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Polen 2020, V: Mikolajki & Upalty

Unser zweiter Tag in den Masuren begann sonnig und schnell war klar….auf gehts nach Mikolajki, ehemals Nikolaiken. Vorher genossen wir mal kurz unseren See, unsere Aussicht, unsere Mühle….im SONNENSCHEIN!

Mikolajki ist der zweite Hotspot der masurischen Seenplatte und ungefähr 35 km von Gizycko entfernt.Der Ort wirkt lieblicher und eingängiger für einen Tagestrip, lag es nun am Wetter oder an der Tatsache, dass der Ort so malerisch an einem Kanal liegt ? Wir wissen es nicht, waren aber vom ersten Anblick der Ortschaft begeistert. Mikolajki oder Nikolaiken steht für den heiligen Sankt Nikolaus, dem Schutzpatron der Seefahrer und wurde bereits 1444 urkundlich erwähnt. 1726 wurde durch den preußischen König Friedrich-Wilhelm I Stadtrechte vergeben und genau wie Olsztyn, und Gizycko stimmte Mikolajki 1920 über den Verbleib im Deutschen Reich ab. Das Ergebnis fiel identisch wie in Lötzen aus, alle Stimmen für das Deutsche Reich, keine Stimme für Polen.Das weitere Schicksal ist hinlänglich bekannt…..bis auf eine Besonderheit: Mikolajki hatte keine Kriegsschäden zu verzeichnen und eventuell stellt sich deshalb der Ort heute so puppig dar?

Wir stellten unseren Wagen jenseits der Brücke über den Zulauf zum Spirdingsee ab und genossen vor der Brücke, in einem Lokal den Exklusivblick über das Wasser und auf den Ferienort.

Unser Exklusivplatz dür Bier und Aussicht

Wir schlenderten über die Brücke in den Ort und genossen Sonne satt. Mit uns war gefühlt Halbpolen auf den Beinen, Coronamaßnahmen? Fehlanzeige! Uns war manches Mal ganz Bange und wir hielten uns vornehm zurück.

Ich würde Mikolajki vermutlich als Standort unserem Gizycko ein wenig vorziehen ( auch wenn wir einen Tag später noch eine andere Ecken vom alten Lötzen kennenlernen durften), es sei denn man sucht die Einsamkeit….diese findet man hier auf keinen Fall.

interessante Bank-dat soll so!
das Wappentier, der Fisch
schicke Hotels

Zum Mittag gab es eine Suppe mit Aublick und die besten süßen Piroggen unseres Urlaubs……gefüllt mit Blaubeeren, Vanillesoße und Obst! Sehr, sehr lecker……Zu unserer Ehrenrettung muss ich allerdings betonen, dass wir uns die Piroggen IMMER teilen und ich IMMER weniger von den Nudeltäschchen futtere. Ich bin trotzdem gespannt, wie die Waage in der nächsten Woche ächzen wird.

Da das Wetter am frühen Nachmittag wieder zu schwächeln anfing, fuhren wir über abenteuerliche Wege ( eine Umleitung führte uns auf Schotterpisten durch Felder und Wiesen) zurück nach Upalty. Mehrfach waren uns die Warnschilder zu Elchen und Wisenten aufgefallen ( auch in Upalty) , ein Highlight wäre so ein Tierchen schon gewesen.

Das Wetter hielt sich zu diesem Zeitpunkt noch prima und so kam unsere Emily auf ihre Kosten. Wir gingen querfeldein über Wiesen und Felder und sogen ein wenig Landluft ein. Mich begeisterten die Wiesenblumen ( Korn und Mohn standen in voller Blüte) und ich drückte oft auf den Auslöser.

Sommer in den Masuren
eine Distelart

Wenige Meter von unserer Unterkunft entfernt, begeisterten diese kleinen Freunde unseren Hund und uns….Mathias suchte sich sofort ein Gänslein aus und nannte sie Clara.

Während wir so durch Upalty und über die Felder stolperten, dachte ich über meine Internetrecherche im Vorfeld der Reise nach.Unter Anderem wurde unter dem Begriff „Sicherheit in Pl“ insbesondere vor den Masuren gewarnt. Dies sei der ärmste Teil von Polen, was an der Besonderheit der Zuwanderung und an der exponierten Lage zu Russland liegen würde….aha….unsicher haben wir uns bislang nie im Land gefühlt, egal wo wir uns aufgehalten haben! Womit der Reiseführer aber auf sicher recht hatte war die Betrachtung der wirtschaftlichen Lage. Nimmt man mal Gizycko und Mikolajki außen vor, betrachtet die Dörfer realistisch und nüchtern , kommt man auf das gleiche Ergebnis. Ja, Ermland-Masuren ist keine wohlhabende Gegend, vorbei die Zeiten der schicken Hütten in Pommern oder Schlesien. Hier wird noch mehr schlecht wie recht in den ostpreußischen Bauernhäusern bescheiden gewohnt. Stellt man sich die Bilder in s/w vor, käme man auf eine eine andere Zeitrechnung. Wir fragten uns mehrfach, ob die Häuser über Heizungen verfügen? Die Winter sind hier auf sicher bitterkalt!

Nachdenklich ginge wir zurück in unsere Unterkunft, so sehr Polen in den Metropolen und im westlichen Teil des Landes Westeuropa in nichts nachsteht…..für den östlichen Teil gilt dies noch lange nicht.

Unser Abendessen war wieder sehr fleischlastig, die Ente war aber einen Ausrutscher wert. Wir stiegen im weiteren Verlauf der Reise zunehmend mehr auf Fisch und vegetarisch um…..leider ist die Küche in Polen so dermaßen lecker, dass man schwer an sich halten kann.

Polen 2020, V: Olsztyn , Upalty, Gizycko

Wir sind in den Masuren, für Geschichtsfans im „alten Ostpreußen“. Heute heißt das Gebiet Woiwodschaft Ermland- Masuren, Olsztyn ist die Hauptstadt des gesamten Gebietes.

Das Wetter erinnert an Hamburg im Hochsommer, mehr wie 17-18 Grad sind in 2020 nicht drin.

Vor unserer Abfahrt aus Danzig zogen wir uns nochmal Geld aus dem ATM und aßen ein letztes Frühstück im Nanas. Wir sind uns sicher, nach Danzig müssen wir nochmal!
Wir verließen die Stadt in südöstlicher Richtung, ließen einen Stop in Elblag aus. Dort kann der Oberlandkanal bewundert werden, Schiffe die über Land gezogen werden. Aufgrund der Wetterlage bezweifelten wir ein Schiff auf dem Kanal und fuhren weiter nach Allenstein/ Olsztyn. Fast jeder Berlin/in kann seine Wurzeln nach Pommern, Ostpreußen oder Schlesien zurückverfolgen. Bei mir liegen die Wurzeln meiner Großmutter väterlicherseits in Schlesien, bei Mathias in Ostpreußen im genau diesen Allenstein sowie im früheren Königsberg/ Kaliningrad. Nach rd. 2,5 Std Autofahrt kamen wir in Olsztyn an und erkannten sofort Häuserzeilen die man in Lichterfelde Ost oder in der Bahnhofstraße in Lichtenrade findet.

Laut meinem Reiseführer machte die Architektur den Polen und Ukrainern nach ihrer Ansiedlung ab 1945 schwer zu schaffen. Sie hatte wenig gemein mit der alten Heimat und führte nicht dazu bei, dass Ihnen die Gebiete heimisch wurden. Gerade in Schlesien wurde in den ersten Jahren nur in den Häusern gelebt, eher heruntergewirtschaftet als erhalten und restauriert. Das Bewusstsein kam erst später, umso schöner das vielerorts das alte Stadtbild doch noch erkennbar ist. Allenstein hat eine lange Geschichte und einige berühmte Söhne und Töchter der Stadt. Hervorheben möchte ich Nicolaus Kopernikus, der in Thorn geboren wurde, aber mehrere Jahre im Allensteiner Schloß lebte und an der Astrologie arbeitete.

Wir betraten die Altstadt durch das berühmte Tor und schlenderten über den alten Marktplatz. Schön erkennbar sind die sozialistischen Versuche mit Beton ein altes Stadtbild zu zaubern, als auch die besser gelungenen Versuche der heutigen Nachwendezeit.

Mathias Urgroßvater kam aus Allenstein, hatte die Stadt aber bereits weit vor dem zweiten Weltkrieg verlassen und in Berlin eine Familie gegründet. Dennoch war ein wenig Spurensuche bei unserem Besuch mit dabei. Da die Straßennamen logischerweise keinen deutschen Hintergrund mehr hatten, Olsztyn sich nach dem Krieg enorm vergrößert hatte, beschränkte sich unsere Suche im Vorfeld mehr auf das www, im heutigen Stadtkern wurde man nicht mehr fündig.

Ein Highlight von Olsztyn ist die Burganlage, in der Kopernikus gewirkt und gehandelt hat. Wir ersparten uns einen intensiven Besuch dieser ( kleine weiße Hunde dürfen ihr Wissen nicht erweitern), liefen aber einmal um den Komplex herum.

Nicolaus Kopernikus

Wir kehrten gegen Mittag in eine vegetarische Milchbar ein, aßen uns durch ein Chili sin Carne und Zuchinisuppe. Mit einer halben Pizza Margerita und ein wenig Sonnenschein war der kleine Abstecher nach Olsztyn wirklich toll.

Mit ein ein paar Bildern aus der Innenstadt, zum Teil in schönster Erinnerung an Berliner Außenbezirke, machten wir uns wieder auf den Weg.

Ich hatte imVorfeld ein paar Infos aus Allenstein eingeholt und ein paar davon will ich mal weitergeben. Allenstein hatte im Jahr 1920 die Wahl, ob es weiterhin in Ostpreußen, im deutschen Reich verbleiben möchte, oder lieber dem neu gegründete Polen zugehören wollte. Die Entscheidung ging zugunsten der Deutschen und zwar mit fast 99% der Stimmen. Heute leben noch rd 400 Deutsche in der Stadt, seit der Versöhnung und Annäherung der 90er Jahre ist wieder ein Deutscher Club erlaubt, der komischerweise Mitgliederzahlen in die Tausende verzeichnet. In den letzten Kriegstagen war es den Deutschen verboten, sich gen Westen zu bewegen, die „Festung“ Allenstein sollte unter allen Umständen gehalten werden. Erst kurz vor knapp konnten sich Tausende noch retten, für ein Lazarett kam jede Hilfe zu spät. Die Rote Armee nahm am 22.01.1945 die Stadt ein und ermordete jeden Patienten und das gesamte Personal im Hospital. Schreckliche Verwüstungen ergingen über Allenstein, umso schöner das der Wiederaufbau gelungen ist.

Wir verließen Ermland und fuhren weiter in die Masuren, ganz weit im Nordosten Polens. Unser Ziel, Gizycko/ Lötzen liegt nur noch rd. 30-40 km von der russischen Grenze entfernt und auch das Wetter mutete russisch an. Luftlinie nach Kaliningrad rd. 100 km……schade, dass man nicht so einfach und in Coronazeitem noch viel schwieriger dort hin kommt.

Wir hatten uns für sieben Nächte in Upalty, sechs km außerhalb von Lötzen in eine alte Mühle eingemietet. Diese war weit über 100 Jahre alt und wurde von einem Antiquitätenliebhaber liebevoll aufgebaut und authentisch restauriert und möbliert. So kam es, dass wir in einem 2x2m großen Überbleibsel aus ostpreußischer Zeit schliefen, in diesem Bett sind vermutlich ganze Generationen großgezogen worden. Die Mühle ist wunderschön und hat eines der besten Restaurants der Umgebung, sehr gelobt über Trip Advisor. Wer also was Authentisches sucht, die Stary Mln ist sehr zu empfehlen. Sie liegt auch direkt an einem Badesee und die Möglichkeit auf ein kühles Bad ist zu jeder Tages,- Nachtzeit gegeben.

