Archiv der Kategorie: Asien

Reisen durch Asien, angefangen in den 90ern des letzten Jahrhunderts….Ende, nicht absehbar

Japan 2018; XVI: Osaka 大阪市 last but not least

Bei Osaka streiten sich die Geister, es gibt die Fans die Osaka heißer als Tokio und kosmopolitischer als Kyoto empfinden und dann gibt es Diejenigen, die Osaka als hässlich und überbewertet bezeichnen….tja und dann gibt es wohl uns, wir sind nämlich irgendwo dazwischen!

Aber erzählt wird eine Geschichte von Anfang an!

Wir nahmen eine frühe Fähre aus Miyajima, es regnete und selbst das Torii sah im trüben Wetter nicht mehr so schön aus. Mit dem Lokalzug erreichten wir Hiroshima und der „schnelle“ Shinkasen  (nur 8 Abteile) brachte uns mit Spitzengeschwindigkeiten von über 300km/h direkt nach Shin-Osaka.

Angekommen, mussten wir uns zunächst auf dem Bahnhof orientieren, fast verlaufen  und dreimal gestresst sein, ehe wir zehn Minuten später vor unserem Hotel standen, Shin-Osaka hatten wir uns wegen der komfortablen Zugfahrt nach Kansai ( zum Flughafen) ausgesucht.

Einchecken war natürlich noch nicht, so dass wir wieder zum Bahnhof schlenderten und mit viel Raterei einen Zug nach Tennoji nahmen. Dieser lief noch auf JR Pass und führte überirdisch durch die Stadt. Schön war nichts auf dem Weg zum Shintenoji Tempel und bereits eine Stunde nach Ankunft wollte ich mich bereits auf die Seite der zweiten Gruppe werfen.  An Alle, die bereits die Stirn krausen…..den Tempel ließen wir Tempel sein!  Uns interessierte nur der Friedhof, der sich hinter dem Tempel anschloß.

Bizarre Gräberform, eine Art die uns gänzlich unbekannt ist…..musste immer an das berühmte Mahjong Spiel im Rechner denken.

Da sich das Wetter weiterhin hielt und wir den Wetterbericht der nächsten zwei Tage im Nacken hatten,  ging es mit dem schnellen Sightseeing weiter. Die Subway brachte uns  nach zwei weiteren Stationen zu der berühmten Burg von Osaka.

Diese ist nur noch eine Rekonstruktion, das Original wurde vernichtet. Dennoch, der Nachbau ist authentisch, die Anlage riesengroß und zur Freude der Menschen von Osaka auch frei zugänglich. Eintritt zahlt man erst, wenn man die Burg besichtigen möchte. Da es sich um einen Nachbau handelte, verzichteten wir auf den Besuch und bewunderten das Schmuckstück  vom Burggarten.

Auf dem Gelände befindet sich das alte Landmark Hotel, welches heute als Shoppingmall umfunktioniert wurde…..auch wir wurden Opfer des Kommerz!

Gegen 16:00 Uhr checkten wir im New Osaka Hotel ein und staunten über unser Vertreterschließfach nicht schlecht! An die 1,20 m Betten sind wir ja gewöhnt, diese stellen kein Problem für uns dar……dass man aber auch noch darunter gehen kann und das Zimmer dann immer noch als Doppelzimmer durchgeht, dass war mir neu!

Wir waren dennoch zufrieden mit unserem Heim für drei Nächte, da es aufgrund des schmaleren Bettes viel Raum zum packen und sortieren gab.

Den ersten Abend ließen wir mit ausgiebigem Bad und einer Kneipentour durch zwei Izakayas ( Kneipen oder einfache Restaurants, rauchen erlaubt, mit zumeist sehr guter und günstiger Essensauswahl) ausklingen.

In der ersten Izakaya gab es nochmal Sashimi vom Feinsten und sehr günstig, in der zweiten Izakaya gabs Nudeln zum sattwerden.

