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Bosnien & Herzegowina 2026: Jajce & Mlinčići

Roadtrip nach Albanien Tag 3!

Wir genossen das Frühstücksbuffet im B&B Orel, fuhren bei sonnigem Wetter wieder durch die Fussgängerzone uns wähnten uns auf der Gewinnerseite…8:20 Uhr, 386km….was soll schon groß passieren!

Durch Slowenien passierte erstmal nichts, die Autobahn war ok, leider krochen wir zwi 60-80km/h zwischen den Baustellen hindurch. Die Grenze nach Kroatoen, unspektakulär….Schengen lässt grußen.

Das wir uns im untouristischen Teil von Kroatien aufnielten, wurde uns schnell klar….die Autobahn eher murks, EU Gelder werden nicht zwischen Zahreb und Osiek „verschwendet“. Gegen 11:30 Uhr näherten wir uns der bosnischen Grenze, wir waren drei Stunden im Auto und hatten noch fast 140km und zwei Stunden Fahrt vor uns.

Kurz vor dem Niemansland erzeugten Ruinen und Ruinen mit Tarnfleckbemalung ein dumpfes und ungutes Gefühl der Erinnerung an die dunkelsten Jahre im Balkan. Für uns ist der Krieg mittlerweile weit weg, hier immer noch mehr als präsent.

Der Grenzübergang war voll, sehr voll und vor Allem auf der Einreiseseite nach Kroatien sah man Szenen, die wir für unseren Geschmack nicht benötigen. Da wurden Taschen durchwühlt, Koffer geöffnet, Busse durchkramt, ganze Wohnwagen ausgeräumt…widerlich.

Nach rd 20 Minuten hatten wir es geschafft und waren in BIH. Die Wetterneigung für die nächsten Tage versprach nichts Gutes, so dass wir eigentlich nur schnell nach Jajce wollten und (mal wieder) Powersightseeing in Angriff nehmen wollten….doch nichts da! Die Autobahn NACH Banja Luca war zwar toll, doch Banja Luca war verstopft, Umgehung ausgeschlossen.

Screenshot

Hinter Banja Luka begann das wilde Bosnien und wir immer am Fluss Vrbas entlang.


Immerhin das Wetter hielt und als sich Fluss Vrbas auf Fluss Pliva traf, bogen wir in die Königsstadt Jajce mit dem weltberühmten Wasserfall ab. Booking hatte am Ende noch einen schlechten Scherz für uns parat, statt vor Lola‘s House standen wir aufeinmal in den Bergen in einer Sackgasse. Kurz vor 15:00 Uhr waren wir dann aber doch am richtigen Platz und bezogen unser karges Zimmerlein. Lola hat eben nur drei bosnische Sterne, dafür herzigste Gastgeber.

Wir machten uns frisch und zogen wieder von dannen, das Wetter hielt, der weltberühmte Wasserfall lockte. Aus dem www hatte ich in Erfahrung gebracht, wo der „secret fotospot“ versteckt, im Wald liegt. Quasi der Blick AUF den Fall mit Stadt und Burg im Hintergrund…..

Vorher bewunderten wir aber den Panoramablick auf Jajce, mittlerweile wieder recht schön aufgebaut.

Was dann vor unseren Augen auftauchte lässt sich am Besten mit typisches Bild aus einem Chinarestaurant beschreiben, Leute hier ist nichts bearbeitet….es sah so kitschig schön aus:

Vor dem Wasserfall ist vor dem Wasserfall und der Mühlen von Mlinčići.

Wir fuhren die sechs Kilometer Richtung Plivasee und bewunderten die pittoresken Wassermühlen.

Die zwanzig Wassermühlen sind zw. dem 16 Jh.-19 Jh. entstanden, Getreide und Mais wurde von den örtlichen Bewohnern zum mahlen gebracht. Heute sind sie nicht mehr im Gebrauch, werden aber als nationales Erbe denkmalgeschützt.

Auch hier wieder kitschiges grün, ein unwilliger Parkwächter ( wir hatten keine KM im Kleinformat in der Geldbörse) und eine willkommene Lücke zwischen zwei Touribusse. Ich hätte noch Vergleichsfotos schießen sollen.

