Kuba 2013: Der Westen

Jetzt wo Kuba endgültig boomt, ist es an der Zeit nochmal ein paar Jahre zurückzublicken…..2013 war es doch noch ein wenig anders, beschaulicher und vor Allem fernab von Internet & Co.

Geplant hatten wir Kuba so ab Sommer 2012. Wir suchten uns unsere casa particulares über das www, fast alle über hostelbookers.com. Diese wurden allerdings ab 2014 von hostelworld.com übernommen und unterliegen seitdem dem amerikanischen Embargo- was wirklich zu schade ist, es war sehr einfach, tolle Unterkünfte zu finden. In Hotels wohnten wir nur, wo es einfach strategisch Sinn machte, z.B das Los Jasmines in Vinales….man hat nur dort den grandiosen Blick ins gesamte Tal.

Wir starteten unseren Urlaub in Varadero was ein etwas untypischer Beginn ist und der uns fast den gesamten Urlaub gekostet hätte. Varadero wird nämlich von Air Berlin angeflogen und die hatten, wie so oft im Frühjahr eines Jahres nichts Besseres zu tun, als Düsseldorf zu bestreiken. Nach einer mehr als nicht geschlafenen Nacht, nach unzähligen Telefonaten mit den Flughäfen und Gewerkschaften, standen wir morgens um 03:00 Uhr in Tegel, rd. 4 Std. vor dem eigentlichen Abflug. Die Mitarbeiter von Air Berlin hatten nichts Besseres zu tun, als die Passagiere noch ein wenig zu foppen- doch letztendlich waren wir um kurz nach 5:00 Uhr eingescheckt und mein Optionalflug mit Air France für 1300€ bleib einfach bei skyscanner im Handy.

In Düsseldorf herrschte Ausnahmezustand und auf der Abflugtafel waren es wirklich nur noch die Ausnahmen die lediglich mit dem Status „verspätet“ bedacht wurden…alle anderen Flüge waren gestrichen- uff, Glück gehabt.

Am Ende sind wir mit rd. 90 min. Verspätung abgehoben und konnten in die Entspannungsphase eintreten. Der Flug selbst war ruhig und gegen 13:00 Uhr Ortszeit waren wir dann auch in der Karibik. Die Einreise relativ unspektakulär, Mathias bewunderte die Mädels in Uniform und viel Lametta. Sie waren, in allen Gewichtsklassen, mit eindeutig viel zu kurzen Höschen bedacht worden. Stoff ist wohl auch knapp im Land des Rums und Cuba Libre. Die russischen Pauschaltouristen hatten ihren Spaß und mir taten die Mädels nur leid….was auch nicht ok war, denn die Damen mit dem vielen Lametta auf den Schulterblättern erinnerten eher an Feldwebel der ehemaligen VP.

Wir tauschten Geld am Flughafen und bestaunten die ersten CUCs analog zum US$…CUPs hatten wir zu diesem  Zeitpunkt noch nicht. Mit dem Taxi ging es zu Beny’s Place- eine wundervolle Casa Particulares mit Vier Sterne Luxus. Das Zimmer war modern karibisch, das Badezimmer ordentlich und vergleichbar mit jedem Mittelklassehotel.

Wir waren zufrieden und buchten nach Ankunft gleich unser Abendessen. Mixed Fisch mit Hummer. Danach zog es uns zum Strand (fußläufig, 4 min.) und gab uns die Chance die ersten Kuba Eindrücke aufzusaugen. Der Teil der Stadt in dem wir wohnten war noch nicht wirklich versaut, viele Einfamilienhäuser und kleinere Läden mit wenig Auswahl beherrschten das Stadtbild. Der Strand war sehr schön und Alles in Allem waren wir überrascht wie untouristisch sich Varadero an diesem ersten Abend so gab.

Varadero Strand

Platz genug für Alle

Den nächsten Tag vertrödelten wir am Strand, gingen auf Rum- Jagd in den kleinen Supermärkten mit Weltallatmosphäre (jeder Griff ins Leere).

Weltallstimmung

Varadero Stadt

erste Eindrücke Varadero

Da Havanna Club 7-jährig nicht mehr kostete als ein vernünftiges Essen in den Casas, erkoren wir Rum als Grundnahrungsmittel für die nächsten 4,5 Wochen. Morgens wurde dieser mit der örtlich gut erhältlichen Tukkola gemixt (sehr leckere Cola) und ab ging die wilde Fahrt über die Insel . Aus Varadero verabschiedeten wir uns mit einer Taxifahrt im Oldie um im Anschluß mit den sehr modernen Bussen von Viazul (online reserviert) nach Havanna zu fahren. Varadero hatte uns erstaunlicherweise sehr gut gefallen, es war weit weniger touristisch als angenommen. Wir sahen einige 3-5 Sterne Hotels aber grundsätzlich nur eine erste und zweite Strandreihe. Die Hotels lagen 2013 noch weit auseinander, es gab viel Luft und Platz für alle Sonnenanbeter. Um ein paar Tage am Strand zu verfaulenzen, war und ist Varadero nicht verkehrt. Lediglich die russische und kanadische Tourifraktion ist grenzwertig, wie überall auf der Welt wo es ALL INCLUSIVE zu viel Alkohol und  Billigtourismus gibt. Davon bekamen wir aber an den ersten zwei Tagen herzlich wenig mit.

