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Polen 2019, Wroclaw/ Breslau III

An unserem letzten Tag in Wroclaw ließen wir uns das Sonntagsfrühstück schmecken und freuten uns, dass es nicht ganz so heiß war.

Wir wollten Zwerge sammeln und nochmals einen Besuch auf dem alten Jüdischen Friedhof wagen. Der Reiseführer schreibt „wer etwas über die deutsche Vergangenheit in Breslau wissen möchte, findet diese am Allerbesten auf dem alten jüdischen Friedhof“. Gesagt, getan….wir fuhren mit der Neun, trennten uns vor dem Friedhof, Zwei gingen aufs Gelände, die anderen Zwei kümmerten sich um den kleinen Wadenbeißer.

Vorbei ging es an alten Gräber, teils auf hebräisch beschriftet, teil mit jüdischem Datum nach Talmut, datiert. Zum Teil sehr weltlich und modern, manche Gräber eher orientalisch. Überraschender Weise wurde der Friedhof nicht geschändet, man sieht zwar Einschusslöcher aus den letzten Tagen der Festung Breslau, blinde Zerstörungswut scheinen die Nazis aber nicht an den Tag gelegt zu haben. Vermutlich lag der Friedhof einfach zu weit außerhalb der Stadtgrenzen von 39-45.

Hier ein paar Impressionen, wir fanden die Gräber von Lassalle, den Eltern von Edith Stein und Hugo Heimann….bekannt durch die gleichnamige Grundschule in Neukölln. Überraschend viele Kriegsopfer des ersten Weltkrieges, die Alle fürs Vaterland gestorben sind….genau das Vaterland welches kurze Zeit später die Familienangehörigen in die Vernichtungslager geschickt hat….immer wieder. unbegreiflich und grausig.

Dennoch. haben Friedhöfe bei mir einen festen Platz im Sightseeingprogramm und so lasse ich mal wieder Bilder sprechen.

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ziemlich verwunschen
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Tief. beeindruckt verließen wir den Friedhof und fuhren mit unserer Standardlinie Richtung Dominsel. Da die Dombrücke gesperrt war, mussten wir einen kleinen Umweg nehmen und erkundeten zunächst die puppige Kapelle Peter und Paul aus dem 11.Jh.

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Auf der Dominsel verweilt (e) der Klerus und somit ist jedes Haus irgendeiner kirchlichen Institution angeschlossen. Die Insel gehörte nicht zur Stadt Breslau, der Bischof verwaltete diese in früheren Jahren. Wie man unschwer erkennen kann, es geht beschaulich auf der Dominsel zu, die übrigens verkehrsberuhigt ist.

Da Sonntag war, die Polen bekannt für ihre tiefe Gläubigkeit sind, lief entweder eine Messe, ein Orgelkonzert oder sonst eine religiöse Veranstaltung. Da die protestantische Brut die Veranstaltungen nicht sprengen wollte, beließen wir es mit kurzen Blicken in die Kirchen und genossen die Stimmung von außen….man sollte die Kirche im Dorf lassen :0)!

Zunächst der Blick auf die Kreuzkirche, dort wurde inbrünstig georgelt.

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Kreuzkirche und Dom mit extremen Weitwinkel

Wir kümmerten uns lieber um den kleinen Freund, der gegenüber der Kirche sein Unwesen trieb.

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Der Dom oder auch Kathedrale genannt, wurde Johannes dem Täufer im 14 Jh. geweiht und war nach 1945 zu 70 % zerstört. Erst 1991 war der Wiederaufbau fertig und wie bereits gesagt, 1995 von innen, 2019 nur von außen bewundert. Der Zeitpunkt war mit 11:00 Uhr nicht so dolle gewählt.

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Auf dem Weg, zurück in die Innenstadt, bewunderten wir die Grundwaldbrücke, quasi die Brooklyn Bridge von Breslau, und tummelten uns ein wenig am Ufer der Oder entlang. Von der Brücke gibts kein Foto, das habe ich irgendwie verpennt. Dafür war der Blick über die Oder, auf Kathedrale und Skyline der Dominsel auch sehr interessant und soooooo dörflich.

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Der vorletzte Zwerg unserer Sammlung wurde Bodo getauft, warum….liegt wohl klar auf dem Bagger.

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Da die Hitze uns doch ziemlich schaffte und die Uhr langsam und allmählich ticktack machte, verzichteten wir auf die Jahrhunderhalle. Diese wurde in den Jahren 1911-1913 von Max Berg erbaut und galt, insbesondere aufgrund der Dachkonstruktion als besonders bemerkenswert. Seit 2006 steht die Halle unter Weltkulturerbe und der Vollständigkeit halber habe ich ein Foto aus Wikipedia beigefügt. 1995 habe ich die Halle, die sich in ihrer Bauart am Pantheon in Rom orientiert, bereits ausgiebig bewundert. Meine Fotos von dieser Reise liegen irgendwo im Nirgendwo.

Quelle: Wikipedia

Ziemlich ermattet landeten wird im Stary Klacztor, einem alten Kloster, nun Restaurant und Bar. Und was war das für eine super Wahl! Total gemütlich eingerichtet mit dem besten Futter von Breslau.

