warm. Achja, das Gebäude neben dem Wasserfall ist übrigens eine alte Mühle.

Emily und Mathias waren auf jeden Fall froh, als wir im wahrsten Sinne des Wortes, der Schwefelhölle entkommen waren.

Nach einem schönen Blick auf die Becken ließ ich mich noch von einer fiesen Pferdebremse stechen,die Viecher scheinen auf Schwefel zu stehen.

Die 30 km bis Pitigliano zeigte sich die Maremma im schönsten Licht und als wir an der Kirche Madonna de la Grazie ankamen glaubten wir unseren Augen kaum….rechts von uns erhob sich die perfekte Mittelalterkulisse….unglaublich, was die Etrusker zustande bekommen haben. die erste Erwähnung der Stadt erfolgte um 1061.

1293 ging sie an die  Familie Orsini, Anfang des 17. Jahrhunderts an die Medici, welche sie 1604 in das Großherzogtum der Toskana eingliederten. Im 19. Jahrhundert wurde sie Teil des Königreich Italien. Im 16. Jh fanden viele Juden Zuflucht in Pitigliano und ist damit stärker als andere Orte der Maremma jüdisch geprägt. Heute ist die Synagoge von 1500 wieder restauriert, in Piccola Gerusalemme gibt es wieder einen koscheren Fleischer, die Synagoge und eine Gemeinde mit drei Mitgliedern.

Wir hatten, aufgrund der noch verbliebenen Distanz zu unserer Unterkunft nur begrenzt Zeit für einen Stadtbummel, mussten aber dennoch erst eine mittelmäßige Pizza essen….das karge Frühstück hatte nicht lange angehalten.

Unser Spaziergang durch Pitigliano fiel demzufolge etwas kürzer aus, der Ortskern ist allerdings auch stark restaurationsbedüftig und es roch zum Teil sehr muffig in den Gassen.

Gegen 15:00 Uhr machten wis uns auf den Weg nach Montopoli im Arnotal zw. Florenz und Pisa. Das Navi sagte uns eine Ankunft um 18:10 Uhr voraus, google.maps sagte 17:57 Uhr….die Rezeption machte um 18:00 Uhr zu. Mathias fuhr wie ein waschechter Italiener und cruiste den Skoda um Punkt 17:52 auf den Parkplatz des Toskana Holiday Villages ein.

Wir bezogen unser Mobilehome und erschraken erstmal über den üblen Duft im Cottage. Der Kühlschrank muffelte unglaublich, ansonsten war das Ding aber gut durchdacht. Weniger gut durchdacht war allerdings das Waschmaschinensystem auf dem Platz. Am Ende konnten wir nur eine Maschine waschen, hatten statt einer WaMa Münze ne Trocknermünze in der Hand und ein Guthaben von einem Euro im Automaten sowie 20 Mückenstiche mehr……gefrustet liefen wir wieder in unsere Hütte und schmissen ein paar Tortillas in die Pfanne. Diese waren gefüllt mit Tomatenmark, Tomate, Basilikum und Käse.

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Todmüde fielen wir gegen 22:00 Uhr ins Bett, der Tag hatte uns geschafft.

Italien 2020, III: Elba, Tag 4-7

Emily ist müde! Unsere Kleene bekommt bei aller Abenteuerlust nicht ausreichend Schlaf. Sie wandert nachts zwischen unserem Schlafzimmer und Helenas Nest hin und her und wirkt unausgeschlafen! Das paddeln im Wasser und ihr Einsatz als Paw Patrol zollen Tribut.

Auch der vierte Tag auf Elba begann verhangen, wir entschlossen uns zu einem weiteren Drive über die Insel.Unser Ziel war Marciana, das schönste Dorf von Elba.
Unser Navi schickte uns über Marina Campo und über die Bergroute, wir schwitzten unterwegs ganz schön, der Weg war steil und führte uns fast bis an den Mt. Caponne, dem höchsten Berg von Elba. Unterwegs hatten wir aber sehr schöne Ausblicke und genossen den Urwald von Elba. So gesehen hatte uns das Navi einen Gefallen getan.

In Marciana hatten wir großes Glück mit dem Parkplatz und kurze Zeit später stöberten wir durch eine perfekte kleine, italienische Filmkulisse. Vorher bewunderten wir den Blick auf Marciano Marina, der Urlaubsort auf Meeresspiegelniveau.

Die Ortsgeschichte von Marciana beginnt bereits 35 v Christus, hier liegt auch die Münze von Elba und vor Allem die mittelalterliche Blüte wird heute noch zelebriert.

Nach dem Mittelalter folgte Marciana Marina, der Hafen und Ferienort von Marciana.

Marciana mArina, im Hintergrund sieht man das Bergnest

Nach einem leckeren Gelato machten wir uns auf den Weg zum Strand. Wir hatten uns Procchio ausgesucht, ein Strand in der Nähe von Portoferraio..
Auf dem Weg dorthin konnten wir die schöne Bucht bereits bewundern.

Procchio, zu sehen am linken Bildrand

Wir fanden sofort einen Parkplatz und liefen zum feinsandigen Strand. Dieser war nicht so flachabfallend wie Lacona, das Wasser aber genauso toll. Emily war die ungekrönte Prinzessin, die Italiener waren mehr als verliebt in unser Hundemädchen. Sie turnte von Decke zu Decke unserer Strandnachbarn und sofern sie mit Schwimmweste im Meer paddelte, blieben die Strandbesucher stehen und beobachteten die kleine Schwimmerin.

Nach 1,5 Stunden beendeten wir unser Badevergnügen und fuhren nach Portoferraio zu Conad, einem gut sortierten, riesigen Supermarkt. Wir hätten tollste Sachen kaufen können, wenn ich so richtig Lust auf kochen gehabt hätte. Wir entschlossen uns für Polenta, Zuchini/ Paprika Gemüse in Tomatensahnesauce und etwas Huhn für Mathias und für mich.

Nach dem Essen machte sich Urlaubsmüdigkeit breit, so langsam kommen wir in den Erholungsmodus und lagen um 21:30 Uhr im Bett.

Der fünfte Tag auf Elba war ein Lacona Strandtag, wir fuhren bereits um 10:30 an den Strand und genossen das geniale Wasser. Selbst ich war 3x für länger in den Fluten. Leider war eine Familie unserem Westie nicht wohlgesonnen und somit konnten wir nicht direkt mit ihr am zentralen Strandteil ins Wasser sondern eher etwas abseits. Auf Elba sind Hunde an den meisten Stränden erlaubt, dürfen theoretisch aber nur vor 9:00 Uhr und nach 19:00 Uhr ins Wasser. Dem Grunde nach interessiert das Keinen und es sind immer ein Haufen Wauzis im Wasser….nun ja, an diesem fünften Tag war alles etwas anders. Aber keine Bange, Emchen kam trotzdem auf ihre Kosten und wie eingangs bereits erwähnt, unsere Hündin ist erschöpft, sie gab sich mit einem nassen Handtuch um den Körper zufrieden.

Lacona, teils Nationalpark, hinter der Absperrung sind Wauzis immer verboten
Kraulwellness…..ein Westie im Urlaub!

Nach dem großen Badespaß wagten wir uns an ein Mittagsexperiment. Schmecken alte Bananen mit Ei, Instant Polenta und Vanillejoghurt? Ja, das Zeug schmeckt, Pancakes konnten wir aber nicht mit der Mischung ausbacken.

Den späten NaMi verbrachten wir im Bett, zum Abendessen gab es Spaghetti mit Pesto ( Hausmarke von Conad) und ein vorgelagertes Schwimmerchen von Helena und Mathias. Die Beiden hatten noch nicht genug. Emily heulte den Beiden hinterher und war untröstlich. Die zwei besten Schwimmcomrades waren ohne sie abgehauen…..Frechheit!

Nach unserem feudalen Mahl gab es eine üble Runde „Mensch ärgere Dich nicht“, zwei Stunden, Emily spielte mit einem Stein mit und lief in entgegengesetzter Richtung…..nur das es den Hund nicht interessierte! Sie schlief den Schlaf der Gerechten.

An unserem vorletzten Tag auf Elba wandelten wir auf Napoleons Spuren. Jeder denkt bei Elba sofort an Napoleon, obwohl dieser lediglich zehn Monate auf der Insel gewirkt hat. Überbleibsel sind zwei Wohnhäuser und viel Kommerz. Wir schauten uns nur eines der beiden Wohnstätten von außen an, die Möbel im Inneren sind nicht mehr authentisch, da die Familie diese verhöckert hat.

Am 4. Mai 1814 landete Napoleon auf der Insel Elbe und hisste seine Flagge auf dem höchsten Punkt in Portoferraio. Die Eigenkreation des Kaiser stellt heute noch die offizielle Flagge der Insel dar, sie ist weiss mit einer roten Bande, und wurde mit drei goldenen Bienen verziert.

Napoleon, Befehlshaber und Heerführer mit ausgeprägten Charakter, erkämpfte viele Siege, jedoch waren es die zwei Niederlagen (Russlandfeldzug, Niederlage bei Leipzig) die dazu führten , dass er sein Exil auf dem Juwel der toskanischen Inselgruppe verbrachte, die er bereits im März 1815 aber wieder verließ.. Auf Elba wurde Napoleon freundlich empfangen, geradezu verehrt, er baute Straßen und reorganisierte die Infrastruktur der Insel.

Wir fuhren zur Villa di San Martino, ca. 6km außerhalb von Portoferraio. Da wir uns, coronabedingt, nicht im Vorfeld angemeldet hatten, blieb für uns eh nur der Blick von außen.

Wir fuhren weiter nach Portoferraio, wo wir am Hafen einen Parkplatz fanden und die Festung der Medici erklimmten. Von diesen Festung hat man einen tollen Blick auf den Hafen und auf die Festung Stella. Diese ist heute noch bewohnt, einen Besuch haben wir uns, auch aufgrund der brütenden Hitze, erspart.

Wir sahen auch den berühmtesten Strand von Elba, der systematisch von der Werbung missbraucht wird, z.B für Parfum.

Total erschossen landeten wir in einem total süßen Café und tranken erstmal zwei Liter Wasser.

Portoferraio ist die Hauptstadt der Insel, rd, 12.000 Menschen leben permanent hier. Sie ist unterteilt in die wenig hübsche Neustadt und der sehr pittoresken Altstadt. Es wirkten etliche berühmte Menschen auf Elba, nicht alles ist Napoleon. Auch die Medici haben ihren Stempel der Stadt aufgedrückt, gleich zwei Festungen haben diese errichtet. Bei der Restauration des Turmes am Hafen, wurde ein altrömische Siedlung offengelegt, die Etrusker waren die Ersten, die Bergbau auf der Insel betrieben haben.

Wir betraten die Altstadt durch das Altstadttor und wandelten ein wenig durch die Straßen. Das Hotel L‘Ape ist das älteste Hotel der Insel, hier nahm der Tourismus seine Anfänge.

