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Frankreich/ Belgien 2022, XV: Bredene bei Ostende & Kamen

Auch der schönste Urlaub geht einmal zu Ende, in unserem Fall am heißesten Wochenende des Monats Juni. Frankreich erwartete eine Rekordhitze, wann hat die Normandie schon mal über 30 Grad?

Wir verließen Villedieu gegen 7:15 Uhr, kauften noch schnell zwei Baguettes und freuten uns, dass das Ankoppeln so prima geklappt hatte….mein lieber Mann wird Profi!

Die Fahrt zog sich, auch ohne Pause ( kurzer Tankstop) waren wir erst gegen 14 Uhr in Bredene…Bredene? Ja, Bredene, ein Vorort von Ostende in Belgien. Wir wollten zum Abschluss nochmal ans Meer, Moules Frites futtern und Schokotempel überfallen!

So war der Plan und so die Umsetzung:. Kennt noch Jemand den Running Joke aus den 90ern? “Stell dir vor, Du hast den falschen Zug genommen und wachst ausgerechnet in Ostende am Strand, mit nem Heineken in der Hand, wieder auf!“ Ostende galt damals als der letzte Rest von Europa, quasi der Vorhof zur Hölle….naja, das was wir sahen war wirklich wenig einladend, viel Beton und Hochhäuser.

Blick auf Ostende

Aber Bredene soll doch so schöne Dünen haben und unser Camping Platz bei Pincamp als einer der Besten an der Nordsee ausgezeichnet, soll doch über Dünsensicht verfügen, heißt doch schließlich Duinzicht!!!!

Komisch war bei Überfahrt des Hafengeländes von Ostende schon, dass sich rechts neben den vermeintlichen Dünen Bahnschienen entlangschlängelten, denen sich zum Teil vierspurige Straßen anschlossen, auf denen wir uns gen Norden bewegten, Rechts von uns zog sich eine Art Karl- Marx Straße ( mit wenig Bürgersteig) entlang, die wenig offene Läden, viel geschlossene Restaurants und Frituurbuden ihr Eigen nennt. Oberhalb der Läden konnte man etliche Eigentumswohnungen aus den 70ern erkennen, die Balkone gingen alle auf die vierspurige Straße und Schienen hinaus. Auf dieser „einladenden“ Flaniermeile schob sich ähnliches Neuköllnklientel mit Kind und Kegel von Supermarkt zur Supermarkt (3 Stück in einer Reihe: Albert Hejn, Lidl und ne belgische Abklatschvariante) und verspeiste belgische Fritten. Als wir recht, also von den Dünen weg, zum Camping Platz abbiegen mussten, schwante uns Fürchterliches. Wir standen in einer engen Wohnstraße, Wohnmobile hinter Wohnwagen, hinter Wohnwagen usw. und warteten auf das mögliche einchecken ab 14:00 Uhr. Vor uns wurde ein VW Bus abgewiesen, der Platz ist voll!!!!!

Wir hatten vorreserviert und so fuhren wir zu Stellplatz 197, direkt neben den Sanitäranlagen und der Entsorgungsstation des Chemieklos! Immerhin, anders als andere Stellplätze war dieser großzügig bemessen, wir fuhren einfach rauf auf den Platz und ließen die Wohndose in Fahrtrichtung stehen, natürlich als Einzige in der Reihe. Wer bereits bei der 197 stutzig wurde, dem sei gesagt, es geht bis 902!!!!
Der erste Schock saß tief, keine Bäume, grausige Dauercamper und mit sehr wenig zufriedene Deutsche bevölkerten den Platz, der ausgebucht war! Dieser Platz lag mitten in einem Wohngebiet ( wo sind die versprochenen Dünen?) und Oma Swantje konnte direkt aus ihrer Wohnung dem Geschehen auf dem Platz beiwohnen.

Um zu duschen benötigt man Marken und musste ca. 7 Minuten zu Fuss zum Duschhaus laufen, welches schon außerhalb der eigentlichen Anlage lag. Dieses war nur von 8:00-21:00 Uhr geöffnet, wer also nicht verschwitzt ins Bett will hatte verloren ( ich am Abend). Unser direktes Sanitärhaus hatte genau EINE Dusche, in der man eine Kreditkarte nutzen sollte um zeitlich begrenzt Wasser zu erhalten. Klopapier Fehlanzeige….Zum Teil begrüßten dem Abwaschwilligen abgeschraubte Mischbatterien! Immerhin, auf dem ersten Blick sah alles ordentlich und sauber aus, der zweite Blick sprach eine andere Geschichte.

