Namibia 2021, IV: Fishriver Canyon

Das wir in unserer letzten Nacht in der Kalahari nicht froren, lag nicht an der Außentemperatur ( es begrüßten uns -1 Grad am 01.09.21) sondern an der guten Isolierung unserer Zelthütte, man mag es kaum glauben! Zeitweilig hatten wir 28 Grad in unserer Behausung, Mathias wurde bei den Temperaturen schon ganz närrisch und stellte die AC auf 20 Grad. Die Heizdecken (echt wahr) blieben unbenutzt.

Frühstück gab es um 7:00 Uhr und gegen 7:30 Uhr waren wir „on the road“ zum Fishriver Canyon.Wir verabschiedeten uns herzlich von den Mädels, eine sehr gute Bewertung ( grandioses Preis ,u. Leistungsverhältnis) bei booking.com ist ihnen sicher.

Die Kilometer zogen sich, von der Torgos Lodge nur bis Koes waren wir bereits gelangweilt, über eine Stunde benötigten wir bis zum Abzweig auf die C17. Gott sei Dank wurde die Szenerie interessanter, weiße Straße, blauer Himmel, rote Erde…..mein Herz schlug wieder höher.

Kurz vor Keetmanshoop erheben sich links und rechts die Steinformationen des „Giants Playground“. Hier führt ein Rundweg durch, den wir allerdings nicht fanden, aber auch nicht wirklich suchten. Es war Mittagszeit und gnadenlose 30 Grad ( ja wirklich) ballerten auf unseren Schädel. Der Lichteinfall ist, bekanntermaßen, gegen 12:00 Uhr mittags ebenfalls nicht zu empfehlen und so begnügten wir uns mit „Straßensightseeing“ „von außen“…..wohlwissend ( also vermutlich nur ich) was uns am Nachmittag in unserer Lodge erwarten würde.

Eine ganz andere Nummer ist der Quiver Tree Forest ( Köcherbaumwald) den man unbedingt besuchen muss, egal zu welcher Uhrzeit. Besonders beliebt ist das Ding zum Sonnenuntergang, was aber eine Übernachtung in Keetmanshoop zur Folge hat. Die Dame (Coenie Grote) am Eingang hatte eindeutig deutsche Wurzeln, sie wechselte umgehend in unsere Muttersprache und erklärte uns etwas zu den Bäumen und gab Weganweisungen über die Farm ( höchstwarscheinlich die eigene).

Mit Begeisterung schauten wir uns die Aloen an, über 300 Stück nennt die Farm Gariganus ihr eigen. Unser Fotgrafenherz schlug höher, darauf ge…… das es mittags um 12:00 Uhr war.

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Der nächste Stop war in Keetmanshoop, wir tankten Namibi auf, sicher ist sicher. Die Stadt war eher unscheinbar, viel Leichtbauweise und ein Blick auf den Township von der Hauptstraße. Das muss man in Kauf nehmen, wenn man den Köcherbaumwald am späten Nachmittag besucht. Keetmanshoop wurde übrigens vom Kaufmann Keetmann aus good old D finanziert, ohne selbst jemals vor Ort gewesen zu sein. Ob die Hoffnung (hoop) in Erfüllung gegangen ist?

Unterwegs wurde uns der beste Apfelstrudel von Namibia angeboten, wir überfuhren den Trockenfluss Kaiserkrone und überquerten den Nautedamm, hinter der Staumauer. Dieser ist der zweitgròßte Damm in NAm und staut den Löwenfluss.

Hinter der Staumauer erwartete uns Naute Kristall, ein herbeigesehnter Stop, leichte Müdigkeit und die Hitze  schafften Pilot und Copilotin. Dort gab es nicht nur einen heiß ersehnten Kaffee und Kuchen, nein….Naute Kristall ist eine Destillerie mit deutschen Besitzern die wiederum mit einem Händchen für Brandy UND dem ersten Gin, dem NAMGin gesegnet sind. Neben zwei Kostpröbchen im Köpfchen landeten auch zwei Fläschchen in Namibi….bemerke, es sind wirklich nur Fläschchen, medizinisch dosierte Einheiten.