Es war der wärmste Tag des Woche, wir wollten ans Meer und ich hatte infoelba.net nach den schönsten Stränden auf der Insel befragt. Wir wollten in der Näe von Portoferraio bleiben und waren von ein paar Ansichtskarten sehr angetan. Lauf Karte sollte Acquavivetta ein Traumsträndchen sein, leider fand das www nur Acquaviva und genau dort fuhren wir dann hin.

Auf dem Weg bewunderten wir die Ausicht der Steilküste und auf einige Strände in der Nähe von Portoferraio.

das

Angekommen in Acquaviva kauften wir uns auf den Campingplatz ein und liefen zum Strand. Von diesem waren wir nicht begeistert, er sah auch nicht nach Acquavivetta aus.

Wir nahmen vom Campingplatz den Weg nach Sorgonte und Sorsona und blieben an Sorgonte hängen. Weißer Kiesel und traumhaftes, karibisch farbiges Meer……aufeinmal meinte mein lieber Mann „ sieht aus wie Acquavivetta“ und tatsächlich, das war der Traumstrand…..leider sehr überlaufen aber dennoch ein Träumchen.

Und hier kommt nochmal das Werbebild von infoelba.net

Ich zog noch zum Nachbarstrand und schaute mir auch diesen an, Sorgonte aka Acquavivetta war aber eindeutig schöner.

Wir tobbten im Wasser herum, selbst mich bekam man kaum heraus….niemals nie habe ich in Europa schöner geplanscht!

Schnell wurden Pläne für den nächsten Tag geschmiedet, noch zwei Traumstrände (117 Stk. nennt Elba sein eigen) sollten her.

Nachdem wir uns versichert hatten, dass Acquaviva tatsächlich der schlichte Strand des Campingplatzes war, machten wir uns gegen 17:00 Unr zu einem Sundowner in der Nähe unserer Unterkunft auf. Mit tollem Blick genossen wir einen Hugo Sprizz und kehrten im Anschluss ins Puccini, unserem Stammitaliener ein. Ich genoss mal wieder Pizza al Frutti di Mare.

An unserem letzten Tag auf der Insel fuhren wir nach Ferovaia, dem angeblich schönsten Strand der Insel. Vorher warfen wir noch einen Blick auf La Piscine und wähnten uns in Kroatien.

Mag sein, dass Ferovaia mal schön gewesen ist, aufgrund der Fülle der Menschen und den s……Sonnenschirmen waren wir etwas enttäuscht. Sei es drum, wir planschten ab…..der Sand war feinkörnig, das Wasser schnorchelklar, das Wetterchen gab alles, das Thermometer sagte uns am NaMi etwas von 41,5 Grad.

Den späten Nachmittag verbrachten wir in Marina di Campo. Wir wollten Gelato, nen Bier und etwas shoppen…..genau diese Reihenfolge hielten wir ein. Selbst Emily kostete das Urlaubsfeeling aus, der Herr und Gebieter spendierte Bresaola und Mortadella für unser Hundemädchen.

Eigentlich wollten Helena und Mathias nochmal in Lacona ins Wasser hüpfen, doch die Packpflicht rief uns zur Vernunft…..erstaunlich, was sich in einer Woche so angesammelt hatte.
Gegen 20:00 Uhr fuhren wir ins Puccini, es gab Pizza und Spaghetti, für mich mit Vongole.

Um 22:00 krochen wir ein letztes Mal in unsere gemütlichen Betten, eine wunderbare Woche neigte sich dem Ende entgegen.

Unser Fazit zu Elba fällt zu 100% positiv aus. Es gibt keine hässlichen, rieisgen Hotelkomplexe, obwohl Tourismus schon allgegenwärtig ist. Die Insel kann auch nicht als leer bezeichnet werden, viele Deutsche sind nach Italien ausgewichen, nachdem Kroatien, Spanien, Frankreich unerreichbarer wurden. Elba ist nicht schickimicki und auch nicht überteuert. Der normale Italiener macht hier Urlaub, viele Aktivsportler sind unterwegs. Überrascht waren wir vom stabilen Sommerwetter, den Wassertemperaturen und der Herzlichkeit der Elbaner. Wir kommen bestimmt nochmal wieder!

Italien 2020, II: Elba, Tag 1-3

Um 6:45 Uhr war die Nacht vorbei, wir packten unsere Sachen, Emily schaute verständnislos zu.Unser Hundemädchen hatte große Angst, dass es nach den drei wundervollen Tagen schon wieder nach Hause gehen soll. Emily war betrübt, die Rute hing und ihre Stimmung hellte sich erst auf, als es auf der Brennerautobahn nicht gen Norden, sondern Richtung Bozen/ Tramin ging. Das Ortungssystem der kleinen Biester funzt vorzüglich.

Unser Abschied von Familie Töchterle war herzlich, gerne empfehle ich das Olaga weiter.

Die Fahrt nach Piombino zog dich, rd 600km waren es bis zum Fähranleger. Die Autobahn war grundsätzlich zweispurig, eng und mit extrem vielen Lastern drauf. Mit jedem gefahrenen Kilometer wurde es heißer, in Piombino waren es am Ende rd. 28-30 Grad. Wir tankten auf halbem Wege und machten unsere ersten Erfahrungen mit einer Self Service Tanke d.h man steckt die Visakarte in einen Automaten, zahlt und kann dann tanken. Der Preisunterschied lag bei 0.30€ pro Liter, verrückt oder!

Um 15:15 Uhr kamen wir am Fähranleger an, ungläubig erstanden wir noch Tickets für die Torremar Fähre um 15:30 Uhr und tatsächlich, keine sieben Minuten später war unser Auto im Bauch des Schiffes verschwunden. Auf der Fährte herrschte Mund- Nasen- Schutz, jeder zweite Sitz blieb leer….aber wer will bei 30 Grad denn drinnen sitzen?

Die Werftanlagen waren eher unansehnlich, da Elba nur 10km vom Festland entfernt ist, konnten wir uns aber sehr schnell an der schönen Insel sattsehen.

Die Einfahrt nach Portoferraio war wunderschön, die Altstadt zeigte sich im besten Spätnachmittagslicht.

Unser Vermietungsbüro befand sich unweit des Fähranlegers und binnen fünf Minuten hatten wir unsere Schlüssel.

Es ging an der schmalsten Stelle über die Insel, unser Ziel war Lacona. Ohne Theater fanden wir unsere Unterkunft, der Check In verlief unkritisch, schnell war unsere hübsche, kleine Wohnung verwüstet. Drei Leute und ein Hund, da kommt jede Menge Zeugs zusammen. Lustig fanden wir, dass die Duschtücher letztendlich nur größere Küchenhandtücher waren, Abswaschlappen gänzlich unbekannt sind.

Der Blick von unserer Wohnung auf den Golf von Lacona war sehr schön, schnell machten wir uns zum frühen Abend auf ans Meer, die Sonne brannte und sowohl Mensch als auch Tier wollten schnell ans Wasser.

Lacona besteht aus einer Ansammlung von Campingplätzen, Privathäusern und Apartmenthäusern. Es gibt keine nennenswerten Hotels, der Tourismus läuft angenehm neben dem eigentlichen Inselleben her.

Der Strand von Lacona ist ca.500m lang und durch die Campingplätze gut besucht. Es gibt ein paar Strandrestaurants und die obligatorischen Liegestühle, die grundsätzlich jeden Strand in Italien versauen.

Wir waren ziemlich ausgehungert, wir lechzten außerdem nach Hopfen und Malz und zogen kurzerhand in eines der Strandrestaurants ein. Essen gab es erst ab 19:30 Uhr, bis dahin vertrieben wir uns die Zeit mit drei Cola und drei Bieren……da uns die Speisekarte nicht zusagte ( zu teuer, nix Vegetarisches) zahlten wir die Getränke und staunten nicht schlecht, 30€ !

Am Ende wurden wir an der Hauptstraße zu unserer Unterkunft fündig, leckere Pizzeria mit sensationeller Pizza und Sardinen.

Wir fielen gegen 22:00 Uhr ins Bett, die lange Anfahrt hatte ihren Tribut gezollt.

Am nächsten Morgen gabe es Frühstückstapas, Käse und Schinken aus Südtirol, dazu Schüttelbrot und Cookies. Wir hatten es noch nicht in einen Supermarkt geschafft, deshalb musste unser Improvisationstalent herhalten.

Den Vormittag verbrachten wir am Strand von Lacona, genossen das supertolle, warme Mittelmeer. Emily hatte ihre wahre Freude mit gleich drei Leuten im Wasser.

Da Helena mit LSF 50 schmierte und wir immerhin 20 auf der Haut hatten, zogen wir nach drei Stunden wieder zurück in unser Aparment. wir gönnten unserer Haut ein wenig Ruhe und legten eine typisch italienische Siesta ein.

Gegen 16:00 Uhr zogen wir nochmal los, wir fuhren nach Marina di Campo, einem Fischerdorf mit dem längsten Strand von Elba (1,5 km) und weitaus touristischer als Lacona. Dennoch, auch dieser Ort war immer noch nett anzusehen und auch hier gab es keine nennenswerten Hotels, max. kleine Familienbetriebe…..wir waren begeistert, Elba ist wirklich ein kleiner Geheimtip. Der Weg nach Marina di Campo führte uns durch enge Bergstraßen, viele Serpentinen und wunderschöne Ausblicke.

Wir tranken ein Bier am Hafen, schlenderten ein wenig durch die Altstadtstraßen und überfielen ein Coop für das Abendessen.

Zurück in Lacona zogen Mathias, Helena und Emily nochmals an den Strand, ich widmete mich dem Abendessen. Es gab Spaghetti mit Tomatensoße und Meeresfrüchte für 2/3 sowie Bruschetta und Salat.

Als die drei Schwimmer an den heimischen Abendbrottisch einkehrten, erfuhr ich, dass Emily nun auch von alleine ins Wasser geht. In jede, Urlaub lernte die Kleene dazu….

Wir ließen den Abend bei Mensch ärgere Dich nicht ausklingen und fielen wieder total erschossen ins Bett.

Der dritte Tag auf der Insel begann verhangen mit Regeneigung aber wahnsinnig schwül. Wir ließen es langsam angehen, frühstückten lecker und fuhren gen Nordosten. Unser Ziel waren Port Azzuro, Rio nell Elba und Rio Marina. Unterwegs fing es an zu regnen, mit uns zog sich eine Blechkolonne in die lieblichen Bergdörfer. Capoliveri und Porto Azzuro genossen wir zunächst nur aus dem Auto.

Capoleveri thront auf einem Bergrücken
Der Strand von Mola, im Hintergrund Capoliveri
Erster Eindruck vom bezaubernden Port Azzuro

Als wir im Bergdorf Rio nell‘Elba angekommen waren, haute ein wahrer Sturzregen auf uns nieder, da dass wir in eine Bar flüchteten. Der Cappuccino für Drei kostete 4,50€, lediglich ein Getränk stand auf dem Bon, aha….so läuft das in Italien.