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Zuerst genossen wir Spaghetti mit Muscheln, Rippchen und Burger am Tisch. Zum Kaffee mit Apfelstrudel lümmelten wir auf der Couch.

Jedes Wochenende geht einmal zu Ende und so verabschiedete uns der letzte Zwerg vor dem Stary Klacztor, bevor wir wieder in die Linie neun stiegen.

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Beim Auslösen der Taschen gab es eine kurze Aufregung, als mein Göttergatte seine EC Karte suchte, die er im Stary Klacztor vermutete. Als nahm er mit Klaus eine S- Bahn retour und stand sechs Minuten später wieder vor uns…..doch noch das Stück Plastik im Portemonnaie gefunden.

Wir vertrödelten die Zeit bis zur Abfahrt an den Wasserspielen vor dem Bahnhof und bewunderten die gelungene Restauration auch von innen.

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Pünktlich fuhr der Kulturzug um 17:10 Uhr ab und um 21:19 waren wir wieder am Ostkreuz.

Unser Fazit, machen wir nochmal….mir schwebt Silvester 21 vor…sofern der Zug dann noch fährt.

Polen 2019, Wroclaw/ Breslau II

Um 8:30 testeten wir das Frühstücksbuffet unseres Hotels und waren zufrieden. Das übliche Rührei mit Würstchen wurde durch Crepes und schlesischen Apfelstreuselkuchen ergänzt.

Auch Vegetarier kommen im Piast auf ihre Kosten und auch wir waren zufrieden. Es bleibt nur anzumerken, Brötchen suchten wir vergeblich, vermutlich sind diese in Polen tatsächlich nicht geläufig.  

Nach dem zweiten Kaffee machten wir uns auf den Weg zu einem ersten Denkmal, welches wirklich denkwürdig und beispielhaft für die polnische Geschichte ist.

Das Denkmal für die anonymen Fussgänger ( Przejście),  erinnert an den Ausnahmezustand ab 1980 und an die Menschen, die in Polen an den Folgen starben oder verschwanden. Nach Protesten der Bürger,  die wegen der schlechten Wirtschaftslage und anderer sozialer Probleme protestierten,  rief das kommunistische Regime 1981 das Kriegsrecht aus. Die Werften u.A. in Danzig wurden über Monate hinweg bestreikt, Lech Walesa war der Kopf der Solidarnocz Bewegung, viele Polen entgingen Verhaftungen nur, indem sie in den Untergrund gingen.

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Bei schönstem Sommerwetter ( noch war es erträglich warm) schlenderten wir Richtung Innenstadt bewunderten einige Kirchen, Bauhausarchitektur und die Breslauer Oper. Unterwegs entdeckten wir die ersten Breslauer Zwerge, die heimlichen Herrscher der Stadt. Mindestens 350 sollen es mittlerweile sein und auch uns „großen Kindern“ machte es große Freude die Winzlinge zu suchen und natürlich gebührend zu feiern, sofern wir wieder einen entdeckten. Ich habe etliche Fotos unserer Ausbeute. Die Geschichte der Zipfelmützenwinzlinge geht auf die Aufstände der Polen und deren Freiheitsbewegung zurück. Damals wurde der Urzwerg aufgestellt, heutzutage sieht man sie überall im Stadtbild, sofern man den Blick nach unten senkt. Die Größe der Zwerge variiert aber größer als 30-40 cm. ist keiner.

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Zwergenwirtschaft

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Wir liefen in den Bezirk der Toleranz. In diesem Bezirk befindet sich nicht nur die alte Synagoge zum weißen Storch sondern auch eine evangelische, eine orthodoxe und katholische Kirche. Auf dem Ghettoplatz wurden über 60.000 Juden gefangen genommen und direkt nach Auschwitz verschleppt. Da Sabbat war, konnten wir die Synagoge leider nicht von innen bewundern. Breslaus zweite Synagoge fiel der Reichskristallnacht von 1938 zum Opfer und brannte damals komplett aus.

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Nach einem Drink im benachbarten Cafe´ zogen wir weiter und bewunderten zunächst die Bibliothek der Uni von außen und schlenderten zum Salzmarkt. Dort ist besonders das von der jüdischen Familie Oppermann bewohnte Haus hervorzuheben, ansonsten ist dies heute der Blumenmarkt, wo Floristinnen 24/7 nicht so schlechte Sträuße zaubern.  

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Wir schauten uns den Ring/ Rynek bei Tageslicht an und erfreuten uns an der relativen Leere. Das Rathaus ist auch im Hellen eine Augenweide und hier kommen auch ein paar Eckdaten zum Gebäude. 1299 wurde das alte Rathaus zum ersten Mal  urkundlich erwähnt. Seitdem wurde es mehrfach umgebaut, hat aber mittlerweile seine Bedeutung als Verwaltungssitz verloren. Im zweiten Weltkrieg wurde das Gebäude stark zerstört, die Restaurierung dauerte nur vier Jahre und ich stand bereits 1995 bewundernd vor dem Gebäude.

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Wir zogen weiter zur St. Elizabeth Kirche, die wir auch von innen bewunderten. Auffallend für Wroclaw sind die Größen der Gottshäuser, fast Alle haben Domcharakter.

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Die alten Pfarrhäuser werden Hänsel und Gretel genannt und dahinter kann man herrlich in einem Biergarten ein leckeres Piwo genießen.

