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Japan 2018, IV: Fujikawaguchiko 富士河口湖町, Fuji ohne Weinbrand

An ein Weckerklingeln um 4:30 kann man sich gewöhnen, dennoch fehlt mir in diesem Land irgendwie der Schlaf! Als wir um 5:10 Uhr ausgescheckt hatten, standen wir vor verschlossenen Subwaytoren und mussten mit dem Gepäck nach Shinjuku Bus Station laufen. Wir lobten wieder unsere Entscheidung im Apa gewohnt zu haben, 10 Minuten Fußweg mit den gesamten Pieselotten reichen wirklich aus.

Der Bus war ausgebucht und deshalb der Tip an Alle Planenden, ohne Reservierung im Vorfeld geht in Japan nichts. Das Wetter konnte man mit heiter- wolkig bezeichnen, die Morgentemperaturen lagen bei rund 11 Grad.

Der Bus fuhr pünktlich um 6:05 Uhr ab, gestärkt hatten wir uns mit Reisbällchen am Busbahnhof und die 90 Minuten bis nach Kawaguchiko verbrachte ich mit Blogschreiben und der Suche nach dem Berg. Ca. 40Minuten vor Ankunft war der Fuji aufeinmal da. Der Bus war um eine Kurve gefahren und der Berg der Berge für jeden Japaner, erstrahlte in ganzer Pracht.

Anbei ein Handyfoto von Mathias, der im Gang saß und der Dame nebenan in den Nacken springen konnte.

In Kawaguchiko marschierten wir rd. 2km vom Bahnhof zum Hostel. Das Bussystem war uns nicht gängig, wir wollten nur schnellstmöglich zum Hostel kommem um das Gepäck loszuwerden. 12,2 kg auf dem Rücken plus Handgepäck, können auf Dauer lästig werden und ich war abgefressen, als wir das typische, japanische Haus erreichten.

Der Ort ist voll uns ganz auf den Fujitourismus eingestellt, sei es für die Bergsteiger ab Juli oder den ganz normalen Bergbeobachter wie unser eins.

An Einchecken war noch nicht zu denken und somit schmissen wir die Rucksäcke in die Ecke und ließen uns den Weg zur Chureito Pagode erklären. Uns war die Wegbeschreibung nicht einleuchtend, noch verstanden wir, mit welchem Bus wir fahren sollten. Die Pagode war rund fünf km entfernt, zu weit wenn man weiß wie hässlich sich der Berg verhält, wenn auch  nur eine einzige Wolke für den Fuji in Reichweite kommt.

Rund 10 Minuten sind es bis zum See Kawaguchiko, dort fragten wir uns zur Bushaltestelle durch und nahmen um 9:34 Uhr die Loopline. Nach zwei Staitionen kraxelte wir den Hügel zur Pagode hinauf. Es sind steile Stufen, die in zehn Minuten zum Schrein und zur Pagode führten.  Das es noch andere Möglichkeiten geben muss, um zur Pagode zu kommen, wußten wir mit Ankunft auf dem Berg. Aufeinmal waren die Menschenhorden da, wo doch nur drei weitere Chinesen mit uns den Bus verlassen hatten.

Fuji im Kurvenspiegel

Oben angekommen erwartete uns der berühmte Fujiblick mit Chureitopagode. Leider waren die Lichtverhältnisse nicht so toll, vermutlich muss man zum Sonnenaufgang oben sein, um die Pagode nicht im Gegenlicht zu haben.

Mit Blick in maps2go und nen bissel Fantasie machten wir eine Bahntrasse aus und schlenderten im Anschluß  zur Bahnstation. Wir wollten die Loopline umgehen, die uns 90 Minuten an den Bus geködert hätten. 

So kamen wir noch in das Vergnügen mit der Mount Fuji Line gemütlich 20 Minuten durch die Botanik zu fahren, immer den Berg im Blick.

In Kawaguchiko ließen wir uns Supermarktsushi schmecken und schlenderten zur Ropeway. Wir mussten 30 Minuten warten, hatten dann aber einen guten Blick auf See und Berg.

Da so viel Berg,  Lust auf Kaffee und Kuchen macht, probierten wir den japanischen Käsekuchen, genau das Zeug, welches momentan durch alle Communities grassiert…Quark, Ei, weiße Schokolade, Komischerweise war das Zeug nicht nur sauteuer sondern schmeckte auch viel besser als mein Eisoufflé in Eigenkreation.

Die Restaurants im Ort sagten uns nicht zu, wir empfanden sie als zu touristisch. Wir wollten auch nicht zum Bahnhof zurückkrauchen und so  kam, was kommen musste….Instantsuppen, Reisbällchen, Sushi und Salat aus dem Supermarkt am Abend, vorher nen Yakitorispiesschen aus der Hand.

Auf dem Weg zum Hostel stolperten wir über dieses schöne Haus, vermutlich sah die Welt hier in diesen Breitengraden vor 100 Jahren überall so aus.