Piazza Rio nell‘ Elba

Quelle: Infoelba.net: Rio Elba, hat seinem Ursprung in der Bronzezeit und ist eines der ältesten Dörfer der Insel und bewahrt zahlreiche Spuren aus seiner Vergangenheit. Der Ort thront auf einem Hügel, 180 Meter über dem Meeresspiegel und ist, wie die anderen Orte der Insel-Ostseite auch, seit ewigen Zeiten, mit der Bergbautradition verwurzelt.Bekannt ist der Ort aufgrund seiner Eisenminen, die auf die Etruskerzeit zurückgehen, Rio Elba war bis zum Abbaustopp das Bergbauzentrum der Insel.

Wir schlenderten im Nieselpiesel durch den Ort, schlitterten auf den moosbewachsenen Wegen umher. Der Ort gewährte uns ein paar schöne Einblicke und dennoch fuhren wir gegen 13:00 Uhr weiter.

Wenige Kilometer liegen zwischen Rio nell‘ Elba und Rio Marina. Beide Orte bilden eine Gemeinde.

In Marina hatte es aufgehört zu regnen, wir suchten uns einen Parkplatz und schlenderten die Mole entlang. Rio Marina war die Eisenhauptstadt der Insel und besitzt einen relativ großen Hafen. Dort gingen auch Toremar Fähren gen Festland ab, der Ort hat ein wenig touristischen Rummel, der aber wie auf der gesamten Insel eher individuell ausgeprägt ist. Auf dem Weg haben wir ein paar Dreisternehotels gesehen aber gesamt Elba ist kein Vergleich zu anderen Inseln im Mittelmeer.

Helena, Mathias und der Wauz überbrückten die trübe Wetterphase mit ein wenig Kraxelei auf den Klippen und auf einmal zeigte sich auch wieder Klärchen am Himmel.

Für die Zweibeiner gab es ein Eis aus der Hand, unser erstes Gelato nach fast einer Woche und im Anschluss einen kurzen Bummel durch das Centro Stoico.

Mit Sonnenschein machten wir uns auf den Weg nach Porto Azzuro, den ältesten Badeort auf Elba ( Cavo im Nordosten der Insel ) schenkten wir uns. Auch wenn die Insel nicht sehr groß ist, in einer Woche ist es kaum möglich jedes Nest zu sehen und wir wollten ja auch ans Wasser!

Port Azzuro ist ein toller Ferienort, kommt fast international und schick daher. Die Häuser sind besser in Schuss, die beiden Ministrände im Ort sind aber keine Erwähnung wert. Wir bummelten durch den Ort, wollten eine Pizza auf die Hand und wurden nicht fündig. Was z.B in Venedig oder Rom Standard sind, gibt es auf Elba nicht. Wir kamen auf die Idee uns eine Pizza zu teilen und wurden um 14:30 im Restaurant nicht mehr bedient.

Also gab es lediglich ein Wasser auf der zentralen Piazza und weiter gings über Capoliveri nach Innamorata.

Hier gibt es ein Bildchen aus Port Azzuro, bitte genießen!

Wir fuhren durch das Bergdorf Capoliveri einfach nur durch und bewunderten das „ Nest“ nochmal aus der Ferne. Eventuell schauen wir uns den Ort zu einem späteren Zeitpunkt nochmal an, an diesem Tag wollten wir nur nach Innomorata. Elba besitzt über 160 Strände, die in gold, rot, schwarz, sandig, kieselig oder granithaltig hervorkommen. Mittlerweile kannten wir die Strände von Lacona, Lanconella und Marina di Campo. Innamorata wurde Nummer Vier und im Reiseführer wärmstens empfohlen.

Capoliveri von Weitem

Blick auf Innamorata

Leider gibt es auf Elba wohl keine Strände mehr, an Denen keine Sonnenschirme stehen, so auch auf Innamorata…..dennoch war das Wasser sensationell und wir tobten den Hund kaputt.

Um 18:30 Unr landeten wir in der Pizzeria des ersten Abends, aßen uns durch Pizza Buffali, Capriciosa und Frutti di Mare..

Unseren Abend verbrachten wir mit „ Mensch ärgere Dich nicht“, eine Partie die es in sich hatte….1,5 Std. lang!

Italien 2020, I: Olang, Antholz, Pragser Wildsee, 3 Zinnen

Ob nun Island oder Italien, what makes the difference? Im Coronajahr war der große Unterschied nicht nur das Wetter, die Lage, die Landschaft, die Preise, das Essen….nein, es waren die Infektionszahlen, die uns den Urlaub im hohen Norden verleideten. Drei Wochen vor der geplanten Fährtfahrt über die Färöer Inseln nach Island legte die isländische Regierung die Einreiselatte so dermaßen hoch, dass der Normalreisende keine Chance mehr auf einen vernünftigen Urlaub hatte. Vier Coronatests und 5-6 Tage Quarantäne machten unser Unternehmen Färöer Inseln und Island unmöglich, schnell wurde Plan B geschmiedet.

Ausgerechnet Italien hieß das Ergebnis aller Überlegungen, das Land, welches mit 35.000 Covid 19 Toten soooo arg gelitten hatte. Italien schaute im August 2020 aber auf relativ stabile Zahlen und da wir wenigstens nen bissel Wetter wollten, stampften wir schnell einen alternativen Reiseplan zusammen. Helena entschied sich fürs Mitfahren und nachdem wir binnen 24 Std. Südtirol, Elba, Toskana, Südtirol geplant hatten, begann wieder das große Zittern…die Infektionszahlen!!!! Doch sowohl Deutschland und Italien zeigten sich wacker und Anfang September (05.09.20) war es soweit.

Wir hauten um 0:15 Unr aus Berlin ab, wir Drei, plus Westie wollten nur noch weg….bevor wieder irgendeine Regierung oder Landesfürst neue Auflagen beschließt und es mit dem Plan B auch vorbei sein könnte! Die Autofahrt verlief flüssig, bereits um 5:00 Unr waren wir an München vorbei, die erste Pause legten wir kurz vor der österreichischen Grenze ein und bereits um 7:45 Uhr waren wir in Italien! Es gab keinerlei Kontrollen und ehrlich gesagt, mir sind nicht mal die Teststationen auf der gegenüberliegenden Autobahnseite aufgefallen. Punkt 9:00 Unr standen wir vor unserem Hotel in Olang im schönen Pustertal und waren von Familie Töchterle ganz begeistert. Wie wurden aufs Allerherzlichste begrüßt und uns wurde versichert, dass unser Zimmer in 30 Minuten bezugsfertig sein würde.

Wir hatten Halbpension gebucht ( die war sehr günstig) und auch für Helena gab es eine vegetarische Alternative. 

Der erste Cappuccino ging aufs Haus und bereits um 9:45 Uhr standen wir mit Sack und Pack in unserem sehr schicken Zimmer! Wer ein tolles Hotel in der Nähe der Drei Zinnen, Antholz und Pragser Wildsee sucht, wird im Hotel Olaga fündig werden.

Obwohl das Wetter toll war und die nächsten Tage nichts Gutes versprachen, verzogen wir uns dennoch in die weiche Heia! Wir holten zwei Stunden Nachtschlaf nach und versuchten uns dann am Tip von Herrn Töchterle, einer Umrundung des Antholzer Sees. Vorher musste aber ein kurzer Marsch durch unser temporäres Zuhause her, wir warfen einen Blick in die Kirche von Olang und auf das Peter Sigmair Denkmal. Bei dem pummeligen Kerl handelte es sich um einen Südtiroler Freiheitskämpfer der 1810 unweit des Denkmals exekutiert wurde.

Zunächst fuhren wir durch wunderschöne Natur, legten unterwegs noch einen Fotostop ein und  parkten nach rd .10km Fahrt auf dem Parkplatz des Biathlon Schießstadions ein.

Wer sich für Wintersport interessiert wird wissen, dass Antholz eine Station im Biathlon Weltcup Circus ist. Fleissig übte die Weltelite auf sogenannten Sommerski für die nächste Saison, uns zog es erstmal in eine zünftige Hütte unweit des Ufers. Wir sehnten uns nach etwas Flüssigem, genossen Holundersaft und Apfelschorle. Auf den Tisch kam desweiteren ein Südtiroler Apero Teller , für Helena das Gemüse und der Käse, wir drei Anderen genossen den Südtiroler Speck und die Kaminwurzel.

Satt und zufrieden trotteten wir gemächlich im Uhrzeigersinn um den See. Wir genossen himmlische Ausblicke auf spektakulär blaues Wasser, Emily erforschte italienische Pippimails.

Wer übrigens glaubt, dass Italien leer ist, der wird enttäuscht sein…..Der Tourismus ist in vollem Gange, nachdem Frankreich, Spanien und Kroatien quasi unerreichbar geworden sind, freut sich Italien über harte Euronen. Mund-Nasen- Schutz sind kein Problem, die Leute halten sich einfach an die Regeln….na geht doch!

Der Weg war einfach nur wunderschön, schöner hätte ein Einstieg in die Dolomiten kaum sein können.

Mathias versuchte sich wieder am Mount Matti, der aber leider binnen Minuten „zerstört“ wurde.

Auf dem Weg zurück nach Olang bewunderten wir noch ein kleines Kirchlein und die hübschen alten Bauernhäuser.

Um 19:15 Uhr kratzen wir überpünktlich an der Tür des Speisesaals und aßen uns in den nächsten 1,5 Stunden stilecht durch fünf Gänge! Salat, Suppe und Mittelgang sind im Hotel Olang immer vegetarisch, statt unser Huhn erhielt Helena ein Omelette. Wir genossen eine Gemüsesuppe, Risotto mit Pfifferlingen, Huhn mit Rosmarinkartoffeln, Sorbet am Ende. Das Salatbuffet fiel sehr üppig aus, es gab auf diesem eine Gemüselasagne zum Niederknien.

Genudelt fielen wir ins Bett, der Wecker wurde bereits zu 6:00 Uhr wieder gestellt, der Pragser Wildsee/ Lago di Braeis lockte zum Sonnenaufgang.

Die Nacht war tief und traumlos, Emily hat sich Helenas Bett als Schlafstätte ausgesucht, so hatten Mathias und ich das tolle Erlebnis des Durchschlafens.

Aufstehen war unproblematisch, trotz der frühen Stunde und den Anstrengungen des Vortages. Das Wetter hatte sich über Nacht noch erstaunlich gut gehalten, der angesagte 48 stündige Strippenregen ließ auf sich warten.

Da wir Alle ziemliche Horrorstories vom Wildsee gelesen hatten und auch Herr Töchterle uns in unserem Vorhaben, vor dem Frühstück nach Prags zu fahren, bestärkt hatte, zogen wir bereits um 6:30 Uhr los und begaben uns auf menschenleere Straßen. Der See liegt rd. 20Minuten vom Hotel entfernt und es war auf den Straßen wirklich leer…..keine Amerikaner, Japaner, Chinesen….und dann wurden wir blass! Parkplätze größer als der See an sich und gut gefüllt! Zu unserem Erschrecken standen drei Reisebusse auf dem Paekplatt, Hunderte Asiaten waren bereits am See! Aus welchem Land kann man denn im Jahr 2020 nach Europa fliegen!? Auf Nachfrage erfuhren wir es. Die munter schnatternden Selfieliebhaber kamen von den Philippinen, ganz klar….Duterte gehört ja auch in die Liga der Coronleugner!