Die letzten 100 km waren wieder spannender, eine Straußenfamilie mit 12 Mitgliedern schoss vor uns, über  die Straße, und irgendwann befanden wir uns im Gondwana Canyon Park. Dieser wird auch „zweites Etosha“ genannt, die Gondwana Collection hat ganze Arbeit in der Wiederansiedlung von wilden Tieren geleistet. Der Park kommt ohne Zäune aus, sogar das Spitzmaulnashorn hat hier wieder ein Zuhause gefunden. Uns begegneten auf dem Weg zur Lodge aber nur Springböcke und Oryxantilopen.

Es ist Zeit einen kleinen Exkurs zur Gondwana Collection zu machen. Vor 20 Jahren gegründet, unsere Canyon Lodge war das erste Experiment, hat sich die Gondwana Gruppe dem Naturschutz und dem Schutz von Namibia als Ganzes verschrieben. Die Lodgen sind alle an mehr oder weniger exponierten Stellen entstanden, Außenstehende würden sagen „hier kann man so ein Ding nicht hinstellen“….die Häuser liegen nicht unbedingt zentral, meistens auf unwerten Bauland und sind alle etwas gaaaaaanz Besonderes. Zum Teil werden alte historische Gebäude in den Gesamtbau integriert oder wieder restauriert. Die Gondwana Collection ist keine Kette, sondern ein Zusammenschluss mit harten Auflagen. Gondwana organisiert z.B. die Impfkampagne in NAM, stellt Zelte und med. Equipment zur Verfügugn. Gondwana arbeitet ökologisch und versucht sich selbst zu versorgen. Unsere Lodge am Fischriver Canyon ( Canyon Lodge) gehört zu einer von drei Lodgen in der Umgebung ( Canyon Roadhouse, Canyon Village und Canyon Lodge). Diese Häuser werden von einer eigenen Farm versorgt, einer Musterfarm mit Ausbildungsplätzen und einer ökologisch verträglichen Denkweise. Auch dort kann man übrigens wohnenLediglich 30% Zukauf muss realisiert werden, dieser erfolgt über Südafrika, da ZA einfach logistisch näher dran ist und man unnötige Transportkosten einsparen will. Später stellten wir fest, dass um jede Toilettenpapierrolle ein Bändchen gezogen wurde, das ein Abreißen von mehr als vier Blätter quasi unmöglich macht……

So weit so gut….wir passierten also das Roadhouse, welches wir uns am nächsten Tag mal genauer ansehen wollten und bewunderten die Gesteinsformationen rund um das Canyon Village. 

Einer dieser Haufen ist die Heimstätte der Canyon Lodge, die sich rund um ein altes deutsches Farmhaus gruppiert hat.

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Die Gebrüder ( Name ist mir entfallen) bauten die schicke Hütte anno 1908 und lebten dort bis nach dem ersten Weltkrieg. Das Bettgestell auf dem Dach zeigte jeder holden Maid schon von Weitem, dass die Herren unverheiratet waren. Wo allerdings die holde Maid herkommen sollte, ist für mich unerklärbar.

Auch innen hat sich das Haupthaus den Charme von anno 18 Zopf erhalten, eine Sammlung von alten, deutschen Devotionalien erwartet den zahlenden Gast. Apropos zahlen, die Lodge ist, trotz des etwas tuffigem Charme recht hochpreisig, fast 230€ fallen hier pro Nacht an. Das Ambiente dieses Hauses bringt es aber wirklich in ALLE Reiseführer und nicht selten habe ich in der Phase der Reiseplanung von erfahrenen Namibialiebhabern gehört „Canyon Lodge das ist ein Highlight für sich“.

