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Japan 2018; XVI: Osaka 大阪市 last but not least

Bei Osaka streiten sich die Geister, es gibt die Fans die Osaka heißer als Tokio und kosmopolitischer als Kyoto empfinden und dann gibt es Diejenigen, die Osaka als hässlich und überbewertet bezeichnen….tja und dann gibt es wohl uns, wir sind nämlich irgendwo dazwischen!

Aber erzählt wird eine Geschichte von Anfang an!

Wir nahmen eine frühe Fähre aus Miyajima, es regnete und selbst das Torii sah im trüben Wetter nicht mehr so schön aus. Mit dem Lokalzug erreichten wir Hiroshima und der „schnelle“ Shinkasen  (nur 8 Abteile) brachte uns mit Spitzengeschwindigkeiten von über 300km/h direkt nach Shin-Osaka.

Angekommen, mussten wir uns zunächst auf dem Bahnhof orientieren, fast verlaufen  und dreimal gestresst sein, ehe wir zehn Minuten später vor unserem Hotel standen, Shin-Osaka hatten wir uns wegen der komfortablen Zugfahrt nach Kansai ( zum Flughafen) ausgesucht.

Einchecken war natürlich noch nicht, so dass wir wieder zum Bahnhof schlenderten und mit viel Raterei einen Zug nach Tennoji nahmen. Dieser lief noch auf JR Pass und führte überirdisch durch die Stadt. Schön war nichts auf dem Weg zum Shintenoji Tempel und bereits eine Stunde nach Ankunft wollte ich mich bereits auf die Seite der zweiten Gruppe werfen.  An Alle, die bereits die Stirn krausen…..den Tempel ließen wir Tempel sein!  Uns interessierte nur der Friedhof, der sich hinter dem Tempel anschloß.

Bizarre Gräberform, eine Art die uns gänzlich unbekannt ist…..musste immer an das berühmte Mahjong Spiel im Rechner denken.

Da sich das Wetter weiterhin hielt und wir den Wetterbericht der nächsten zwei Tage im Nacken hatten,  ging es mit dem schnellen Sightseeing weiter. Die Subway brachte uns  nach zwei weiteren Stationen zu der berühmten Burg von Osaka.

Diese ist nur noch eine Rekonstruktion, das Original wurde vernichtet. Dennoch, der Nachbau ist authentisch, die Anlage riesengroß und zur Freude der Menschen von Osaka auch frei zugänglich. Eintritt zahlt man erst, wenn man die Burg besichtigen möchte. Da es sich um einen Nachbau handelte, verzichteten wir auf den Besuch und bewunderten das Schmuckstück  vom Burggarten.

Auf dem Gelände befindet sich das alte Landmark Hotel, welches heute als Shoppingmall umfunktioniert wurde…..auch wir wurden Opfer des Kommerz!

Gegen 16:00 Uhr checkten wir im New Osaka Hotel ein und staunten über unser Vertreterschließfach nicht schlecht! An die 1,20 m Betten sind wir ja gewöhnt, diese stellen kein Problem für uns dar……dass man aber auch noch darunter gehen kann und das Zimmer dann immer noch als Doppelzimmer durchgeht, dass war mir neu!

Wir waren dennoch zufrieden mit unserem Heim für drei Nächte, da es aufgrund des schmaleren Bettes viel Raum zum packen und sortieren gab.

Den ersten Abend ließen wir mit ausgiebigem Bad und einer Kneipentour durch zwei Izakayas ( Kneipen oder einfache Restaurants, rauchen erlaubt, mit zumeist sehr guter und günstiger Essensauswahl) ausklingen.

In der ersten Izakaya gab es nochmal Sashimi vom Feinsten und sehr günstig, in der zweiten Izakaya gabs Nudeln zum sattwerden.

An unserem zweiten Tag ging es zunächst, nach Nara, der Bericht ist hier verlink : http://allcontinentsinonelife.com/japan-2018-xv-nara-奈良市-die-erste-hauptstadt/

Nachdem wir am Nachmittag wieder in Osaka waren, hatten wir aufgrund der Wetterlage zunächst überhaupt keine Lust, nochmal loszuziehen. Der Reiseführer beschränkte sich ebenfalls nur auf die Burg und den Shintenoji Tempel, genau den hatten wir ja bereits am gestrigen Tag gecancelt und die  Burg bereits gesehen.

Liest man weiter, kommt man schnell auf Namba und dort auf die Gegend der Dotonbori Street. Schrill soll die Ecke sein, Kulturschock sei angesagt. Wem das noch nicht reicht, soll nach Shinsekai…..dem Dotonbori der Jahrhundertwende,  abgefuckt und heruntergekommen, quasi der japanische Vergleich  v. Atlantic City zu Las Vegas. Achja, es gibt dann noch America Mura, wie ich in einem Blog lesen konnte, soll es sich um „das Berlin Japans handeln“. Hipster und Möchtegernhipster fröhnen der mediteranen Küche, die in Japan großgeschrieben wird…die Mittelmeerdiät ist doch so gesund!

Da es trocken war und wir auch mal einen Kulturschock in Japan erleben wollten, machten wir uns auf den Weg in die Dotonbori Street. Die Subway brachte uns direkt nach Namba und von dort liefen wir exakt zwei Minuten ins schrille Paradies.

Wir sahen uns noch das HIPS Gebäude an, gingen aber nicht hinein….ich weiß nicht, ob es innen etwas zu bewundern gibt.