Warum ist der Lago di Braies eigentlich so ein Hotspot der Touris geworden? Nun ja, der See liegt ziemlich spektakulär, umgeben von Bergen im Hochpustertal und wurde durch die Instagram und Fotocommunity gehypt. Terence Hill hatte 2004 einen Film am See gedreht, geschichtlich ist der See ebenfalls eine Erwähnung wert. 1945 hatte Himmler 139 politische Gefangene aus dem KZ Dachau nach Niederdorf gebracht, diese wurden wiederum ins Hotel „Pragser Wildsee“ umgesiedelt und überlebten durch beherzte Südtiroler, die die Gefangenen mit Eintreffen der US Armee nicht umbrachten, obwohl Himmler dies so verfügt hatte.Übrigens gehörten Angehörige der Familie von Graf Schenk von Stauffenberg als auch der ehemalige Bundeskanzler von Österreich sowie der französische Ministerpräsident im Hotel untergebracht.

Geschichte war den Philippinos auf jeden Fall egal, sie schnatterten wie die Irren, schossen Selfies und wir mochten uns nicht ausmalen, wie schrecklich es in Vorcoronajahren am eigentlich wunderschönen See gewesen sein muss! Gut das das fotogene Bootshaus noch nicht geöfnet war, lediglich ein paar Brautpaare waren mit Sondergenehmigung auf dem Steg. 

Somit war das Wasser ruhig, was man vom Ufer nicht sagen konnte. Überall lag Dreck herum, der eine Papierkorb reichte bei Weitem für den Umfang der Parkplätze nicht aus.

Wir schossen unsere Fotos, krochen auf die Hänge und amüsierten uns über die selfiegeile Instagram Fraktion…..unser Fazit zum See: Ja, der See ist toll, die Lage ebenfalls, letztendlich aber auch nur aufgrund der Boote und dem Bootshaus so fotogen. Wir waren nach einer Stunde weg und strichen den See von der Bucketlist. Aufgrund eines kleinen Frühstückshungerchen verzichteten wir auf die Umrundung des Sees, liefen nur 15 Minuten, im Uhrzeigersinn auf die „ andere Seite“.

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Unser Frühstück war genauso lecker wie das Abendessen am Tag zuvor und gut gestärkt entschlossen wir uns im Anschluss für die 4-5 stündige Dreizinnenumrundung. Das Wetter hatte sich gehalten, die Wetterapp ließ Schlimmes für den nächsten Tag erahnen und wir fühlten uns fit.

Blick in die Dolomiten vom Parkplatz Tre Cime
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Die Wanderung um die drei Zinnen gehört zur Pflicht einer Reise in die Dolomiten. Der Schwierigkeitsgrad wird als einfach angegeben, was wohl auch stimmt….wenn man mal von den Steigungen und den fünf Stunden absieht. Ätzender wird die Tour wenn man diese bei nicht kalkulierbarem Wetter begeht, also so wie wir am 6.9 des Jahres 2020!

Das Wetter wechselte im Minutentakt, die Zinnen ließen sich bitten….mal kamen sie nen bissel zum Vorschein, eigentlich waren aber immer dicke Wolken um die Berge.

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Direkt auf der Höhe der Zinnen hatten wir einen beeindruckenden Blick auf die gegenüberliegende Bergkette., so dass wir die Hoffnung hegten, von der Dreizinnenhütte doch noch nen sensationellen Blick auf die berühmten Namensgeber zu erhalten.

Nach rd. 2,5 Std. kamen wir schlussendlich in der Dreizinnenhütte an und hatten genau Null Sicht, nischt mit Postkartenmotiv.

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Quelle: Wikipedia, Dreizinnenhütte bei schönem Wetter

Es hatte angefangen zu regnen und nach einer Holundersaftpause machten wir uns doch wieder eilig auf den Weg, das Wetter machte uns große Sorgen. Das diese nicht unbegründet waren, wußten wir rd 30 Minuten später! Emily hatte sich bereits im Tragerucksack verzogen, zu anstrengend der Marsch für unser Westiemädchen. Bevor wir uns aber ins schlechte Wetter begaben, bewunderten wir den See bei der Hütte,

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Die Steigungen werden noch in den nächsten Tagen Muskelkater verursachen, wir mussten durch die Wolken laufen und regneten komplett ein. Diese Situation sollte man im Hochgebirge tunlichst immer vermeiden, Gott sei Dank hatte Keine/r von uns Jeans an…..die Chance komplett auszukühlen ist sehr hoch. 

Nach rd. 1,5 Std hatten wir es geschafft, Mathias lief vor, holte das Auto aus den höher gelegenen Parkplätzen und  sackte uns nasse Katzen ein. 

Später las ich in Wikipedia, dass genau an den Zinnen die Sprachgrenze von deutsch in Sudtirol und italienisch im Trentino ist. Wir hatten uns bereits auf der Hütte gewundert, dort wurde bereits italienisch gesprochen. Ich hatte allerdings auf der Hinfahrt auch eine Wegweisung nach Cortina d‘Ampezzo und Ferrara gesehen, echt Italien ist an dieser Stelle nur noch einen Steinschlag entfernt.

In Olang hatte es sich mittlerweile ebenfalls eingeregnet, wir sehnten uns nur nach etwas Beißbarem und nach einer heißen Dusche. Da unser Picknick in den Bergen flachgefallen war, amüsierten wir uns in T- Shirt und Schlüppi mit Schüttelbrot, Schinkenspeck und Pustertaler Käse.

Den Spätnachmittag fröhnten wir mit Schönheitspflege, um 19:15 Uhr wurde wieder erfolgreich der Speisesaal gestürmt. Da Sonntag war, wurde noch ein Gang draufgelegt….sechs Gänge, muah….wir rollten uns ins Bett.

Das Highlight des Abendessens war sicherlich der Rote Bete Knödel und mit einem nettes Gläschen Adrenochrome haben wir dem Altern vorgebeugt :0)….ach nee, war lediglich ein erfrischender Waldbeerentrank…..ob er auch gegen das Altern hilft?

Unser letzter Tag in Olang ist schnell erzählt. Wir schliefen zunächst aus und vertrödelten ein wenig Zeit auf dem Zimmer. Da sich das Wetter einigermaßen hielt, schlenderten wir für 1,5 Std durch den Ort und erfreuten uns an Aussichten, Kühe und Dahlien.

Mathias schloss Freundschaft mit Gloria, der zutraulichsten Kuh von Olang

Im Nieselpiesel kehrten wir zurück ins Hotel und verzogen uns ins Bett. Es wurde Siesta gehalten, wir haben schliesslich Urlaub.

Gegen 16:00 Uhr fuhren wir nochmal los, uns war es auf dem Zimmer eindeutig zu langweilig. Wir fuhren unentschlossen durchs Pustertal, hielten an einem schönen Waldweg, genossen den Blick auf einen tollen Hof und verabschiedeten uns vom Olanger Stausee. Gegen 17:00 Uhr waren wir wieder zurück, Mathias überfiel den Supermarkt und kaufte für Elba Aufschnitt und tollen Käse ein.

Bevor wir uns wieder durch ein Fünf Gänge Menü kämpften, eroberten wir uns den Wellnessbereich des Hotels. Es warteten ein Kneipbecken, Whirlpool, finnische Sauna und ein Solebecken auf uns. Das Ganze war mehr als geschmackvoll eingerichtet und wir genossen das Angebotene.

Unser letztes Abendessen bestand aus einer Peperonisuppe, Bavette ( Nudeln nach Art des Hauses), Tagliata v. Rind oder Polenta mit Steinpilzen und Gorgonzola. Als krönender Abschluss verwöhnte uns ein Vanillepudding. Mit dem obligatorischen Salatteller kamen wir wieder auf fünf Gänge……mehr als drei Tage sollte man nicht bleiben, sonst platzt die Hose.

Mit ein paar Fotos vom Essen und vom Hotel verabschiede ich uns aus Olang. Unser nächstes Ziel wird die Insel Elba sein….wir wandeln auf Napoleons Spuren.

Deutschland 2020, Wismar II: Beckerwitz, BaD Wendorf & Alter Hafen

Nach einer ruhigen Nacht traktierten wir am Morgen die Senseomaschine auf unserem Zimmer und liefen, mit erstem Kaffee im Magen, zunächst zur Marienkirche, die nur  wenige Minuten von unserem Hotel entfernt lag.

Von dieser ist leider nur noch der Westturm erhalten geblieben, da britische Torpedos nicht nur das Kirchenschiff, sondern das gesamte gotische Viertel der Stadt im 2. Weltkrieg zerstört hatten. In den 60er Jahren sprengte die damalige Regierung der DDR das Kirchenschiff, ließ aber den Westturm mit seinem schönem  Glockenspiel stehen.

Anbei ein paar Eckdaten zu dieser beeindruckenden Ruine; insbesondere die Andeutung der Säulen und des Kirchenschiffes hatten es uns angetan. Diese wurden, mit der Verleihung des Weltkulturerbestatus 2002 errichtet, so kann sich der Besucher von heute noch ein Bild von der Größe der Kirche machen,

Die Kirche  liegt in unmittelbarer Nähe des zentralen  Marktplatzes und des Rathauses der Stadt, sie war  demnach Rats- und Hauptpfarrkirche von Wismar und wurde im 13. Jahrhundert als Hallenkirche errichtet. Ab 1339 wurde mit dem Neubau der dreischiffigen Basilika nach dem Vorbild von französischen Kathedralen begonnen, im Jahr 1375 das Langhaus vollendet. Um 1450 wurde der Westturm um drei Stockwerke erweitert und erreichte eine Höhe von 80 Metern. Die Zifferblätter der Turmuhr haben einen Durchmesser von 5 Metern. 

Uns gefiel, dass mittlerweile das Kirchenareal als Kunststätte genutzt wird, die Tauziehergruppe und die kleine Sonnenanbeterin fühlen sich an ihrem Platz bestimmt sehr wohl.

turnende alte Männer
die kleine Sonnennixe
rund um die Marienkirche

Kultur auf nüchternen Magen macht extrem hungrig und so zog es uns magisch durch die Krämerstraße Richtung Hafen…..

Unser Ziel war wieder die Seeperle, die Verlockung auf Fisch am frühen Morgen und frischer Luft auf der Terasse waren zu groß. Wir hatten uns gegen das Hotelfrühstück entschieden, da uns dies aufgrund der hohen Preise eher abschreckte.

Das Frühstückskonzept war allerdings nicht so ausgereift, eine einzige Dame musste sich am Tresen den Wünschen der Gäste annehmen, wir entschlossen uns zügig für Fischbrötchen und Kaffee, nix mit Spiegelei und Marmelade !

Der Wetterbericht flüsterte uns etwas von 27 Grad und schnell war klar, dass wir nach einem Morgenbummel durch die Stadt zum Strand wollten.

Der alte Hafen präsentierte sich bildschön, der Blick auf das Gewölbe und die St.Georgenkirche im Sonnenschein…..hach ne Auszeit kann toll sein.