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Und so war es dann auch für uns, die sich nicht nur an den Klippschliefern erfreute sondern tatsächlich auch die Wunschütte, ohne vorherige Wunschäußerung, bekamen. Es gibt Hütten, die immer im Schatten liegen und dann gibt es die Nummer 11….malerisch von Hinkelsteinen umgeben, sonnig mit gutem Überblick und Anspruch als Fotomodell. Die Nummer 10 hätten wir auch genommen, weiter oben ist aber dann doch noch schöner.  Wir waren begeistert, in den Hütten wird 18dunnemal zelebriert, alleine die Nachttischlampen erinnerten an längst vergangene Zeiten, die Bettwäsche mit eingestickten Zebras, ein Traum und man beachte die Steine in Zimmer und Dusche…..ja, die Hütten wurden um die Gesteinsbrocken herum gebaut! Der Charme also tuffig nostalgisch, ganz so gewollt vom Eigentümer, weg vom Kalahariachick der Game Lodge. Hier wurden uns vergangene Zeiten vorgeksukelt.

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Wir erkundeten das Gelände und waren uns einig, hier liegt der echte Giants Playground.

Am ( Infinity) Pool tummelten sich tatsächlich ein paar Sonnenanbeter, uns dürstete aber nach Windhoek Lager und Internet. Nach drei Tagen Abstinenz wollte der Blog gepflegt werden.

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Übrigens, auch die Tierwelt der Lodge soll zu ihrem Recht kommen, der nächste Verwandte der Klippschliefer ist übrigens der Elefant….nur mal so nebenbei!

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Gegen 19:00 Uhr gab es ein wirklich gutes Buffet, mit Allem was das Herz begehrt.Mathias forderte sogar einen nicht vorhandenen Kuchen mit Vanillesoße ein, den wir nicht auf der Rechnung wieder fanden….

Hochbegeistert schlüpften wir in unser  Bett, das erste Mal ohne Socken, Schal und Fleece.. Wir verzichteten auf die zweite Decke und AC….mutig waren wir :0)….und bereuten es auch in der Nacht nicht.

Um 7:30 Uhr klingelte der Wecker, wir ließen es langsam angehen und gingen erst nach 8:00 Uhr zum Frühstück. Die Meisten waren bereits abgereist, unser Ziel für heute war ziemlich klar und einfach gestrickt…..

Erst an den zweitgrößten Canyon der Welt, im Anschluss ins Gondwana Roadhouse für Bier und vermutlich Roadhouse Lunch.

Gesagt, getan…..um 10:00 Uhr waren wir unterwegs und rissen die rd. 20km nach Hobas ab. Dort zelebrierte ich ein Wiedersehen mit dem alten Campingplatz von 2004. Wie alle NWR Anlagen hat dieser mal bessere Zeiten gesehen, meine geliebten Poolregeln auf deutsch waren jedenfalls abmontiert.

Am Canyon nahmen wir mehrere Möglichkeiten für gute Fotos mit und drehten doch nach der Stunde der Schlucht dem Rücken zu.

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Übrigens, der Canyon ist 130km lang, darf nur in den Wintermonaten Mai- August begangen werden und hat weder Sonnenaufgang noch Untergang, da er von Nord nach Sûd verläuft. Kurz und gut, der Canyon ist hübsch und beeindruckend, ihm fehlt aber eindeutig das Spektakuläre eines Grand Canyons oder eines Barrancas del Cobre ( Kupfercanyon). Zu dieser Erkenntnis war ich in 2004 bereits gelangt und diese hat sich auch in 2021 nur wenig geändert. Was eindeutig besser war, war die Tageszeit für den Canyon, diesmal am Vormittag, störten keine lästigen Schatten.