Wir wußten, dass wir ein typisch, japanisches Ryokanzimmer gebucht hatten  und freuten uns über das authentische Haus umso mehr. Hausschuhe erwarteten uns am Eingang, Onsenbäder am Ende des Flures, getrennt nach Männlein und Weiblein. Unser Zimmer, ziemlich groß  und ein echter Traum…..mit Fujiblick.

Übrigens, für dieses sagenhafte Zimmer zahlten wir 98€ für zwei Nächte! Japan ist NICHT teuer, wenn man im Vorfeld ein paar Spielregeln beachtet. Wir haben bislang selten mehr wie 60-80€ pro Tag verprasst und damit die Öffis ( die sind tatsächlich teuer) und drei Mahlzeiten, Eintrittsgelder und drei Mahlzeiten bestritten.

Wir ließen uns die Suppe schmecken und fühlten uns in dem Riesenzimmer sauwohl. Gegen 22:00 Uhr fielen wir für zehn Stunden in tiefsten Schlummer. Selbst das harte Futon konnte uns nichts anhaben….

Am nächsten Morgen konnten wir das japanische Aushängeschild noch ausmachen. Das Wetter war kläglich, eingezogen und mit Regenneigung. Wir bekamen kalte Waffeln zum Frühstück ( inkl.) und Kaffee aus dem Automaten und liefen im Anschluß in den Ort. Solange der Berg noch sichtbar war, wollten wir aufs Boot…..Tretboot!

30 Minuten, 2000 Yen/ 16€ …..aber lustig war es.

Fuji am Regentag macht keine Freude, immerhin sahen wir ihn am Morgen noch mit Gipfel und bewunderten im Laufe des Vormittags die Wolkenformationen, die sich um den Berg gebildet hatten und ihn am Ende wegzauberten….

Wir bummelten durch die Souvenirläden und erfreuten uns an Kitsch und Fujikeksen in allen Varianten. Leider kann man so gut wie nie irgendetwas probieren, die Kekse mit dem Fuji und den Entchen drauf, hätte ich gerne gekostet.

Wie der Betrachter sieht, in Japan ist ALLES fett in Plastik verpackt. Die Japaner sind irre nach Umverpackungen und Plastik, Styropor und was weiß ich noch ….es ist ein Graus und meine einzige Kritik am Land. Jeder einzelne Apfel befindet sich in Folie, jedes Kitkat wird liebevoll in einer Pralinenschachtel verkauft, selbstverständlich in Plastik. Sushi, Reisbällchen, Salat, Fleisch, Fisch und Wurst…alles in Plastik. Ich dachte immer die Amis wären irre, die Deutschen nicht minder crazy….die Japaner toppen alles.

Unser Mittagessen stammte wieder vom Plastikteller, lecker Sashimi aus dem Supermarkt. Wer einmal Sushi aus dem Supermarkt in Japan gefuttert hat, weiß erst wie schlecht unser Sushi ist, egal wo man dieses in Deutschland gegessen hat.Pünktlich um 12:00 Uhr fing es laut Wetter App und auch tatsächlich an zu schütten. Wir marschierten strammen Schrittes zum Hostel und verschwanden für den restlichen Tag auf unser Zimmer. Ich verschlief den gesamten Nachmittag, mein Rotz und der wenige Schlaf der vergangenen Woche, zollten Tribut.

Vom Fuji sahen wir an diesem Tag  nichts mehr, nur meine Berg App konnte noch Auskunft geben:

 

 

Japan2018, III: Nikko日光 und ein Hauch von Tokio bei Nacht

Auch die vierte Nacht endete früh, wir hatten eine Shinkansenreservierung um 6:20 von Tokyo Station und mussten vorher mit der Maronouchi Line zum zweitgrößten Bahnhof Tokios gelangen.

Mathias ließ sich seine obligatorischen Reisbällchen am Morgen trotzdem nicht nehmen und schwupps saßen wir im Tokioter Morgenverkehr in der Metro und eroberten den Bahnhof mit Leichtigkeit. Zwanzig Minuten vor Abfahrt waren unsere JRPässe offiziell eingelöst und das Abenteuer Shinkansen konnte beginnen.

Die Züge sind toll, bestuhlt 3-2, ziemlich breit und komfortabel. Am Nachmittag wurden wir 2 x Zeuge, wie ein High Speed Zug durch einen Bahnhof bretterte. Mathias und ich waren uns einig, dass die Züge mit weit über 200km/h durch den Bahnhof fuhren. Das Gefährlich, man hört das Teil nicht kommen. Ich hab mich beim ersten Mal echt erschrocken.

Wir fuhren leider nur 40 Minuten mit dem Shinkansen, in Utsunomya stiegen wir in den Nikko Express. Wie gut, dass das Wetter eine kleine Pause eingelegt hatte, wir sahen nämlich den Fujiyama aus dem Zug heraus. Sicherlich kein preisverdächtiges Bild, angesichts der Wetterlage aber eventuell das Einzige was wir vom Fuji zu sehen bekommen werden….dachten wir jedenfalls an diesem Morgen.