Bevor es zum Strand ging, erkundeten wir die Werft und Speicher von Wismar und spielten Störtebeker auf der Wissemara, einer alten Kogge. Wirklich schön war die Seefahrt nicht, der Holzkahn doch ziemlich unkomfortabel…Aye,Aye!

Kaptain Blaubeer ließ sich ebenfalls nicht blicken, und so spannen wir unser Seemansgarn selbst und warfen einen Blick aufs weite Nass.

Wir schlenderten nochmals über Grube, Lohberg und flanierten durch das Wassertor. Wir bewunderten die schönen Bürgerhäuser, knutschten dicke Schweinchen auf der Schweinebrücke und warfen einen letzten Blick auf das Schabbellhaus und auf St. Nikolai.

Auf dem Marktplatz gab es eine Erfrischungspause und ab 13:00 Uhr waren wir „on the road“. Das www hatte für Mensch und Tier den Strand von Beckerwitz empfohlen und so lernten wir einen ziemlich engen und unschönen Campingplatz als auch den dazugehörigen Steinstrand kennen. Eher Kroatien,- als Ostseefeeling machte sich breit, dem Hund war es egal……sie genoss das Wasser, welches sich hier seicht und kinderfreundlich zeigte.

Gegen 14:30 Uhr hatten wir allerdings genug, wir entschlossen uns einen Abstecher in Bad Wendorf, dem Stadtstrand von Wismar einzulegen. Hier liefen wir über die Seebrücke und erfreuten uns an dem wenigen Wind der aufgezogen war. 

Die Wissemara in Action!
Wismar Strand

Zurück in Wismar zog es uns magisch zum Begrüßungscocktail ( Chardonnay, Sandornlikör, Curacao Blue) den wir um eine zweite Cocktailrunde erweiterten. Im Anschluss gings unter die Dusche und für ein Viertelstündchen betrunken ins Bettchen.

Um 18:00 Uhr machten wir uns wieder auf den Weg zum Hafen und in die Seeperle. Da die Restaurantpreise in Wismar total überzogen sind, wir keine Lust auf Pizza, Pasta und Co verspürten und immer noch scharf auf Fisch waren, lockten eher Scholle und Co. Die Auswahl an Fisch machte es uns schwer, die Preise überzeugten weiterhin.

Selten habe ich besser für 10,50€ gegessen wie an diesem Abend…..

Das Wetter war weiterhin hochsommerlich warm uns verschlug es an den Hafen mit Blick auf die Altstadt und die eine oder andere andere Flasche Selters wurde geköpft, am Ende stiegen wir auf Mojito um. 

Ich wollte noch ein paar Nachtfotos vom alten Hafen schießen und so mussten wir doch ne ganze Ecke ausharren, bis es endlich dunkel wurde.

Emily lernte die eine oder andere Lektion an diesem Abend, unser Hundemädchen zeigte sich belltechnisch von ihrer schlechtesten Seite und wird erziehungstechnisch in den nächsten Wochen und Monaten wohl in die Mangel genommen werden müssen. Als selbst eine recht große Boxerdame Reisaus nahm war uns klar….hier muss was passieren.

Gegen 23:00 Uhr fielen wir erschosssen ins Bett, auf Nachtfotos vom Marktplatz/ Wasserkunst und Marienkirche hatte ich urplötzlich keine Lust mehr.

Deutschland 2020, Wismar I: Alter Hafen, Markt und Sonstiges

Meine allererste Reise mit meinem lieben Mann führte mich 2011 nach Wismar; nach nunmehr neun Jahren Abstinenz suchten wir uns das wohl wärmste Sommerwochenende 2020 aus und besuchten mal wieder die wunderschöne Hansestadt.
Ich arbeitete morgens noch fünf Stunden im Homeoffice und pünktlich um 11:00 Uhr fuhren wir in Berlin auf die Autobahn und standen uns von Stau zu Stau.

Unterwegs machten wir in Stolpe eine kurze Pause und ich wagte einen kurzen Ausblick auf den 5. September 2020……hoffentlich befinden wir uns an diesem Tag tatsächlich auf genau den Weg nach Island, zur Fähre bei Hirthals, sofern die Infektionszahlen dies zulassen !

Gegen 14:30 Uhr erreichten wir das Viersternehotel „Stadthotel Stern“, eine der letzten buchbaren Optionen für Spätentschlossene im Coronasommer 2020. Wir bezogen zunächst unsere Zimmer, Mathias parkte im Anschluss das Auto um, unser Hotelparkplatz war ausgebucht. Glücklicherweise stehen wir nun sogar günstiger als im Hotel.

Emily musste bitter lernen, dass sie nicht in alle Bereiche des Hotels darf, in unser Zimmer zum Beispiel nicht. Emily nächtigt bei der heiß geliebten Hundeoma, die ein paar Meter weiter, im Standardzimmer mit Hinterhofcharme residiert…..versnobte Bude, im Normalfall hätte ich mir sowas nicht gefallen lassen! Da wir aber recht kurzentschlossen gebucht hatten, mussten wir es nehmen wie es kommt.

Nach kurzer Erfischung entschlossen wir uns für einen Kreuz,-u. Quermarsch durch die Altstadt, ohne Blick in den Reiseführer. Dennoch kommen hier wenigstens ein paar Eckdaten.

Wismar liegt an der gleichnamigen Bucht und wir durch die Insel Poel von Wind und Wetter geschützt. Sie ist die sechsgrößte Stadt Mecklenburg-Vorpommerns und Kreisstadt von Nordwestmecklenburg. Zur Zeit leben rd. 43.000 Einwohner in der, von der Unesco als Weltkulturerbe deklarierten Stadt. Wismar war Mitglied der Hanse und erlebte seine Blütezeit im späten Mittelalter. Nach dem dreißigjährigen Krieg kam Wismar von 1648-1803 unter schwedische Herrschaft, im Zweiten Weltkrieg wurde die Hansestadt schwer zerstört.

Wir liefen zunächst die Lübsche Straße hinunter, in der nicht nur unser Hotel lag, sondern auch die zentrale Einkaufsstraße von Wismar ist. Hier hatte Mathias bis 2011 geschäftliche Verbindungen, viele alte Erinnerungen und Geschichten wurden an diesem ersten Tag erzählt. Wir liefen weiter durch die Krämerstraße und hier sollte als Erstes Karstadt und die Apotheke Erwähnung finden.

Wer wusste, dass das Stammhaus von Karstadt in Wismar zu finden ist, der hebe die Hand!

Das Karstadt Stammhaus

Rudolph Karstadt war der Begründer des Karstadt Imperiums, eröffnete 1881 das erste Geschäft und wird sich vermutlich in seinem Grab wie ein Brummkreisel drehen, bei den heutigen Entwicklungen des Traditionsunternehmens. Wir fanden den Jugenstilbau von Karstadt ziemlich gelungen, erinnert er doch stark an andere Warenhäuser der Kette, man blieb sich also architektonisch treu. Bereits 1900 konnte Rudolph Karstadt 30 Warenhäuser sein eigen nennen, in den Zeiten der DDR befand sich ein Centrum Warenhaus in den Räumen des Stammhauses.

Ratsapptheke

Wir ließen den Marktplatz hinter der Ratsapotheke zunächst aus, unser Ziel war profaner…..der alte Hafen und ein Fischbrötchen aus der Seeperle sollten her.

Zunächst stießen wir aber auf eines der Wahrzeichen von Wismar, ein Haus an der Grube, welchen in keiner Fernsehproduktion zu Mecklenburg – Vorpommern ausgelassen wird. Das Gewölbe überspannt den künstlichen Wasserlauf Grube, welcher im 13. Jh. angelegt wurde.

Heute beherbergt der Fachwerkbau Ferienwohnungen in denen nettes Ambiente, allerdings auch Straßenlärm garantiert sind. Das Haus liegt im Stadteil Lohberg, hier findet man einige preislich überzogene Restauants in schönem Ambiente, seht selbst. Im alten Fachwerkspeicher wurde bereits 1452 Bier gebraut.

Bevor wir an ein Fischbrötchen kamen, musste aber zunächst das Wassertor und der alte Hafen von der Stadtseite bewundert werden. Meine Mama wollte unbedingt durchs Tor flanieren und alte Erinnerungen, gepaart mit „Soko Wismar“ Seriendüdelei auffrischen.

Das Wassertor von 1450

Das Wassertor ist das letzte erhaltene Stadttor und stand 1921 im Mittelpunkt der Dreharbeiten von Nosferatu.

Wir bewunderten die Auslagen der Fischkutter und waren erstaunt über die horrenden Restaurantpreise im gesamten Stadtgebiet. Die Norm liegt bei rd. 20€ für ein Essen im Restaurant….hoppla, da muss sich Niemand wundern, wenn es Alle ins Ausland zieht.

Die Seeperle war bereit 2011 unser kulinarischer Dreh,-u. Angelpunkt und nicht nur wir waren wieder begeistert, gesamt Wismar hielt sich gefühlt hier auf.

Nach der Stärkung liefen wir auf der Holzhafenseite entlang und bewunderten die Wismarer Skyline, die trotz Kriegsschäden noch immer einen schönen Einblick in die Altstadt eröffnet. Das Panorama ist toll, hier wurde nach 1989 geklotzt, nicht gekleckert. Ich habe mir ein paar alte Bilder vor 1990 angesehen, die Stadt war in einem erbärmlichen Zustand.

Zurück auf der „Stadtseite“ bewunderten wir den Wismarer Marktplatz mit Rathaus, Wasserkunst und „Alter Schwede“.

Rathaus

Das Rathaus wurde von dem Ludwigsluster Johann Georg Barca in den Jahren 1817-1819 erbaut, nachdem das gotische Rathaus 1807 eingestürzt war. Es existiert aber noch der alte Rathauskeller mit Kreuzgewölbe aus dem 13. Jh.

Der Marktplatz gehört mit rd. 10.000qm zu den größten Marktplätzen Deutschlands, um diesen Platz gruppieren sich noch einige historische Bauten. In 2011 wohnten wir im Steigenberger direkt am Platz, das Hotel gibt es nicht mehr…..nicht schade drum, unser Zimmer war damals nicht dolle.

Besonders schön ist der Brunnen, die sogenannte Wasserkunst. Das Gebäude gilt als Wahrzeichen der Stadt und wurde von 1579-1602 nach Plänen des Utrechter Baumeisters Phillip Brandin im Stil der niederländsichen Renaissance errichtet.

Wasserkunst, dahinter links der „Alte Schwede“

An der Ostseite des Marktplatzes steht eines der ältesten Häuser der Stadt. Die Backsteinfassade des 1380 errichteten Gebäudes gehört zu den wertvollsten und letzten Giebelhausfassaden von Wismar. Der Begriff „Alter Schweder“ kam erst viel später, als nämlich im 19 Jh. eine Gaststätte gleichen Namens in die Räumlichkeiten zog. Diese existiert heute noch und wollte uns nicht bewirten, denn nur Getränke an dieser Topadresse….das geht nun wirklich nicht!

Ein letzter Blick auf Wasserkunst und Alter Schweder

So profitierte der Italiener rund ums Eck, mit schöner Terasse und Garten. Erfrischt machten wir uns auf den Weg zum Schabbellhaus. Unterwegs stießen wir auf die Sektkellerei Weinberg und auf den Edeka Grosshandel.