In Havanna hatten wir eine erste ungeplante Änderung. Die von uns gebuchte Casa von Herrn Schnakenberg (empfohlen von einem Freund aufgrund der grandiosen Aussicht auf das marode Havanna Centro) hatte ein Wasserproblem und wir wurden an einen Kumpel von ihm verwiesen.

Unser Zimmerchen für die nächsten 4 Nächte lag in einem postrevolutionären „Neubau“ aus den 60ern mit pinken Treppenhaus in dem vor allem der Geruch einer öffentlichen Toilette vorherrschte.

Es gab einen Fahrstuhl, der so nostalgisch war, dass es uns schon wieder Spaß machte, mit diesem zu fahren. Die Wohnung in der wir wohnten lag in der sechsten Etage und wurde von einem netten Pärchen und deren kleiner Tochter (ca. sieben Jahre alt) bewohnt. Wenn man vom Hausflur die Wohnung betrat, stand man sofort im Wohnzimmer, ging von dort in einen kleinen Flur von dem links eine Küche und ein weiteres Zimmer abging. Unser Zimmer war offensichtlich das Elternschlafzimmer mit Kühlschrank, AC und eigenem Bad. Der Ausblick aus der sechsten Etage war unbezahlbar, die 100 Hühnereier im Kühlschrank verblüfften uns ein wenig und Mathias durfte sich das erste Mal als Klempner für unsere Klospülung versuchen…..am Ende der Reise war er wohl an allen Spülungen unserer Unterkünfte und Hotels drangewesen. Und wenn die Spülung ok war, gab es ja Gott sei Dank noch Duschköpfe und Wasserhähne die man richten kann.

Blick aus dem Fenster

Blick aus dem Fenster

Das Rätsel der 1000 Eier löste sich in den nächsten Tagen, als wir eines Morgens den „Schwarzmarkt“ life erleben durften. Wir saßen am Frühstückstisch und wunderten uns über die offene Wohnungstür. Wir vermuteten, das „Horch und Guck“ einen schnellen Blick bekommen soll, eine ordentliche, kubanische Familie hat schließlich nichts zu verbergen!  Es kamen zwei Männer und schluderten eine Reietasche in eine Ecke des Zimmers, sie verschwanden in der Küche. Unser Gasgeber fragte nach, ob er mal in unser Zimmer dürfte und holte die Eier raus. Vermutlich gab es im Gegenzug Fleisch und Guave ( unser gehasstes Obst)….die beiden Herren saßen im Anschluss vor dem plärrenden TV und alle Nachbarn hatten den besten Blick aufs Geschehen.

Bezüglich Havanna streiten sich bei mir die Geister. Auf der einen Seite eine tolle Stadt, wir hatten viel Spaß in den ehemaligen Kneipen von Ernest Hemmingway und auf den Spuren der Revolution.

Wir und der Meister im Floridita

Bodequita

Floridita

Auf der anderen Seite wird die Stadt mit einem Mythos belegt, den sie nicht erfüllt. Am Capitol wurde gebaut, uns wurde gesagt, dass das Gerüst seit 20 Jahren dort steht.

Der Malecon hatte für mich persönlich keinen Glanz. Es machte zwar Spaß, den Kids beim Planschen zuzusehen und sicherlich ist es auch spaßig, mit dem Oldtimer die Promenade hoch und runter zu düsen.

Ansonsten machte der Malecon einen eher verwahrlosten Eindruck, es roch nach öffentlicher Toilette an jeder Ecke und ist eben vorallendingen noch sehr sozialistisch. Läden oder Cafés sind Fehlanzeige. Die Häuser, welche in den 90er Jahren mal sehr hübsch restauriert wurden, bröckeln schon lange wieder.

Malecon, der alte Mann schenkte uns Zigarren

Castillo de los Tres Reyes del Morro

In Havanna Viejo wurde schon sehr viel restauriert, es sieht makellos nach Disneyland aus, aus allem wird Geld gemacht und sei es nur, dass mit Zigarre und Candomble´ Tracht posiert wird.