Bitte zurücklehnen und genießen:

An diesem ersten Abend lernten wir die wirklich gute Küche der Alten Mühle kennen. Auf der Karte waren wirklich nur masurische Gerichte, touristischen Einheitsbrei suchte man vergeblich. Da sich bei uns so langsam Müdigkeit vom schweren Essen bemerkbar machte, verblieb ich an diesem Abend bei Kartoffelpuffer und Pilzsoße, Mathias aß Wildgulasch……..naja, polnisch eben.

Wir gingen früh ins Bett und verloren uns fast in genau diesem. Selbst Emily konnte sich der Länge nach ausbreiten und wir hätten immer noch drei Kinder aus der Nachbarschaft einladen können.

Am nächsten Tag hatte uns das Schietwetter aus Deutschland endgültig eingeholt, 15 Grad und zum Teil fieser Regen.

Wir besuchten unsere Nachbarstadt Gizycko, ehemals Lötzen. Glaubt man den Reiseführern ist der Ort einer der beiden Tourizentren der Masuren. Wir waren überrascht wie städtisch Gizycko daherkam, Tourismus gar nicht auf dem ersten Blick so erkennbar. Mit Blick in Wikipedia hatte Lötzen in den Kriegsjahren ebenfalls wenig zu lachen, die Russen nahmen am 25.01.45 die Stadt ein und zerstörten diese ebenfalls systematisch.Auch hier hatte sich die Bevölkerung für den Verbleib im Deutschen Reich ausgesprochen und auch hier wurden die Einwohner ab 1946 vertrieben….sie durften eine dicke Zeche bezahlen. Sie reihten sich in die 12-14 Mio Vertriebenen nach dem zweiten Weltkrieg ein.
Wir bummelten durch die Stadt, schauten uns die Kirche von Schinkel von außen an und waren erstaunt, dass diese evangelisch geblieben war. Die Festung Boyen ersparten wir uns an diesem Tag. Die touristische Seite von Lötzen beschränkte sich auf den Löwentinsee und die Marina. Ebenfalls gibt es einen sehr schönen Badestrand, der allerdings bei 15 Grad wenig einladend war. Wir schlenderten rd. eine Stunde durch den Ort, stöberten auf dem alten Waldfriedhof herum, ersparten uns bei dem Wetter den alten Wasserturm und standen vor dem ältesten Haus von Lötzen, einer alten Bäckerei.

Die alte Bäckerei

Die Hauptstraße von Gizycko hatte übrigens wieder diesen Bahnhofstraßencharme……

Unser Nachmittag. ist schnell erzählt, wir hatten alle Drei ein wenig mit dem Magen zu tun und verzogen uns auf unsere Schlafinsel mit angrenzendem Badezimmer. Mathias lag später mit dem Hund auf der Holzschaukel und schlief ein wenig in der Sonne, die sich tatsächlich am Spätnachmittag sehen ließ.

Unser Abendessen fiel zumindest für mich kleiner aus, Fischsuppe und Fisch aus dem See. Mathias versuchte sich an der polnischen Ente mit Rosinen.

Ein grandioser Sonnenuntergang entschädigte für das Regenwetter am Tage.

Polen 2020, IV: Festung Weichselmündung & Westerplatte

Unser letzter Tag in Danzig galt den Verteidigungsanlagen. Die Burg an der Weichselmündung wollte ich bloss sehen, weil mir die Optik so gut gefallen hat.
Das Wetter war weiterhin strahlend, zumindest als wir ohne Frühstück das Haus verließen. Die deftige Küche zahlte Tribut, wir hatten keinen Hunger mehr!

Die Festungsanlage an der Mündung diente als Zollhaus und wurde 1482 erbaut. Bereits der Deutsche Orden hatte einen Vorgänger errichtet. Um die Zeche nicht zu prellen wurden übrigens Ketten über den Fluss gespannt, clever nicht wahr? 1562/63 umgab man den Turm mit einem Wehrsystem, errichtete Kasematten und Bastionen. Es folgten Kasernenanlagen und ein Wehrgraben. Wir schauten uns die Anlage von außen an, Emily bewunderte verbotenerweise die Kanonen in dem Kasematten von innen. Weder Festung noch Hund haben Schaden genommen!!!!!

Zurück zum Auto stellten wir fest, dass sich der Wind gedreht hatte und aus blau, tiefschwarz geworden war. Wir legten die letzten Kilometer bis zur Westerplatte noch im Trockenen zurück, pünktlich mit dem dortigen Eintreffen öffneten sich die Schleusen.

Der Begriff Westerplatte ist wie Auschwitz nicht ins Polnische übersetzt worden, diese Begriffe blieben als Eigenwörter auch nach 1945 erhalten.

Die Westerplatte ist eine Halbinsel, auf der die Polen, laut der Sonderrechte nach dem Versailler Verträgen eine eigene Militärbasis errichteten. Diese Halbinsel wurde ,zeitgleich mit der polnischen Post in der Innenstadt, am 01.09.1939 von den Deutschen angegriffen und von 189 polnischen Soldaten sieben lange Tage gehalten. Die Deutschen waren in der Übermacht (4000 Soldaten) und hatten sich den Vorstoß auf die Westerplatte einfacher vorgestellt.

Für die Polen ist die Halbinsel großer Zirkus, die Kämpfer werden als Helden verehrt. Man kann altes Kriegsgedöns kaufen und hört im Wald Schüsse aus Schießständen……wirklich wahr!

Wir verkrochen uns aufgrund der Wetterlage erstmal in eine zerbombte Ruine und harrten der Dinge. Aufgrund von Corona entschieden wir uns aber schnell zum weiteren Spaziergang im strömenden Regen, zu viele Menschen unter einem zerbombten Dach!

Unsere Zufluchf

Um den arglosen Menschen und damit auch dem Virus zu entkommen schritten wir mit schleunigen Schritten zum Denkmal und entschlossen uns kurz vor dem Hügel, nicht ganz bis nach oben zu gehen. Es regnete einfach zu stark!

Mahnmal

Das Mahnmal erinnert an ein in die Erde gerammtes Schwert, ziemlich gelungen…..auch wenn wir nicht bis nach oben gelaufen sind.

Kaum drehten wir dem zentralen Punkt der Westerplatte den Rücken zu, kam die Sonne wieder zum Vorschein und wir konnten uns wenigstens dem Open Air Museum widmen. Sehr interessant aufbereitet und mit den wesentlichen Informationen zum Beginn des Zweiten Weltkrieges ausgestattet.

Gegen 12:00Uhr waren wir wieder in Danzig, nun knurrte auch uns Essunwilligen der Magen und wir besuchten unsere Milchbar, keine zwei Minuten vom Hotel entfernt. Ihr erinnert Euch an meine kurze Einleitung zum Thema Milchbars….eine alte Institution, polnische Hausmannskost zu sensationellen Preisen im Kantinensril,wobei unsere Premiere sehr schick daherkam!

Es gab Bigocz, Sauerkraut mit Fleisch, Gurkensalat und Brot. Zum Nachtisch die wirklich besten Piroggen von Danzig. Mit Getränk kam das feudale Brunch keine sechs Euro, was will man mehr? Viele Touris nehmen diese Erfahrung mit.

Unser Nachmittag ist schnell erzählt. Mathias kaufte auf dem Markt die Wurstbestände leer und wir erkundeteten nochmals die Ulica Mariacka, die Frauengasse.

Blick auf die „dicke Marie“

In einem der kleinen Läden konnte ich mal wieder nicht wiederstehen!

Ab 15:30 fröhnten wir dem süßen Nichtstun, ich schrieb die Blogbeitrader letzten Tage, Mathias schlief. Erst gegen 20:30 liefen wir zur Pierogarnia und aßen Zurek und letztmalig Piroggen….auch süße mit Blaubeeren, toll!

Das Wetter hielt und ich verabschiede mich aus Danzig mit ein paar schönen Nachtaufnahmen.

Polen 2020, II: Danzig/Gdansk

Wir schliefen an unserem ersten Tag in Danzig erstmal aus und schlurften gegen 9:00 Uhr zu Nanas Pierogania um dort für 20 Zlotys ein wirklich gutes Frühstück zu genießen. Nicht das ich jeden Tag drei Eier am Morgen verputzen möchte, der Preis mit 4,60€ inkl. Kaffee ist aber einfach unschlagbar. Im Novotel wollten Sie von uns 16€ pP. für das Frühstück haben, quasi eine Frechheit für Polen.

Die Sonne schien, es hatte sich über Nacht abgeregnet, bereits am Morgen waren es rd. 19 Grad. Wir aßen draußen und freuten uns wie kleine Kinder, dass der Wettergott gnädiger war als über alle  Webseiten verkündet. Wir lernten in den nächsten Tagen aber sehr wohl, dass Vorhersagen für diese Region quasi unmöglich sind……eine tägliche Husche, auch bei trockenem, stabilen Küstenwetter normal ist.

Nach dem feudalen Frühstück liefen wir vor zur Brücke und schauten uns das berühmte Panorama mit Wattenwölkchen an. Viele werden jetzt fragen, was ist eigentlich ein Krantor?

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Das ehemalige Krantor wurde zum Löschen von Schiffsladungen genommen, war zu seiner Zeit das Größte auf dem Kontinent. Wann war seine Zeit…..jetzt wirds spannend, tatsächlich wurde das Krantor schon 1363 erbaut und man lügt wohl nicht, wenn man behauptet es war das größte Krantor der damaligen Welt ( zur Erinnerung, Columbus war noch nicht in See gestochen). Wir bewunderten den Wumms am Ufer der Mottlau aus allen Perspektiven und setzen dann unseren Weg über den Langen Markt, der Langgasse bis zum goldenen Tor fort.

Hier möchte ich auf das Rechtstädtische Rathaus und dem Neptunbrunnen verweisen, wo auch in Coronazeitem das Leben tobte. Ich mag gar nicht an normale Zeiten denken, Danzig dürfte dann wohl nicht sehr schön sein.

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Am spitzen Turm verharrten wir kurz, der Turm fungierte früher als Gefängnis und ist legendär für die grausamen Foltermethoden im Gemäuer Heute kann Bernstein im Turm bewundert werden.

Danzig ist die Weltstadt des Bernsteins und auch ich hatte bereits im Vorfeld geplant mir einen Kettenanhänger zu kaufen, der natürlich nicht im Altweiberstil daher kommen sollte. In meiner Kindheit waren immer ältere Damen mit dem gelb-braunen Stein behangen und wenn es ganz schräg kam, konnte man noch kleine Insekten im Honigtopf bewundern! Ich sage wohl nichts Falsches, Frau von heute kann dem Bernstein nicht so viel abgewinnen…..selbst Mathias war erstaunt, als er meinen Wunsch vernahm. Näheres zu meinem Bernsteinwunsch, Corona in Danzig und dem Falt der fehlenden Kreuzfahrtschiffe an anderer Stelle.

Unser nächster Stop war die dicke Marie, die Marienkirche erbaut zw. 1343 – 1502. In ihrer Zeit war sie von 1525- 1945 evangelisch und mit Ende des Weltkrieges katholisch. Diesem Schicksal sind die meisten Kirchen östlich der Oder verfallen, Polen ist neben Brasilien, Mexiko und den Philippinen das katholischste Land der Welt. Was aber erhalten blieb, sind die alten evangelischen Inschriften, die deutsche Kanzel und andere Schmuckstücke. Auch die Nüchternheit, die man in katholischen Kirchen eher selten sieht blieb bestehen……sachlich, nüchtern,  nordische Schönheit. Im Jahr 1603 hatte ein Blitz den Turm in Brand gesetzt, die rote Armee tat 1944 ihr Übriges, die Kirche war wie die gesamte Stadt Danzig zu 97% zerstört. Leider gingen auch 40% der Kunstwerke verloren, die die katholische Kirche aber nicht mit Gold und Kitsch ersetzte. Bereits 1946 wurde mit dem Wiederaufbau begonnen, 1955 die Kirche katholisch geweiht. Wir ersparten uns den Turm, da wir ja einzeln ins Gotteshaus gehen müssen, kleine weiße Wauzis sind auch mit bester Erziehung nicht gern in Kirchen gesehen. Da unser Hund zwar niedlich gucken kann, aber ihre Erziehung in solchen Momenten zu wünschen übrig lässt gingen wir getrennt in die Kirche und der/ die Andere stand mit dem heulenden Fellbündel vor dem Tor.

