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Uganda 2020, IV: Kibale Forest, was für ein Affentheater

„Eine Autofahrt ist lustig, eine Autofahrt ist schön, ja da kann man viel erleben und vom Urlaubsländle sehen, hollahi, hollaho…..“- wie aus 305km, 360km wurden und uns fast den Verstand gekostet hätten!

Wir frühstückten für afrikanische Verhältnisse sehr spät an unserem Abreisetag aus Murchison Falls. Das Navi war mit Koordinaten bestückt, google maps hatte ebenfalls die Route und auf meinem Schoß lagen drei ausgedruckte Alternativrouten, die Heimarbeit im Vorfeld der Reise.

Sowohl google maps, als auch das Navi waren einer Meinung, raus gehts über den Budongo Forest, nicht wieder über Masindi, wie am Vortag……beide Navis versagten kläglich.

Beim ersten Versuch den Nationalpark zu verlassen, landeten wir mal wieder auf einer Wiese, umgeben von Hütten…quasi der Pfad ohne Ausweg, den wir bewusst gewählt hatten, weil wir eine Abfahrt verpasst hatten.

Wir wendeten, nahmen die erste Alternativroute und kamen gut voran. Wir erfreuten uns an den Kids auf der Straße, den vielen Dörfern am Wegesrand als auch an der typischen Bauweise in diesem Teil Ugandas. Die Pisten waren mal schlecht, manchmal noch schlechter, Kariblue machte einen super Job…..bis wir auf eine, von den überall im Land sehr aktiven Chinesen gebaute Baustelle kamen, die gleich eine Straßensperre mit sich brachte. No worries dachten wir uns und nahmen eine neue Route lt. Navi und google maps.

Leider ging auch diese Alternative nur rd 45 Minuten gut, wieder versperrte uns eine Straßensperre der Chinesen die Weiterfahrt. Wir waren weiterhin optimistisch und versuchten parallel zur originären Route zu fahren und landeten wieder in einer Sackgasse. Macht nichts, gibt ja noch weitere Parallelpfade, bestätigten sowohl google almighty und das Navi mit der Karte ugandischer Bauart ( Garmin bietet kein Kartenmaterial) und wieder landeten wir in einer Sackgasse, an derem Ende aber ein Guesthouse stand. Wir fragten uns durch und bekamen eine valide Antwort. Zurück zur Baustelle, 120 m davor den Berg hoch und wieder waren 45 Minuten vertändelt……keine 50 km vom Red Chili Restcamp entfernt, runde drei Stunden nach Abfahrt, waren wir dann schlussendlich auf der richtigen Straße nach Hoima.

Hoima ist eine unaufgeregte Kleinstadt mit einigen Banken, Tankstellen und dem Tik Hotel.In diesem fröhnten die Chinesen ihr chinesisches Neujahr, aßen billige Nudelgerichte und stierten entweder ins IPhone oder auf den Fernseher, wo ein ziemlich radikaler Prediger von irgendeiner amerikanischen Kirche ( Babtisten, Methodisten oder so ähnlich) das neue Testament predigte, nein …eher schrie. Fasziniert schauten wir dem Spektakel zu und vergaßen fast, warum wir in diesem Etablissement gelandet waren. Wir wollten eigentlich nur aufs Klo, ich ebenfalls bei den Männern, chinesische Frauen scheinen im Tik Hotel nicht zu wohnen. 

Weiter gings, 147 ugandische Kilometer lagen noch vor uns und was das bedeutete, wussten wir.

Google und Navi waren sich nicht mehr einig, die Freunde zickten sich aus….sagte Google nach rechts, meinte das Navi nach links. Wir einigten uns auf Google und erlebten nicht nur tolle Piste, sondern ein Kirchenfest und vor Allem viel, viel Staub. Zum Teil konnten wir nicht mal mehr entgegenkommende LKWs erkennen, ziemlich gefährlich und gesundheitsschädlich für alle Reisenden auf den Lehmpisten.

Das Kirchenfest endete in einem handfesten Stau, nach mittlerweile sieben Stunden „on the road“ konnte uns aber auch das nicht mehr erschüttern.

Rund um Fort Portal ist die Teeindustrie von Uganda zu Hause, die Teefelder begeisterten uns und ich legte noch den einen oder anderen Stop für Fotos ein.

Außerdem wurde die Piste zur Straße und wir hatten die erste Begegnung mit dem Grund unseres Herkommens…..unsere zu 98% identische DNA überquerte zu Dritt die Straße! 

Wir waren hin und weg, später bestätigte uns ein Mitarbeiter unserer Unterkunft, dass dies so gut wie nie vorkommt, Schimpansen bleiben im Wald.

Google hatte noch einen letzten schlechten Witz für uns auf Lager, die App schickte uns sieben Kilometer kreuz und quer zwischen die Teefelder hindurch, bis wir endlich, nach rund neun Stunden ( zur Erinnerung, 305 km) in Rweteera ankamen.

Der Rweteera Safari Park hatte schon bessere Zeiten erlebt, die Zelte waren ziemlich abgerockt, unser Bungalow dafür umso schöner. Wir waren zufrieden, wurden aber auch hier sofort vor nächtlichen Besuchern ( Nilpferde) gewarnt.