Das Ambos Mundos Hotel fand ich dann schon wieder ziemlich klasse, hier wurde „ wem die Stunde schlägt“ von Hemmingway geschrieben, der Meister wird überall geehrt. Wir passten uns der Zigarrenunsitte schnell an, unser Grundnahrungsmittel schmeckte damit noch um ein Vielfaches besser.

Blick vom Ambos Mundos

Da uns natürlich auch die Rum Produktion interessierte, suchten wir die Havanna Club Foundacion auf, eine interessante Führung und leckere Kostproben lohnen den Besuch.

 Natürlich besuchten wir auch das Fort….. und genossen den super Blick auf die Altstadt.

Blick vom Castillo de los Tres Reyes del Morroauf Havanna Viejo

Ein absolut tolles Abendessen genossen wir im berühmtesten Paladar der Stadt. Das „ La Guarida“ gelangte zu Ruhm durch den Film „ Erdbeer & Schokolade“ aus den 90ern. Das Restaurant ist in einer Ruine ( das heißt aber in Havanna nichts) und macht aus wenig echt viel….mein indisches Curry war zwar nicht indisch aber durchaus sehr lecker ( Achtung, vorreservieren über das www)

La Guarida

was für ein Treppenhaus

Restaurant mit Charme

Der Revolutionspalast

Wir besuchten die nicht chinesische Chinatown, den  Eisenbahnfriedhof und natürlichauch die Herren von Buena Vista Social Club auf dem Friedhof- es gibt viel altes Zeug auf Kuba und wer ein wenig nostalgisch veranlagt ist, kommt auf der Insel auf seine Kosten

Unser Besuch in Havanna wurde außerdem durch die Verlängerung unseres Visums überschattet, es kostete uns gefühlt fast die gesamte Zeit in der Stadt, ehe wir für den einen Extratag den Stempel im Pass hatten. Lonely Planet und Loose gaben beide keine ausführliche Auskunft. Die Adresse der Immigration stimmte in beiden Reiseführernnicht, allein der Kauf der Wertmarken bei den Banken war schon ultraschwer. Nachdem wir dann über eine sms meiner Mama endlich die Bestätigung bzgl. der Adresse hatten, fehlte am Ende wiederum der Nachweis über unsere Krankenversicherung und eine Bestätigung unserer Casa, dass die Rechnung bezahlt ist. Also mussten wir am nächsten Tag WIEDER zur Immigration und waren am Ende einfach nur noch froh aus Havanna raus zu fahren.

geschafft, das Visum ist verlängert

Cocotaxis fahren durch Havanna

Unser Auto, einen kleinen Hyundai, holten wir am Hotel Nacional bei Cubacars ab. Das Procedere war simpel, die Kollegen der Autovermietung versprachen uns, dass wir keine Einweggebühr zahlen müssten, da das Autochen eh nach Santiago de Cuba müsste. Wir waren happy, 130 $ gespart.

Hotel Nacional

Cubino
Cubino der kleine Kubaner

Wir fuhren über leere Straßen Richtung Westen, grob Richtung Pinar del Rio. Unser erstes Ziel war Las Terrazzas, ein Modelldorf aus den 70ern. Als die USA und Europa noch nicht von der grünen Welle erfasst waren, wurde auf Kuba schon ein komplett autarkes Dorf in wunderschöner Umgebung gebaut. Es gibt dort ein tolles Ökohotel, welches wir für diese Nacht gebucht hatten, außerdem den besten Kaffee auf Kuba und natürlich haben wir auch die alten Cafetales, z.B . Buenavista besucht.

Am nächsten Tag fing das Wetter an zu schwächeln, auf dem Weg nach Vinales zogen dicke Wolken auf.

Blick auf Las Terrazzas am nächsten Morgen

Bei Einfahrt in eines der  schönsten Dörfer und Täler Kubas blieb uns auf einmal der Mund offen stehen! Vor uns offenbarte sich eine Filmkulisse der besonderen Art. Ein Farmhaus , mit Tabakfeldern, Trockenhaus und Oldtimer davor. Was für ein Anblick, was für nette Gastgeber. Wir wurden eingeladen, schauten uns das Anwesen an, pafften eine Selbstgedrehte und stöberteb zu guter Letzt im Fotoalbum des 15. Geburtstages unserer Gastgeberin.,  Die Quince ist der wichtigste Tag im Leben eines lateinamerikanischen Mädels, ähnlich  einer Konfirmation, Firmung oder Jugendweihe wird das Mädchen in die Gesellschaft eingeführt….und das mit viel Pomp und Bramborium.

unsere Gastgeber

Leider war der Tag sehr verregnet und wir konnten Vinales nicht so richtig genießen. Wir trösteten uns damit, dass wir ja wiederkommen würden und verbrachten einen feuchten Nachmittag im Ort. Im strömenden Regen brachten wir am späteren Nachmittag noch eine Kubanerin mit ihrem Kind mit dem PKW nach Hause….sie taten uns einfach nur leid….