Deutsches Erbe

Weiter gings zur Frauengasse und dem Blick aufs Arsenal, bevor wir durch die Altstadt dem Stare Miasto liefen. Altstadt, häh….waren wir da nicht gerade? Nein, die Altstadt heißt in Danzig Rechtstadt, das Stare Miasto ( Altstadt) ist ein Nachbarbezirk und das Gdansk der kleinen Handwerkerzünfte und einfachen Leute. Es ist tatsächlich nicht älter als die Rechtstadt, hat aber auch ein paar sehr schöne Überbleibsel aus dem 14 Jh zu bieten.

Arsenal

Zunächst gab es einen Bierstop am Markt und einen Rundgang in genau diesem. Wir bewunderten die archäologischen Fundstücke und lernten erst später, dass der Standort des Marktes die Wiege von Danzig ist. Die Ausgrabungen zeigen einen alten Friedhof aus dem 8 Jh. Wir warfen ebenfalls einen  Blick auf die kleine und alte Mühle von Danzig. Die kleine Mühle hattte nur acht Mahlräder und ist natürlich die ältere der beiden Stadtmühlen. Die Stary Mln hatte 18 Mahlräder, die notwendig waren um die freie Stadt Danzig zu versorgen. Von dem Zitel der freien Stadt war Danzig im 14 Jh. allerdings noch weit weg, der Deutsche Orden hatte den Bau angeordnet!

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Ich warf noch einen Blick in die St. Katharinenkirche, die ebenfalls im 14 Jh. gebaut, im Krieg zerstört und die Metamorphose von evangelisch nach katholisch hinter sich hat. Da eine Messe zelebriert wurde, blieb ich als gute Berliner Protestantin am Eingang, bei mir bleibt die Kirche eh eher im Dorf! 

Wir schlenderten weiter und mit jedem Schritt wandelte sich die Stadt Danzig zum Gdansk von heute. Die Geschichte dieser  Stadt ist unwiderruflich mit dem Schicksal der Polen, der Geschichte der Deutschen, dem deutschen Orden, dem  Pingpongspiel der Mächtigen und Irren verwoben. Gdansk ist aber auch ein Zeichen des Friedens, der Hoffnung und der Solidarność. Unser Ziel war die ehemalige Leninwerft, der Geburtstunde von Europa, es roch förmlich  nach Freiheit und Brüderlichkeit…. Ich kann mich noch gut an den Werftstreik von 1980-1983 erinnern, Lech Walesa der mit seinem Schnurrbart einem Schwerverbrecher nicht unähnlich sah. Die Bilder waren alle grau in grau und ich als Westmädel fand die Berichterstattung spannend, zeigte es mir doch eine ganz andere, graue Welt die kaum 500 km von Berlin entfernt lag. Mein Vater erzählte mir damals von den Werftanlagen in Stettin, die ebenfalls streikten und vom Piwo, welches die Männer bereits morgens um 7:00 Uhr tranken. Polen war irgendwie immer anarchisch im Sozialismus, schade das politisch gesehen das Land sich gerade wieder zurück entwickelt. Polen hat immer für sich und seine Rechte gekämpft und sich dabei immer zäh und unbeugsam gezeigt. 

Was ich nicht wußte, bereits 1970 hatte es die ersten Toten und Proteste auf der Werft gegeben und die Streiks ab 1980 waren quasi eine Fortsetzung.  Es ging um Arbeiterrechte und mehr Lohn und war dennoch ein Meilenstein zur Öffnung Europas. Über Polen lag in den Jahren 80-93 das Kriegsrecht, viele Meschen wurden verschleppt, Solidarność wurde verboten und arbeitete im Untergrund. Ich erinnere in diesem Zusammenhang an meine Berichte aus Breslau 2019, dort wird dieser Zeit auch erinnert.

Wir bewunderten zunächst das Denkmal, welches an den Streik von 1970 erinnert und wandten uns dann der Werft zu.

Sowohl von außen als auch von innen standen wir am Tor und versuchten uns in die Geschichte hineinzuversetzen.

Ins Museum kamen wir mit Emily nicht,  ich würde es aber  Jedem empfehlen. Uns blieb nur das www….. Die Werft wurde Mitte der 90er geschlossen, als China mit Dumpingpreisen den Markt übernahm. Geplant ist ein zweites Dockland, nach dem Vorbild aus London zu schaffen. Gdansk wird sich weiter wandeln und die deutsche Geschichte abstreifen.

Wie deutsch war Danzig aber nun wirklich? Der Name „ Freie Stadt Danzig“ ist wohl Jedem ein Begriff, aber wie kam es zu der Bezeichnung? Danzig wurde als das deutsche Juwel in der polnischen Krone bezeichnet, 1939 „heimgeholt ins Reich“, durch die Nazis und von der roten Armee in Schutt und Asche gelegt, von polnischen Restauratoren nach alten Stichen, Bildern und Aufzeichnungen wieder liebevoll aufgebaut. Die Deutschen in Danzig mussten zu fast 100% ihr Zuhause verlassen, Polen wurden angesiedelt. Laut meinem Reiseführer hat es nie ein größere Zwangsumsiedlung wie die nach dem zweiten Weltkrieg gegeben. Danzig war semiautonom, eine Vereinbarung aus den Verträgen von Versaille und dem Völkerbund ( Vorläufer der UNO). Rund 80% der Bevölkerung war deutsch und der Status der Stadt störte die Nazis, so dass am 01.09.1939 hier das Schicksal seinen Lauf nahm! Zum Kriesbeginn komme ich nochmal zurück, nun aber zu den harten polnischen und deutschen Fakten! Danzig wurde 997 erstmalig erwähnt, es war polabisch, also polnisch und bereits christlich geprägt, was ziemliches Pech für Adalbert von Prag war, der Gygdanyzc als Teil von Prußen ( also Preussen) bekehren wollte. 1034 zerbrach Polen zum ersten Mal, 1113-1116 unterwarf Boleslaw III wieder gesamt Pommerellen, Krakau regierte in dieser Zeit die Stadt Danzig. 1221 eroberten kurzzeitig die Dänen die Stadt, verloren diese 1225. Im 13 Jh herrschte das Herzogtum Pommerellen über die Stadt, schlussendlich gelang unter Konrad I die brandenburgische Kontrolle von Danzig. Der Deutsche Orden griff ab dem 14 Jh in die Geschichte der Stadt ein und prägte mit seinen Kirchen das Stadtbild. Danzig wurde eine bedeutende Hansestadt und Mitglied der dt. Hanse. Von 1466 bis zur zweiten Teilung von 1793 gehörte Danzig zu Polen. Als größter Ostseehafen agierte die Stadt im internationalen Getreide,- u. Holzhandel. Ab 1793 gehörte Danzig zu Preußen und erhielt nach dem ersten Weltkrieg den bereits genannten Titel „ Freie Stadt Danzig“. Wer also behauptet, dass Danzig und die Gebiete drumherum ( Ostpommern) ja schon immer deutsch waren, der liegt mal eben komplett falsch. Der Küstenort Gdynia ist sogar erst 1939 von den Deutschen besetzt und zu Gotenhafen umbenannt worden…..es war also nie wirklich deutsch!

Von den Deitschen u. Russen zerstört, von den Polen wieder aufgebaut

Nach dem Werftbesuch schlenderten wir zum Museum des Zweiten Weltkrieges, bewunderten das Gebäude von Libeskind aber nur von außen, kleine weiße Hunde dürfen sich nicht weiterbilden! Da uns die Gräuel des Krieges durchaus in Krakau, Auschwitz, Yad Vashem und natürlich auch durch die Deutsche Aufarbeitung geläufig sind, war der Verzicht des Museums nicht schwerwiegend. Uns interessierte die Polnische Post, wo zeitgleich, mit dem Angriff auf die polnische Westerplatte,  der 2. Weltkrieg am 01.09.1939 begann und die Welt in Schutt und Asche zerlegte.

das berühmte Museum

Durch die autonome Stellung von Danzig, bekamen die Polen Sonderrechte in der Stadt, unter Anderem ein eigenes Postwesen und eine Militärbasis auf der Halbinsel Westerplatte. Dort griff die Schleswig- Holstein die Militärbasis an, 189 Polen kämpften gegen 4000 deutsche Soldaten….bittere sieben Tage, danach war die Westerplatte besiegt! 

Zeitgleich wurde die Polnische Post überfallen, die 58 Mitarbeiter verschanzten sich und erhofften Rettung aus Gdynia, die nicht kam. Wer nicht im Kampf fiel, wurde später von den Nazis exekutiert. Sowohl die Westerplatte als auch die Polnische Post gelten als Sympol für den polnischen Wiederstand gegenüber den Deutschen.

Nach so viel ernster Geschichte sollte wieder Leichtigkeit her! Wir liefen durch die Rechtstadt zurück und besuchten die Brigittenkirche,die als Schutzheilige der Solidarność in den 80er Jahren fungierte. Die heilige Brigitte gilt in Polen als Kultfigur, der Leichnam der schwedischen Dame wurde 1342 hier ausgestellt, ein Denkmal erinnert an Jerzy Popieluszko, ein Priester der 1984 durch den polnischen Geheimdienst ermordet wurde….also doch nichts mit Leichtigkeit in dieser soschönen Stadt.

Wir liefen über die Speicherinsel zurück ins Hotel und genossen ein paar Aussichten und Ansichten dieser Stadt. Als Kaffeesnack gabs Piroggen mit Apfel und Zimt.

Den späten Nachmittag verbrachten wir im Hotel mit einem Nickerchen und Schönheitspflege. Frisch aufgebrezelt schlenderten wir um 18:30 an das Ufer der Mottlau, um im Gdanske Bowke richtig edel und gut essen zu gehen. Wir hatten bereits in Berlin einen Tisch reserviert, der Tip stammte aus meinem DK Reiseführer. Wir aßen uns durch drei polnische Gänge ( Tartar, Dorsch und Hefeküchlein) und fabrizierten eine, selbst für deutsche Verhältnisse, ordentliche Restaurantzeche…wobei die Summe in D noch beträchtlich höher gewesen wäre.

Bevor wir aber das gute Essen genießen konnten, erwarb ich einen Bernsteinanhänger…..1351 Zlotys waren veranschlagt, ich erhielt 75% Nachlass ( Corona und die fehlende Kreuzfahrtindustrie lässt grüßen) und konnte meinen Anhänger für 75 Euro mein eigen nennen! Am Ende spendierte mein lieber Mann den Klunlee, quasi eine winwin Situation für mich!

Gut gestärkt traten wir uns am gegenüberliegenden Mottlauufer die Füsse in den Bauch. Es wurden keine Häuser angestrahlt…..gegen 21:40 Uhr packten wir die Stative zusammen, just in diesem Moment gingen die Lichter an!

An diesem Abend gabs nur noch Nachtfotos „aus der Hand“.

Polen 2013: krAkau und Auschwitz

Unser Trip in die Region Mähren, nach Krakau, stand noch unter dem Einfluss unseres Umzuges 2013. Wir hatten zwar mit unserer neuen Wohnung richtig viel Glück gehabt doch die  Abgabe von zwei Wohnungen in denen wir lange gewohnt hatten, stellte uns vor eine große Herausforderung. Umso glücklicher waren wir, dass uns ein langes Wochenende im Juni 2013 ein wenig Entspannung bringen würde.