Um 19:00 Uhr gab es unser Dreigängemenü, Kürbissuppe, Beefcurry und fried banana…. gegen 20:00 Uhr schlichen wir pappsatt in unseren Bungalow, der Tag hatte uns geschafft. Wir richteten uns häuslich ein, ich fummelte an der Kabelage und allgemein an der Technik herum und wunderte mich, welch eigentümlicher Geruch von Mathias Sneakern ausging…..die Dinger stanken erbämlich. Mein lieber Mann nahm ebenfalls eine Geruchsprobe, obwohl er sofort gegen meinem Einwand protestiert hatte. Im gleichen Moment hörten wir es in unserem Vorgarten schnaufen und grunzen. Eine ausgewachsene Tonne Hippo stand vermutlich direkt neben uns. Anfänglich hatten wir noch gedacht, dass man nicht in unseren abgeschlossenen Bereich hineinkommt, bis wir am nächsten Tag den Shortcut in der Hecke entdeckten. 

Wir lachten uns schlapp, der Stinker stinkerte uns in den Schlaf. Was wir aber gemacht hätten, sofern wir nur zehn Minuten später das Restaurant verlassen hätten, wissen wir bis heute nicht.

Der nächste Morgen begann früh, bereits um 7:00 Uhr waren wir auf den Weg in den Kibale Forest zum Schimpansentracking.

Rund 25 Leute bekamen eine Einweisung und wurden in Gruppen zu rd. sechs Leuten verteilt. Wir waren mit zwei anderen Deutschen in einer Gruppe, die bereits am Tag zuvor schon mal im Wald waren. Sie erzählten uns, dass beim gestrigen Tracking ein Schimpansenbaby vom Baum gestürzt ist und sofort tot war. Die gesamte Affenbande versammelte sich um den Leichnam, die Mama schrie den Wald zusammen und nahm das Junge wieder mit in den Feigenbaum…..mir hätte es das Herz zerrissen, gut das wir einen Tag später da waren. Der Tod des Affenkindes nahm auch unsere Rangerin mit, die jedes Tier mit Namen benennen konnte.

Der Trek war am Anfang recht einfach, es ging über Baumwurzeln, Lianen aber wenig steil in den Wald hinein, nach rd. 30 Minuten standen wir an jenem verhängnisvollen Baum, der dem Baby das Leben gekostet hat, Schimpansen nesten jeden Abend und verbringen die Nacht im Baum, Mütter verlassen diesen mit dem Nachwuchs nie. Der besagte Feigenbaum war rund 25 m hoch, oben in der Baumkrone turnten die Klettermaxen in allen Altersstufen, fotografisch betrachtet eine Katastrophe. Hals über Kopf, mit einer irren ISO Einstellung und extrem kurzer Verschlusszeit versuchten wir unser Bestes….naja…wir versuchten es eben. Hinzukam das Schimpansen eigentlich den lieben langen Tag nichts anderes tun als futtern, pieseln und Häufchen fallen lassen. Das Ganze geschieht aus rund 25 m, gefühlt regnete es den gesamten Vormittag Chimpipisse und Schimpansenpoo.

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Nach rd. 20 Minuten bei den Tieren zogen wir weiter und suchten die Männchen, eben jene Schimpansen, die die Bäume verlassen. 

Über Stock und Stein aka Liane und Wurzeln stolperten, hetzten und keuchten wir uns durch den Dschungel. Ich war klatschnass geschwitzt, was an der Hitze, Luftfeuchtigkeit aber auch relativ großen Anstrengung lag.

Nachdem wir die Männchen gefunden hatten, warteten wir bis die Tiere die Bäume verlassen hatten und stürmten mit den Affen erneut durch den Urwald. Alle 25 Touris rannten den gleichen drei -fünf Affen hinterher, ich fand das Procedere irgendwie komisch….aber gut es heißt ja auch tracken, also verfolgen und so sind es die habituierten Äffchen auch gewohnt. Jane Goddall hat ja gerade in Uganda ihre Erfahrungen mit den Menschenaffen gemacht.

Aufeinmal standen wir wieder am berühmten Feigenbaum und der Chef der gesamten Affenkompanie gab sich die Ehre, ein echter Goldie unser Oldie. 

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Am Ende waren wir doch sehr begeistert und schlichen tropfnass von Schweiß und Affenpippi zu unsere Zertifikaten.

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Zurück im Rweteera genossen wir Wasser und Seife und unser Lunch am See. Nachmittags läuteten wir eine Buburunde ein, ehe wir einen Spziergang zu den Teefeldern in der Nachbarschaft und unserem Dorf in Angriff nahmen.

Das Dorf ist als sehr arm zu bezeichnen, da wir eine Moschee des nächtens vernahmen, gehen wir davon aus, dass die Bevölkerung islamisch geprägt war. Uganda ist religiös betrachtet ein geteiltes Land, 80% der Bewohner sind christlich geprägt, der Rest glaubt an den Islam. Die islamischen Dörfern sind auffallend ärmer, ungepflegter und die Kiddies bettelten. Das war das erste Mal, dass wir damit zu tun hatten.

Nach einer kurzen Runde verzogen wir uns wieder in den Safari Park und vertrödelten die Zeit bis zum Essen. 

Gegen 19:00 Uhr versuchten wir uns an Posho, einem festen Maisbrei mit Sükartoffeln, toller Avodaco und Bohnensuppe.

Um 20:00 Uhr schlichen wir mit Taschenlampe bewaffnet in unsere Hütte, Familie Hippo ließ uns aber diese Nacht in Ruhe.