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In den alten Schlachthöfen wird schon lange nicht mehr geschlachtet, nicht Zwerge sondern Miniaturtiere erinnern an die blutigste Ecke von Breslau.

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Wir schlenderten zur Universität von Breslau um uns die Aula Leopoldina von innen anzusehen. Bemerkenswert, in dieser Aula hätte ich auch gerne mein Diplom erhalten.

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Im Turm der Universität fand Astronomieunterricht statt und nebenbei gab es noch eine Wetterwarte. Wir bewunderten den Blick auf Wroclaw.

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Wir warfen auch einen kurzen Blick ins Ossolineum und schlenderten weiter zur Markthalle. Dort gab es neben den üblichen Lebensmitteln ( am Samstag Nachmittag nicht mehr so gut sortiert) auch mehrere Stände die Grabsträuße banden. Total praktisch, quasi Grabschmuck zu jeder Tageszeit und mit prompter Lieferung.

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Da die Dombrücke mit seinen Tausenden Schlössern gerade restauriert wird, kommt man nicht ganz so einfach auf die Dominsel. Da unsere Füße brannten, der Hund ebenfalls still und leise vor sich hin litt, fuhren wir mit der Linie 8 zurück zum Hotel und verschnauften gute 1,5 Stunden auf unseren Zimmern. Emily ließ uns natürlich links liegen und verkroch sich lieber bei meiner Mama….ach ja, die gute Hundeoma.

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Gegen 18:30Uhr nahmen wir wieder die Linie 9 und schlenderten über Rynek und Salzmarkt zum Restaurant Konspira. In diesem Restaurant macht man einen Sprung ins Polen von 1980. In dem Restaurant wird der Ausnahmezustand wieder lebendig. Alte Zeitungsartikel, Erinnerungen an verstorbenen Revolutionären und mit einem versteckten Geheimraum, wo sich die Untergrundbewegung traf, bekommt Mann/ Frau einen guten Einblick in die Solidarnocz Bewegung.

Das Essen war polnisch mächtig und überdimensioniert, wir fragten uns, wie man solche Portionen verkraften soll?

Nach einem letzten Bummel über den Ring fuhren wir die drei Stationen zum Hotel und machten den letzten Whiskey platt.

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Polen 2019, Breslau/ Wroclaw I

Ich war 1995 schon einmal in Wroclaw und hatte die Hauptstadt von Niederschlesien in guter Erinnerung behalten, obwohl noch keine Eu Gelder geflossen waren und bis auf das Rathaus, die Altstadt in einem jämmerlichen Zustand war.

Damals, kaum fünf Jahre nach dem Zusammenbruch des Ostblocks, war die Stadt natürlich eine ganz andere, das deutsche Erbe wurde tot geschwiegen, wir sind damals von den nationalistischen Jugendlichen sogar beschimpft worden, was mir tatsächlich nur einmal, auf genau dieser Reise, in PL passiert ist. Allerdings konnte ich mich noch an den Marktplatz erinnern und an die Kinder im Dom, die einen Tag vor ihrer Kommunion zur Beichte gingen. Damals hämmerte es in meinem protestantischen Hirn ganz gewaltig……was kann ein achtjähriges Kind zu beichten haben?

Egal, die Achtjährigen von damals sind die über 30jährigen von heute. Manchmal dauert es eben nen bissel, ehe man wieder zurückkehrt. Ich war auf jeden Fall von der Idee meiner Mama, mit dem Kulturzug nach Breslau zu fahren recht angetan und somit war das Geburtstagsgeschenk an meinen lieben Mann geritzt. Vor zwei Jahren waren wir ebenfalls für ein paar Tage in Niederschlesien gewesen und bereits damals waren wir mehr als neugierig geworden, was die alten deutschen Gebiete anging.

Genau am Hochzeitstag meiner Mama und ihrem Mann war es soweit. Bei rd. 32 Grad in Berlin stiegen wir am Ostkreuz,, Gleis 13, in den Kulturzug. Für 19€ one way wird dem Reisenden richtig was geboten. Neben Literatur und Polnischkurs gibt es ein Quiz mit Buchgewinn und Wasser für umme……schönen Gruß an die DB, die kann von der Polnischen Bahn lernen.

Emily verhielt sich ganz toll, wir wurden sogar gefragt, ob unser Prinzesschen die Strecke häufiger fährt, so lieb war sie.

Die Fahrt zieht sich ein wenig, der Zug hält nochmal in Cottbus und Forst und ca. 3x in Polen….die Namen der Orte sind mir entfallen.

Bei Ankunft in Wroclaw steht man direkt in der ersten, absoluten Sehenswürdigkeit, dem alten Bahnhof von 1855 – 1857 im naja, fast italienischen Stil erbaut. Wroclaw Glówny wurde erst 2010-2012 restauriert und erstrahlt wieder im alten, neuen Glanz. Wikipedia sagt, dass der Stil neugotischer Historismus sei, auch moderner Tudorstil, genannt. Der alte Bahnhof war zu klein geworden, Breslau die ehemalige Hauptstadt Schlesiens benötigte was Größeres und so entstand dieses Prachtwerk.

Wir ließen es gemütlich angehen, unser Hotel lag eh gegenüber des Bahnhofs und Emily benötige Gänsewein und ein kleines Happischnappi.