Das Schabbellhaus liegt wieder an „der Grube“ und an der sogenannten „Schweinsbrücke“. Heinrich Schabbell war Wismars Bürgermeister und ließ von 1569-1571 den Gebäudekomplex von keinen Geringeren als dem Utrechter Brandin planen und bauen. Wir erinnern uns, der Phillipp war auch für die Wasserkunst verantwortlich. Heute zeigt sich ein Museum zur Stadtgeschichte in dem Haus der niederländischen Frührenaissance.

Der Abend schritt voran, uns quälte ein kleines Hungerchen und wir hatten die Vorstellung von etwas Authentischem….und wurden fündig! Gegenüber der St. Nikolaikirche (1381-1487, als Kirche der Seefahrer errichtet) liegt die Kneipe Nikolaiblick. Sie war sehr gut besucht und so vertrieben wir uns die Wartezeit mit dem Blick auf Nikolai und dem Friedhof drumherum, der Name war quasi Programm. Die Kirche ist sooo riesig und so eingebaut, dass ein ordentliches Foto sehr schwerfiel.

Grabsteine auf dem Kirchhof von St. Nikolai, links der Lauf der Grube
Warten auf der Grube

Unsere Wahl war für den ersten Abend goldrichtig, es gab eine gute deftige Souljanka und ein kaltes Bier. Die Kneipe hatte auch eine tolle Inneneinrichtung, wir blieben bei dem schönen Wetter aber lieber draußen.

Nach einem kurzen Marsch an der Grube entlang ging es schleunigst zurück ins Hotel. Wir waren doch ziemlich geschafft von der Anreise und den ersten Eindrücken. Auch die Nachttemperaturen ließen ein wenig zu wünschen übrig, ohne Jacke wurde es etwas kalt.

Nach einem Schlummerwhiskey und Schlager bei RBB verzogen wir uns in unsere viel zu weichen Betten. Emily zog mit der Hundeoma von dannen, uns würdigte sie nicht eines Blickes…..

Polen 2020, VII: Upalty, Gizycko

Unsere letzten zwei Urlaubstage in Upalty/ Gizycko sind schnell erzählt. Am 12.07.20 feierte mein lieber Mann seinen 51. Geburtstag. Total verschlafen wurden Geschenke ausgepackt, Weder das Geburtstagskind noch Emily waren um 8:00 Uhr morgens wirklich aufnahmefähig.

Mathias hatte sich zu seinem Ehrentag einen langen Spaziergang durch unser Dorf und Felder gewünscht und so machten wir uns nach dem Frühstück auf und marschierten los. Der Wunsch war mir schließlich Befehl !!!!! Emily freute sich und trabte eifrig mit.

Die Sonne schien, 18 Grad machten den Marsch zu einem Vergnügen, der Himmel Masurens zeigte uns ALLES. Wir genossen unseren Spaziergang über die Felder und erfreuten uns an der Natur, die sich unspektakulär von ihrer schönsten Seite zeigte.

Ungefähr auf halber Strecke fanden wir diese lauschige Bank, setzten uns wie Waldorf und Stadler auf genau diese und zählten Strohballen.

Wir hatten die Vision einmal um unseren See zu kommen und scheiterten kläglich. Gott sei Dank fiel uns unser Fehler noch rechtzeitig auf, der Fauxpas hätten uns fast 10 km mehr eingebracht…..wir wären in Gizycko „rausgekommen“. So erkundeten wir doch lieber unsere Gegend und genossen vor Allem die schönen Wildblumen, die es insbesondere mir angetan hatten.

ein altes Bauernhaus und ein ziemlich einsames Fohlen. Das kleine Wesen war sofort zutraulich und selbst unser Kläffer war ruhig.
wilder Dill und ein sagenhafter Himmel

Hochzufrieden kehrten wir wieder in unsere Mühle ein.

Das Wetter hielt leider nicht, Kaffee und Geburtstagkuchen gab es im Restaurant.

Den Nachmittag verbrachten wir auf unserem Zimmer, abends gab es dem Anlass entsprechend nochmal polnische Ente mit Bratäpfeln und Rosinen.

Am Abend hätte man meinen können, dass Emily das Geburtstagskind gewesen ist. Wir Drei spielten auf der Wiese mit ihrem geliebten Ball, als eine polnische Familie dazu kam. Die zwei Kinder ( ca. 4 u.6 Jahre alt) zeigten keine Angst und tobten mit dem Hund bestimmt eine Stunde auf der Wiese herum. Als wir dachten, dass der Hund doch eigentlich tot sein müsste, mischte noch ein kleiner Malteser mit, den ich Idefix getauft habe. Sein polnischer Name war Zucker und genau so war sein Charakter….es war eine Freude den Beiden beim Spielen zuzusehen. Nach über zwei Stunden Spiel, Spaß, Spannung landete die gesamte Sippe unter der Dusche und ziemlich früh im Bett.

Die Masuren zeigten sich am letzten Tag von ihrer besten Seite. Nach dem Frühstück ( ich mag keine Eier, keine Wurst und auch keine Pasten mehr) was bei uns immer kärger ausfiel, machten wir uns auf den Weg zu Kaufland. Der heimische Kühlschrank ist leer und wir wollten noch einige polnische Besonderheiten z.B Salzgurken einkaufen.

Im Anschluss holten wir unsere Emily im Hotel ab und machten einen kleinen Abstecher zu Antyki. Dort stromerten wir durch sämtliche Einrichtungen Ostpreußens bis anno 1945. Herrliche Fundstücke, tolle Möbel und alles spottbillig. Meine Mama schwärmte immer, dass Polen eine tolle Quelle für Antiquitäten ist. Als Kind habe ich nicht verstanden, warum das so ist…..jetzt ist es mir natürlich klar. Nicht nur die Kriegsopfer und die Vernichtung der Juden sondern auch die Hinterlassenschaften der Vertriebenen haben für volle Dachböden und Antikgeschäfte geführt. Keiner wollte nach dem Krieg im alten Plunder leben und davon profitieren heute noch Sammler…….ein paar Stücke hätte ich gerne gehabt.

Wir fuhren nochmals zum Hafen von Gizycko, genossen das tollte Wetter und waren sogar am Strand. Emily ging ins Wasser, Gizycko war am Ende des Urlaubs sehr gnädig mit uns.

Nach einer Hühnerbrühe und einem Abschiedsbier im Ort fuhren wir wieder zurück nach Upalty. Dort kam am Abend nochmal Emily zu ihrem Recht, sie fegte mit Mathias über die heißgeliebte Wiese.

Früh gingen wir an diesem letzten Abend zu Bett, eine lange Fahrt von 850km, teils über Landstraße lag vor uns. Wir zogen noch vor unserer Rückfahrt ein positives Fazit. Polen war wie immer eine Reise wert, auch wenn uns natürlich der Ausgang der Präsidentenwahl am 12.07.20 zu denken gibt. Mathias hätte sich einen anderen Ausgang an seinem Geburtstag gewünscht.

Unsere Rückreise begann um 9:50 Uhr, vorher hatten wir ein letztes Mal das oppulente Frühstück genossen und Emily hatte herzzerreißend Abschied von „ ihrer Wiese“ genommen. Unser Hundemädchen sass still und leise auf dem Rasen, wollte nicht spielen…sie saß traurig auf ihren vier Buchstaben und ließ die gesamte Szenerie auf sich wirken- als ob sie sich die Wiese in ihr kleines Hirn hämmern wollte! Danach wollte unsere Maus nicht mehr ins Zimmer zurück……auch wir fühlten mit ihr mit!

Die Fahrt zog sich ab der ersten Minute, nur Landstraße bis Allenstein. Wir schauten auf die Karte und stellten fest, dass sich der Spuk bis Thorn zieht….ach nee, bei genauer Betrachtung sogar bis Posen! Autobahnen gibt es genug, führen nur alle von Warschau weg und erbinden das Land leider nicht in Ost-West Achse…..wir waren gernervt. Insgesamt waren wir rd 500 km nur auf der Landstraße unterwegs, mit zwei kleinen Pausen benötigten wir für die Gesamtstrecke rd. 9,5 Std. Bei KW mussten wir von der Autobahn runter, da dort ein Unfall die Weiterfahrt behinderte….das spielte am Ende auch keine Rolle mehr.

Zufrieden, den Wahnsinn Landstraße mit den vielen Traktoren und LKWs ( schlimm für die Anwohner) hinter uns gebracht zu haben, kehrten wir gegen 18:30 Uhr bei unserem Herzensintaliener ein und ließen nicht nur das schöne Polen sondern auch die schwere polnische Küche hinter uns zurück.

Unsere nächsten Ziele in Polen sind schon klar gesteckt. Mathias möchte im August nach Stettin, der Weihnachtsmarkt in Posen lockt ebenfalls sehr und außerdem kenne ich von Warschau bislang nur den Bahnhof ( auf Durchfahrt nach Smolensk und Moskau).

Mal sehen was Corona und die Reisemöglichkeiten in den nächsten Jahren so mit sich bringen wird!

Polen 2020, VI: Feste Boyen, Gizycko, Wolfsschanze, Swieta LipKo, Reszel

Das sich unser Polenurlaub immer mehr zu einem Burgen,-u. Festungstrip entwickelt hat, hatten wir im Vorfeld nicht geplant. Mochte es am Wetter liegen oder an der Erkenntnis, dass tatsächlich der Deutsche Orden überall hier in diesen Breitengraden sein Unwesen getrieben hat?! Es war wie es war mein Roman blieb jungfräulich auf dem Kindl, die Badesachen wanderten unangerührt wieder in den Rucksack zurück, wir Drei ( inklusive Hund) sind um ein paar Festungsanlagen aller Zeitepochen wissender geworden!

Am 10.07.20 war das Wetter aber schwülwarm und wir entschlossen uns das Schloß und die berühmte Drehbrücke von Gizycko anzusehen. Zum Schloß habe ich nicht mal Richtiges in Wikipedia gefunden. Es wurde nach 1945 wieder aufgebaut, wann und für wen der Originalbau war, who knows….???

Spannender verhält es sich mit der Drehbrücke, die noch händisch bedient wird. Es gibt lediglich zwei Exemplare in Europa. Das Ursprungsexemplar stürzte 1889 aufgrund von Überlast zusammen, die elektrische Konstruktion aus den 60er Jahren war hässlich zu den Kaimauern und seit 1993 wird wieder per Hand gekurbelt. Das Schauspiel lernten wir erst später kennen.

Schloss und Drehbrücke
Auf der Drehbrücke

Unser nächstes Ziel war die Feste Boyen, eine Festungsanlage aus dem 19 Jh., typisch preußischer Bauart und sowohl im ersten Weltkrieg als auch im zweiten Weltkrieg relevant. Im Netz toll besprochen, wir fanden die Anlage aber eher langweilig…..doch was sollt es, so liefen, liefen, liefen wir und der Hund freute sich über den Spaziergang. Wir freuten uns ebenfalls, mal im Wald zu sein. Die masurischen Wälder sind dicht, dunkel und wir haben es nicht geschafft, an eine Wanderkarte zu kommen.