Vinales

Dorfimpressions

Unsere Unterkunft in Vinales wird als die „legendäre Ana-Luisa“ eingehen. Ein Herz von Wirtin, astreine Köchin und nen Pool….den probierte Mathias auch im strömenden Regen aus. Ich habe ihre Adresse mehr als einmal weitergegeben und Alle, die bislang bei ihr gewohnt haben, waren genauso begeistert wie wir.

Hummer, grandios

Zimmer bei Ana-Luisa

der Pool, sehr ordentlich

Am nächsten Tag zog es uns im strömenden Regen nach Palma Rubia. Wir stellten unser Auto bei Antonia ( unsere Wirtin für den nächsten Tag) ab und zogen los zum Fähranleger.

Cayo Levisa hieß unser Ziel, eigentlich ein tolles karibisches Inselchen, wir hockten aufgrund des Wetters fast nur drinnen, tranken Havanna Club und genossen ALL IN und CNN.

sehr gemütlich, leider kalt und regnerisch

Karibik im Sturm

Nach 24 Stunden hatte sich das Unwetter gelegt, die darauffolgende Nacht verbrachten wir sehr einfach bei der bereits genannten Antonia, die aufgrund grandioser Pommes berühmt wurde.

es klart auf

Im Anschluss ging es nochmal für zwei Nächte nach Vinales….wir genossen den spektakulären  Blick vom Los Jasmines, ein gutes Essen auf einer Tabakfarm und einen grandiosen Ritt auf dem Rücken der Pferde durch das Tal. Wir besuchten den Tabakbauern, der für die Cohiba Außenblätter verantwortlich ist und genossen die neidischen Blicke einer Pauschalreisegruppe, als wir an diesen vorbeiritten.

Vinales

Palma Real

unsere Pferdchen

Unsere letzten Tage im echten Westen verbrachten wir in Pinar del Rio. Wir besuchten Donatien und sahen bei der Zigarrenproduktion zu. Der Ort selbst war sehr schmucklos, wir bekamen nicht mal Geld bei den Banken, umd  diesbezüglich schweißnasse Pfötchen.

Pinar del Rio

Aufrund eines Geheimtips machten wir uns auf den Weg zu Alexandre Robaina, einer  alt eingesessene Tabakfamilie und Marke, die immer noch in Familienhand ist. Man munkelt, dass bei Robaina die beste Zigarre gerollt wird. Wir wurden vom Enkel über das Anwesen geführt, bekamen eine echte, für uns gedrehte Robaina geschenkt und stöberten in alten Familienbildern.

Ein tolles Erlebnis, welches mich von den Bettwanzenbissen ablenkte, die ich mir in Pinar del Rio gefangen hatte. Ich sah kunterbunt aus, ganze Straßen zogen sich an meinem Körper entlang. Die folgende Nacht verbrachte ich in Klamotten.

Achtung, Bettwanzen

aber ansonsten sehr hübsch

Wir verbrachten noch einen schönen Nachmittag auf Cayo Jutias, eine Halbinsel neben Cayo Levisa, bevor es am nächsten Tag über Playa Giron (Schweinebucht) nach Boca del Guama und dem Lago di Tresoro ging. Vorher kauften wir noch Geld im so arg schönen Dörfchen Australia. Überraschenderweise bekamen wir hartes Bares.

Cayo Jutias

toller Strand

nicht der Kontinent, nur ein Nest mit Bank

Playa Giron, die Schweinebucht

Der Schatzsee wird ebenfalls in die Geschichte eingehen….zum Einen weil Hugo Chavez in Venezuela starb und auf Kuba 3 Tage Staatstrauer ausgerufen wurde, zum Anderen weil auch ohne Staatstrauer die staatliche Hotelanlage außerordentlich schlecht geführt und mit ultraschlechtem Essen versorgt wurde. Wir ernährten und drei Tage lang von Hamburquesa, zwei Toastbrotscheiben mit Burger Boulette dazwischen. Alles andere war nicht essbar und wir waren nicht traurig, als unsere Zeit dort abgelaufen war.

auf zum Schatzsee

malerische Bungalows, schlechtes Essen

Unser nächstes Ziel war Cienfuegos- französsiche Architektur und Beny More´, ein Kind dieser Stadt.

Cienfuegos und die Revolution

der Radiosender

blieben zwei Nächte, bewunderten die Architektur und erforschten die nähere Umgebung, ehe es weiter gen Osten ging….unser nächstes Ziel war Trinidad. Mehr zu lesen unter Kuba 2013:Der Osten

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