Was waren wir froh, hier nur eine Nacht gebucht zu haben!

die grüne Wiese war kein Stellplatz, sondern der Vorplatz zum Sanitärbereich
Bredene, keine Schönheit

Achja, Restaurant oder Pool gibt es natürlich nicht….dafür war das „Urlaubsparadies“ günstig, 23€ pro Nacht.

Nachdem der Platz also ein Reinfall war, wollten wir es mit dem Strand versuchen. Es gibt zwei Möglichkeiten an diesen heran zu kommen. Entweder man nimmt eine Unterführung oder eine Betonüberführung aus den 60ern, seitdem nie wieder restauriert.

Wir versuchten die Unterführung und standen, nach rd. 20 Minuten Fussmarsch ( Luftlinie nr ca. 500m) endlich auf den Dünen, am langen Sandstrand von Bredene, der, man mag es kaum glauben, wirklich toll ist!

Feinsandig und nicht überfüllt, trotz Ferienbeginn in Belgien und Happy Kadaver in NRW.

Emily freute sich nen Kullerkeks, bis 30.06.22 sind Viechies am Strand erlaubt und auch wir standen mit den Füßen im Wasser. Auch in Bredene kann man Reste vom Atlantikwall bewundern, diese werden als sandfreie Sonnenplätze aber auch gerne bevölkert.

Okay, wir waren ein wenig versöhnt und nachdem wir abends auch ganz passabel chinesisch essen waren ( nix Muscheln) allerdings keinen Schokiladen im abgeranzten Ort finden konnten, etwas versöhnt. Dennoch ist mir schleierhaft, wie man auf diesem Fleckchen Erde seine Ferien verbringen kann?

Wir gingen abends über die Überführung zum Wasser und waren erfreut, dass man den Strand zwar schneller erreicht, der Ort aber deshalb noch lange nicht attraktiver wird.

Auf Beton durch die Dünen

Unser Nacht auf diesem Billig- Megacampingplatz war recht ruhig und erholsam, blöd war bloss, dass ich um 21:30 Uhr vor verschlossener Duschtür stand und somit am nächsten Morgen noch die Münzmarke verknacken musste. Gut das wir Zeit hatten und erst um 10:00 Uhr das grausliche Geschehen verließen, Trashurlaub vom Feinsten, niemals mit uns!

Das wir für die Strecke Bredene- Kamen ( Parkplatz Mercure) fast sieben Stunden benötigen würden, hätte ich im Vorfeld niemals geglaubt, 344 km…..mal so bemerkt. Nach drei Stunden im zähen, stauigen Umleitungswahnsinn waren wir endlich aus Belgien heraus, unterwegs bestaunten wir die vielen, vielen LKWs, die insbesondere um Antwerpen herum, für das tägliche Chaos sorgen. Die Großhäfen von Westeuropa sind hierführ verantwortlich, der Verkehr von Le Havre, Calais, Ostende, Zeebrugge und Antwerpen wird über das zu enge und marode Autobahnsystem abgewickelt….was waren wir froh, als wir wieder unseren ersten Stellplatz in Kamen erreichten.

Auf Wunsch eines einzelnen Herren kehrten wir am allerletzten Urlaubsabend bei KFC ein, später duschten wir Outdoor mit unserer Felddusche und fielen in einen leichten Schlaf.

Bereits um 7:15 Uhr waren wir wieder “on the road“ und bei 35 Grad parkten wir um genau 12:00 Uhr unsere Wohndose wieder in Mahlow auf dem Campingplatz ein.

Unser nächster Trip geht nach Italien, Frankreich wir daber wieder ins Visier genommen, es war grandios!

Belgien/ Frankreich 2022, I: Berlin, Kamen, Brügge

Es geht wieder loooos! 

Diesmal nicht per Flugzeug oder Schiff, nein, die Wohndose wollte bewegt werden.

Nachdem wir Ende April ein sonniges Wochenende in Mahlow mit dem Frühjahrsputz von Bianca und dem diesjährigen Angrillen verbracht hatten, ging es bei milden Frühlingstemperaturen, den Mittwoch vor Himmelfahrt Richtung Westen.

