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Japan 2018, XV: Nara 奈良市, die erste Hauptstadt

Nach einer recht holprigen Nacht in unserem 1,10m Bett fuhren wir heute früh in die erste Hauptstadt Nippons.

Die Geschichte zu Nara ist von unserer Seite aus schnell erzählt: Es regnete in Strömen, der Wetterbericht hatte wieder zu 120% Recht gehabt. Leider wird sich das Wetter nicht mehr wirklich bis zum Abflug verbessern und so muss man eben das Beste draus machen.

Gewappnet mir Regenjacke und dem geklauften Schirm aus Kamakura fuhren wir von Shin-Osaka zunächst nach Tenno-ji und von dort mit einem Lokalzug nach Nara.

Dort angekommem schlüpften wir in die Loopline und stiegen in der Nähe des Todai-Ji Tempels wieder aus. Wir wollten zumächst die Sikahirsche sehen, welche frei und unbehelligt die Wälder von Nara für sich beanspruchen und bekannt dafür sind, frech und anmaßend zu werden…..nur bei uns nicht! Mit sanfter Stimme und einer streichelnden Hand waren die Biester sehr süß zu uns. Aggressiv werden die Hirsche nur, wenn Fressen mit im Spiel ist.

Die Sikahirsche sind die heimlichen Herrscher von Nara und alleine dafür sollte man mal einen Tag in der Stadt verbringen. Diese ist übrigens sehr hübsch und könnte ebenfalls gut als Startpunkt einer Japantour herhalten.

Hier halten alle Fahrzeuge für die Hirsche…aber nur wenn der Zebrastreifen genutzt wird!

Hallo Mensch, ich sehe Begehrliches in Deinen Händen!

Aufgrund der Wetterlage hatten wir im Vorfeld schon Etliches von der Liste gestrichen, klar war…..wenigstens der große Buddha im Todai-Ji Tempel wollte bewundert werden.

Obwohl wieder Herrscharen von Schulklassen die Stadt bevölkerten ( gefühlt befinden sich Japans Schulkinder 24/7 auf Wandertag, wann lernen die Gören eigentlich mal????) kam es uns doch etwas ruhiger vor, vermutlich scheute der eine oder andere die Regentortur.

Der Todai-ji Tempel gilt als eines der großen Höhepunkte einer jeder Japanreise. Die Anlage gehört zum Weltkulturerbe, der Haupttempel ist das größte, aus Holz gebaute Gebäude weltweit und der Bronzebuddha im Inneren ist immerhin der größte von Japan. Der Tempel wurde bereits 741 erbaut, brannte mehrfach ab und wurde auch architektonisch verändert, Das jetzige Gebäude ist aus dem 17Jh. und kleiner als der Ursprungsbau.

Da Superlativen auch bei Regen gelten, lasse ich mal ein paar Bilder sprechen.

Zwischenzeitlich sah das Wetter besser aus und frohes Mutes schlenderten wir im Wald vom Todai-ji in Richtung Kasuga Taisha Schrein. Unterwegs gab es einen grünen Tee und Gebäck mit Pudding in Sikahirschform.

Wir hätten uns gerne den besagten Schrein von innen angesehen, doch leider verhinderte der Regen weiteres Sightseeing . So waren wir nur glücklich, außerhalb des Schreines eine geschützte Bank zu finden und dem Nass beim herunterpladdern zu lauschen und zuzusehen.

Die Bilder des Schreins von außen erspare ich dem Bericht, die Natur (der Wald)  und die Steinlaternen sind schon sehr sehenswert, wir waren allerdings für den Tag so dermaßen satt und abgefressen, dass wir uns schleunigst auf den Weg zum Bahnhof machten. Um aber überhaupt dorthin zu gelangen, musste schnellstmöglich einer der Standard 3€ Schirme gemopst werden, die es in Japan an jeder Ecke, aber nicht im Wald am Kasuga-Taisha Schrein,zu kaufen gibt. Unsere Regenjacken waren bis auf die Haut durch und Mathias fror erbärmlich bei 20 Grad. Ich hatte den Schirm aus Kamakura dabei, mir gings nen bissel besser.

Zurück in Shin-Osaka verschwanden wir erstmal aufs Zimmer und trockneten uns und unsere Sachen ….vollkommen durchweichte Schuhe, Socken, Jacken kann man 36 Stunden vor Abflug nicht wirklich gebrauchen.

Unseren Abend verbrachten wir in Namba, dem zentralen Shopping-Entertainment Viertel von Osaka und Gott sei Dank, es regnete an diesem Abend nicht. Für  diese Bilder verweise ich auf folgenden Bericht: Japan 2018; XVI: Osaka, last but not least

 

Japan 2018, VI: Narai-juko 奈良井宿 & Takayama 高山市

Wir verließen Matsumoto wieder bei strahlendem Sonnenschein, so langsam macht uns das gute Wetter nervös.