Die Anlage wurde ringförmig errichtet und sieht vermutlich aus der Luft am Beeindruckensten aus. Wir bekamen langsam von Bastionen, Kasematten und Kriegsgeschichten genug. Die Polen stehen auf solche Anlagen und spielen förmlich „besiegt die Deutschen“ gerne nach…..

Hier ein paar Burgimpressionen ohne Input und ohne echte Ordnung. Das Ding ist überwuchert, viele wilde Blumen erfreuten uns am Rand und am Beeindruckensten fand ich die Kulissen für sommerliche Solatenspielchen ( Festival im August) ….vermutlich mit Open Air Theater. Alles in Allem tat die Feste Boyen nicht weh, war aber auch nicht notwendig.

Wir ertappten uns dabei, dass wir die Blumen und Tierchen um uns herum interessanter fanden. als die militärische Anlage und den Rundweg ankürzten. Als mich dann auch noch ne fiese Pferdebremse biss, war es Zeit das militärische „ Wunderwerk“ zu verlassen…..immerhin der dichte Wald war sehr beeindruckend und als Kulisse für Filme eignet sich die Festung mit Sicherheit.

Zurück an der Drehbrücke war genau diese offen und wir konnten nicht nur Boote bei der Durchfahrt beobachten, sondern auch eine geschlagene Stunde auf das Schließen der Brücke warten! Emily ging derweil einer ihrer Sommerromanzen nach. Ihr erste Liebe, ein wuscheliger Malteser lief ihr am nächsten Tag sogar nochmal beeindruckend nach. Der kleine Westie war aber eindeutig mehr unser Geschmäckle.

Unseren Nachmittag verbrachten wir faul in Upalty. Wir saßen am See und genossen Fisch…..von Fleisch hatten wir zumindest vorerst mal genug. Mathias traute sich an Aal in Aspik, der wider Erwarten sehr lecker war, ich blieb bei Piroggen mit Hecht und gab mal wieder die Hälte ab. Nach einer Woche polnischer Kulinarik sehne ich mich fast nach kosmopolitischer Askese.

Am nächsten Tag starteten wir Richtung Rastenburg, polnisch Ketrzyn und vor dort weiter nach Görlitz, jetzt Gierloz…..mit mulmigen Gefühl. Muss man unbedingt die Wolfsschanze, das „Führerhauptquartier“ der Jahre 41-44 gesehen haben? Überall stieß man auf Werbung, sah gesprengte Bunker auf Flyern und gefühlt fuhr Jede/r , egal ob Pole oder Tourist, dorthin. Uns und unser merkwürdiges Magengefühl zog es also ebenfalls die rd 40km in den Wald und tatsächlich, der erste Eindruck ließ ein wenig an Disneyland denken. 

Großer Parkplatz und professionelle Guides gingen auf Bauern,-aka Tourifang. 

Uns gruselte vor waffenverrückten Polen und ewiggestrigen Neonazis, Reichsbürgern und Afdlern, die in Kübelwagen über das Gelände gefahren werden…doch Gott sei Dank, nichts da!!!! 

Lageplan, die Wolfsschanze liegt im tiefen Wald von Görlitz/ Gierlosz

Die Erleichterung war groß, der Rundweg durch die Wolfsschanze konzentrierte sich auf Fakten, insgesamt stand das Attentat auf Adolfa Hitlera im Vordergrund und da tatsächlich alle Nazigrößen eingepolnischt worden waren, musste ich manchmal zweimal nachdenken von wem gerade gesprochen wurde! Adolfa erschien mit als hässliche weibliche Form von Adolf und bei Wilhelma Keitlera musste ich echt nachdenken, ob es die Dame wirklich gegeben haben könnte. So fiel bei uns Deutschen der normale „walk of shame“ ein wenig kleiner aus.

An das Attentat auf den Irren gedenken schießlich auch wir gerne, auch wenn mir das Heldentum der Polen gegenüber Stauffenberg ein wenig befremdlich vorkam. Schließlich war auch der Graf Nazi …wenn auch am 20.07.1944 ein geläuterter!

Was bleibt zur Wolfsschanze zu erzählen? Getarnt war die Anlage als Fabrik, gesichert mit 80.000 Minen um den gesamten Komplex. Sicherheitslücken gab es im Inneren, andernfalls hätte Stauffenberg die Bomben nicht in den Komplex bekommen. Es gab ein Kino, Kasino und Rollfeld. Hitler nutzte seinen Bunker lediglich 12 Tage, die Nazis sprengten die Wolfsschanze Anfang 45…..wobei dies kaum möglich war, die Bunkeranlagen bestanden Alle aus Stahlbeton, die Mauern waren mehrere Meter dick…..davon haben noch Generationen was.

Anbei ein paar Bildchen, sofern ich Erklärungen zu den Bunkern habe , sind diese unter den Bildern zu finden.

auf der Suche nach Munition, angeblich sind alle 80.000 Minen geräumt…wers glaubt?!
Spürwuff, war in Emily verliebt
Überreste des Hauses/ Baracke des Anschlags auf Adolfa Hitlera
Erinnerungstafel
nachgestellt
Bunkerreste, jeder Bunker hatte 2-6m dicke Wände….wegsprengen geht da nicht
Hitlers Bunker
Eingang verboten

Wir betrachteten die Wolfsschanze mit genügend kritischem Abstand, zum Teil lief ich durch die Anlage wie bei einer Ausgrabungsstelle. Angesichts der Farbgebung wähnte ich mich in Angkor Wat oder Tikal und versuchte zumindest die Bildkomposition ansprechend zu gestalten…..

Nach rd. einer Stunde waren wir ohne bleibenden Schaden wieder aus der Anlage raus, Emily hatte ihren kleinen Verehrer vom Vortag  wieder getroffen, wir kehrten Adolfa und Wilhelma den Rücken zu!

Unser nächster Weg führte uns nach Heiligelinde, jetzt Swieta Lipka. Der Sage nach wurde eine Marienfigur an eine Linde genagelt (15 Jh.) die auch noch wohltätige Gaben vollbrachte.Während der Reformation zerstört, wurde um 1687-93 die Wallfahrtskirche Heiligelinde erbaut und gehört seit 1945 zum Camino Polska….also auf den Weg nach Santiago de Compostela!

die Kirche war früher gelb, sah besser aus

Gegenüber der Kirche steht ein altehrwürdiges Gasthaus in dem bereits Friedrich Wilhelm III gespeist hat. Wir taten es dem Sohn des alten Fritzen gleich und aßen Nudelsuppe im Sonnenschein!

Statt nach Ketzryn fuhren wir lieber nach Reszel/ Rössel. Dort lockte eine alte gotische Burg aus dem 14Jh. und eine hübsche Kirche ( Peter und Paul) ehemals protestantisch, jetzt katholisch. Nach einem Bummel durch das nicht überrestaurierte Nest fuhren wir mit den ersten Regentropfen des Tages wieder zurück nach Upalty.

Bei Tesco kauften wir Vodka, Zurecbasis und Gewürze für einen gelungenen polnischen Abend @home ein.

Abends ließen wir mal wieder lecker den Abend ausklingen und vertrödelten auf unserem Zimmer den Abend.

Polen 2020, V: Mikolajki & Upalty

Unser zweiter Tag in den Masuren begann sonnig und schnell war klar….auf gehts nach Mikolajki, ehemals Nikolaiken. Vorher genossen wir mal kurz unseren See, unsere Aussicht, unsere Mühle….im SONNENSCHEIN!

Mikolajki ist der zweite Hotspot der masurischen Seenplatte und ungefähr 35 km von Gizycko entfernt.Der Ort wirkt lieblicher und eingängiger für einen Tagestrip, lag es nun am Wetter oder an der Tatsache, dass der Ort so malerisch an einem Kanal liegt ? Wir wissen es nicht, waren aber vom ersten Anblick der Ortschaft begeistert. Mikolajki oder Nikolaiken steht für den heiligen Sankt Nikolaus, dem Schutzpatron der Seefahrer und wurde bereits 1444 urkundlich erwähnt. 1726 wurde durch den preußischen König Friedrich-Wilhelm I Stadtrechte vergeben und genau wie Olsztyn, und Gizycko stimmte Mikolajki 1920 über den Verbleib im Deutschen Reich ab. Das Ergebnis fiel identisch wie in Lötzen aus, alle Stimmen für das Deutsche Reich, keine Stimme für Polen.Das weitere Schicksal ist hinlänglich bekannt…..bis auf eine Besonderheit: Mikolajki hatte keine Kriegsschäden zu verzeichnen und eventuell stellt sich deshalb der Ort heute so puppig dar?

Wir stellten unseren Wagen jenseits der Brücke über den Zulauf zum Spirdingsee ab und genossen vor der Brücke, in einem Lokal den Exklusivblick über das Wasser und auf den Ferienort.

Unser Exklusivplatz dür Bier und Aussicht

Wir schlenderten über die Brücke in den Ort und genossen Sonne satt. Mit uns war gefühlt Halbpolen auf den Beinen, Coronamaßnahmen? Fehlanzeige! Uns war manches Mal ganz Bange und wir hielten uns vornehm zurück.

Ich würde Mikolajki vermutlich als Standort unserem Gizycko ein wenig vorziehen ( auch wenn wir einen Tag später noch eine andere Ecken vom alten Lötzen kennenlernen durften), es sei denn man sucht die Einsamkeit….diese findet man hier auf keinen Fall.

interessante Bank-dat soll so!
das Wappentier, der Fisch
schicke Hotels

Zum Mittag gab es eine Suppe mit Aublick und die besten süßen Piroggen unseres Urlaubs……gefüllt mit Blaubeeren, Vanillesoße und Obst! Sehr, sehr lecker……Zu unserer Ehrenrettung muss ich allerdings betonen, dass wir uns die Piroggen IMMER teilen und ich IMMER weniger von den Nudeltäschchen futtere. Ich bin trotzdem gespannt, wie die Waage in der nächsten Woche ächzen wird.

Da das Wetter am frühen Nachmittag wieder zu schwächeln anfing, fuhren wir über abenteuerliche Wege ( eine Umleitung führte uns auf Schotterpisten durch Felder und Wiesen) zurück nach Upalty. Mehrfach waren uns die Warnschilder zu Elchen und Wisenten aufgefallen ( auch in Upalty) , ein Highlight wäre so ein Tierchen schon gewesen.

Das Wetter hielt sich zu diesem Zeitpunkt noch prima und so kam unsere Emily auf ihre Kosten. Wir gingen querfeldein über Wiesen und Felder und sogen ein wenig Landluft ein. Mich begeisterten die Wiesenblumen ( Korn und Mohn standen in voller Blüte) und ich drückte oft auf den Auslöser.

Sommer in den Masuren
eine Distelart

Wenige Meter von unserer Unterkunft entfernt, begeisterten diese kleinen Freunde unseren Hund und uns….Mathias suchte sich sofort ein Gänslein aus und nannte sie Clara.