Der Nikko  Express brachte uns in  rund 45 Minuten ins Weltkulturerbe. Mit Ankunft in der Stadt  reservierten wir unsere Sitzplätze für den Shinkansen am Nachmittag und fuhren mit dem örtlichen Bus in die Altstadt. Dort zäumten wir, nachdem sechs Reisebusse mit sehr munteren Chinesen an uns vorbeirollten, das Pferd von hinten auf und besuchten zunächst den Futara-San Schrein von 782.  Dieser wurde für die Götter der Berge Nantai ( männlich) und Nyotai ( weiblich) sowie Taro, dem Kind der Beiden errichtet.

Wir hatten den Schreinfast für uns alleine, ein Waldtempel, süß und lieblich.

Leider wurde auch auf diesem Gelände renoviert, in die Gebetshalle kommt man zur Zeit nicht hinein.

Als fünf von sechs Reisebussen voller Chinesen wieder abgefahren waren, betraten wir den Tempel Taiyuin-byo Schrein, der 1653 vollendet wurde. Man sagt, das dieser Tempel für Eleganz, der Toshu-gu für Pracht steht. Die Asche des Shogun Tokugawa Lemitsu ( 1604-1651) ist auf dem Gelände beigesetzt.

Auch diese Anlage hatten wir fast für uns alleine, mit den Flegeleien der restlichen 60 Chinesen kamen wir irgendwie klar. Leider benahmen sich die Herrschaften wieder fürchterlich, ein Mann spuckte sogar in den rituellen Reinigungsbrunnen!

Das Highlight von Nikko, den Tosho-gu Schrein teilten wir uns mit rd. 5000 anderen Besuchern, ganze Heere an Schulklassen waren unterwegs. Wir trafen ebenfalls auf die sechs Reisebusse und zusammen mit den so arg putzigen Chinesen erlebten wir ein nicht so mystisches Nikkoerlebnis.

Der Schrein wurde als Mausoleum für Tokugawa leyasu gebaut, 15000 Handwerker waren zwei Jahre mit dem Bau beschäftigt, er enthält viele buddhistische Stilelemente…..wenn man diese dann sieht  ( vor lauter Menschen). Aus diesem Tempel stammen übrigens die berühmten drei Affen- nichts sehen, nichts hören, nicht sprechen….das Bild befindet sich allerdings auf der Pentax und schlummer noch in raw.

Der Tempel wird gerade restauriert, gut das das Yomeimom Tor wieder in neuen Glanz erstrahlt, für die olympischen Spiele wird aber noch  der Komplex des Karamom Tores restauriert, wir ersparten uns sogar den Besuch des Inneren.

Eigentlich wollten wir uns noch den Rinnoji Tempel ansehen, doch irgendwie verpatzten wir es und standen am Ende an der Seikyo Brücke ( Neubau 1907). Zurück wollten wir auch nicht mehr laufen, entschlossen uns zur Aufgabe und gingen lecker Yakitori Spieße mit Soba Nudeln essen. Sobanudeln sind die regionale Spezialität von Nikko.

Gut das wir die Sitzplatzreservierungen umbuchen konnten, rund zwei Stunden früher waren wir wieder in Tokio. Nach einem kurzen Boxenstop im Hotel erbummelten wir uns zur blauen Stunde das Amüsierviertel Kabuchiko.

Wir hatten es auf Nachtfotos abgesehen, die Stative sollten ja nicht unbenutzt wieder mit nach Hause genommen werden. Die hier gezeigten Fotos sind allerdings nur aus der Hand geschossen und auch nur von meiner Bridge.

Tokio am Abend versprüht einen Wahnsinnscharme. Da das Wetter frühlingshaft warm war, befand sich die gesamte Stadt in und um Shinjuku Starion. Kabuchiko ist das Amüsier,-  und Rotlichtviertel, hier gibt es die bekannten Pachinko Höhlen, Bierhallen und Animierbars.

Wir wollten ebenfalls in den Golden Gai, eine Ansammlung von rd. 300 Minikneipen, entstanden nach dem Zweiten Weltkrieg als Schwarzmarkt. Hier wurden ausrangierte Armeegegenstände verhöckert. Die Kneipen sind so winzig, Touristen eher weniger willkommen und dennoch sollte man wenistens mal durchspaziert sein.

Bevor wir aber unser Tokioabenteuer im Golden Gai beendeten, kehrten wir nochmals bei Big Camera ein und Mr. Takano konnte ein gutes Geschäft mit uns verbuchen. Wir shoppten wichtigstes Fotoequipment, erheblich  preiswerter als @home. Mit der Tax Free Tourivariante und nem 5% Discount kann ich nur Jede/m Tokio zum shoppen ans Herz legen, sofern man die deutschen Preise kennt.

Golden Gai:

Zurück im  Hotel packten wir schleunigst die Pieselotten, duschten und fielen für fünf Stunden ins Bett. Am nächsten Morgen ging es bereits um 6:05 nach Fujikawaguchiko.

Mir dem festen Willen nochmal in diese tolle Stadt zurückzukehren, kehrten wir Tokio den Rücken.