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Italien 2020, VI: Siena und beinahe das Val d‘Orcia

Wieder ziemlich spät aus dem Bett gekrochen, gemütlich gefühstückt und uns auf die 1,5 Stunden lange Tour nach Siena gemacht. Dort angekommen fanden wir wieder direkt einen Parkplatz in der Nähe zum Centro Stoico.

Wir näherten uns der Stadt diesmal untypisch, zunächst einmal unternahmen wir eine Tour mit dem Riesenrad vor dem Stadttor.

Im Anschluss fanden wir erstmal eine offene Post ( oh Wunder) und Mathias stellte sich unter Einhaltung der Corona Hygieneregeln in der Schlange an. Erstaunlich war die offensichtliche Disziplin der Italiener, Viele trugen einen Mund- Nasenschutz und diesen auch am hellichten Tag, ohne offizielle Auflage. Auch wir holten pflichtbewusst den Nuschelpulli vor und schlenderten zum nächsten Pizzaladen. In diesem wurden wir nicht nur herzlichst versorgt, Emily ausgiebig bewundert….nein, der Koch sang auch so schön zu italienischen Schlagern aus den 90ern und als er Su di Noi anstimmte wurde ich auf einmal direkt sentimental, einer meiner Songs aus den frühen 90ern. Ich muss nicht erwähnen, dass wir diesen an diesem Tag noch mindestens 6x trällterten, schief und falsch von allen Sitzen im Auto.

Zuerst besuchten wir den Piazza Salimbeni und bewunderten den gleichnamigen Palast. In diesem wurde 1472 die älteste Bank Europas die Monte dei Paschi die Siena eröffnet.

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Siena gefiel uns gut, die  Piazza del Campo war sehr beeindruckend, auch wenn wir Drei uns einig waren, dass Pferderennen auf dem Campo nicht unbedingt sein müssen, so stellten wir uns die Atmosphäre in dem Nudeltopf einzigartig vor. Der Palazzo Tolomei überragt den gesamten Campo wie eine Trotzburg.

Auch die kleinen Straßen, die zum Campo führen waren toll und vermittelten eine schöne Atmosphäre.

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Piazza del Campo:

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Noch beeindruckender kommt der Duomo dell Assunta daher….für mich persönlich einer der schönsten Sakralbauten der Welt. 

Bereits 70 nach Christus findet man die ersten Aufzeichnungen über Siena, die Stadt wuchs 1000 Jahre später zur wichtigsten Macht neben Florenz heran. Auch kulturell konnte Siena mithalten, insbesondere die Malerei der Sieneser Schule fand im 13. u. 14 Jh. große Beachtung. Die Stadt musste sich 1555 beugen und geriet unter Florenzer Führung, die Unabhängigkeit ging verloren.

Der Duomo wurde 1179 geweiht, die wichtigsten Bauarbeiten bis 1264 abgeschlossen. Der Dom sollte aber noch größer werden, ein Vorhaben, welches aufgrund von Streitigkeiten, Geldnöten sowie der Pest von 1348 nicht umgesetzt werden konnte. 

Der Duomo bietet heute ein großartiges Schauspiel, die Fassade kommt  ganz in weißem Marmor mit Rosso di Siena und schwarzgrün aus Prato daher. Der Campanile ist freistehend, die Glasmalereien von 1288 gehören zu den ältesten, noch erhaltenen Glasfenstern der Welt. Steht man im Duomo staunt man einfach eine Runde weiter! Schwarz-weiße Säulen, Bögen und Arkaden, ein einzigartiger Mosaikboden verschönern den Bau. Hier wurde nicht nur die Bibel herangezogen, sondern auch Allegorien aus der Antike.

Die Kanzel besteht aus Carrara Marmor und wurde 1268 gefertigt.

Nennenswert ist auch die Galerie der Päbste, insgesamt 172 von Paulus bis zum 1185 verstorbenen Lucius III. 