Unser Ziel Krakau war nach den Eindrücken aus der ersten Israelreise 2012 geboren worden, wir wollten nach Ausschwitz und auch auf den Spuren von Oskar Schindler wandeln. Nachdem wir bereits in Jerusalem am Grab von Schindler verweilt hatten, war der Besuch der Emaillefabrik quasi Pflicht.

Damals gab es noch die Air Berlin und diese verwöhnte uns erstmal mit einer saftigen Verspätung am frühen Freitagmorgen. Mit rd. drei Stunden Wartezeit in Schönefeld hoben wir ab und landeten rd. 1 Std. später auf dem Flughafen von Krakau. Mit dem Flughafenbus ging es flugs in die City, vom Busbahnhof konnten wir in unsere Unterkunft laufen. Vorher beschubsten wir uns selbst, der ATM am Flughanden verkaufte uns Zlotys zu einem mieserablen Kurs

Wir wohnten damals in einem kleinen Hostel, sehr zentral in der Einkaufsstraße von Krakau, rd. fünf Gehminuten zur Barbakane und Marktplatz entfernt.

Eine Barbakane ist ein dem Tor einer spätmittelalterlichen bzw. spätrenaissancezeitlichen Burg oder Stadtmauer vorgelagertes Verteidigungswerk. Die Barbakane von Krakau stammt aus dem 15.Jh und ist auch heute noch wunderbar erhalten. Allerdings habe ich mir das gesamte Bauwerk damals größer vorgestellt und war fast ein wenig enttäuscht.

Schöne Architektur rund um die Barbarkane

Krakau gab im Frühsommer  2013 alles, es war sommerlich warm, fast heiß und wir genossen das schöne Wetter. Leider war es auch voll, richtig voll…..man sah vor lauter Menschen die Tuchhallen nicht.

In der Mitte des Hauptmarktes , dem zentralen Marktplatz, steht eines der beeindruckendsten Bauwerke Krakaus , die Tuchhallen, ein sehr schönes Beispiel eines Bauwerks der Renaissance. Erbaut wurden die Hallen im Mittelalter, verantworlich hierfüg war König Kasimir der Große. Später wurden hier flämische und englische Tücher gehandelt.

Nachdem wir in den Tuchhallen noch nicht dem Shoppingwahn verfallen waren, widmeten wir uns der Ostseite des Markplatzes, hier erhebt sich die Marienkirche in formvollendeter Gotik. Stüdnlich hört man ein Trompetensignal, welches zu Ehren eines Trompeters ertönt, der die Krakauer versuchte vor einem bevorstehenden Tartarenangriff zu warnen. Leider wurde der mutige Held durch einen Pfeilschuß getötet…..

In der Kirche kann der größte Altar Europas bewundert werden, dieser entstand zw. 1477 und 1489. Insgesamt betrachtet ist das Gotteshaus ein beeindruckendes Bauwerk, mich haben nur die schlechten Fotos erschreckt…..eigentlich fand ich meine damalige Kamera nicht soooo schlecht…

Nach dem Kirchenbesuch folgten noch ein paar mehr Impressionen vom Rynek Glowny ( Markplatz).

Hier sieht man die süße St. Adalbertkirche.

Die Altstadt von Krakau schließt sich dem Marktplatz an und wir erschlenderten diese an unserem ersten Abend

St. Peter und Paul

Den ersten Abend ließen wir mit zunftiger Küche und überdimensionalen Portionen im Pod Wawelem ausklingen….ein Restaurant, welches ich wärmstens empfehlen kann.

Ein Pole mit Berliner Nummernschild

Am nächsten Morgen machten wir uns ausgeschlafen auf den Weg zum Wawelschloß auf dem gleichnamigen Hügel. Dort verspeisten wir stilecht ein Stück Torte und warfen einen Blick auf die Weichsel.

Die 1000jährige Wawel-Kathedrale blickt auf eine beeindruckende Geschichte zurück, sie fungierte als Krönungsstätte polnischer Monarchen und als Grabstätte für zahlreiche Könige und Erzbischöfe. Neben dem Nationalheiligtum liegt das Schloß und direkt an der Uferseite des Hügels liegt eine Höhle. In dieser soll der Waweldrache einst gelebt haben. Wir haben den kleinen Feuersepeier nie gesehen, nur einen Kleinen Weihnachtsdrachen für unseren alljährlichen Baum gekauft.


Nach dem Besuch der polnischen Könige widmeten wir uns dem Krakauer Viertel Kasimierz, dem heutigen Hipsterviertel. In jüngerer Geschichte spielte sich in dem ehemaligen jüdischen Viertel das dunkelste Kapitel deutscher Geschichte ab und wir waren gespannt, ob wir noch auf Spuren jüdischen Lebens stoßen würden.

1494 siedelte König Jan Olbracht die Juden nach Kasimierz um. Er zog eine Mauer um die Siedlung und über mehrere Jahrhunderte hinweg fungierte Kasimierz bereits als eine Art Ghetto.

Wikiepdia beschreibt die Situation so: Kazimierz wurde zum kulturellen und religiösen Zentrum der Juden in Polen. 1497 entstand die erste Synagoge, 1521 die erste hebräische Druckerei Polens. Gelehrte wie Jakob Pollak und Moses Isserles kamen nach Kazimierz, und in der dortigen Talmud-Schule, die ihre Schüler europaweit anzog, wurden Rabbiner für ganz Polen ausgebildet. 1553 wurde die Remuh-Synagoge gebaut. Die größte Bedeutung der bis heute bestehenden sieben Gotteshäuser hatten die Alte Synagoge und die 1638 bis 1641 errichtete Isaak-Synagoge. Der Zuzug von Juden aus dem westlichen Europa, vor allem Böhmen, Deutschland, Spanien und Italien, wurde so stark, dass die jüdische Gemeinde erreichte, dass 1568 Christen die Ansiedlung im jüdischen Stadtteil verboten wurde.

Um 1800 wurde Kasimierz ein Stadtteil von Krakau und die Mauern wurden eingerissen, Juden durften im Anschluß überall in der Stadt siedeln. Nach den Novemberprognommen kamen viele Deutsche Juden in die Stadt und siedelten sich für wenige Jahre in Krakau an. Krakau gab in seiner Blütezeit 65000 Juden eine Heimat.

Mit drei „Säuberungswellen“ wurden die Krakauer Juden zunächst in das Ghetto Podgórce dann nach Plaszow ins gleichnamige KZ und am Ende nach Auschwitz deportiert. Heute leben rund 6500 Juden wieder in Krakau, die Restaurant,-u. Clubszene boomt, Klezmer überall!

Steven Spielberg brachte mit seinem Spielfilm „Schindlers Liste“ die Geschichte der Krakauer Juden wieder in das Geschichtsbewusstsein zurück und ich denke, es ging Vielen wie mir…..es bedarf eines amerikanischen Regisseurs um mir als Kind deutscher Großeltern ( die mit Sicherheit auch das Falsche gewählt haben) und Eltern von Oskar Schindler zu berichten.

Wir besuchten in Kasimierz zunächst die Tempelsynagoge. Die Männer trugen Kippa, wir durften aber gemeinsam das Gotteshaus betreten. Mit uns war noch eine Reisgeruppe in der Synagoge, so war das Erlebnis nicht ganz so ergreifend.

Im Anschluß bummelten wir ein wenig durch das Viertel, bewunderten die kleinen Kneipen, jüdische geschäfte und erfuhren auf diesem Weg, dass Kosmetikbaronin Helena Rubinstein 1870 als Chaja Rubinstein in Kasimierz geboren wurde

Geburtshaus von Chaja( Helena) Rubinstein

Unser nächstes Ziel war die DEF, Oskar Schindlers Emaillewarenfabrik. Übrigens hat Steven Spielberg etliche Szenen in Krakau und in der Fabrik gedreht. Erst seit 2010 kann man die Fabrik besuchen, einen Blick auf die Kopie der berühmten Liste werfen ( das Original liegt in Yad Vashem) und sich über das Schicksal der Krakauer und europäischen Juden informieren. Kein leichter Tobak, wobei der Besuch der Fabrik erst das Vorspiel zu unserem Auschwitzbesuch war.

wer kennt sie nicht aus dem Film? Helene Hirsch das Hausmädchen des widerlichen Nazis Amon Göth
Filmszene
In der Mitte, Izaak Stern der Buchhalter, der in WWirklichkeit gar nicht der Buchhalter war 🙂 ….Spielbergs künslterische Freiheit
Die Originalliste liegt in Jerusalem aus

Im Anschluß liefen wir zum Ghettoplatz von Podgórze, welcher fast in Sockendistanz zur Fabrik lag.

Kaum vorstellbar, dass dort Tausende Menschen in die Vernichtungslager deportiert wurden, ganze Familien und Generationen vernichtet wurde.

Uns schauderte doch waren wir froh, uns auch dem schweren Teil der Kakauer und polnischen Geschichte zu stellen, die ja auch unsere eigene Geschichte ist.

Den Nachmittag ließen wir mit leichter Kost ausklingen, abens fraßen wir uns wiederum im Pod Wawelem voll….Polska as usual!

Besuch von Auschwitz: Der nächste Morgen startete früh, wir fuhren mir einem Minibus Richtung Auschwitz. Im Vorfeld meiner Überlegungen zu diesem Bericht habe ich auch darüber nachgedacht, ob es richtig ist, auf einem Urlaubsblog Bilder von Vernichtungslagern zu zeigen. Ich habe mich dafür entschieden, da die heutige politische Lage und die Gemütsverfassung von vielen Verwirrten wieder derer entspricht, die wir seit 1945 vergessen glaubten. Auch um wachzurütteln und aufgrund der Tatsache, dass nicht Jede/r nach Auschwitz kommt, habe ich mich entschlossen über das berühmteste, das grausamste KZ der Deutschen zu berichten.

Die Fahrt zog sich und wir quälten uns in der Sommerhitze im beengten Kleinbus die rd. 100 km nach Auschwitz. Wieviel schlimmer muss der Transport in den Deportationszügen gewesen sein?

Auschwitz bestand überigens aus drei Lagern. Auschwitz-Monowitz war ein Arbeitslager, Auschwitz I ein KZ und Auschwitz- Birkenau das Vernichtungslager drei Kilometer außerhalb von Auschwitz I.

Wir besuchten zunächst das Lager Auschwitz I, Monowitz war nicht auf unserer Agenda.

Man betritt Auschwitz I durch das berühmte Tor und dem noch berühmteren Schriftzug !

Der Komplex der sich einem eröffnet, wenn man durch das Tor hindurchgetreten ist, lässt im ersten Moment an eine alte Kaserne erinnern. Tatsächlich handelt es sich bei Auschwitz I um eine alte militärische Anlage, das Krematorium, die Gaskammern sowie mehrere Barackenbauten wurden dem Komplex später hinzugefügt.

Auschwitz I wurde zu klein und aufgrund steigender Insassenanzahl wurde später Auschwitz – Birkenau erbaut ( 1941) . Himmerler besuchte 1941 Auschwitz I und legte im Nachgang die Pläne für ein KZ für mindestens 100.000 Insassen fest. Zu diesem Zeitpunkt befriedigte das KZ auch den Wunsch auf Zwangsarbeiter der IG Farben.

In allen drei Auschwitzlagern wurden rd. 1,1 Mio Juden ermordet!