Unser Ziel, ein weit entferntes, war die Normandie über Kamen und Brügge.

Kamen weil wir einen unschlagbar günstigen Stellplatz bei einem Mercure Hotel ergattert hatten, Brügge weil es puppig ist, Mathias noch nie dort war und wir nicht in einem Rutsch bis Yport fahren wollten.

An meinem letzten Arbeitstag hatte ich alle Hände voll zu tun, selbst die letzte Dienstberatung hielt mich aber nicht davon ab, um 11:00 Uhr die Reißleine zu ziehen. 11:05 Uhr und wir waren on the road nach Mahlow, koppelten die Bianca an und waren bereits kurz nach Noon auf der A10.

Gott sei Dank, der Feiertagsverkehr hielt sich in Grenzen, bis auf ein ausgebranntes Auto mit ner heulenden Halterin und zwei weiteren Staus auf der A2 kamen wir gut durch. Vor der Abfahrt Bielefeld, Lemgo machten wir ausgiebig Pause und genossen den letzten stockenden Verkehr am Kamener Kreuz.

Am Mercure nahmen wir die Schranke und hatten kaum eingeparkt, einen Angestellten vom Hotel bei uns am WoWa. Was wir hier machen würden, „na übernachten“ ….“das geht nicht, das Hotel ist geschlossen!“ Aha…das wussten wir sogar. was der gute Mann aber nicht wusste, der Boss persönlich hatte uns die Erlaubnis gegeben, hier zu nächtigen.

Emily mochte die Wiese, wir die Tatsache, dass wir noch recht früh am Tag etwas in den Magen bekamen. Schnell machte ich die Spaghetti warm, gut durchgezogen, da einen Tag vorher bereits gekocht. 

Wir aßen das erste Mal im Wohnwagen, da die Temperaturen und die Regeneigung wenig einladend waren.

Den Abend verbrachten wir bei Musik, www und einem Drink inside the Wohndose, draußen war es zu ungemütlich. Dies gibt uns nun einen kleinen Vorgeschmack auf die Normandie…..mal sehen ob wir WoWa- Koller bekommen werden.

Unseren ersten echten Urlaubstag begannen wir ohne Frühstück,aber recht gut ausgeschlafen, mit lauwarmen Kaffee aus Berlin.

Da wir den WoWa nicht abgekoppelt hatten, ging unser Abflug schnell von statten. Kurz vor Duisburg wurden wir auf eine Umfahrung geleitet und lernten auch die wenig einladende Innenstadt von Duisburg kennen. Das Diesel war aber um 50% preiswerter als auf der Autobahn! 

Schlussendlich kamen wir durch zwei Staus, einer Umfahrung und einem brennenden Auto mit zwei Stunden Verspätung in Brügge an.

Der CP war puppig, das Wetter hielt sich und kurz nach 14:00 Uhr kurvten wir im Parkhaus s‘Zand auf der Suche nach einem Parkplatz!

Wir wunderten uns über die Menschenmassen, die auf den Straßen und im unterirdischen Parkhaus mit uns herumkurvten. Letztendlich hatten wir in der Etage -6 dann doch Glück. Die Massen bewegten sich Richtung Innenstadt, wir liefen erstmal antizyklisch und besuchten Minnewater und den Begijnhof. Ich war erstaunt, wie gut ich uns durch die Stadt leiten konnte, schließlich war ich 2016 auch nur einen Tag in Brügge gewesen.

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Nach dem Hof der Begienen schlenderten wir über das Sint Jan Spital Richtung Belford, besser gesagt zum Anleger der Ausflugsboote und nochmal besser geschrieben…das war unser Wunsch!

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Wir staunten nicht schlecht, Hunderttausende waren auf den Beinen, durch die Innenstadt lief eine Prozession, schließlich war ja Himmelfahrt und Belgien ist strunzkatholisch.

Corona feierte mit Sicherheit mit, wir versuchten unser Glück und fanden Schlupflöcher zur romantischsten Brücke von Brügge und anschließend bahnten wir uns den Weg zum Bootsanleger am Hotel d‘Orangerie.

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Die Bootsfahrt war kurzweilig, Emily der Star der Show. Das halbe Boot kuschelte mit dem Köter, sie wähnte sich im 7. Himmel. Ich war wieder überrascht, wie geschlossen die Altstadtarchitektur Weltkriege überstanden hat.