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Kommen wir nun zum Roadhouse….ein altes, echtes Roadhouse was so vor sich hingammelte, bis ein fündiger Geschaftsmann ein witziges Hotel und Restaurant daraus bastelte. 2004 war dieses Etablissement noch nicht eröffnet, nun gehört es zur Gondwana Collection und wie ich eingangs beschrieben habe, alle Häuser in der Collection sind etwas Besonderes, dieses hier alle Male:

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Und nun das Ganze von innen:

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Nebenbei gesagt, das Essen war sehr gut und auch die Zimmer sehen ordentlich aus. Wer also die Preise der Canyon Lodge nicht zahlen möchte, sollte es mit dem Roadhouse versuchen.

Und das Beste kommt zum Schluss, zwei superniedliche Hunde gehören zum Etsblissement.

Zurück in der Canyon Lodge hatten wir wieder mal viel Spaß mit den „Locals“, die uns den Coockie zum Kaffee wegstibizen wollen. Die Klippschliefer waren weiterhin lustig und die gechillte Echse ließ sich selbst mit einem. 40mm Objektiv ablichten, man kam zentimeternah an das Vieh heran.

Unser Nachmittag ist schnell erzählt, ich genoss eine heiße Dusche und ein Nachmittagsschläfchen. Leider schlägt das Wetter mal wieder um, die nächste Kaltfront naht…..wir packen die Sommersachen wohl wieder ein.

Die Lodge war merklich leerer, gestern waren tatsächlich zwei Reisegruppen am Start gewesen, natürlich Deutsche. Wenn nicht Deutsche, dann Schweizer oder Südafrikaner…..nun ja, es waren nur noch vier Plätze belegt, angesichts von Corona und Co nicht die schlechteste Idee.

Aufgrund der wenigen Gäste gab es an diesem Abend Menü, viergängig! Neben dem Salatbuffet wurden wir mit gefüllter Tomate, Erbsensuppe, Kudusteak und Gem Squash sowie Flan verwöhnt…..so langsam müssen wir kürzer treten, das Essen ist einfach zu gut in diesem Land. Wo soll das hinführen? Es kneifen mittlerweile alle Hosen! Da es nun für zwei Nächte ans Meer geht, werden wir auf Fisch umsteigen….wir freuen uns.

3 Gedanken zu „Namibia 2021, IV: Fishriver Canyon“

  1. Mir gefallen sowohl die Steinhaufen als auch die Bäume. Alles mehr als ansehnlich! Ihr macht ja ganz schön Strecke und ordentlich Programm. Und wie ich sehe, lohnt es sich voll und ganz! Auch die Lodges sind spektakulär und sind offensichtlich die gehobenen Preise wert. Schön, dass ihr das sommerliche Temperatur-Gastspiel genießen durftet, bevor die nächste Eiszeit anrückt.

    1. Hallo Elke, die Strecke muss man machen, da meistens dazwischen nichts ist……außer Wüste. Da liegen zw. den „Attraktionen“ gerne mal 400 km, die aber unproblematisch sind, das Du meisten nur 3-4 andere Autos siehts, quasi alleine auf der Straße/ Piste bist. NAM hat nur 2,5 Mio Einwohner, das Land ist 3x so groß wie D und die meisten Menschen wohnen in Windhoek. Der Norden ist deutlich dichter besiedelt als der kärgere Süden. Zu den Temperaturen, tagsüber hatten wir nur 1x unter 20 Grad, ansonsten immer drüber. Es sind die Nächte und die frühen Morgenstunden, die im Spätwimter oder Früfrühling ( wie man will) noch so kalt sind… Ich war 2004 nen bissel später in NAM, gefroren hab ich damals, Ende September/ Anfang Oktober aber such im Süden. Erträglichr wird es ab jetzt….die beiden Atlantiknester ( Lüderitz/ Swakopmund ) haben immer nur so 19-25 Grad, nachts aber immerhin 9 Grad und wenn wir wieder über dem Wendekreis des Steinbocks sind, wird es richtiggehend heiß! Man darf auf nicht vergessen, dass Windhoek z.B auf 1400m Höhe liegt. LG Sandra

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