Wir wurden zunächst durch die verschiendenen Häuser und Baracken geführt, sahen Habseligkeiten der Ermordeten, Zyklon B Dosen und die perfide Verwaltungsarbeit der Nazis, ALLES wurde genauestens dokumentiert. Ich möchte nicht in allen Einzelheiten auf Auschwitz eingehen, Wikipedi gibt sehr detailliert Auskunft: https://de.wikipedia.org/wiki/KZ_Auschwitz-Birkenau

Ebenfalls eine gute Informationsquelle ist die Seite des KZs itself: https://www.kzauschwitz.de/

Ich lasse hier ein wenig Bilder sprechen und gebe nur unter den Fotos eine kurze Erläuterung:

Baracken
die alte Kaserne
einzelne Komplexe der alten Kaserne. Diese waren sowohl für Häftlinge als auch Verwaltunsgebäude etc.
abgesichert
Hier wirkte Joseph Mengele
Die Perversion der Dokumentation
erkenntlich bis zum Lebensende
medizinische Hilfsmittel
Massen an Hebseligkeiten wurden gesammelt, sortiert und gelagert.
todbringender Kiesel- Zyklon B
Zyklon B wurde von den iG Farben produziert, das Perverse daran…..die Zwangarbeiter produzierten ihre eigene Mordwaffe.
Ankunft in Auschwitz
Gefangenenunterkunft, ich entschuldige die miese Qualität

In Auschwitz I ist noch eine Gaskammer als auch ein Krematorium zu besichtigen. Die Gaskammern aus Birkenau wurden vor Ankunft der Alliierten alle in die Luft gesprengt. Birkenau hatte sechs Gaskammern., vier Krematorien.

Das Gas wird übrigens nicht durch die Duschen eingeleitet, die Kammern hatten einen Lüftungsschacht, durch diese wurden die Zuyklon B „Kiesel“ eingeleitet.

Gaskammer und Krematorium
Gaskammer
Verbrennungsofen
es wurde nicht nu r vergast, auch andere Mordmethoden waren geläufig- insbesondere in den Anfangsjahren des Gräuels.
der Galgen- öffentliche Hinrichtungen zur Abschreckung

Die drei Kilometer zwischen Auschwitz I und Auschwitz Birkenau benötigten wir für einen kleinen geistigen Verschnaufer….wir fühlten uns mitgenommen und beschämt, bestürzt und todtraurig. Der polnische Guide, der mit Perfektion immer und grundsätzlich von „den Deutschen“ sprach machte es nicht besser. Wir Deutschen distanzieren uns ja immer mehr von den Gräueltaten des dritten Reiches und reden gerne von den Nazis…..da sind die Polen noch nicht angekommen, nach wie vor sind die Deutschen die Ursache allen Übels….wen wunderts, Polen hat sehr im zweiten Weltkrieg gelitten.

Auschwitz- Birkenau wurde 1941″eingeweiht“ und diente als reines Vernichtungslager. Während in Auschitz I ungefähr 100.000 Menschen zu Tode gekommen sind, wurden in Birkenau 1Mio vergast, starben an Hunger und Krankheit. sechs Gaskammern und vier Krematorien taten ihren Dienst. Man schaut heute nur noch auf die Ruinenberge, die Nazis haben versucht ihre Machenschaften zu vertuschen.

Es gab mehrere Lagerbereiche, das Areal ist riesig, schattenlos und tatsächlich auch 75 Jahre nach Kriegsende der Inbegriff der Hölle.

Auschwitz Birkenau verfügt über ein riesiges Areal. Was die Häftlinge damals nicht wussten, alle Bewohner des Dorfes Auschwitz wurden umgesiedelt, im Umkreis der drei KZs entstanden weitere Nebenlager, die nicht als Todeslager dienten sondern eher Gefängnissen ähnelten. Somit war eine Flucht ziemlich aussichtslos, da im Umkreis von rd. 80qkm eigentlich nur KZs, Zwangsarbeiterlager, Betriebe mit Zwangsarbeiter und Gefängnissen waren….

Heute zeigt sich Birkenau eher lieblich, an einem schönen Sommertag möchte man das Elend vergessen. Es existieren nicht mehr sehr viele Gebäude, die Nazis haben vor Allem belastende, stumme Zeitzeugen wie die Krematorien und Gaskammern weggesprengt. Einige wenige Baracken sind erhalten geblieben, welche die Tortur gut wiedergeben:

Eingang nach Ausschwitz-. Birkenau
auch hier Wachtürme und Stacheldraht.
auf der Selektionsrampe, von den Baracken sind nicht mehr viele zu sehen
das berühmte Tor
Gleise in den Tod
ein berühmtes, trauriges Bild…..
was bleibt sind die Schornsteine
Massenlager……in Spitzenzeiten hockten 700 Menschen in dieser Baracke, ein Bett war für bis zu sieben Menschen ausgerichtet.
Latrinen, diese wurden von den Gefangnissen mit dem eigenen Besteck gereinigt…..unvorstellbar!!!!!
Die Viehtransporte, die für die Deportationen genutzt wurden.
In G edenken an 6 Mio ermordete Juden!

Auf den nächsten Bildern sieht man die gesprengten Gaskammern und Krematorien, die als Mahnmal nicht abgetragen wurden.

Als wir Auschwitz verließen waren wir Vier emotional ziemlich durchgeprügelt. Ich habe sogar vergessen, wo wir an diesem Abend essen gegangen sind.

Der nächste Morgen zeigte sich regnerisch, wir Vier trennten uns und verbummelten alleine die Zeit bis zum Abflug. Die Menschenmssen vom Wochenende waren nicht mehr in der Stadt, aufgrund der Wetterlage waren wir nun in der Lage, nochmal ein paar schöne Fotos von Krakaus Altstadt zu fertigen.

Cafe´unter den Arkaden

Unser letztes Mittagessen nahmen wir in einer Krakauer Institution ein, Pelmeni/ Piroggen direkt von Mama. Das Restaurant Przypiecek liefert die besten Pirogis Krakaus…..glaubt man den Reiseführern und Trip Advisor.

Mit der Abendmaschine flogen wir zurück nach Berlin. Wir waren viele Erfahrungen reicher und ich zog wie immer ein positives Polen Fazit. Alle meine Reisen nach Polen waren toll. Dieser Bericht ist im Vorfeld meiner Danzig/ Masurentour entstanden. Wir hoffen inständig auf eine Grenzöffnung Polens Ende Juni.

Ein letztes Wort möchte ich zu Auschwitz verlieren. Wie bereits geschrieben, nicht Jede/r kommt in den Genuss eines Besuches des Konzentrationslagers, was schade ist….meiner Meinung nach sollten weniger Klassenfahrten nach Mallorca, dafür mehr in die politische Bildung investiert werden. Vielleicht würde dies viele Probleme der Gegenwart und Zukunft lösen.

Polen 2019, Wroclaw/ Breslau III

An unserem letzten Tag in Wroclaw ließen wir uns das Sonntagsfrühstück schmecken und freuten uns, dass es nicht ganz so heiß war.

Wir wollten Zwerge sammeln und nochmals einen Besuch auf dem alten Jüdischen Friedhof wagen. Der Reiseführer schreibt „wer etwas über die deutsche Vergangenheit in Breslau wissen möchte, findet diese am Allerbesten auf dem alten jüdischen Friedhof“. Gesagt, getan….wir fuhren mit der Neun, trennten uns vor dem Friedhof, Zwei gingen aufs Gelände, die anderen Zwei kümmerten sich um den kleinen Wadenbeißer.

Vorbei ging es an alten Gräber, teils auf hebräisch beschriftet, teil mit jüdischem Datum nach Talmut, datiert. Zum Teil sehr weltlich und modern, manche Gräber eher orientalisch. Überraschender Weise wurde der Friedhof nicht geschändet, man sieht zwar Einschusslöcher aus den letzten Tagen der Festung Breslau, blinde Zerstörungswut scheinen die Nazis aber nicht an den Tag gelegt zu haben. Vermutlich lag der Friedhof einfach zu weit außerhalb der Stadtgrenzen von 39-45.

Hier ein paar Impressionen, wir fanden die Gräber von Lassalle, den Eltern von Edith Stein und Hugo Heimann….bekannt durch die gleichnamige Grundschule in Neukölln. Überraschend viele Kriegsopfer des ersten Weltkrieges, die Alle fürs Vaterland gestorben sind….genau das Vaterland welches kurze Zeit später die Familienangehörigen in die Vernichtungslager geschickt hat….immer wieder. unbegreiflich und grausig.

Dennoch. haben Friedhöfe bei mir einen festen Platz im Sightseeingprogramm und so lasse ich mal wieder Bilder sprechen.

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ziemlich verwunschen
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Tief. beeindruckt verließen wir den Friedhof und fuhren mit unserer Standardlinie Richtung Dominsel. Da die Dombrücke gesperrt war, mussten wir einen kleinen Umweg nehmen und erkundeten zunächst die puppige Kapelle Peter und Paul aus dem 11.Jh.

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Auf der Dominsel verweilt (e) der Klerus und somit ist jedes Haus irgendeiner kirchlichen Institution angeschlossen. Die Insel gehörte nicht zur Stadt Breslau, der Bischof verwaltete diese in früheren Jahren. Wie man unschwer erkennen kann, es geht beschaulich auf der Dominsel zu, die übrigens verkehrsberuhigt ist.

Da Sonntag war, die Polen bekannt für ihre tiefe Gläubigkeit sind, lief entweder eine Messe, ein Orgelkonzert oder sonst eine religiöse Veranstaltung. Da die protestantische Brut die Veranstaltungen nicht sprengen wollte, beließen wir es mit kurzen Blicken in die Kirchen und genossen die Stimmung von außen….man sollte die Kirche im Dorf lassen :0)!

Zunächst der Blick auf die Kreuzkirche, dort wurde inbrünstig georgelt.

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Kreuzkirche und Dom mit extremen Weitwinkel

Wir kümmerten uns lieber um den kleinen Freund, der gegenüber der Kirche sein Unwesen trieb.

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Der Dom oder auch Kathedrale genannt, wurde Johannes dem Täufer im 14 Jh. geweiht und war nach 1945 zu 70 % zerstört. Erst 1991 war der Wiederaufbau fertig und wie bereits gesagt, 1995 von innen, 2019 nur von außen bewundert. Der Zeitpunkt war mit 11:00 Uhr nicht so dolle gewählt.

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Auf dem Weg, zurück in die Innenstadt, bewunderten wir die Grundwaldbrücke, quasi die Brooklyn Bridge von Breslau, und tummelten uns ein wenig am Ufer der Oder entlang. Von der Brücke gibts kein Foto, das habe ich irgendwie verpennt. Dafür war der Blick über die Oder, auf Kathedrale und Skyline der Dominsel auch sehr interessant und soooooo dörflich.

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Der vorletzte Zwerg unserer Sammlung wurde Bodo getauft, warum….liegt wohl klar auf dem Bagger.

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Da die Hitze uns doch ziemlich schaffte und die Uhr langsam und allmählich ticktack machte, verzichteten wir auf die Jahrhunderhalle. Diese wurde in den Jahren 1911-1913 von Max Berg erbaut und galt, insbesondere aufgrund der Dachkonstruktion als besonders bemerkenswert. Seit 2006 steht die Halle unter Weltkulturerbe und der Vollständigkeit halber habe ich ein Foto aus Wikipedia beigefügt. 1995 habe ich die Halle, die sich in ihrer Bauart am Pantheon in Rom orientiert, bereits ausgiebig bewundert. Meine Fotos von dieser Reise liegen irgendwo im Nirgendwo.

Quelle: Wikipedia

Ziemlich ermattet landeten wird im Stary Klacztor, einem alten Kloster, nun Restaurant und Bar. Und was war das für eine super Wahl! Total gemütlich eingerichtet mit dem besten Futter von Breslau.

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Zuerst genossen wir Spaghetti mit Muscheln, Rippchen und Burger am Tisch. Zum Kaffee mit Apfelstrudel lümmelten wir auf der Couch.

Jedes Wochenende geht einmal zu Ende und so verabschiedete uns der letzte Zwerg vor dem Stary Klacztor, bevor wir wieder in die Linie neun stiegen.

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Beim Auslösen der Taschen gab es eine kurze Aufregung, als mein Göttergatte seine EC Karte suchte, die er im Stary Klacztor vermutete. Als nahm er mit Klaus eine S- Bahn retour und stand sechs Minuten später wieder vor uns…..doch noch das Stück Plastik im Portemonnaie gefunden.