Nach den 30 Minuten auf den Kanälen statteten wir der Brauerei Bourgogne Flanderes einen Besuch ab. Es gab eine nette Bierprobe, sechs kleine 0,1 er Gläser können auch dudeln.

mit Kirschbier

Im Anschluss bahnten wir unseren Weg durch den ältesten Teil von Brügge Richtung Belford, Rathaus und Marktplatz. Immer wieder wurden wir mit der Prozession konfrontiert, es war immer noch säuisch voll, auch wenn man das auf den Bildern nicht sieht.

Natürlich waren wir auch angetan über die vielen Schokoladenläden und nicht nur die berühmten Meeresfrüchte landeten in unsere Taschen.

Unseren Essenswunsch setzten wir im Mosseldenkeller um, Moule Frites also Muscheln mit Fritten. Mathias mit Roquefortsoße, ich a lá Provenciale. Hinzu gesellten sich zwei wahre Eimer Kriek Boom, Kirschbier und Belgien wurde unter Erfolg verbucht.

Da es mittlerweile auch ziemlich frisch geworden war, suchten wir unser Auto im Parkhaus, kämpften uns durch die Irrungen und Wirrungen des Bezahlsystems und waren gegen 21:00 wieder auf dem Campingplatz. Dort verklönten wir den Abend mit unseren Nachbarn aus Paderborn, schafften aber wenigstens den Abwasch und nen bissel Körperhygiene. Gegen 22:30 Uhr landeten wir nach einem erreignisreichen Tag im Bett und wiedermal zog ich Fazit, welches ähnlich ausfiel wie 2016: Belgien ist ein tolles Reiseziel, oft unterschätzt…..ich muss mal ne richtige Tour machen.

Belgien 2016: Antwerpen, Brügge, Gent und Brüssel

Egal wem man fragt, Belgien hat Niemand so richtig im Reisefokus.
Sicherlich hat man schon mal gehört, dass Brügge ganz bezaubernd sein soll und natürlich mag man die belgische Schokolade. Wenn man sich aber auf gängige Klischees stürzt, hört man immer nur: Pralinen, Kirschbier, Brüsseler Spitze, beleuchtete Autobahnen und wenns ganz hoch kommt, wird der Diamantenhandel in Antwerpen noch Erwähnung finden.
Ich wurde schief angesehen, als ich im Freundeskreis verkündete, dass die diesjährige Kollegen/ Innen Reise  auch „Metropole im Herbst“ genannt,  nach Belgien gehen würde. Noch schiefer wurden die Blicke, als wir an unserem Plan auch nach den schrecklichen Terroranschlägen in Brüssel  festhielten.
Schnell hatten wir uns für eine Art Roadtrip mit Zug entschieden. Vier Tage in Brüssel erschienen uns als zu lang, zu sehr inspirierten uns die Bilder aus dem Internet.
Unser erstes Ziel hieß Antwerpen:
Nach der Landung in Brüssel Zaventem stiegen wir in den IC nach Antwerpen und befanden uns rund 35 Minuten später mitten in der Diamanten Straße. Der Antwerpener Bahnhof, der im allgemeinen Sprachgebrauch  Eisenbahnkathedrale genannt wird, liegt im Mittelpunkt des internationalen Diamantenhandels und in einer europäischen Hochburg der ultraorthodoxen Juden. Wir waren überrascht, welch lebendige Gemeinde sich in Antwerpen eingefunden hat, ich wähnte mich fast in Jerusalem.

Die „Eisenbahnkathedrale“

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Die ultraorthodoxe Gemeinde von Antwerpen, mitten im Diamantenviertel

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Wir besuchten die Haupteinkaufsstraße (Meir) mit den Patrizierhäusern und dem Weihnachtskitschparadies schlechthin. image
Das Stadhuis sowie der Grote Markt begeisterten uns sehr, leider wurde gerade der Weltcup der BMX Fahrer vorbereitet und der Platz glich einem Sportstadion mit viel Werbung und Sponsoring. Wir verzogen uns ziemlich schnell in eine Seitenstraße und genossen das erste Bier und an einer der vielen Fritturbuden wurde der Hunger gestillt. Belgische Fritten sind schon ziemlich toll, fettig aber lecker.