Bildschön kommt auch die angegliederte Piccolomini Bibliothek daher, Abschriften von Pius III können in dem einzigartigen Raum bewundert werden.

Wir Alle, eher Ungläubigen waren schwer beeindruckt…..und das soll was heißen.

Nach den Besuch des Duomos  schlenderten wir wieder zurück zum Campo und tranken dort stilecht ein Pellegrino und naschten ein tolles Gelato.

Nach einem letzten tollen Blick auf die Stadt, machten wir uns auf den Weg in das Val d‘Orcia.

Jedem Hobbyfotografen wird dieses Tal angeraten, die typische Toskanalandschaft wird präsentiert, besonders schön am späten Nachmittag. Wir entschieden uns für Apple und ließen uns von Siri rd. 1,5 Std. kutschieren. Mitten im Nichts hieß es aufeinmal „ sie haben ihr Ziel erreicht“……Google wollte uns noch 30min weiter durch die Pampa schicken! ,Mathias legte eine Runde powernapping ein und wir Mädels stiefelten eine Weile im Nicht- Val d‘ Orcia! Ein paar nette Bildchen sind es aber dennoch geworden, die Toskana kann man erahnen!

Der Weg zum Campingplatz zog sich, rd. zwei Stunden benötigten wir…..davon waren die letzten Kilometer durch Wildwechsel extra gefährlich.

Wir hauten schnell ein paar Nudeln in den Topf, schmissen Pesto drüber und fertig war das Abendessen.

Gegen 22:45 gings ab in die Heia.

Italien 2020, IV: Toskana- SatuRnia, Pitigliano & Montopoli

Die Nacht was eindeutig für unseren Ferienmodus zu kurz. Bereits um 6:30 Uhr klingelte der Wecker, Emily hatte sich so gegen 3:00 Uhr zu uns getrollt, nachdem die kleine Lady Helena ins Bett gekotzt hatte! Wie gut das Helenchen zwei Betten zur Verfügung hatte!

Wir waren ziemlich gut an diesem Morgen unterwegs, das Auto war schnell beladen und unser karges Frühstückchen ( Brot, Käse und Schinken) war schnell mit dem Instantkaffee heruntergespült. Statt der 8:30 Moby Fähre ( für die wir Tickets hatten) kamen wir bereits auf die 8:00 Uhr Torremar.

Elba verabschiedete sich mit einem schönen Blick vom Hafen und kurz nach 9:00 Uhr waren wir wieder auf dem Festland und machten uns auf den weiten Weg nach Saturnia

Noch nie was von Saturnia gehört? Die heißen Quellen liegen in der tiefen Maremma im Süden der Toskana, fast an der Grenze zu Umbrien. Eigentlich wären wir gar nicht so tief in den Süden gekommen, wenn wir nicht auf Elba gewesen wären und es von dort binnen eines Tagesritts machbar geworden war.

Wikipedia schreibt zu Saturnia: Eine Legende besagt, dass Saturnia die erste von Saturn gegründete Stadt auf der italienischen Halbinsel sei – daher leitet sich der Name Saturnia ab. Der Ort liegt auf einem Travertinfelsen und gilt als die erste Stadtgründung der Etrusker, die ihn Aurina nannten. Teile der Stadtmauern stammen aus dem 2. Jahrhundert v. Chr. aus Römischer Zeit,[2]die Präsenz der Römer, die den Ort als Aurinia bezeichneten, wird seit 280 v. Chr. vermutet. Zwischen dem 3. und 12. Jahrhundert hinterließ Saturnia keine weiteren Spuren.[3]

Erstmals schriftlich erwähnt wird der Ort 1188 in einem Dokument von Papst Clemens III.,[4] zu dieser Zeit waren die Therme und die Festung, die Rocca, schon vorhanden.