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Schnell war klar, dass wir den Bahnhof natürlich auch des nächtens fotografieren würden und zufrieden huschten wir über die Kreuzung um im alten, ehrwürdigen ehemaligen Hotel Kronprinz jetzt Piast einzuchecken. Die Lage des Hotels lässt vermuten, dass es sich hierbei um das erste Haus am Platz gehandelt haben musste und mit Blick ins www wurde mir das bestätigt: https://www.wroclaw.pl/de/das-gstehaus-piast-wird-renoviert

Erst Hotel Kronprinz und damit ab 1908 das teuerste und modernste Hotel am Platz, nach dem Krieg billiges Gästehaus und Hostel und seit 2010 wieder mit zwei Sternen beseelt…..wir waren mit unserer Wahl sehr zufrieden.

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Nach kurzer Erfrischung stiegen wir in die Straßenbahn Nr. 9 ( alle Öffis sind im Kulturzugticket inklusive) und fuhren bis zum alten jüdischen Friedhof.

Die Uhr zeigte 18:09 Uhr , Wauzis sind auf Friedhöfen nicht gerne gesehen und obendrein wurde der Sabbat eingeläutet. Somit war es Essig mit deutscher Geschichte und wir verschoben den eventuellen Programmpunkt auf unseren Abreisetag am Sonntag.

Die letzten 700m zum ungewöhnlichsten Gebäude von Breslau schlichen wir bei rund 30 Grad und dann standen wir am Wasserturm der Stadt, Wiézna Ciśnień. Kühne Architektur zur damaligen Zeit (1904) und der Architekt Karl Klimm musste all seine Fantasien in dieses Projekt gesetzt haben. Ein Dorf/ Stadt als Grundstock, zwei Türme, Kuppeln und Brücken und eine tolle Lage um den Turm aus allen Ecken bewundern zu können.

Seit den 80er Jahren wird der Turm nicht mehr benutzt, sehr schade wie ich finde.

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Auf dem Weg in die Innenstadt versackten wir vor lauter Wasserentzug erstmal auf einer Tankstelle….es gibt schönere und schlechtere Orte für eine Erfrischung.

Nachdem wir durch die glühende Abendsonne zur S- Bahn geschlurft waren, entschieden wir spontan Richtung Rynek/ Ring zu fahren und zum berühmten Marktplatz von Breslau zu schlendern. Wir fuhren bis zum Einkaufszentrum Dominikanska und liefen durch die berühmte Unterführung. Angemacht wurden wir im Jahre 2019 nicht mehr, schöner ist die Unterführung nicht geworden. Mein damaliges Hotel scheint abgerissen worden zu sein, damals residierten Ärzte mit auf dem Gang und vor meinem Zimmer saßen Patientinnen, die zum Frauenarzt wollten….anno 1995!

Wir schlenderten durch die Fußgängerzone und landeten im erstbesten Restaurant. Es war mittlerweile schon 20:30 Uhr und wir waren total erledigt.

Es gab Pelmeni/ Piroggen und Schlesische Klöße mit Gulasch. Ziemlich lecker, ziemlich schwer…..Willkommen in PL!

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Nach unserem Feudalmahl schlenderten wir zum Rynek, dem Ring…..der Marktplatz mit dem wunderschönen Rathaus in der Mitte. Auf dem Platz tobte das Leben, die Restaurants waren gut besetzt und wir freuten uns, dass wir die relaxte Sommer Atmosphäre so genießen konnten. Obwohl es in Breslau nochmals zwei Grad heißer war, kamen wir besser mit der Luft und Hitze klar.

Hier ein paar Ring,-u. Rathausimpressionen:

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Mit einem Abstecher zum Bahnhof waren wir gegen 23:00 Uhr wieder im Hotel.

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Wir schlüpften schnell unter die Dusche und noch schneller in die Heia. Die Klimaanlage erfrischte uns mit 22 Grad und so genossen wir sogar die dicken Bettdecken.

Polen 2019, Szczecin/ Stettin

Als Kind war ich öfters in Stettin, das letzte Mal hat mich die Hauptstadt Westpommerns 2005 gesehen, auch damals im Rahmen eines Teamtages der BA.

Dieses Mal fuhr ich ziemlich relaxt mit meinem Team und dem Berlin- Brandenburgticket für 6,70 € ( return) nach Szczecin/ Stettin, flächenmäßig die viertgrößte Stadt Polens und natürlich voll mit deutscher Geschichte.

Die Bahnverbindung startet morgens in Gesundbrunnen und bringt den Reisewilligen in rd. 2 Stunden ohne Umsteigen, nach Pommern. Stettin liegt nur 16km von der deutsch-polnischen Grenze entfernt und seit meinem letzten Besuch ist eine Menge passiert. Vor der Stadt fuhren wir an schönen Neubauten, Stadtvillen und Einfamilienhäusern vorbei, der Bahnhof wartet im modernen Design auf.

Auf uns wartete Gosia, polnische Exilberlinerin, die uns durch ihre Heimatstadt führte.

Wir bezahlten zunächst den Stadtrundgang und machten uns auf die Socken.

Zunächst bewunderten wir das alte Postamt, erbaut 1878 und bereits damals von der Reichspost genutzt.