An unserem zweiten Tag ging es zunächst, nach Nara, der Bericht ist hier verlink : http://allcontinentsinonelife.com/japan-2018-xv-nara-奈良市-die-erste-hauptstadt/

Nachdem wir am Nachmittag wieder in Osaka waren, hatten wir aufgrund der Wetterlage zunächst überhaupt keine Lust, nochmal loszuziehen. Der Reiseführer beschränkte sich ebenfalls nur auf die Burg und den Shintenoji Tempel, genau den hatten wir ja bereits am gestrigen Tag gecancelt und die  Burg bereits gesehen.

Liest man weiter, kommt man schnell auf Namba und dort auf die Gegend der Dotonbori Street. Schrill soll die Ecke sein, Kulturschock sei angesagt. Wem das noch nicht reicht, soll nach Shinsekai…..dem Dotonbori der Jahrhundertwende,  abgefuckt und heruntergekommen, quasi der japanische Vergleich  v. Atlantic City zu Las Vegas. Achja, es gibt dann noch America Mura, wie ich in einem Blog lesen konnte, soll es sich um „das Berlin Japans handeln“. Hipster und Möchtegernhipster fröhnen der mediteranen Küche, die in Japan großgeschrieben wird…die Mittelmeerdiät ist doch so gesund!

Da es trocken war und wir auch mal einen Kulturschock in Japan erleben wollten, machten wir uns auf den Weg in die Dotonbori Street. Die Subway brachte uns direkt nach Namba und von dort liefen wir exakt zwei Minuten ins schrille Paradies.

Wir sahen uns noch das HIPS Gebäude an, gingen aber nicht hinein….ich weiß nicht, ob es innen etwas zu bewundern gibt.

Für uns gab es zwar keinen Kulturschock, die Dotonbori ist allerdings wirklich einen Besuch wert. Es blinkt, es glitzert, überall gibt es Freßstände mit dem Schwerpunkt Fisch und Meeresfrüchte, Kushikatsu ( Teigspieße, gefüllt mit Allerlei) und Teigbällchen mit Tintenfisch(Takoyaki). Dazwischen sind Pachinkohöllen und Spielhallen zu bewundern.

Osaka ist die Stadt der großen Werbeplakate und das berühmteste ist das Werbebanner von Glico, dem Läufer der Werbung für Süßkram macht.

Auch der Blick auf den Fluss ist sehr schön und an diesem lauen Sommerabend mochten wir Osaka doch gerne leiden. 

Da wir noch gut drauf waren, beschlossen wir nach Shinsekai zu fahren, einen Blick auf den Osakatower zu werfen und in einer Izakaya Kushikatsu zu essen.

Gesagt getan, zwei Subwaystationen später begann die große Suche nach dem verflixten Tower namens Tsutenkaku. 111 m ist der Kleine groß und rostet wohl gemütlich vor sich hin. Angestrahlt wirkt er aber ganz groß und auch sehr ansehnlich.

Shinsekai ist seit 100 Jahren Amüsiermeile und hier wurde Kushikatsu geboren. Das gesamte Viertel ist voll mit Restaurants, die Spießchen am laufenden Meter produzieren, in den Izakayas gehts es zwanglos, laut und bierselig zu, selbstverständlich hält hier Jede/r ne Kippe in der Hand. Wie überall im Land sind die Leute gutgekleidet, man erkennt noch die Businessklamotte  vom Tag. Keine/r hat einen Abstecher nach Hause gemacht, die Freizeit wird mit Kollegen/innen verbracht. Das hatte mir bereits Katze in Tansania erzählt. Faulenzen und abhängen auf der heimischen Couch kennt der Japaner nicht. Amüsiert wird draußen auf der Straße, ein Leben in den eigenen vier Wänden gibt es kaum. Das erkennt man auch an den Auslagen in den Supermärkten. Ich glaube nicht, dass im großen Stil gekocht wird. Im Normalfall wird aushäusig gegessen. 

Die Spießchen werden mit einer Art Teriyaki Soße gegessen und körbeweise an die Tische gebracht. Sie sind sehr lecker aber nach sieben Stück musste ich passen….