Wir drehten noch eine Runde am See und fuhren über Schleichwege wieder nach Jahce.

Wir waren mit dem Wasserfall noch nicht fertig. Unterhalb der Hauptkaskade erwartete uns das feuchte Vergnügen der Hauptplattform. Schnell wurde € in KM (1,995583…wir erinnern uns) getauscht und der Parkplatz am Eingang zur Altstadt bezahlt. Wir liefen zur Hauptkaskade, genossen den Spray und eroberten die Altstadt, leider nur zu Hweit, Emily konnte sich im Restaurant nicht benehmen und musste im Kennel auf uns warten.

2016 hatten uns die Chevapi in Mostar nicht überzeugt, 2026 in Jajce zog der Chevapčići Liebhaber ein klares Votum, saulecker! Ich hielt mich am Račnićki fest, eine gute Wahl.

Unser feudales Abendessen kam 20€, der Einkauf im Hypermarkt Bingo 10€….Bosnien ein Reiseparadies.

Wir ließen den ersten Abend ausklingen und krochen unter warme Decken…

Der zweite Morgen in Bosnien begann, wie Apple und accuweather bereits vorhergesagt hatten, strömender Regen! Zeit für ein wenig Geschichte. Mich interessierte der Bosnienkrieg einmal mehr, auch die Situation in Jajce, die katastrophal 1992-1995 war. Die Stadt war ein wichtiger Knotenpunkt zwischen Banja Luca und Sarajevo, durch die Festung gut einsehbar ins Tal und leider folgten schwere Kämpfel im Talkessel. Über 30.000 Menschen flohen, 1995 verließen die Serben die Stadt. Jajce wurde am Ende durch die Kroaten befreit. Zu. Bosnienkrieg:

https://de.wikipedia.org/wiki/Bosnienkrieg

Zur Geschichte Jajces hat Wikipedia auch Einiges parat, wer wußte, das die Republik Jugoslawien in dieser Stdt gegründet wurde? https://de.wikipedia.org/wiki/Jajce

Wir hatten bereits am Vortag unser Frühstück in heimatlichen Gefilden vereinbart und so stand dieses bereits auf der Terasse unserer Hausherrin bereit. Echte bosnische Wirtschaft, Emily eroberte das Haus, den Fressnapf von Bubi und das gleich mehrmals….was am Ende eine ausgewaschene Magenverstimmung mit sich brachte, inklusive alle Begleiterscheinungen, ach Emily.

Unser Frühstück war üppig und viel zu viel, wir tratschten mit unseren Gastgebern auf englisch, deutsch, französisch und der erste Sliwowitz rann um 9:20 Uhr durch unsere Kehle. Die Geschichte der Familie war interessant, er desertierte 1992 und ging nach Frankreich, sie kam aus Zagreb. Beide in zweiter Ehe verheiratet. Soweit es die sprachlichen Barrieren zuließen erfuhren wir noch Einiges aus der dunklen Zeit, es muss schrecklich gewesen sein.

Schon mal etwas von der Republik Srpska gehört, dann bitte hier lesen:

https://de.wikipedia.org/wiki/Republika_Srpska

Wir hatten uns beim Grenzübertritt bereits gewundert, warum überall Flaggen hingen, die nichts mit der bosnischenzu tun hatten….

Wir kamen an diesem regnerischen Boxenstop aus dem Staunen kaum heraus.

Den Tag vertrödelten wir auf dem Zimmer, es regnete tatsächlich durch. Emily pflegte den wehen Magen, Tante Lolas Frühstück war zu üppig.

Zum Abendessen trauten wir uns raus, es regnete zu dem Zeitpunkt bereits über 12 Stunden ohne Pause.

Unspektakulär ging unserer zweiter Bosnienaufenthalt zu Ende.

Zu guter Letzt noch der Verweis auf 2016, die Tips hauen auch zehn Jahre später (fast) noch hin. Die Lust aufs Land ist aber mittlerweile doch mehr geweckt: https://allcontinentsinonelife.com/bosnien-herzegowina/