Die naturlichen Quellen sind um die 40-45 Grad warm und was Wikipedia nicht schreibt,dass sich dort zu jeder Tages,- u. Nachtzeit Horden an Menschen herumtreiben. Die Italiener stehen auf das Schwefelwasser und würden sich sogar mit Mund- Nasenschutz dort noch hineinsetzen. Der Wasserfall, die Becken ( Pamukkale nicht unähnlich) sind übrigens für umme, die großangelegten Parkplätze ebenfalls. Was ebenfalls nicht in Wikipedia steht, dass aufgrund der heißen Quellen eine wahnsinnige Thermik im Tal vorherrscht, die Hitze machte uns wirklich kirre…..es können gut 45-50 Grad gewesen sein.

Wir vergaßen zu allen Übel auch noch unsere Badeschuhe und stolperten auf nackten Füßen mehr schlecht wie recht über die Steine. Der aufgeweckte Leser liest heraus, dass der Besuch von Saturnia eher Qual als Wohltat gewesen ist…dafür sind die Thermalbecken schön anzusehen und im November, bei schlechtem Wetter, bestimmt lauschig warm. Achja, das Gebäude neben dem Wasserfall ist übrigens eine alte Mühle.

Emily und Mathias waren auf jeden Fall froh, als wir im wahrsten Sinne des Wortes, der Schwefelhölle entkommen waren.

Nach einem schönen Blick auf die Becken ließ ich mich noch von einer fiesen Pferdebremse stechen,die Viecher scheinen auf Schwefel zu stehen.

Die 30 km bis Pitigliano zeigte sich die Maremma im schönsten Licht und als wir an der Kirche Madonna de la Grazie ankamen glaubten wir unseren Augen kaum….rechts von uns erhob sich die perfekte Mittelalterkulisse….unglaublich, was die Etrusker zustande bekommen haben. die erste Erwähnung der Stadt erfolgte um 1061.

1293 ging sie an die  Familie Orsini, Anfang des 17. Jahrhunderts an die Medici, welche sie 1604 in das Großherzogtum der Toskana eingliederten. Im 19. Jahrhundert wurde sie Teil des Königreich Italien. Im 16. Jh fanden viele Juden Zuflucht in Pitigliano und ist damit stärker als andere Orte der Maremma jüdisch geprägt. Heute ist die Synagoge von 1500 wieder restauriert, in Piccola Gerusalemme gibt es wieder einen koscheren Fleischer, die Synagoge und eine Gemeinde mit drei Mitgliedern.

Wir hatten, aufgrund der noch verbliebenen Distanz zu unserer Unterkunft nur begrenzt Zeit für einen Stadtbummel, mussten aber dennoch erst eine mittelmäßige Pizza essen….das karge Frühstück hatte nicht lange angehalten.

Unser Spaziergang durch Pitigliano fiel demzufolge etwas kürzer aus, der Ortskern ist allerdings auch stark restaurationsbedüftig und es roch zum Teil sehr muffig in den Gassen.

Gegen 15:00 Uhr machten wis uns auf den Weg nach Montopoli im Arnotal zw. Florenz und Pisa. Das Navi sagte uns eine Ankunft um 18:10 Uhr voraus, google.maps sagte 17:57 Uhr….die Rezeption machte um 18:00 Uhr zu. Mathias fuhr wie ein waschechter Italiener und cruiste den Skoda um Punkt 17:52 auf den Parkplatz des Toskana Holiday Villages ein.

Wir bezogen unser Mobilehome und erschraken erstmal über den üblen Duft im Cottage. Der Kühlschrank muffelte unglaublich, ansonsten war das Ding aber gut durchdacht. Weniger gut durchdacht war allerdings das Waschmaschinensystem auf dem Platz. Am Ende konnten wir nur eine Maschine waschen, hatten statt einer WaMa Münze ne Trocknermünze in der Hand und ein Guthaben von einem Euro im Automaten sowie 20 Mückenstiche mehr……gefrustet liefen wir wieder in unsere Hütte und schmissen ein paar Tortillas in die Pfanne. Diese waren gefüllt mit Tomatenmark, Tomate, Basilikum und Käse.

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Todmüde fielen wir gegen 22:00 Uhr ins Bett, der Tag hatte uns geschafft.