Wir vertrödelten die Zeit bis zur Abfahrt an den Wasserspielen vor dem Bahnhof und bewunderten die gelungene Restauration auch von innen.

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Pünktlich fuhr der Kulturzug um 17:10 Uhr ab und um 21:19 waren wir wieder am Ostkreuz.

Unser Fazit, machen wir nochmal….mir schwebt Silvester 21 vor…sofern der Zug dann noch fährt.

Polen 2019, Wroclaw/ Breslau II

Um 8:30 testeten wir das Frühstücksbuffet unseres Hotels und waren zufrieden. Das übliche Rührei mit Würstchen wurde durch Crepes und schlesischen Apfelstreuselkuchen ergänzt.

Auch Vegetarier kommen im Piast auf ihre Kosten und auch wir waren zufrieden. Es bleibt nur anzumerken, Brötchen suchten wir vergeblich, vermutlich sind diese in Polen tatsächlich nicht geläufig.  

Nach dem zweiten Kaffee machten wir uns auf den Weg zu einem ersten Denkmal, welches wirklich denkwürdig und beispielhaft für die polnische Geschichte ist.

Das Denkmal für die anonymen Fussgänger ( Przejście),  erinnert an den Ausnahmezustand ab 1980 und an die Menschen, die in Polen an den Folgen starben oder verschwanden. Nach Protesten der Bürger,  die wegen der schlechten Wirtschaftslage und anderer sozialer Probleme protestierten,  rief das kommunistische Regime 1981 das Kriegsrecht aus. Die Werften u.A. in Danzig wurden über Monate hinweg bestreikt, Lech Walesa war der Kopf der Solidarnocz Bewegung, viele Polen entgingen Verhaftungen nur, indem sie in den Untergrund gingen.

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Bei schönstem Sommerwetter ( noch war es erträglich warm) schlenderten wir Richtung Innenstadt bewunderten einige Kirchen, Bauhausarchitektur und die Breslauer Oper. Unterwegs entdeckten wir die ersten Breslauer Zwerge, die heimlichen Herrscher der Stadt. Mindestens 350 sollen es mittlerweile sein und auch uns „großen Kindern“ machte es große Freude die Winzlinge zu suchen und natürlich gebührend zu feiern, sofern wir wieder einen entdeckten. Ich habe etliche Fotos unserer Ausbeute. Die Geschichte der Zipfelmützenwinzlinge geht auf die Aufstände der Polen und deren Freiheitsbewegung zurück. Damals wurde der Urzwerg aufgestellt, heutzutage sieht man sie überall im Stadtbild, sofern man den Blick nach unten senkt. Die Größe der Zwerge variiert aber größer als 30-40 cm. ist keiner.

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Zwergenwirtschaft

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Wir liefen in den Bezirk der Toleranz. In diesem Bezirk befindet sich nicht nur die alte Synagoge zum weißen Storch sondern auch eine evangelische, eine orthodoxe und katholische Kirche. Auf dem Ghettoplatz wurden über 60.000 Juden gefangen genommen und direkt nach Auschwitz verschleppt. Da Sabbat war, konnten wir die Synagoge leider nicht von innen bewundern. Breslaus zweite Synagoge fiel der Reichskristallnacht von 1938 zum Opfer und brannte damals komplett aus.

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Nach einem Drink im benachbarten Cafe´ zogen wir weiter und bewunderten zunächst die Bibliothek der Uni von außen und schlenderten zum Salzmarkt. Dort ist besonders das von der jüdischen Familie Oppermann bewohnte Haus hervorzuheben, ansonsten ist dies heute der Blumenmarkt, wo Floristinnen 24/7 nicht so schlechte Sträuße zaubern.  

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Wir schauten uns den Ring/ Rynek bei Tageslicht an und erfreuten uns an der relativen Leere. Das Rathaus ist auch im Hellen eine Augenweide und hier kommen auch ein paar Eckdaten zum Gebäude. 1299 wurde das alte Rathaus zum ersten Mal  urkundlich erwähnt. Seitdem wurde es mehrfach umgebaut, hat aber mittlerweile seine Bedeutung als Verwaltungssitz verloren. Im zweiten Weltkrieg wurde das Gebäude stark zerstört, die Restaurierung dauerte nur vier Jahre und ich stand bereits 1995 bewundernd vor dem Gebäude.

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Wir zogen weiter zur St. Elizabeth Kirche, die wir auch von innen bewunderten. Auffallend für Wroclaw sind die Größen der Gottshäuser, fast Alle haben Domcharakter.

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Die alten Pfarrhäuser werden Hänsel und Gretel genannt und dahinter kann man herrlich in einem Biergarten ein leckeres Piwo genießen.

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In den alten Schlachthöfen wird schon lange nicht mehr geschlachtet, nicht Zwerge sondern Miniaturtiere erinnern an die blutigste Ecke von Breslau.

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Wir schlenderten zur Universität von Breslau um uns die Aula Leopoldina von innen anzusehen. Bemerkenswert, in dieser Aula hätte ich auch gerne mein Diplom erhalten.

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Im Turm der Universität fand Astronomieunterricht statt und nebenbei gab es noch eine Wetterwarte. Wir bewunderten den Blick auf Wroclaw.

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Wir warfen auch einen kurzen Blick ins Ossolineum und schlenderten weiter zur Markthalle. Dort gab es neben den üblichen Lebensmitteln ( am Samstag Nachmittag nicht mehr so gut sortiert) auch mehrere Stände die Grabsträuße banden. Total praktisch, quasi Grabschmuck zu jeder Tageszeit und mit prompter Lieferung.

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Da die Dombrücke mit seinen Tausenden Schlössern gerade restauriert wird, kommt man nicht ganz so einfach auf die Dominsel. Da unsere Füße brannten, der Hund ebenfalls still und leise vor sich hin litt, fuhren wir mit der Linie 8 zurück zum Hotel und verschnauften gute 1,5 Stunden auf unseren Zimmern. Emily ließ uns natürlich links liegen und verkroch sich lieber bei meiner Mama….ach ja, die gute Hundeoma.

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Gegen 18:30Uhr nahmen wir wieder die Linie 9 und schlenderten über Rynek und Salzmarkt zum Restaurant Konspira. In diesem Restaurant macht man einen Sprung ins Polen von 1980. In dem Restaurant wird der Ausnahmezustand wieder lebendig. Alte Zeitungsartikel, Erinnerungen an verstorbenen Revolutionären und mit einem versteckten Geheimraum, wo sich die Untergrundbewegung traf, bekommt Mann/ Frau einen guten Einblick in die Solidarnocz Bewegung.

Das Essen war polnisch mächtig und überdimensioniert, wir fragten uns, wie man solche Portionen verkraften soll?

Nach einem letzten Bummel über den Ring fuhren wir die drei Stationen zum Hotel und machten den letzten Whiskey platt.

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Polen 2019, Breslau/ Wroclaw I

Ich war 1995 schon einmal in Wroclaw und hatte die Hauptstadt von Niederschlesien in guter Erinnerung behalten, obwohl noch keine Eu Gelder geflossen waren und bis auf das Rathaus, die Altstadt in einem jämmerlichen Zustand war.

Damals, kaum fünf Jahre nach dem Zusammenbruch des Ostblocks, war die Stadt natürlich eine ganz andere, das deutsche Erbe wurde tot geschwiegen, wir sind damals von den nationalistischen Jugendlichen sogar beschimpft worden, was mir tatsächlich nur einmal, auf genau dieser Reise, in PL passiert ist. Allerdings konnte ich mich noch an den Marktplatz erinnern und an die Kinder im Dom, die einen Tag vor ihrer Kommunion zur Beichte gingen. Damals hämmerte es in meinem protestantischen Hirn ganz gewaltig……was kann ein achtjähriges Kind zu beichten haben?

Egal, die Achtjährigen von damals sind die über 30jährigen von heute. Manchmal dauert es eben nen bissel, ehe man wieder zurückkehrt. Ich war auf jeden Fall von der Idee meiner Mama, mit dem Kulturzug nach Breslau zu fahren recht angetan und somit war das Geburtstagsgeschenk an meinen lieben Mann geritzt. Vor zwei Jahren waren wir ebenfalls für ein paar Tage in Niederschlesien gewesen und bereits damals waren wir mehr als neugierig geworden, was die alten deutschen Gebiete anging.

Genau am Hochzeitstag meiner Mama und ihrem Mann war es soweit. Bei rd. 32 Grad in Berlin stiegen wir am Ostkreuz,, Gleis 13, in den Kulturzug. Für 19€ one way wird dem Reisenden richtig was geboten. Neben Literatur und Polnischkurs gibt es ein Quiz mit Buchgewinn und Wasser für umme……schönen Gruß an die DB, die kann von der Polnischen Bahn lernen.

Emily verhielt sich ganz toll, wir wurden sogar gefragt, ob unser Prinzesschen die Strecke häufiger fährt, so lieb war sie.

Die Fahrt zieht sich ein wenig, der Zug hält nochmal in Cottbus und Forst und ca. 3x in Polen….die Namen der Orte sind mir entfallen.

Bei Ankunft in Wroclaw steht man direkt in der ersten, absoluten Sehenswürdigkeit, dem alten Bahnhof von 1855 – 1857 im naja, fast italienischen Stil erbaut. Wroclaw Glówny wurde erst 2010-2012 restauriert und erstrahlt wieder im alten, neuen Glanz. Wikipedia sagt, dass der Stil neugotischer Historismus sei, auch moderner Tudorstil, genannt. Der alte Bahnhof war zu klein geworden, Breslau die ehemalige Hauptstadt Schlesiens benötigte was Größeres und so entstand dieses Prachtwerk.

Wir ließen es gemütlich angehen, unser Hotel lag eh gegenüber des Bahnhofs und Emily benötige Gänsewein und ein kleines Happischnappi.

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Schnell war klar, dass wir den Bahnhof natürlich auch des nächtens fotografieren würden und zufrieden huschten wir über die Kreuzung um im alten, ehrwürdigen ehemaligen Hotel Kronprinz jetzt Piast einzuchecken. Die Lage des Hotels lässt vermuten, dass es sich hierbei um das erste Haus am Platz gehandelt haben musste und mit Blick ins www wurde mir das bestätigt: https://www.wroclaw.pl/de/das-gstehaus-piast-wird-renoviert

Erst Hotel Kronprinz und damit ab 1908 das teuerste und modernste Hotel am Platz, nach dem Krieg billiges Gästehaus und Hostel und seit 2010 wieder mit zwei Sternen beseelt…..wir waren mit unserer Wahl sehr zufrieden.

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Nach kurzer Erfrischung stiegen wir in die Straßenbahn Nr. 9 ( alle Öffis sind im Kulturzugticket inklusive) und fuhren bis zum alten jüdischen Friedhof.

Die Uhr zeigte 18:09 Uhr , Wauzis sind auf Friedhöfen nicht gerne gesehen und obendrein wurde der Sabbat eingeläutet. Somit war es Essig mit deutscher Geschichte und wir verschoben den eventuellen Programmpunkt auf unseren Abreisetag am Sonntag.

Die letzten 700m zum ungewöhnlichsten Gebäude von Breslau schlichen wir bei rund 30 Grad und dann standen wir am Wasserturm der Stadt, Wiézna Ciśnień. Kühne Architektur zur damaligen Zeit (1904) und der Architekt Karl Klimm musste all seine Fantasien in dieses Projekt gesetzt haben. Ein Dorf/ Stadt als Grundstock, zwei Türme, Kuppeln und Brücken und eine tolle Lage um den Turm aus allen Ecken bewundern zu können.

Seit den 80er Jahren wird der Turm nicht mehr benutzt, sehr schade wie ich finde.