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Es folgte der Manzelbrunnen von Ludwig Manzel, erbaut 1898:

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Sehenswert ist auch das alte Rathaus ( Czerwony Ratusz) auch Neues Rathaus genannt . Es wurde im Jahr 1879 nach Plänen des Stettiner Stadtbaurats Konrad Kruhl (1833-1902) im Stil der Neogotik in der damaligen Stettiner Neustadt fertiggestellt.
Bis 1945 hatte hier die deutsche Stadtverwaltung ihren Sitz. Der Name des Gebäudes hat keine politische Bedeutung, sondern rührt von den glitzernden roten Ziegelsteinen der Fassade her.

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Da die Innenstadt recht klein ist, sind die meisten Sehenswürdigkeiten fussläufig erreichbar. Dennoch hat Stettin eine Wahnsinnsausdehnung und ist von der Gesamtfläche so groß wie Berlin und damit die viertgrößte Stadt Polens ( nach Warschau, Krakau, Danzig) Heute leben 400.000 Einwohner in der Stadt und damit ist Stettin an 7.Position im Einwohnerranking.

Die Pommersche Medizinische Universität Stettin (Pomorski Uniwersytet Medyczny w Szczecinie) wurde 1948 gegründet und befindet sich in staatlicher Hand. An der Universität studieren rund 4.000 Studentinnen und Studenten.
Erwähnenswert ist der hellgraue Turm des Rektoratsgebäudes, das zwischen 1901 und 1904 im Stil der norddeutschen Renaissance als Stadthaus entstanden ist, Quelle
: https://www.goruma.de/staedte/stettin/sehenswuerdigkeiten

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Der erste Blick auf den Dom des heiligen Jakobs.

Danach liefen wir am Berliner Tor ( erbaut 1725-1729) vorbei, Richtung Altstadt. Unterwegs erblickten wir viele 60-70er Jahre Sünden…..und meine frühesten Kindheitserinnerungen wurden wach.

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Wenige Häuser haben den zweiten Weltkrieg überlebt.
Hochhauskomplex PAZIM, Galaxy Center

Die attraktivste und teuerste Straße war dieses Schmuckstück, einige Häuser haben den Weltkrieg überlebt….ein klein wenig Altstadtflair.

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Der Platz des weißen Adlers (Plac Orła Białego) – der frühere Rossmarkt  – befindet sich in einer Grünanlage mit einer Statue der Göttin Flora von 1730 , die von Johann Konrad Koch geschaffen wurde, während die barocke  Brunnenplastik aus Sandsein von dem  Baumeister Johann Friedrich Grael (1707-1740) stammt. Der Brunnen wurde durch eine  Trinkwasserleitung von den Warsower Höhen gespeist und  wurde im Jahr 1732 eingeweiht.
Das große  Gebäude aus der Gründerzeit auf der Westseite des Platzes war  früher der Sitz der Preußischen Nationalversicherung. Ebenfalls an der Westseite des Platzes steht das Grumbkow-Palais, Quelle
: https://www.goruma.de/staedte/stettin/sehenswuerdigkeiten

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Wir liefen weiter zum Dom des Heiligen Jakobs, quasi der Beginn des polnischen Pilgerwegs nach Santiago de Compostela. Der Dom war natürlich während der Reformationszeit evangelisch und wer auf oppulente katholische Kirchen steht, wird mit diesem Beispiel eines Domes direkt enttäuscht werden. Meine evangelische Seele empfand die Nüchternheit eher wohltuend-

Die St. Jakobi-Kathedrale (Kościół Św. Jakuba) entstand  im späten 14. Jahrhundert unter  Leitung des Stettiner Baumeisters Heinrich Brunsberg (1350-1435) im Stil der Backsteingotik. und nach dem Vorbild der Marienkirche in Lübeck.
Der Bau des Gotteshauses ging auf eine Initiative der Bürger der Stadt zurück. Allerdings wurde das Gotteshaus im Laufe der Zeit häufiger umgebaut
Die dreischiffige Hallenkirche  wurde im Jahr 1677 infolge von Kriegsereignissen zerstört, wurde aber anschließend wieder aufgebaut. Im Jahr 1894 stürzte der zuvor aufgestockte Westturm ein – er wurde aber wieder aufgebaut.
Aber der Zweite Weltkrieg hinterließ auch hier seine Spuren, infolge von Luftangriffen stürzte der seinerzeit 119 m hohe Turm zusammen und auch das  Kirchenschiff erlitt massive Schäden. Der Wiederaufbau der Kirche dauerte bis in die 1970er Jahre hinein
Der Turm  wurde erst im Jahr 2008 mit einer Höhe von 110,80 m wiederhergestellt.
In der Taufkapelle der Kathedrale werden Reliquien des „Heiligen Otto von Bamberg“ (1065-1139) aufbewahrt und in einem Pfeiler wurde das Herz des Komponisten Carl Loewe (1796-1869), der nahezu 50 Jahre in der Stadt gewirkt hatte, eingemauert.
Wegen der beeindruckenden Akustik  finden hier häufig Konzerte, vor allem der Orgelmusik, statt.