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Kathedrale von Antwerpenimgp5694

Rathaus oder Stadhuis auf flämisch imgp5704

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Da wir schnell genug von VW, Adidas und Co hatten, liefen wir gen Fluß und hatten von dort einen guten Blick auf die Kathedrale und Altstadt

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Unser nächstes Ziel hieß „Het Steen“, eine kleine Festungsanlage am Fluss und mit mitterlalterlichem Antlitz

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Aussichten von oben sind immer eine tolle Sache und um auch  von Antwerpen nen tollen Blick von oben zu bekommen, liefen wir zum MAS (museum at the sea) und genossen gen grandiosen Ausblick von oben. Fairerweise ist der Zugang auf die Aussichtsterrasse umsonst.

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Als letztes großes Highlight waren wir kurz in der Chocolate Line und machten uns über die Schokoproduktion klug und bewunderten die Figuren und Tierchen aus Glücklichmachstoff.

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Leider blieb uns das Rubenshaus verwehrt, da die Belgier eine exzellente Work-Life- Balance verfolgen und alle Museen bereits um 17:00 Uhr dicht sind. Diese so merkwürdigen Öffnungszeiten verfolgten uns die gesamten vier Tage und zauberten des Öfteren ein ungläubiges Lächeln bei uns ins Gesicht.

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Gestaunt haben wir auch über die relativ authentische Chinatown mit chinesischen Werbeanschlägen, Supermärkten, Restaurants und Arztpraxen die ebenfalls nur auf Mandarin Auskunft gaben.

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Chinesisches Tor mit Eisenbahnkathedrale

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Die Jugenstilstraße fanden wir trotz aller Bemühungen nicht und somit verzichteten wir auf Blümchen und Tiere sowie runde Formen an den Häuserfassaden.

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Unseren Abend verbrachten wir dank eines Tipps unserer lieben Rezeptionistin in einer ganz untouristischen Gegend und aßen zwar teuer aber gut in einem der Restaurants, Stoofvlees oder auch Gulasch belgisch, mit Bier und Pommes.
Relativ früh hauten wir uns in unser bezauberndes Dreierzimmer des IBIS- Budgets.

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Weiter geht’s nach Brügge:
„Brügge sehen und sterben“ der Filmtitel geisterte wohl uns Allen an diesem Tag mal kurz durch den Kopf  und wir wollten uns selbst ein Bild davon machen, ob es erstrebenswert ist, nach einem Besuch in dieser zu 100% Unesco Weltkulturerbe City den Löffel abzugeben und die letzte Wohnung 1,80m tief zu beziehen?
Wir vergnügten uns morgens erstmal am Frühstücksbuffet und nahmen dann den Bummelzug nach Brügge. Die Fahrt dauerte gut und gerne zwei Stunden, der Zug hielt an jeder zweiten Butterblume. Dies gab uns aber ein wenig die Möglichkeit, Flandern zu bewundern und Vergleiche mit den Niederlanden anzustellen.
In Brügge angekommen, liefen wir durch einen Park zum Hotel. Auf dem Weg dorthin fiel uns bereits auf, wie gemütlich es in der Stadt zuging, es war Markttag, die Restaurants waren gut besucht, Moules Frites wurden überall angeboten
Nachdem wir nicht gerade freundlich in unserer 3 Sterne Absteige empfangen wurden ( gnädig durften wir unser Gepäck dort parken) machten wir uns auf den Weg zum Markt um dort ein Brüggener Rosinen- Nussbrötchen zu inhalieren, Leider war der Markt mau und ein Bäcker erst gar nicht vorhanden.
Freunde wurden Brügge und ich erst, als wir durch die Straßen schlenderten und uns tatsächlich in  einer restaurierten Welt des Mittelalters befanden. Das Städtchen ist im letzten Weltkrieg verschont geblieben, durch die Versandung des Hafens wurde Antwerpen bedeutender und somit hat sich in Brügge die wunderschöne Altstadtarchitektur mit seinen Gassen, Kirchen und Plätzen erhalten.

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Wir waren begeistert, schlenderten durch die perfekte Filmkulisse, besuchten natürlich den angesagten Fotostop auf der Bonifaciusbrücke als auch das älteste Krankenhaus Europas, das Sint Jansspital, welches bereits im 12.Jahrhundert gegründet wurde und ein Beispiel europäischer Armenhilfe war.

Sint Jansspital

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Bonifaciusbrücke

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Wir bewunderten das wunderschöne mittelalterliche Stadhuis, die vielen, vielen Pralinenlädchen und die übereifrigen Japaner und Kreuzfahrttouristen (Oostende ist nicht weit). Erstaunlich woher auf einmal die vielen Touristengruppen herkamen.

