Japan 2018, VIII: Kyoto 京都市 Tag 1-2

Pünktlich um 8:00 Uhr fuhren wir über Nagoya nach Kyoto. Vorher amüsierten wir uns über die Massen, die mit uns brav in Takayama auf das „boarding“ warteten. Zwanzig Minuten vor Abfahrt, durften wir auf den Bahnsteig und das richtige Abteil suchen. Da wir ohne Reservierung bis Nagoya unterwegs waren und ehrlicherweise nicht drei Stunden stehen wollten, waren wir mehr als pünktlich am Bahnhof um brav mit den anderen Herdentierchen zu warten. Die Sorge war unbegründet, die Reisegruppen waren sowieso mit Reservierung unterwegs.

Anbei eine Impression aus dem Zug

In Nagoya stiegen wir in den Shinkansen, Mathias lud sich eine Geschwindigkeitsapp herunter, die immerhin 265 km/ h anzeigte….da bremste der Zug aber bereits wieder, um uns in Kyoto auszuspucken.

Ich wartete im Isetan Café, bei Käsekuchen und Kaffee auf Mathias der nochmals Big Camera aufsuchte.  Nach erfolgreichem Geschäft fuhren wir mit der Metro zu unserem Hostel, das wieder recht zentral an einer Metrostation lag. Kyoto besitzt einige wenige Subwaylinien, das Meiste wird leider über Busse bewältigt, die gerne im Stau stehen. Während uns Tokio sehr einfach vorkam, überforderte uns Kyoto an diesem ersten Tag ein wenig. Das konnte aber auch an der schwülen Hitze liegen, die die Stadt  und uns lähmte, weit über 30 Grad mit Gewitterneigung, keine Luft zum atmen.

Einchecken ging noch nicht, wir tranken nur ein Wässerchen und verschwanden in Richtung Nijo-jo Castle.

Ich bin ehrlich,  ich hatte mehr Respekt vor Kyoto als vor Tokio. 1600 Tempel, Kaiserpalast und Burg…..wie soll das in 4,5 Tagen bewältigt werden? Hinzu kam, dass wir ja neben den Highlights auch ein paar weniger besuchte Ecken unsicher machen wollten. Schwerwiegend kommt hinzu, Kyoto ist weitläufig und es fehlt in großen Teilen die Subway. Ich hatte mich im Vorfeld gut vorbereitet, einige Tempel ausgesucht und versucht, diese mit den absoluten Highlights zu kombinierem.

Bereits auf dem Weg zum Castle bemerkten wir die Weitläufigkeit und waren bereits angefressen, als wir dort ankamen. Acht Blocks geradeaus, zwei Blocks nach links hatten für den ersten Nachmittag gereicht.  Mit uns wollten noch rund 500 Schüler, zwanzig  Reisegruppen und ca. 30 Individualtouristen ins Nijo- Jo und um es kurz zu machen……wir hatten nur in den Gärten wirklich Spaß. Das Castle sagte uns im Inneren überhaupt nicht zu, wir trabten wie die Schafe mit dem Rest der Herde mit  und beobachten die blökenden chinesischen und italienischen Schafe, die sich übelst beschimpften.

Hier ein paar Eindrücke….habe versucht, die Menschenmassen auf den Fotos zu vermeiden.

Nach dem Besuch des Castles wollten wir zum Nishikimarkt laufen. Da dieser aber um 17:00 Uhr schließt , verwarfen wir die Idee auf halber Strecke und überlegten uns, dass evtl. Arashiyama eine Alternative für den späten Nachmittag ist. Wir waren wirklich willig, leider die Verkehrssysteme von Kyoto nicht! Nach einer kleinen Irrfahrt landeten wir wieder an unserer Heimatstation und checkten  um 17:30 Uhr ein.

Das Bird Hostel ist eine Perle, nette Betreiber, super Ausstattung.Unser Zimmer besser als in so manchem Hotel, insgesamt alles sehr stylisch und absolut empfehlenswert.

Am Abend liefen wir lediglich fünf Häuser nach rechts und landeten in einem kleinen Restaurant mit Hausmannskost. Mathias hatte Tonkatsu Chicken und ich Beef auf ner Teppanplatte…..sehr lecker.

Am nächsten Morgen erfreuten wir uns an  einem sehr guten Frühstücksbuffet und versuchten einen neuen Start mit Kyoto. Leider kam mein Rotz wieder durch, ich hatte diesen wohl nicht ganz ausgeheilt und aus den 30 Grad von gestern, wurden 17 Grad, kalter Wind und Regeneigung heute. Es hieß also Jacke an, Jacke aus, Jacke an, Jacke aus……nur gut für Rotz und Co.