Quelle: https://www.goruma.de/staedte/stettin/sehenswuerdigkeiten

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Wir zogen weiter zur wiedererbauten „neuen“ Altstadt, typisches Hanseflair erwartete uns. Mitten auf dem Heumarkt findet man nicht nur die berühmten Stettiner Wasserpumpen, sondern auch das sehenswerte Alte Rathaus.

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Wir stattesten den Herzögen von Westpommern einen Besuch ab und bestaunten das Schloß von außen. Sehenswert ist die berühmte Uhr, die auch genau ging, wir warteten den Gongschlag um 12:00 Uhr ab.

Das Schloss der Herzöge von Pommern (Zamek Książąt Pomorskich) – das Stettiner Schloss – wurde im Zweiten Weltkrieg nahezu völlig zerstört. Ab 1958 wurde es im Stil der Renaissance rekonstruiert.

Mit dem Bau des Schlosses wurde im Jahr 1346 durch Herzog Barmim III. (1303-1368) an der Stelle einer alten Wehranlage begonnen.

Im Jahr 1503 wurde das Schloss um einen Südflügel und einen Uhrenturm im großen Innenhof erweitert, hier wurde 1693 die Uhr von Caspar Natardi angebracht. Sein heutiges Aussehen mit fünf Flügeln im Stil der Renaissance erhielt das Schloss dann später bis etwa 1620.

Während des Zweiten Weltkriegs wurde das Schloss stark zerstört. Nach dem Wiederaufbau dient es als Kulturzentrum mit  einem Museum (Muzeum Zamek Ksiazat Pomorskich), Ausstellungsräumen, Theater und Kino sowie mehreren Cafés und Restaurants sowie einer Touristen- und Kulturinformation.
Auch ein Standesamt ist hier beherbergt.

Quelle: https://www.goruma.de/staedte/stettin/sehenswuerdigkeiten

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Peter und Paul Kirche aus dem12.Jahrhundert
Sieben Mantelturm

Stettin kann auch Street Art, siehe hier zwei nette Exemplare.

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Einen Blick warfen wir auch auf die Hafenanlagen von Stettin, die ähnlich wie die Hafenanlagen von Danzig Anfang der 80er Jahre bestreikt wurden ( Lech Walesa; Solidarnocz).

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Ein besonderes Highlight sind die Hakenterassen am Meeresmuseum.

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So langsam machte sich ein Hüngerchen bemerkbar und so liefen wir über die russisch orthodoxe Kirche, der neuen Philharmonie ( eröffnet 2014) und dem Engel der Freiheit von 2005 über das Tor der Könige zu unserer Futterkrippe. Gosia hatte ein Restaurant für uns ausgesucht und ich kann das Soizarnia getrost weiterempfehlen. Moderate Preise und echtes polnisches Essen.

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Im Königstor ist die Konfisserie Wedel untergebracht und nach dem Essen ist vor den Pralinen……handverlesen und total (W)edel.

Das letzte Ziel des intensiven Tagesausflug war das Cafe´22 im Radisson Blu Tower. Das Cafe´liegt auf der 22 Etage und bietet nicht nur gutes Eis und Kuchen sondern auch einen sensationellen Blick auf Stettin. Da das Wetter weiter mitspielte, ließen wir uns dieses Event natürlich auch nicht nehmen.

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Wir fuhren mit der Linie 6 zurück zum Bahnhof, die Tickets sind übrigens im Berlin-Brandenburgticket inkludiert.

Mit einem letzten Blick auf die Oder stiegen wir in den Zug, stiegen 1x in Angermünde umd und standen um 20:54 wieder in Berlin Südkreuz.

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Fazit, Stettin ist ein tolles Tagesziel, ich komme bestimmt nochmal wieder, im Moment schwebt mir der Weihnachtsmarkt vor.

Polen 2017: Bad Flinsberg/ Świeradów-Zdrój in Niederschlesien

Meine Oma väterlicherseits kam aus Schlesien und ich kann mich noch gut an Butterkuchen vom Blech, schlesisches Himmelreich (Hefeklöße mit Backobst) und überhaupt an Klöße in allen Varianten erinnern. Ansonsten habe ich meine Großmutter nie über Schlesien und ihre Kindheit ausgefragt, ich glaube das betrifft uns Alle, wir haben nie wirklich nachgefragt! Meine Oma ist bereits vor dem zweiten Weltkrieg aus ihrer Heimat, nach Berlin, verzogen. Mein Papa wurde bereits in Berlin geboren und so ist mir Schlesien immer ain abstrakter Begriff  gewesen.  Das Gleiche gilt übrigens auch für Ostpreusen und Pommern. Die ehemaligen deutschen Gebiete im Osten haben mich wenig interessiert und ehrlich  gesagt, mir war auch nach der  Buchung unseres Hotels nicht bewusst, das Bad Flinsberg mal deutsch war.  Erst mit Stöbern im Netz kam mir rund eine Woche vor Abfahrt in den Sinn, dass meine Oma aus dieser Ecke stammt….naja, ehrlicherweise muss gesagt werden, bis in den wohlklingenden Ort namens Kotzenau sind es noch gut siebzig Kilometer. Nähe ist eben relativ…..dennoch war  meine Gier nach Geschichte geweckt und ich las mich ein wenig in Schlesien und seine Geschichte ein.