Für uns gab es zwar keinen Kulturschock, die Dotonbori ist allerdings wirklich einen Besuch wert. Es blinkt, es glitzert, überall gibt es Freßstände mit dem Schwerpunkt Fisch und Meeresfrüchte, Kushikatsu ( Teigspieße, gefüllt mit Allerlei) und Teigbällchen mit Tintenfisch(Takoyaki). Dazwischen sind Pachinkohöllen und Spielhallen zu bewundern.

Osaka ist die Stadt der großen Werbeplakate und das berühmteste ist das Werbebanner von Glico, dem Läufer der Werbung für Süßkram macht.

Auch der Blick auf den Fluss ist sehr schön und an diesem lauen Sommerabend mochten wir Osaka doch gerne leiden. 

Da wir noch gut drauf waren, beschlossen wir nach Shinsekai zu fahren, einen Blick auf den Osakatower zu werfen und in einer Izakaya Kushikatsu zu essen.

Gesagt getan, zwei Subwaystationen später begann die große Suche nach dem verflixten Tower namens Tsutenkaku. 111 m ist der Kleine groß und rostet wohl gemütlich vor sich hin. Angestrahlt wirkt er aber ganz groß und auch sehr ansehnlich.

Shinsekai ist seit 100 Jahren Amüsiermeile und hier wurde Kushikatsu geboren. Das gesamte Viertel ist voll mit Restaurants, die Spießchen am laufenden Meter produzieren, in den Izakayas gehts es zwanglos, laut und bierselig zu, selbstverständlich hält hier Jede/r ne Kippe in der Hand. Wie überall im Land sind die Leute gutgekleidet, man erkennt noch die Businessklamotte  vom Tag. Keine/r hat einen Abstecher nach Hause gemacht, die Freizeit wird mit Kollegen/innen verbracht. Das hatte mir bereits Katze in Tansania erzählt. Faulenzen und abhängen auf der heimischen Couch kennt der Japaner nicht. Amüsiert wird draußen auf der Straße, ein Leben in den eigenen vier Wänden gibt es kaum. Das erkennt man auch an den Auslagen in den Supermärkten. Ich glaube nicht, dass im großen Stil gekocht wird. Im Normalfall wird aushäusig gegessen. 

Die Spießchen werden mit einer Art Teriyaki Soße gegessen und körbeweise an die Tische gebracht. Sie sind sehr lecker aber nach sieben Stück musste ich passen….

Mit der Subway ging es gegen 22:30 zurück nach Shin-Osaka. Die U-Bahn fährt übrigens nur bis 0:00 Uhr, selbst in Tokio kommt man des nächtens schwer mit den Öffis weg. Auch hier wieder das Bild, welches sich auch auf der Straße zeigte. Anzüge und Kostüme, sogar Schuluniformem waren noch in großem Maße unterwegs. Der Japaner muss sein ganzes Leben eigentlich übermüdet und erschöpft sein. Gut  das es da wenigstens den Monat Juni gibt…..es sind nämlich mehr Feiertage als Arbeitstage zu verzeichnen und somit kann Jede/r mal ausschlafen. Katze fiel vom Glauben, als ich ihm von den acht gesetzlichen Feiertagen in Berlin erzählt habe. Die Japaner verfügen über mehrere Feiertage im Monat. Dazu kommen 30 Urlaubstage im Jahr, die aber Keine/r nimmt. Maximal zehn Tage am Stück wird in Urlaub gegangen, der Rest geht für Erkrankungen, Arztbesuche und Ähnliches drauf. Die Situation ist nicht optimal aber aufgrund der Feiertage auch nicht so desolat, wie immer dargestellt. Lediglich die vielen Überstunden sind wirklich problematisch.

Am dritten Tag in Osaka, unserem letzten Urlaubstag regnete es mal wieder meisterlich. Der Kalender behält immer recht, ab Juni beginnt die Regenzeit und die letzten zwei Tage waren nur leichte Vorboten.

Wir schliefen aus, kauften unsere Zugtickets nach Kansai ( der JR Pass ist abgelaufen) und zogen nochmals nach Namba, liefen über die Dotonbori  in die Sinsaibashi Einkaufsstraße. Ein Paradies auf 1,8 km Länge, vollkommen überdacht und für mich nur insofern rettend, dass ich keine Shoppingqueen bin und nur bedingt gerne über Stunden durch Einkaufsstraßen tingele. Aber bei der einen oder anderen Kleinigkeit wurden wir dann doch schwach.

Mittags genossen wir die berühmten Tintenfischbällchen und zogen uns gegen 15:00 Uhr aus dem Getummel zurück. Der Regen ging uns auf den Geist und wenn ein Urlaub zu Ende ist, dann kann man ihn auch nicht mit Macht verlängern.

Unsere Henkersmahlzeit bestand aus Beef Kyoto Style, bzgl. eines Fotos verweise ich auf den Kyotobericht. Außerdem durften nach alter Sitte ein paar Supermarktmakis nicht fehlen……das Essen war in den letzten Wochen wirklich sensationell.

Mit Osaka haben wir uns ausgesöhnt, eine schöne Stadt ist es nicht. Dennoch ein gewisser, spröder Charme ist vorhanden. Als letzter Stop vor Europa oder auch für den Anfang  mit einem Ende in Tokio, kann ich die Stadt grundsätzlich empfehlen.

In den nächsten Tagen werde ich ein kleines Fazit sowie Tips und Tricks für zukünftig Reisende schreiben. Mit der regulären Berichterstattung unserer Reise bin ich aber ans Ende gekommen. Es war eine aufregende, bewegte Reise. Wir werden Beide japanverliebt zurück nach Europa kommen. Das Land der aufgehenden Sonne hat uns nicht zum letzten Mal gesehen.