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Auf dem Weg in die Innenstadt versackten wir vor lauter Wasserentzug erstmal auf einer Tankstelle….es gibt schönere und schlechtere Orte für eine Erfrischung.

Nachdem wir durch die glühende Abendsonne zur S- Bahn geschlurft waren, entschieden wir spontan Richtung Rynek/ Ring zu fahren und zum berühmten Marktplatz von Breslau zu schlendern. Wir fuhren bis zum Einkaufszentrum Dominikanska und liefen durch die berühmte Unterführung. Angemacht wurden wir im Jahre 2019 nicht mehr, schöner ist die Unterführung nicht geworden. Mein damaliges Hotel scheint abgerissen worden zu sein, damals residierten Ärzte mit auf dem Gang und vor meinem Zimmer saßen Patientinnen, die zum Frauenarzt wollten….anno 1995!

Wir schlenderten durch die Fußgängerzone und landeten im erstbesten Restaurant. Es war mittlerweile schon 20:30 Uhr und wir waren total erledigt.

Es gab Pelmeni/ Piroggen und Schlesische Klöße mit Gulasch. Ziemlich lecker, ziemlich schwer…..Willkommen in PL!

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Nach unserem Feudalmahl schlenderten wir zum Rynek, dem Ring…..der Marktplatz mit dem wunderschönen Rathaus in der Mitte. Auf dem Platz tobte das Leben, die Restaurants waren gut besetzt und wir freuten uns, dass wir die relaxte Sommer Atmosphäre so genießen konnten. Obwohl es in Breslau nochmals zwei Grad heißer war, kamen wir besser mit der Luft und Hitze klar.

Hier ein paar Ring,-u. Rathausimpressionen:

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Mit einem Abstecher zum Bahnhof waren wir gegen 23:00 Uhr wieder im Hotel.

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Wir schlüpften schnell unter die Dusche und noch schneller in die Heia. Die Klimaanlage erfrischte uns mit 22 Grad und so genossen wir sogar die dicken Bettdecken.

Polen 2019, Szczecin/ Stettin

Als Kind war ich öfters in Stettin, das letzte Mal hat mich die Hauptstadt Westpommerns 2005 gesehen, auch damals im Rahmen eines Teamtages der BA.

Dieses Mal fuhr ich ziemlich relaxt mit meinem Team und dem Berlin- Brandenburgticket für 6,70 € ( return) nach Szczecin/ Stettin, flächenmäßig die viertgrößte Stadt Polens und natürlich voll mit deutscher Geschichte.

Die Bahnverbindung startet morgens in Gesundbrunnen und bringt den Reisewilligen in rd. 2 Stunden ohne Umsteigen, nach Pommern. Stettin liegt nur 16km von der deutsch-polnischen Grenze entfernt und seit meinem letzten Besuch ist eine Menge passiert. Vor der Stadt fuhren wir an schönen Neubauten, Stadtvillen und Einfamilienhäusern vorbei, der Bahnhof wartet im modernen Design auf.

Auf uns wartete Gosia, polnische Exilberlinerin, die uns durch ihre Heimatstadt führte.

Wir bezahlten zunächst den Stadtrundgang und machten uns auf die Socken.

Zunächst bewunderten wir das alte Postamt, erbaut 1878 und bereits damals von der Reichspost genutzt.

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Es folgte der Manzelbrunnen von Ludwig Manzel, erbaut 1898:

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Sehenswert ist auch das alte Rathaus ( Czerwony Ratusz) auch Neues Rathaus genannt . Es wurde im Jahr 1879 nach Plänen des Stettiner Stadtbaurats Konrad Kruhl (1833-1902) im Stil der Neogotik in der damaligen Stettiner Neustadt fertiggestellt.
Bis 1945 hatte hier die deutsche Stadtverwaltung ihren Sitz. Der Name des Gebäudes hat keine politische Bedeutung, sondern rührt von den glitzernden roten Ziegelsteinen der Fassade her.

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Da die Innenstadt recht klein ist, sind die meisten Sehenswürdigkeiten fussläufig erreichbar. Dennoch hat Stettin eine Wahnsinnsausdehnung und ist von der Gesamtfläche so groß wie Berlin und damit die viertgrößte Stadt Polens ( nach Warschau, Krakau, Danzig) Heute leben 400.000 Einwohner in der Stadt und damit ist Stettin an 7.Position im Einwohnerranking.

Die Pommersche Medizinische Universität Stettin (Pomorski Uniwersytet Medyczny w Szczecinie) wurde 1948 gegründet und befindet sich in staatlicher Hand. An der Universität studieren rund 4.000 Studentinnen und Studenten.
Erwähnenswert ist der hellgraue Turm des Rektoratsgebäudes, das zwischen 1901 und 1904 im Stil der norddeutschen Renaissance als Stadthaus entstanden ist, Quelle
: https://www.goruma.de/staedte/stettin/sehenswuerdigkeiten

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Der erste Blick auf den Dom des heiligen Jakobs.

Danach liefen wir am Berliner Tor ( erbaut 1725-1729) vorbei, Richtung Altstadt. Unterwegs erblickten wir viele 60-70er Jahre Sünden…..und meine frühesten Kindheitserinnerungen wurden wach.

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Wenige Häuser haben den zweiten Weltkrieg überlebt.
Hochhauskomplex PAZIM, Galaxy Center

Die attraktivste und teuerste Straße war dieses Schmuckstück, einige Häuser haben den Weltkrieg überlebt….ein klein wenig Altstadtflair.

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Der Platz des weißen Adlers (Plac Orła Białego) – der frühere Rossmarkt  – befindet sich in einer Grünanlage mit einer Statue der Göttin Flora von 1730 , die von Johann Konrad Koch geschaffen wurde, während die barocke  Brunnenplastik aus Sandsein von dem  Baumeister Johann Friedrich Grael (1707-1740) stammt. Der Brunnen wurde durch eine  Trinkwasserleitung von den Warsower Höhen gespeist und  wurde im Jahr 1732 eingeweiht.
Das große  Gebäude aus der Gründerzeit auf der Westseite des Platzes war  früher der Sitz der Preußischen Nationalversicherung. Ebenfalls an der Westseite des Platzes steht das Grumbkow-Palais, Quelle
: https://www.goruma.de/staedte/stettin/sehenswuerdigkeiten

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Wir liefen weiter zum Dom des Heiligen Jakobs, quasi der Beginn des polnischen Pilgerwegs nach Santiago de Compostela. Der Dom war natürlich während der Reformationszeit evangelisch und wer auf oppulente katholische Kirchen steht, wird mit diesem Beispiel eines Domes direkt enttäuscht werden. Meine evangelische Seele empfand die Nüchternheit eher wohltuend-

Die St. Jakobi-Kathedrale (Kościół Św. Jakuba) entstand  im späten 14. Jahrhundert unter  Leitung des Stettiner Baumeisters Heinrich Brunsberg (1350-1435) im Stil der Backsteingotik. und nach dem Vorbild der Marienkirche in Lübeck.
Der Bau des Gotteshauses ging auf eine Initiative der Bürger der Stadt zurück. Allerdings wurde das Gotteshaus im Laufe der Zeit häufiger umgebaut
Die dreischiffige Hallenkirche  wurde im Jahr 1677 infolge von Kriegsereignissen zerstört, wurde aber anschließend wieder aufgebaut. Im Jahr 1894 stürzte der zuvor aufgestockte Westturm ein – er wurde aber wieder aufgebaut.
Aber der Zweite Weltkrieg hinterließ auch hier seine Spuren, infolge von Luftangriffen stürzte der seinerzeit 119 m hohe Turm zusammen und auch das  Kirchenschiff erlitt massive Schäden. Der Wiederaufbau der Kirche dauerte bis in die 1970er Jahre hinein
Der Turm  wurde erst im Jahr 2008 mit einer Höhe von 110,80 m wiederhergestellt.
In der Taufkapelle der Kathedrale werden Reliquien des „Heiligen Otto von Bamberg“ (1065-1139) aufbewahrt und in einem Pfeiler wurde das Herz des Komponisten Carl Loewe (1796-1869), der nahezu 50 Jahre in der Stadt gewirkt hatte, eingemauert.
Wegen der beeindruckenden Akustik  finden hier häufig Konzerte, vor allem der Orgelmusik, statt.

Quelle: https://www.goruma.de/staedte/stettin/sehenswuerdigkeiten

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Wir zogen weiter zur wiedererbauten „neuen“ Altstadt, typisches Hanseflair erwartete uns. Mitten auf dem Heumarkt findet man nicht nur die berühmten Stettiner Wasserpumpen, sondern auch das sehenswerte Alte Rathaus.

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Wir stattesten den Herzögen von Westpommern einen Besuch ab und bestaunten das Schloß von außen. Sehenswert ist die berühmte Uhr, die auch genau ging, wir warteten den Gongschlag um 12:00 Uhr ab.

Das Schloss der Herzöge von Pommern (Zamek Książąt Pomorskich) – das Stettiner Schloss – wurde im Zweiten Weltkrieg nahezu völlig zerstört. Ab 1958 wurde es im Stil der Renaissance rekonstruiert.

Mit dem Bau des Schlosses wurde im Jahr 1346 durch Herzog Barmim III. (1303-1368) an der Stelle einer alten Wehranlage begonnen.

Im Jahr 1503 wurde das Schloss um einen Südflügel und einen Uhrenturm im großen Innenhof erweitert, hier wurde 1693 die Uhr von Caspar Natardi angebracht. Sein heutiges Aussehen mit fünf Flügeln im Stil der Renaissance erhielt das Schloss dann später bis etwa 1620.

Während des Zweiten Weltkriegs wurde das Schloss stark zerstört. Nach dem Wiederaufbau dient es als Kulturzentrum mit  einem Museum (Muzeum Zamek Ksiazat Pomorskich), Ausstellungsräumen, Theater und Kino sowie mehreren Cafés und Restaurants sowie einer Touristen- und Kulturinformation.
Auch ein Standesamt ist hier beherbergt.

Quelle: https://www.goruma.de/staedte/stettin/sehenswuerdigkeiten

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Peter und Paul Kirche aus dem12.Jahrhundert
Sieben Mantelturm

Stettin kann auch Street Art, siehe hier zwei nette Exemplare.

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Einen Blick warfen wir auch auf die Hafenanlagen von Stettin, die ähnlich wie die Hafenanlagen von Danzig Anfang der 80er Jahre bestreikt wurden ( Lech Walesa; Solidarnocz).

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Ein besonderes Highlight sind die Hakenterassen am Meeresmuseum.

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So langsam machte sich ein Hüngerchen bemerkbar und so liefen wir über die russisch orthodoxe Kirche, der neuen Philharmonie ( eröffnet 2014) und dem Engel der Freiheit von 2005 über das Tor der Könige zu unserer Futterkrippe. Gosia hatte ein Restaurant für uns ausgesucht und ich kann das Soizarnia getrost weiterempfehlen. Moderate Preise und echtes polnisches Essen.

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Im Königstor ist die Konfisserie Wedel untergebracht und nach dem Essen ist vor den Pralinen……handverlesen und total (W)edel.

Das letzte Ziel des intensiven Tagesausflug war das Cafe´22 im Radisson Blu Tower. Das Cafe´liegt auf der 22 Etage und bietet nicht nur gutes Eis und Kuchen sondern auch einen sensationellen Blick auf Stettin. Da das Wetter weiter mitspielte, ließen wir uns dieses Event natürlich auch nicht nehmen.

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Wir fuhren mit der Linie 6 zurück zum Bahnhof, die Tickets sind übrigens im Berlin-Brandenburgticket inkludiert.

Mit einem letzten Blick auf die Oder stiegen wir in den Zug, stiegen 1x in Angermünde umd und standen um 20:54 wieder in Berlin Südkreuz.

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Fazit, Stettin ist ein tolles Tagesziel, ich komme bestimmt nochmal wieder, im Moment schwebt mir der Weihnachtsmarkt vor.