Unsere Fahrt nach Świeradów Zródj war abenteuerlich,  das Navi schickte uns über brandenburgische und sächsische Landstraßen, wir landeten siebzig Kilometer vor Görlitz auf eine Umfahrung von Rietschen und verloren dadurch eine Stunde. Für      km benötigten wir knapp fünf Stunden, in Polen waren die Straßen ohne Seitenstreifen, sie sahen noch so aus wie …! Auch Häuser mit Einschusslöcher aus dem zweiten Weltkrieg sind im Dreiländereck noch zu sehen, die Gegend hat nicht viel von den Geldern der europäischen Union gesehen. Die Sudeten sind in Niederschlesien sehr rauh und wild, echte Urwälder kann man hier bewundern. Uns blieb während der Fahrt durch die Wälder mehrfach der Mund offen stehen, wir konnten kaum glauben, was wir hier sahen. Umso erstaunter waren wir dann auch, als wir in den puppigen Ort einfuhren, der für die nächsten vier Tage unser Zuhause, unsere Basis sein sollte.

Bad Flinsberg ist seit Jahrhunderten ein Kurbad, bereits ….kamen …..Touristen pro Jahr, auf …..Einwohner. Die Deutschen hinterließen eine perfekte Theaterkulisse mit Kurhaus,  Trinkhalle und Radionquellen. Die bildhübschen Häuser wurden zum großen Teil restauriert, eine gute touristische Infrastruktur, inklusive dem Kurschatten mit Rollator, ist vorhanden.

Wir bezogen unser recht niedliches Hotel, an der Rezeption war die Dame fast enttäuscht, dass sich hinter Mathias‘ Familienname keine polnische Familie versteckte. Das Hotel lebt nämlich von deutschen Kurtouristen und sie hatten sich schon gefreut, dass auch mal polnische Touris zu Ihnen gefunden haben-Pech gehabt😜!

An unserem, ersten Nachmittag bummelten wir durch den beeindruckenden Kurpark, der ebenfalls eher wild und naturbelassen ist , statt überkandiedelt mit vielen Blumenrabatten.  Die  Suche nach echtem polnischen Fresschen war nicht so ganz einfach, viele Hotels bieten eben HP oder VP an und uns knurrte der Magen. 

Unser Fang am ersten Abend hatte es in sich-es gab Schweinebraten mit Sauerkraut und SECHS Klößen. Leider musste ich drei davon liegen lassen….

Unseren nächsten Tag starteten wir mit einem guten Frühstück im Hotel, wir bewunderten die goldenen Säulen im Restaurant. Am Abend zuvor war ich Zeugin der zu Akkordeon schwoofenden Endziebziger geworden, Bad Flinsberg das Oldieparadies😉!

Unser erstes Ziel am Vormittag war die berühmte Trinkhalle im Kurhaus.

Wir ließen uns das radionhaltige Wasser ebenfalls „schmecken“, gesund soll es sein!

Unbedingt erwähnenswert sind die Trinktassen, unglaublich es gibt Liebhaber für die Teile  . Wenigstens sind die grässlichen Dinger nicht teuer….was übrigens auf den gesamten Ort zutrifft. Ähnlich wie im restlichen Polen liegen Hauptmahlzeiten in Restaurants  bei rd. sechs Euro, ein großes  Bier schlägt mit nem Eurofuffzig zu Buche.

Wir setzten den Spaziergang durch Bad Flinsberg fort, erkundeten die nicht vorhandenen Sehenswürdigkeiten des Ortes. Die Kirche St. Lukas eindeutig katholisch mit Papst Johannes Paul am Altar hat uns insofern beeindruckt, weil der Altbau aus 18Zopf mit einen Neubau aufgepeppt wurde.

Anbei ein paar Bad Flinsberg Impressionen:

Unser nächstes Ziel war das Restaurant Izerska       Chata, die berühmt für ihre Forellen und der einmaligen Lage am Idiotenhügel des Isergebirges sind. Die Schlepplifte lagen natürlich in tiefem Sommerschlummer, die Forelle war sowohl gegrillt als auch geräuchert erstklassig.

Emily wurde im Anschluß über die Wiese gejagt, wir liefen bergauf und  trafen den großen Mythos der Sudeten, dem Isergebirge und des Riesengebirges ….Meister Rübezahl! Emchen blieb unbeeindruckt, uns verleitete der Hype in der Region zu einem Blick ins www.

Rübezahl ist ein Sagenwesen, der  sowohl in der deutschen, polnischen und tschechischen Sagenwelt sein Unwesen treibt. Bereits 1561 fand der “ Rübenzähler“ das erste Mal Erwähnung, in Bad Flinsberg liegt sogar sein “ Grab“ ….mehr dazu später. Wir allerdings machten keinerlei negative Erfahrungen mit dem Riesen und planten die kommenden Tage. 

Am frühen Abend zog es uns nochmals durch den Kurort, Emily hasste uns dafür. Sie schlich nur noch hinterher, die Kleene war müde vom vielen Laufen.  Da wir keine Lust auf Kohl, Braten und Klöße hatten gingen wir zu dem polnischen Griechen mit günstigem Gyros und Souflaki.  Unser Hund nahm sich dann ein TT (Tragetaxi😜) und kam ziemlich komfortabel zurück ins Hotel.