Um 8:00 Uhr fuhr unser Zug pünktlich ab, über Shinojiri  ( wir mussten den Zug wechseln) ging es nach Narai. Wir saßen mittenmang von unzähligen Schulkindern und konnten den Zug nur im ersten Waggon beim Schaffner verlassen, der unseren JR Pass kontrollierte. Narai war bis vier Wochen vor unserer Reise zwar auf meiner gedanklichen Bucketlist, aber nicht im Reiseplan gewesen. Irgendwann in 2017 hatte ich ein Foto von diesem pittoresken Ort gesehen und ab diesem Moment begann meine Suche in den sozialen Medien, im Reiseführer und was weiß ich noch wo…..Da das Nest keine regelmäßige Bahnanbindung hat, ist es bis heute nur ein Individualziel,  zumeist für Diejenigen mit Mietwagen. Reisegruppen haben den Nakasendo Trail noch nicht für sich entdeckt. Nachdem ich Hyperdia auf mein Smartphone gezogen hatte und damit tiefer in die Zugplanung einsteigen konnte, ging mir eine Glühbirne übern breiten Scheitel auf! Narai ist ab Matsumoto erreichbar und kann mit unserer Zugfahrt nach Takayama gekoppelt werden. Innerlich waren wir auf Taschenschlepperei eingerichtet, aber der so arg nette und herzliche Bahnhofvorsteher nahm unser Gepäck in Verfahrung.

Der Nakasendo war eine der zwei Handelsrouten, die von Edo, dem heutigen Tokio, nach Kyoto führten. Auf dieser Route gab es 69 Post Towns, die Gästehäuser und eine Infrastruktur für den Reisenden der damaligen Zeit boten.

Narai ist eine dieser Poststationen, wunderschön restauriert und noch voll bewohnt. Lediglich Lieferverkehr darf durch den Ort fahren und so erfreuten wir uns, zusammen mit ein paar Chinesen, über diesen wunderschönen Ort. Den Besuch der Wohnhäuser mussten wir leider auslassen, da um 11:28 unser Zug zurück nach Shiojiri ging.

Narai ist eigentlich eine einzige lange Straße mit mehreren Schreinen, Friedhöfen, traditionellen Ryokans für Wanderer und dem Wohnhäusern der Dorfbewohner…..lasst Euch verzaubern:

Der Bahnhof:

Das wunderschöne Straßendorf 

Pünktlich lösten wir unser Gepäck aus und nahmen an einer Befragung teil. Zum Dank bekamen wir einen Origamikranich und viel Winke, Winke, als wir zu unserem Gleis gingen. Die Herzlichkeit der Japaner geht in die Geschichte dieser Reise ein- wir sind vollkommen geflasht.

In Shiojiri wechselten wir den Zug in Richtung Nagoya,  ershoppten uns unser Lunch und aßen ganz zünftig im Zug, wie der typische Japaner.

Nach einem weiteren Zugwechsel ( Nagoya) gingen wir auf unsere letzte Etappe für  diesen Tag. Insgesamt sah unser Zugplan so aus :

Superpünktlich kamen wir in Takayama an und bereits auf dem Bahnhof sah man, die Stadt  ist ein Obertourihotspot…..Reisegruppen überall, Individualreisende dazwischen. Unser Hotel entsprach dem Reisegruppenklischee, das ganze Haus war voll davon und wir mittendrin. Unser Zimmer entsprach dem Zimmer aus Tokio, es war etwas ungünstiger geschnitten und nen bissel älter, was  das Interieur anging.

Die ersten Impressionen aus Takayama, die Stadt hat ein paar Straßenzüge die schön restauriert wurden.

Die letzte Stunde im Zug hatten wir uns mit dem wichtigen Thema Essen beschäftigt. Mathias und ich hatten Jahrestag  und wollten etwas Leckeres in die Suppenschüssel.

Was Kobe sein Rindfleisch ist, ist Hida -Takayama….na was wohl? Ebenfalls sein Rindfleisch. Katze hatte uns dieses bereits sehr ans Herz gelegt und nun wollten wir mal Hida Wagyu Rind mit Kobe Wagyu  vergleichen. Am Liebsten wäre mir eine Grillvariante oder Shabu Shabu gewesen.

Wir bummelten in der untergehenden Sonne durch den Ort und sahen nicht nur erste Altstadtreize sondern auch das eine oder andere Restaurant, die Hida Rindfleisch anboten …..200g für 82.000 Yen……rund 75€,oha! Im Reiseführer wurde ein Fusion Franzose gehypt, das Le Midi,  und bei weiterem Bummel durch den Ort sah man tatsächlich drei Restaurants des Franzosen. Hierbei handelte es sich 1x um das Gourmetrestaurant, die Burger Bude ( Hamburger mit Hida Rind ist ebenfalls der Hit) und die Suppenküche. Bei der Suppenküche schlugen wir zu. Soba Nudeln ( auch dafür ist Takayama berühmt) mit Hida Steak ( immerhin die zweitbeste Kategorie, Filet verkniffen wir uns) für rd. 16€ erschien uns angesichts der Steakpreise fair und wir hatten ordentliches Fleisch in der Suppenschüssel. Außerdem ist das Restaurant mehrfach ausgezeichnet worden, so dass wir tatsächlich davon ausgehen konnten, vernünftiges Fleisch auf den Teller zu bekommen.