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Wir gingen in den Hof des Belford  und genossen die Atmosphäre auf dem Groote Markt

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Belford

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Minnewater mit seinen Schwänchen und den Begijnhof von Brügge (jede Stadt in Flandern und in NL hat so einen Hof, der von Amsterdam ist ganz hübsch) besuchten wir kurz vor dem Sonnenuntergang.

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Eingang zum Begijnhof

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Unser Plan, eine Grachtenfahrt im goldenen Licht der Blauen Stunde zu unternehmen, wäre beinahe an der Work-Life Balance unserer Gastgeber gescheitert, drei Bootsanleger mussten wir förmlich errennen, bis ein bärtiger Blaubär Erbarmen mit uns hatte. Die Fahrt dauerte rund 30 Minuten und war mit 8,– € als fair zu bezeichnen. Wir sahen noch Ecken von Brügge, die wir so nicht mehr hätten erlaufen können.

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Ich konnte bereits zu diesem Zeitpunkt für mich festmachen: „ ich komme wieder“ …vermutlich auf dem Weg zum Mont Saint Michel
Der Wunsch nach Muscheln war bei uns Allen recht groß, die Auswahl an Restaurants auch- der Preis der Schalentiere war nicht nur groß sondern überwältigend teuer. Für 23,-€ bekamen wir ein mittelmäßiges Mahl mit pappigen Pommes in einer bezaubernden Stadt ….das Ambiente zahlt man eben mit.

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Der 3 Sterne Übernachtungsschuppen hatte einige Minuspunkte zu bieten. Erstmal gab es keine Ersatzschlüssel d.h. der Nichtnachtschwärmer musste im Dunklen hocken, während die Foto,- u. Weininteressierten durch das nächtliche Brügge schlenderten. Vor dem Zimmer der Herren pöbelten ein paar Engländer die ganze Nacht, bei uns Mädels pöbelten die Marokkaner aus den drei Spätis und im anderen Mädchenzimmer grummelte die Lüftung. Wir bewunderten unsere 15qm zu Dritt und das zerbrochene Waschbecken im IBIS Ambiente….Drei Sterne Komfort sieht für mich anders aus…..von den 143 € will ich nicht mal reden!
Und noch ne Perle, Gent:
Gent….wer kann etwas zu Gent sagen….kaum Jemand! Sicherlich ist die Stadt den Meisten Kunstbegeisterten ein Begriff, da der „Altar von Gent“ der Gebrüder van Eyk in der St. Bavo Kathedrale steht ( vorher in der Gemäldegalerie in Berlin) und von der Kunstkompanie der US Army vor den Nazis gerettet wurde (siehe auch den Film „ the monuments men“ ) :
http://www.tagesspiegel.de/kultur/ausstellung-der-genter-altar-in-berlin-dramatische-geschichte-eines-einzigartigen-bildwerks/10655804.html
Hierbei handelt es sich um eins der „meistgeklauten Meisterwerke der Welt“ und so ist der Altar auch nach dem Krieg nicht mehr vollständig geblieben.
Leider konnten wir das Kunstwerk nicht bewundern, es wird gerade restauriert.

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Somit blieb auch mir nur der Griff ins Internet und die recht gute Beschreibung des Altars in dem von der Rezeption ausgehändigten Minireiseführer zu Gent. Ein kleiner Hinweis, das oben gezeigte Bild ist nur ein Auszug aus dem Komplettwerk. Es sind wohl 18 Tafeln, wobei wie gesagt nicht alles noch vorhanden ist.
Die Stadt wurde uns gnadenlos von seiner schlechtesten Seite vorgestellt. Um überhaupt ins historische Viertel zu gelangen, mussten wir zunächst durch die Genter Reeperbahn, eine Straße die tagsüber einen eher deprimierenden Eindruck hinterließ. Wo Brügge lieblich und süß war, zeigte sich  Gent rauh und spröde. Das Wetter schlug um, es regnete später auch recht kräftig und die Leichen vom vorherigen Abend trugen nicht dazu bei, dass wir sehr enthusiastisch an die Stadt herangingen.
Wir erklommen den Belford und machten uns einen zweiten Eindruck von oben…..aus der Luft sah es doch ganz passabel aus?