Gott sei Dank, das Wetter hielt auch am 25.6.17….während es in Berlin regnete. An unserem zweiten Tag fuhren wir in Richtung Hirschberg, jetzt Jelenia Gora.

Zuerst suchten wir das Grab des „Riesen“ auf  und lachten uns schlapp, als wir DIE Sehenswürdigkeit von Świeradów-Zdrój bewunderten.

Für einen besseren Größenvergleich, hier noch ein Exemplar mit „dem Emchen druff“…keine letzte Ruhestätte für einen Riesen, würde man meinen.   

Wir fuhren weiter in Richtung Hirschberg, unser Ziel war die Stabskirche von Vang ( Norwegen) im heutigen Karpaćz, ehemals Krummhügel. Die norwegische Stabskirche wurde im 12 Jahrhundert, komplett ohne Nägel und zu 100% aus Holz erbaut. Nachdem die Kirche zu klein wurde, entschloss sich Vang für einen Neubau und der preußische König Friedrich Wilhelm IV. kaufte die Kirche, im Ursprung war sie für die Pfaueninsel bestimmt.Wie wir Berliner nur zu gut wissen, dort wurde der Holzbau nie aufgebaut, sondern ging an die Krummhübeler Gemeinde. Der Glockenturm gehört nicht zum Originalgebäude, der Holzglockenturm ist zerstört.

Innen kann man Schiffsplanken und Schnitzereien von Wikingerschiffen bewundern, die Kirche ist auch heute noch evangelisch und es finden zunehmend mehr Gottesdienste, zumeist für deutsche Touristen, statt. Der kleine Friedhof ist ein stummes Zeugnis der schlesischen Geschichte bis 1945.

Das Bigosch zum Mittag lag uns lange im Magen, das Essen ist zwar lecker aber auch sehr schwer und wäre für mich nichts auf Dauer! 

Auf dem Weg nach Karpaćz war uns eine Ruine aufgefallen, die wir auf unserem Heimweg unbedingt näher erkunden wollten. Zunächst fiel uns im Ort Miltków, ehemals Arnsdorf,  ein exzentrisches Einfamilienhaus ins Auge-upside down….wems gefällt!

Die evangelische Kirche wurde 1945 zerstört, lediglich der Friedhof wird weiterhin von der katholischem Gemeinde genutzt. Wenn man durch das Gelände stöbert, findet man einige alte, deutsche Grabsteine und ein paar polnische Piwoliebhaber die auf den Steinen herumgammelten und dem Sonntagsfrühshoppen fröhnten.

Leider wurde es am Nachmittag kühler und regnerischer, das brandenburgische Regenwetter hatte uns eingeholt. Am Abend gabs Ente und Wildschwein und wieder gings mit schwerem Magen und Sodbrennen in die Heia.

Unser letzter Tag war regnerisch und kühler. Wir blieben in Bad Flinsberg und feierten unseren Hochzeitstag, den dritten. Morgens wurde ausgiebig gefrühstückt und im Anschluß erstanden wir für 0,05€ ( wirklich wahr) das heilige Wasser des Ortes. Die Sonne kam durch und wir konnten sogar ein wenig draußen sitzen und ohne Jacke das warme Wetter genießen.

Am zentralen Zierbrunnen gab es ein Kleeblattfeld und was lag da näher, als an unserem Hochzeitstag dem Glück auf die Sprünge zu helfen? Ich fand allerdings keins……Mathias dafür Zwei. Doppeltes vierblättriges Glück, was will man mehr?

Da uns die Forellen am Samstag so gut geschmeckt hatten, beschlossen wir zu Mittag nochmals geräucherten und gegrillten Fisch im Izerska Chata zu genießen.  Zu einem gemütlichen Tag gehört auch ein ausgiebiger Mittagschlaf und abends ließen wir unseren gemeinsamen Ehrentag mit echt polnischer Küche, Piwo und Berblick ausklingen.

Nach unserem Hochzeitstag schließt sich mein Geburtstag an und somit wurde ich von meinen zwei Herzblätter am Abreisetag relativ frûh, mit einem Geburtstagstisch geweckt.

Allerdings war meine liebe Familie  mehr müde als in großer Erwartung.

Leider war mein Tischchen nicht von Dauer, nach einem gemütlichen Frühstück machten wir uns, über holprige Dorfstraßen,  auf den Weg zurück nach Deutschland.

Damit Ihr auch ein wenig von der niederschlesischen Idylle in den Sudeten genießen könnt, zeige ich Euch noch ein paar Impressionen vom Wegesrand.  Mein Fazit: Wer schnell ein idyllisches Plätzchen sucht, welches vom Tourismus noch nicht überlaufen ist, wird in Bad Flinsberg fündig werden. Die Preise sind als sehr günstig zu bezeichnen, Unterkünfte gibt es in allen Kategorien. Sowohl im Sommer als auch zum Skilaufen ist das Riesengebirge geeignet, Wanderer und Outdoorfreaks kommen ebenfalls  auf ihre Kosten. Uns hat  die zum Teil seit Jahrzehnten unberührte Natur gefallen und wenn man wie wir auch gerne mal in der Geschichte stöbert, hat man sein Traumziel in der Mitte von Europa gefunden. Wir werden bestimmt nochmal nach Schlesien fahren….