Unser erstes Ziel war der Nishikimarkt. Wir fuhren zwei Stationen mit der U- Bahn und erfreuten uns am exotischen Essen. Da der Markt so schön war, beschlossen wir, in den nächsten Tagen  dort einzukehren.

Wir schauten uns im Anschluß den Schrein hinter dem Markt an und schlenderten zum Fluß in Richtung Yanaka Schrein.

Wir mussten durch Gion und schon war Schluß mit  meiner romantischen Träumerei von bezaubernden Gassen, durch Nebelschwaden huschende Geishas ( hier Geiko genannt) und  ein wenig Romantik in der heutigen Zeit. Knallharter Chinatourismus erwartete uns, Verkehrspolizisten die verzweifelt versuchten den Massen Herr zu werden. Wir rannten in die nächstbeste Gasse und trafen auf folgenden Kumpel:

Die berühmte Künstlerin Yayoi Kusama hatte bis zum 03.5.2018 die Ausstellung „ Pumpkins forever“  in Kyoto und dieser übrige gebliebene Kürbis verschönert nun Gion.

Anbei auch ein Foto, wie es in Gion aussehen sollte:

Am Yanaka Schrein  war bereits Rummelplatzatmosphäre, viele Mädchen liefen im Kimono herum, überwiegend  Japanerinnen aber auch viele Chinesinnen und leider auch Mädels europäischer Machart.

Im Anschluß schlenderten wir durch die belebten Straßen von Gion zum Kodai-ji Tempel.  Dieser wurde 1605 von der Witwe Toyotomi Hideyashi in Gedenken an ihren Göttergatten errichtet,

Dort erwartete uns meditative Ruhe, es war fast leer und genau die richtige Wahl im Wahnsinn der Stadt.

Zen Gärten, die eher zum Schmunzeln anregen. Das rechte Häufchen soll den Fuji darstellen.

Wer erkennt dem Drachen?

Das der Kodai-Ji auch mit einem eigenen Bambuswald prahlen kann, machte ihn für uns noch attraktiver.

Draußen erwartete uns Jubel, Trubel, Heiterkeit…..künstliche Parkplätze für Reisegruppen, aber auch ein schöner Blick zur Yanaka Pagode, die mit dem Schrein nichts zu tun hat und nur der Überrest eines abgebrannten Tempels ist.

Wir hatten an diesem Tag ein riesengroßes Glück. Leider kann ich noch keine Fotos zeigen, wir hatten aber das Erlebis eine echte Geiko im Dienste der Unterhaltungskünste zu erleben. Da der Mensch, der Unterhaltung benötigte, ziemlich relaxt war, konnten wir tatsächlich Fotos von ihr schießen (  noch in raw)  und auch die Geisha war uns freundlich gesinnt.

In jedem Reiseführer steht, dass man Geishas/ Geikos in Kyoto so gut wie nie zu Gesicht bekommt. Es  besteht nur die Möglichkeit an ortganisierten Teezeremonien teilzunehmen, ggfs. den Damen in Gion auflauern, wenn sie schnellen Schrittes zu ihrem Auftrag eilen..

Am Kiyomizu- dera Tempel war es so voll, erinnerte mich an einen wimmelnden  Ameisenhaufen und ich nahm  mir vor abends zu googleln, ob die Chinesen evtl. Ferien haben. Schlimmer kann es zur Kirschblüte auch nicht sein.

Wir verzogen uns zunächst in ein Restaurant, aßen eine gute Ramen Suppe und entdeckten eine echte Kyoter Süßigkeit für uns. Nudel-Eier-Täschchen mit Füllung. Halten nicht lange ( max. eine Woche) und sind unwiderstehlich.

Am Kiyumizu-dera wird bis 2020 gebaut, er ist rd. 1000 Jahre alt und war für uns wenig beeindruckend, da eindeutig zu voll. Die berühmte Terasse des Tempels ist nicht begehbar und somit war der Spaß für uns schnell zu Ende.

Da es regnerisch und kälter wurde, machten wir uns über die berühmte Pontocho zum Bahnhof Karazuma Oike. Auf dem Weg fiel uns ein schickes Restaurant auf, die Crispy Wagyu auf der Karte hatten, es kribbelte und kurze Zeit später genossen wir in der berühmtesten Gasse kurz fritiertes Rindfleisch, medium mit Rettich, Wasabi und in Sojasoße getunkt…..zum Niederknien.

Ermattet kamen wir um 19:30 im Hostel an und waren nicht nur mit Kyoto ausgesöhnt sondern auch zufrieden, die Beine hochzulegen.

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