Polen 2017: Bad Flinsberg/ Świeradów-Zdrój in Niederschlesien

Meine Oma väterlicherseits kam aus Schlesien und ich kann mich noch gut an Butterkuchen vom Blech, schlesisches Himmelreich (Hefeklöße mit Backobst) und überhaupt an Klöße in allen Varianten erinnern. Ansonsten habe ich meine Großmutter nie über Schlesien und ihre Kindheit ausgefragt, ich glaube das betrifft uns Alle, wir haben nie wirklich nachgefragt! Meine Oma ist bereits vor dem zweiten Weltkrieg aus ihrer Heimat, nach Berlin, verzogen. Mein Papa wurde bereits in Berlin geboren und so ist mir Schlesien immer ain abstrakter Begriff  gewesen.  Das Gleiche gilt übrigens auch für Ostpreusen und Pommern. Die ehemaligen deutschen Gebiete im Osten haben mich wenig interessiert und ehrlich  gesagt, mir war auch nach der  Buchung unseres Hotels nicht bewusst, das Bad Flinsberg mal deutsch war.  Erst mit Stöbern im Netz kam mir rund eine Woche vor Abfahrt in den Sinn, dass meine Oma aus dieser Ecke stammt….naja, ehrlicherweise muss gesagt werden, bis in den wohlklingenden Ort namens Kotzenau sind es noch gut siebzig Kilometer. Nähe ist eben relativ…..dennoch war  meine Gier nach Geschichte geweckt und ich las mich ein wenig in Schlesien und seine Geschichte ein.

Unsere Fahrt nach Świeradów Zródj war abenteuerlich,  das Navi schickte uns über brandenburgische und sächsische Landstraßen, wir landeten siebzig Kilometer vor Görlitz auf eine Umfahrung von Rietschen und verloren dadurch eine Stunde. Für      km benötigten wir knapp fünf Stunden, in Polen waren die Straßen ohne Seitenstreifen, sie sahen noch so aus wie …! Auch Häuser mit Einschusslöcher aus dem zweiten Weltkrieg sind im Dreiländereck noch zu sehen, die Gegend hat nicht viel von den Geldern der europäischen Union gesehen. Die Sudeten sind in Niederschlesien sehr rauh und wild, echte Urwälder kann man hier bewundern. Uns blieb während der Fahrt durch die Wälder mehrfach der Mund offen stehen, wir konnten kaum glauben, was wir hier sahen. Umso erstaunter waren wir dann auch, als wir in den puppigen Ort einfuhren, der für die nächsten vier Tage unser Zuhause, unsere Basis sein sollte.

Bad Flinsberg ist seit Jahrhunderten ein Kurbad, bereits ….kamen …..Touristen pro Jahr, auf …..Einwohner. Die Deutschen hinterließen eine perfekte Theaterkulisse mit Kurhaus,  Trinkhalle und Radionquellen. Die bildhübschen Häuser wurden zum großen Teil restauriert, eine gute touristische Infrastruktur, inklusive dem Kurschatten mit Rollator, ist vorhanden.

Wir bezogen unser recht niedliches Hotel, an der Rezeption war die Dame fast enttäuscht, dass sich hinter Mathias‘ Familienname keine polnische Familie versteckte. Das Hotel lebt nämlich von deutschen Kurtouristen und sie hatten sich schon gefreut, dass auch mal polnische Touris zu Ihnen gefunden haben-Pech gehabt😜!

An unserem, ersten Nachmittag bummelten wir durch den beeindruckenden Kurpark, der ebenfalls eher wild und naturbelassen ist , statt überkandiedelt mit vielen Blumenrabatten.  Die  Suche nach echtem polnischen Fresschen war nicht so ganz einfach, viele Hotels bieten eben HP oder VP an und uns knurrte der Magen. 

Unser Fang am ersten Abend hatte es in sich-es gab Schweinebraten mit Sauerkraut und SECHS Klößen. Leider musste ich drei davon liegen lassen….

Unseren nächsten Tag starteten wir mit einem guten Frühstück im Hotel, wir bewunderten die goldenen Säulen im Restaurant. Am Abend zuvor war ich Zeugin der zu Akkordeon schwoofenden Endziebziger geworden, Bad Flinsberg das Oldieparadies😉!

Unser erstes Ziel am Vormittag war die berühmte Trinkhalle im Kurhaus.

Wir ließen uns das radionhaltige Wasser ebenfalls „schmecken“, gesund soll es sein!

Unbedingt erwähnenswert sind die Trinktassen, unglaublich es gibt Liebhaber für die Teile  . Wenigstens sind die grässlichen Dinger nicht teuer….was übrigens auf den gesamten Ort zutrifft. Ähnlich wie im restlichen Polen liegen Hauptmahlzeiten in Restaurants  bei rd. sechs Euro, ein großes  Bier schlägt mit nem Eurofuffzig zu Buche.

Wir setzten den Spaziergang durch Bad Flinsberg fort, erkundeten die nicht vorhandenen Sehenswürdigkeiten des Ortes. Die Kirche St. Lukas eindeutig katholisch mit Papst Johannes Paul am Altar hat uns insofern beeindruckt, weil der Altbau aus 18Zopf mit einen Neubau aufgepeppt wurde.

Anbei ein paar Bad Flinsberg Impressionen:

Unser nächstes Ziel war das Restaurant Izerska       Chata, die berühmt für ihre Forellen und der einmaligen Lage am Idiotenhügel des Isergebirges sind. Die Schlepplifte lagen natürlich in tiefem Sommerschlummer, die Forelle war sowohl gegrillt als auch geräuchert erstklassig.

Emily wurde im Anschluß über die Wiese gejagt, wir liefen bergauf und  trafen den großen Mythos der Sudeten, dem Isergebirge und des Riesengebirges ….Meister Rübezahl! Emchen blieb unbeeindruckt, uns verleitete der Hype in der Region zu einem Blick ins www.

Rübezahl ist ein Sagenwesen, der  sowohl in der deutschen, polnischen und tschechischen Sagenwelt sein Unwesen treibt. Bereits 1561 fand der “ Rübenzähler“ das erste Mal Erwähnung, in Bad Flinsberg liegt sogar sein “ Grab“ ….mehr dazu später. Wir allerdings machten keinerlei negative Erfahrungen mit dem Riesen und planten die kommenden Tage. 

Am frühen Abend zog es uns nochmals durch den Kurort, Emily hasste uns dafür. Sie schlich nur noch hinterher, die Kleene war müde vom vielen Laufen.  Da wir keine Lust auf Kohl, Braten und Klöße hatten gingen wir zu dem polnischen Griechen mit günstigem Gyros und Souflaki.  Unser Hund nahm sich dann ein TT (Tragetaxi😜) und kam ziemlich komfortabel zurück ins Hotel.


Gott sei Dank, das Wetter hielt auch am 25.6.17….während es in Berlin regnete. An unserem zweiten Tag fuhren wir in Richtung Hirschberg, jetzt Jelenia Gora.

Zuerst suchten wir das Grab des „Riesen“ auf  und lachten uns schlapp, als wir DIE Sehenswürdigkeit von Świeradów-Zdrój bewunderten.

Für einen besseren Größenvergleich, hier noch ein Exemplar mit „dem Emchen druff“…keine letzte Ruhestätte für einen Riesen, würde man meinen.   

Wir fuhren weiter in Richtung Hirschberg, unser Ziel war die Stabskirche von Vang ( Norwegen) im heutigen Karpaćz, ehemals Krummhügel. Die norwegische Stabskirche wurde im 12 Jahrhundert, komplett ohne Nägel und zu 100% aus Holz erbaut. Nachdem die Kirche zu klein wurde, entschloss sich Vang für einen Neubau und der preußische König Friedrich Wilhelm IV. kaufte die Kirche, im Ursprung war sie für die Pfaueninsel bestimmt.Wie wir Berliner nur zu gut wissen, dort wurde der Holzbau nie aufgebaut, sondern ging an die Krummhübeler Gemeinde. Der Glockenturm gehört nicht zum Originalgebäude, der Holzglockenturm ist zerstört.

Innen kann man Schiffsplanken und Schnitzereien von Wikingerschiffen bewundern, die Kirche ist auch heute noch evangelisch und es finden zunehmend mehr Gottesdienste, zumeist für deutsche Touristen, statt. Der kleine Friedhof ist ein stummes Zeugnis der schlesischen Geschichte bis 1945.

Das Bigosch zum Mittag lag uns lange im Magen, das Essen ist zwar lecker aber auch sehr schwer und wäre für mich nichts auf Dauer! 

Auf dem Weg nach Karpaćz war uns eine Ruine aufgefallen, die wir auf unserem Heimweg unbedingt näher erkunden wollten. Zunächst fiel uns im Ort Miltków, ehemals Arnsdorf,  ein exzentrisches Einfamilienhaus ins Auge-upside down….wems gefällt!

Die evangelische Kirche wurde 1945 zerstört, lediglich der Friedhof wird weiterhin von der katholischem Gemeinde genutzt. Wenn man durch das Gelände stöbert, findet man einige alte, deutsche Grabsteine und ein paar polnische Piwoliebhaber die auf den Steinen herumgammelten und dem Sonntagsfrühshoppen fröhnten.

Leider wurde es am Nachmittag kühler und regnerischer, das brandenburgische Regenwetter hatte uns eingeholt. Am Abend gabs Ente und Wildschwein und wieder gings mit schwerem Magen und Sodbrennen in die Heia.

Unser letzter Tag war regnerisch und kühler. Wir blieben in Bad Flinsberg und feierten unseren Hochzeitstag, den dritten. Morgens wurde ausgiebig gefrühstückt und im Anschluß erstanden wir für 0,05€ ( wirklich wahr) das heilige Wasser des Ortes. Die Sonne kam durch und wir konnten sogar ein wenig draußen sitzen und ohne Jacke das warme Wetter genießen.

Am zentralen Zierbrunnen gab es ein Kleeblattfeld und was lag da näher, als an unserem Hochzeitstag dem Glück auf die Sprünge zu helfen? Ich fand allerdings keins……Mathias dafür Zwei. Doppeltes vierblättriges Glück, was will man mehr?

Da uns die Forellen am Samstag so gut geschmeckt hatten, beschlossen wir zu Mittag nochmals geräucherten und gegrillten Fisch im Izerska Chata zu genießen.  Zu einem gemütlichen Tag gehört auch ein ausgiebiger Mittagschlaf und abends ließen wir unseren gemeinsamen Ehrentag mit echt polnischer Küche, Piwo und Berblick ausklingen.

Nach unserem Hochzeitstag schließt sich mein Geburtstag an und somit wurde ich von meinen zwei Herzblätter am Abreisetag relativ frûh, mit einem Geburtstagstisch geweckt.

Allerdings war meine liebe Familie  mehr müde als in großer Erwartung.

Leider war mein Tischchen nicht von Dauer, nach einem gemütlichen Frühstück machten wir uns, über holprige Dorfstraßen,  auf den Weg zurück nach Deutschland.

Damit Ihr auch ein wenig von der niederschlesischen Idylle in den Sudeten genießen könnt, zeige ich Euch noch ein paar Impressionen vom Wegesrand.  Mein Fazit: Wer schnell ein idyllisches Plätzchen sucht, welches vom Tourismus noch nicht überlaufen ist, wird in Bad Flinsberg fündig werden. Die Preise sind als sehr günstig zu bezeichnen, Unterkünfte gibt es in allen Kategorien. Sowohl im Sommer als auch zum Skilaufen ist das Riesengebirge geeignet, Wanderer und Outdoorfreaks kommen ebenfalls  auf ihre Kosten. Uns hat  die zum Teil seit Jahrzehnten unberührte Natur gefallen und wenn man wie wir auch gerne mal in der Geschichte stöbert, hat man sein Traumziel in der Mitte von Europa gefunden. Wir werden bestimmt nochmal nach Schlesien fahren….