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Der Belfordimgp6338

Auch die Kathedrale wirkte beeindruckend, die braucht quasi ihren Altar überhaupt nicht,  um zu gefallen
Nach einem Genter Bonbon und dem damit verbundenen Zuckerschock war der erste Eindruck geheilt….Gent kann ja doch…wenn es denn will.

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Leider zog es sich zunehmend zu und wir entschieden uns wieder mal für eine Bootstour. Die Grachten zeigten das nicht restaurierte Gesicht und machten deutlich, wie viel bereits in den Touri Hot Spots wie Antwerpen oder Brügge getan wurde.
Das Ambiente der Stadt machten nicht so sehr die schönen Patrizierhäuser oder die Grachten aus, es war eher das Studentenambiente, die Graffiti und die Burg Gravensteen, die mitten in der Stadt liegt.

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Nach der Grachtentour und einer unfreiwilligen Regenpause suchten wir mit Inbrunst und falscher Peilung die Graffiti Lane und bewunderten die Werke der örtlichen Sprayer Szene

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Leider ist ein Sonntag auch in einer Studentenstadt nicht der geeignetste Wochentag und die Belgier mit ihrer Work-Life Balance machten es uns ebenfalls nicht einfacher. So war alleine die Suche nach einem bezahlbaren Restaurant, die auch nach 18:00 Uhr vegetarische Gerichte oder Spaghetti verkaufen durften (wirklich wahr) Mangelware. Nach langer und zäher Suche (ein Restaurant verließen wir wieder, als uns die Bestellung von Spaghetti und Gerichten unter 20€ versagt wurde) gab es endlich gegen 21:00 Uhr etwas Warmes in den Magen.

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Der Weg zurück zum Hotel erwies sich nicht als ganz so schrecklich, das Dreierzimmer war in dieser Nacht die Suite von uns sieben Reisenden.
Last but not Least, Brüssel:
Antwerpen, Brügge und Gent waren eindeutig flämisch, Brüssel zeigte sich französisch.
Gleich nach Ankunft (wir konnten die Koffer am Bahnhof lassen) bemerkten wir, dass nur noch französisch gesprochen wurde, die Straßen und Restaurantkarten aber auf Französisch und Niederländisch geschrieben waren.
Wir bestaunten den übergroßen Schlumpf am Bahnhof und so langsam dämmerte uns, dass die Smurfis wohl eine belgische Erfindung waren….Tim und Struppi übrigens auch, wie uns das Comic Museum später aufklärte. Und auch die süßen Marsipulamis sind in Wirklichkeit kleine Belgier.

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Wir hatten Spaß mit den Freunden unserer Kindheit und suchten den gesamten Tag einen schönen Magneten, Schlüsselanhänger oder Ähnliches als Erinnerung. Die Eine war scharf auf Schlümpfe, ich bin traditionell eher scharf auf TinTin ( Tim ) und dem kleinen Struppi.

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Der Groote Markt oder auch Grand Place von Brüssel steht unter Weltkulturerbe und ist sehr beeindruckend. Die Gildehäuser wurden sehr schön restauriert, das Stadhuis oder auch Hotel de ville ist ebenfalls sehr sehenswert.

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Wir liefen weiter zu Manneke Pis (petit Julien) Jeanecke Pis und einem Hund namens Zinneke Pis….und damit hatten wir auch die „Drei Pisser von Brüssel“ kennengelernt!

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Den Nachmittag vertrieben wir uns mit einigen Stadtspaziergängen aus dem Reiseführer. Neben der Kathedrale sahen wir noch ein paar schöne Wohnhäuser, den Begijnhof von Brüssel oder auch den alten Hafen, der zugeschüttet wurde.

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Das einzige, was wir vom Atomium sahen  🙂

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Mit einem Kirschbier ließen wir diese Kurzreise auslaufen und fuhren mehr als pünktlich nach Zaventem.

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Die Sicherheitsvorkehrungen waren extrem gut und organisiert. Etwas zu Futtern oder zu Trinken bekamen wir nicht- der „late bird“ nach Berlin hebt nach den belgischen Vorstellungen von Feierabend ab und somit wird auch nicht mehr Rücksicht genommen auf durstige Reisende, die Work-Life Balance könnte sonst in Gefahr geraten!

Fazit zu Belgien: Ein kleines Land mit Wahnsinnspotential…..ich komme wieder, bestimmt !