Während wir so durch Upalty und über die Felder stolperten, dachte ich über meine Internetrecherche im Vorfeld der Reise nach.Unter Anderem wurde unter dem Begriff „Sicherheit in Pl“ insbesondere vor den Masuren gewarnt. Dies sei der ärmste Teil von Polen, was an der Besonderheit der Zuwanderung und an der exponierten Lage zu Russland liegen würde….aha….unsicher haben wir uns bislang nie im Land gefühlt, egal wo wir uns aufgehalten haben! Womit der Reiseführer aber auf sicher recht hatte war die Betrachtung der wirtschaftlichen Lage. Nimmt man mal Gizycko und Mikolajki außen vor, betrachtet die Dörfer realistisch und nüchtern , kommt man auf das gleiche Ergebnis. Ja, Ermland-Masuren ist keine wohlhabende Gegend, vorbei die Zeiten der schicken Hütten in Pommern oder Schlesien. Hier wird noch mehr schlecht wie recht in den ostpreußischen Bauernhäusern bescheiden gewohnt. Stellt man sich die Bilder in s/w vor, käme man auf eine eine andere Zeitrechnung. Wir fragten uns mehrfach, ob die Häuser über Heizungen verfügen? Die Winter sind hier auf sicher bitterkalt!

Nachdenklich ginge wir zurück in unsere Unterkunft, so sehr Polen in den Metropolen und im westlichen Teil des Landes Westeuropa in nichts nachsteht…..für den östlichen Teil gilt dies noch lange nicht.

Unser Abendessen war wieder sehr fleischlastig, die Ente war aber einen Ausrutscher wert. Wir stiegen im weiteren Verlauf der Reise zunehmend mehr auf Fisch und vegetarisch um…..leider ist die Küche in Polen so dermaßen lecker, dass man schwer an sich halten kann.

Polen 2020, V: Olsztyn , Upalty, Gizycko

Wir sind in den Masuren, für Geschichtsfans im „alten Ostpreußen“. Heute heißt das Gebiet Woiwodschaft Ermland- Masuren, Olsztyn ist die Hauptstadt des gesamten Gebietes.

Das Wetter erinnert an Hamburg im Hochsommer, mehr wie 17-18 Grad sind in 2020 nicht drin.

Vor unserer Abfahrt aus Danzig zogen wir uns nochmal Geld aus dem ATM und aßen ein letztes Frühstück im Nanas. Wir sind uns sicher, nach Danzig müssen wir nochmal!
Wir verließen die Stadt in südöstlicher Richtung, ließen einen Stop in Elblag aus. Dort kann der Oberlandkanal bewundert werden, Schiffe die über Land gezogen werden. Aufgrund der Wetterlage bezweifelten wir ein Schiff auf dem Kanal und fuhren weiter nach Allenstein/ Olsztyn. Fast jeder Berlin/in kann seine Wurzeln nach Pommern, Ostpreußen oder Schlesien zurückverfolgen. Bei mir liegen die Wurzeln meiner Großmutter väterlicherseits in Schlesien, bei Mathias in Ostpreußen im genau diesen Allenstein sowie im früheren Königsberg/ Kaliningrad. Nach rd. 2,5 Std Autofahrt kamen wir in Olsztyn an und erkannten sofort Häuserzeilen die man in Lichterfelde Ost oder in der Bahnhofstraße in Lichtenrade findet.

Laut meinem Reiseführer machte die Architektur den Polen und Ukrainern nach ihrer Ansiedlung ab 1945 schwer zu schaffen. Sie hatte wenig gemein mit der alten Heimat und führte nicht dazu bei, dass Ihnen die Gebiete heimisch wurden. Gerade in Schlesien wurde in den ersten Jahren nur in den Häusern gelebt, eher heruntergewirtschaftet als erhalten und restauriert. Das Bewusstsein kam erst später, umso schöner das vielerorts das alte Stadtbild doch noch erkennbar ist. Allenstein hat eine lange Geschichte und einige berühmte Söhne und Töchter der Stadt. Hervorheben möchte ich Nicolaus Kopernikus, der in Thorn geboren wurde, aber mehrere Jahre im Allensteiner Schloß lebte und an der Astrologie arbeitete.

Wir betraten die Altstadt durch das berühmte Tor und schlenderten über den alten Marktplatz. Schön erkennbar sind die sozialistischen Versuche mit Beton ein altes Stadtbild zu zaubern, als auch die besser gelungenen Versuche der heutigen Nachwendezeit.

Mathias Urgroßvater kam aus Allenstein, hatte die Stadt aber bereits weit vor dem zweiten Weltkrieg verlassen und in Berlin eine Familie gegründet. Dennoch war ein wenig Spurensuche bei unserem Besuch mit dabei. Da die Straßennamen logischerweise keinen deutschen Hintergrund mehr hatten, Olsztyn sich nach dem Krieg enorm vergrößert hatte, beschränkte sich unsere Suche im Vorfeld mehr auf das www, im heutigen Stadtkern wurde man nicht mehr fündig.

Ein Highlight von Olsztyn ist die Burganlage, in der Kopernikus gewirkt und gehandelt hat. Wir ersparten uns einen intensiven Besuch dieser ( kleine weiße Hunde dürfen ihr Wissen nicht erweitern), liefen aber einmal um den Komplex herum.

Nicolaus Kopernikus

Wir kehrten gegen Mittag in eine vegetarische Milchbar ein, aßen uns durch ein Chili sin Carne und Zuchinisuppe. Mit einer halben Pizza Margerita und ein wenig Sonnenschein war der kleine Abstecher nach Olsztyn wirklich toll.

Mit ein ein paar Bildern aus der Innenstadt, zum Teil in schönster Erinnerung an Berliner Außenbezirke, machten wir uns wieder auf den Weg.

Ich hatte imVorfeld ein paar Infos aus Allenstein eingeholt und ein paar davon will ich mal weitergeben. Allenstein hatte im Jahr 1920 die Wahl, ob es weiterhin in Ostpreußen, im deutschen Reich verbleiben möchte, oder lieber dem neu gegründete Polen zugehören wollte. Die Entscheidung ging zugunsten der Deutschen und zwar mit fast 99% der Stimmen. Heute leben noch rd 400 Deutsche in der Stadt, seit der Versöhnung und Annäherung der 90er Jahre ist wieder ein Deutscher Club erlaubt, der komischerweise Mitgliederzahlen in die Tausende verzeichnet. In den letzten Kriegstagen war es den Deutschen verboten, sich gen Westen zu bewegen, die „Festung“ Allenstein sollte unter allen Umständen gehalten werden. Erst kurz vor knapp konnten sich Tausende noch retten, für ein Lazarett kam jede Hilfe zu spät. Die Rote Armee nahm am 22.01.1945 die Stadt ein und ermordete jeden Patienten und das gesamte Personal im Hospital. Schreckliche Verwüstungen ergingen über Allenstein, umso schöner das der Wiederaufbau gelungen ist.

Wir verließen Ermland und fuhren weiter in die Masuren, ganz weit im Nordosten Polens. Unser Ziel, Gizycko/ Lötzen liegt nur noch rd. 30-40 km von der russischen Grenze entfernt und auch das Wetter mutete russisch an. Luftlinie nach Kaliningrad rd. 100 km……schade, dass man nicht so einfach und in Coronazeitem noch viel schwieriger dort hin kommt.

Wir hatten uns für sieben Nächte in Upalty, sechs km außerhalb von Lötzen in eine alte Mühle eingemietet. Diese war weit über 100 Jahre alt und wurde von einem Antiquitätenliebhaber liebevoll aufgebaut und authentisch restauriert und möbliert. So kam es, dass wir in einem 2x2m großen Überbleibsel aus ostpreußischer Zeit schliefen, in diesem Bett sind vermutlich ganze Generationen großgezogen worden. Die Mühle ist wunderschön und hat eines der besten Restaurants der Umgebung, sehr gelobt über Trip Advisor. Wer also was Authentisches sucht, die Stary Mln ist sehr zu empfehlen. Sie liegt auch direkt an einem Badesee und die Möglichkeit auf ein kühles Bad ist zu jeder Tages,- Nachtzeit gegeben.

Bitte zurücklehnen und genießen:

An diesem ersten Abend lernten wir die wirklich gute Küche der Alten Mühle kennen. Auf der Karte waren wirklich nur masurische Gerichte, touristischen Einheitsbrei suchte man vergeblich. Da sich bei uns so langsam Müdigkeit vom schweren Essen bemerkbar machte, verblieb ich an diesem Abend bei Kartoffelpuffer und Pilzsoße, Mathias aß Wildgulasch……..naja, polnisch eben.

Wir gingen früh ins Bett und verloren uns fast in genau diesem. Selbst Emily konnte sich der Länge nach ausbreiten und wir hätten immer noch drei Kinder aus der Nachbarschaft einladen können.

Am nächsten Tag hatte uns das Schietwetter aus Deutschland endgültig eingeholt, 15 Grad und zum Teil fieser Regen.

Wir besuchten unsere Nachbarstadt Gizycko, ehemals Lötzen. Glaubt man den Reiseführern ist der Ort einer der beiden Tourizentren der Masuren. Wir waren überrascht wie städtisch Gizycko daherkam, Tourismus gar nicht auf dem ersten Blick so erkennbar. Mit Blick in Wikipedia hatte Lötzen in den Kriegsjahren ebenfalls wenig zu lachen, die Russen nahmen am 25.01.45 die Stadt ein und zerstörten diese ebenfalls systematisch.Auch hier hatte sich die Bevölkerung für den Verbleib im Deutschen Reich ausgesprochen und auch hier wurden die Einwohner ab 1946 vertrieben….sie durften eine dicke Zeche bezahlen. Sie reihten sich in die 12-14 Mio Vertriebenen nach dem zweiten Weltkrieg ein.
Wir bummelten durch die Stadt, schauten uns die Kirche von Schinkel von außen an und waren erstaunt, dass diese evangelisch geblieben war. Die Festung Boyen ersparten wir uns an diesem Tag. Die touristische Seite von Lötzen beschränkte sich auf den Löwentinsee und die Marina. Ebenfalls gibt es einen sehr schönen Badestrand, der allerdings bei 15 Grad wenig einladend war. Wir schlenderten rd. eine Stunde durch den Ort, stöberten auf dem alten Waldfriedhof herum, ersparten uns bei dem Wetter den alten Wasserturm und standen vor dem ältesten Haus von Lötzen, einer alten Bäckerei.

Die alte Bäckerei

Die Hauptstraße von Gizycko hatte übrigens wieder diesen Bahnhofstraßencharme……

Unser Nachmittag. ist schnell erzählt, wir hatten alle Drei ein wenig mit dem Magen zu tun und verzogen uns auf unsere Schlafinsel mit angrenzendem Badezimmer. Mathias lag später mit dem Hund auf der Holzschaukel und schlief ein wenig in der Sonne, die sich tatsächlich am Spätnachmittag sehen ließ.

Unser Abendessen fiel zumindest für mich kleiner aus, Fischsuppe und Fisch aus dem See. Mathias versuchte sich an der polnischen Ente mit Rosinen.

Ein grandioser Sonnenuntergang entschädigte für das Regenwetter am Tage.