Am Ende gabs noch Spieße aus Hida Wagyu und rundum zufrieden schlenderten wir zum Hotel zurück. Mir schmeckte übrigens Kobe besser, Mathias favorisiert Hida Wagyu.

Am nächsten Morgen bimmelte um 7:00 Uhr der Wecker. Die Sonne schien und wir ließen es ruhig angehen. Das obligatorische Reisbällchen war nicht so lecker wie sonst, Family Mart ist aufgrund der Bahnhofsnähe förmlich geplündert. Unser Weg führte uns durch die Altstadt zum Morgenmarkt, der aber eher klein und unscheinbar ist.

Unser nächstes Ziel war der Takayama Jinja, ein Verwaltungsgebäude  der Stadthalter ab 1692, also aus der Edo Zeit. Das Shogunat wurde abgesetzt, die Burg abgerissen und dieser wunderschöne Komplex errichtet….quasi Stadtverwaltung mal anders. Ich ertappte mich oft am Grinsen,JC mal so, hätte auch was.

Im Inneren begeisterte mich das nackte Bürointerieur, ach wie gerne würde ich auch so minimalistisch unterwegs sein. Der Garten, für die 30 Minuten Pause am Tag war auch recht nett, leider liegen diese Bilder  noch als raw auf den Cameras.

Auf dem Weg zum Busbahnhof ( wir wollten ins Hida Village) fanden wir einen lustigen Bentoshop und beschlossen spontan, das Abendessen im Hotel stattfinden zu lassen. 

Da wir noch Zeit bis zur Busabfahrt hatten, besuchten wir den Kokobunji Tempel. Dieser war nicht besonders aufregend, es ist der Ginkobaum der diesen Tempel sehenswert macht. Das Ding ist wirklich riesig und uralt.

Im Hida Folk Village bewunderten wir die sogenannten Gassho-Zukuri Häuser, die aus dem Schokawa Tal an ihre jetzige Position versetzt worden sind. Der Besuch des Museums war der Auftakt zu unserer Tour nach Shirakawago am 17.5.2018 wo ganze Dörfer noch „in echt“ zu bestaunen sind. Wir schlenderten über zwei Stunden durch die Anlage, die wie ein Dorf aufgebaut ist und wirklich sehenswert ist. Da es außerdem regnen soll bei unserem Besuch von Shirakawago und  Ogimachi, war der Abstecher ins Folk Village mehr als wertvoll.

Wir erkundeten auch die umliegenden Waldwege und zuckten nur nen bissel, als wir auf dieses Schild trafen. Schnell verschwanden wir wieder auf den Hauptweg. Meister Petz ließ sich aber von uns nicht stören und blieb versteckt.

Zurück in Takayama gaben wir uns der Versuchung hin und kurze Zeit später erwartete uns ein Hamburger mit Hida Rind und Potato Wedges. Dazu gab es keine phosphorisierende Pisse sondern Lemon Soda, angeblich. Ich hatte ein schlechtes Gewissen, konnte ich doch noch nicht erahnen, dass unser farbenfrohes Abendessen keine Freudentänze auslösen würde.

Den Nachmittag verschlenderten wir in der Altstadt und erklommen den Hügel zum Shojiri Schrein. Leider hatte sich der Weg nur für die Toriis gelohnt, der Tempel selbst ist heruntergekommen und steht kurz vor der Restaurierung.

In Takayama traf ich meine Freunde aus Kindheitstagen, in jedem zweiten Laden werden die Monchichis noch verkauft. 

In Takayama trinkt man Sake und auch wir versuchten uns an dem Gesöff und wurden damit nicht warm. Brauereien erkennt man an dem Reisigball über der Tür.

Übrigens gibt es Sake auch in fester Form, als KitKat!


Profanes Essen für die Damen im Kimono!

Wir mussten am Bahnhof die Erkenntnis erlangen, dass unsere Wunschverbindung nach Kyoto nicht funktionieren wird,der Shinkansen von Nagoya ausgebucht ist….zu viele Reisegruppen ,die das Morgenkontingent gesprengt hatten. Uns wurde es in Takayama ebenfalls viel zu voll, allein was auf dem Bahnsteig so los war, spottete jeder Beschreibung. Wir hatten es am gestrigen Tag erlebt, die Gruppen waren mit uns angereist und hatten heute früh um 8:00 Uhr schon wieder das Hotel verlassen.

Wir nehmen nun einen späteren Zug und lungerten den Rest des NaMi und Abend im Vertreterschließfach herum. Ein Gewitter kündigte sicht an, die Vorhersagen für die kommenden Tage sind wenig verheißungsvoll.

Nachdem wir ausgiebig die Badewanne traktiert hatten ( die Dinger sind in Japan echt genial) „genossen“ wir unser Abendessen.

Die Bentobox war gefroren, der Kühlschrank war zu hoch eingestellt. Mathias versuchte sich am späteren Abend nochmal daran, Pickles aufgetaut sind aber ätzend, Ich stehe eh nicht auf das saure Salzzeugs  und so gab,es führ  mich Reisbällchen und Suhi…..