Mit der Subway ging es gegen 22:30 zurück nach Shin-Osaka. Die U-Bahn fährt übrigens nur bis 0:00 Uhr, selbst in Tokio kommt man des nächtens schwer mit den Öffis weg. Auch hier wieder das Bild, welches sich auch auf der Straße zeigte. Anzüge und Kostüme, sogar Schuluniformem waren noch in großem Maße unterwegs. Der Japaner muss sein ganzes Leben eigentlich übermüdet und erschöpft sein. Gut  das es da wenigstens den Monat Juni gibt…..es sind nämlich mehr Feiertage als Arbeitstage zu verzeichnen und somit kann Jede/r mal ausschlafen. Katze fiel vom Glauben, als ich ihm von den acht gesetzlichen Feiertagen in Berlin erzählt habe. Die Japaner verfügen über mehrere Feiertage im Monat. Dazu kommen 30 Urlaubstage im Jahr, die aber Keine/r nimmt. Maximal zehn Tage am Stück wird in Urlaub gegangen, der Rest geht für Erkrankungen, Arztbesuche und Ähnliches drauf. Die Situation ist nicht optimal aber aufgrund der Feiertage auch nicht so desolat, wie immer dargestellt. Lediglich die vielen Überstunden sind wirklich problematisch.

Am dritten Tag in Osaka, unserem letzten Urlaubstag regnete es mal wieder meisterlich. Der Kalender behält immer recht, ab Juni beginnt die Regenzeit und die letzten zwei Tage waren nur leichte Vorboten.

Wir schliefen aus, kauften unsere Zugtickets nach Kansai ( der JR Pass ist abgelaufen) und zogen nochmals nach Namba, liefen über die Dotonbori  in die Sinsaibashi Einkaufsstraße. Ein Paradies auf 1,8 km Länge, vollkommen überdacht und für mich nur insofern rettend, dass ich keine Shoppingqueen bin und nur bedingt gerne über Stunden durch Einkaufsstraßen tingele. Aber bei der einen oder anderen Kleinigkeit wurden wir dann doch schwach.

Mittags genossen wir die berühmten Tintenfischbällchen und zogen uns gegen 15:00 Uhr aus dem Getummel zurück. Der Regen ging uns auf den Geist und wenn ein Urlaub zu Ende ist, dann kann man ihn auch nicht mit Macht verlängern.

Unsere Henkersmahlzeit bestand aus Beef Kyoto Style, bzgl. eines Fotos verweise ich auf den Kyotobericht. Außerdem durften nach alter Sitte ein paar Supermarktmakis nicht fehlen……das Essen war in den letzten Wochen wirklich sensationell.

Mit Osaka haben wir uns ausgesöhnt, eine schöne Stadt ist es nicht. Dennoch ein gewisser, spröder Charme ist vorhanden. Als letzter Stop vor Europa oder auch für den Anfang  mit einem Ende in Tokio, kann ich die Stadt grundsätzlich empfehlen.

In den nächsten Tagen werde ich ein kleines Fazit sowie Tips und Tricks für zukünftig Reisende schreiben. Mit der regulären Berichterstattung unserer Reise bin ich aber ans Ende gekommen. Es war eine aufregende, bewegte Reise. Wir werden Beide japanverliebt zurück nach Europa kommen. Das Land der aufgehenden Sonne hat uns nicht zum letzten Mal gesehen.

Japan 2018, XV: Nara 奈良市, die erste Hauptstadt

Nach einer recht holprigen Nacht in unserem 1,10m Bett fuhren wir heute früh in die erste Hauptstadt Nippons.

Die Geschichte zu Nara ist von unserer Seite aus schnell erzählt: Es regnete in Strömen, der Wetterbericht hatte wieder zu 120% Recht gehabt. Leider wird sich das Wetter nicht mehr wirklich bis zum Abflug verbessern und so muss man eben das Beste draus machen.

Gewappnet mir Regenjacke und dem geklauften Schirm aus Kamakura fuhren wir von Shin-Osaka zunächst nach Tenno-ji und von dort mit einem Lokalzug nach Nara.

Dort angekommem schlüpften wir in die Loopline und stiegen in der Nähe des Todai-Ji Tempels wieder aus. Wir wollten zumächst die Sikahirsche sehen, welche frei und unbehelligt die Wälder von Nara für sich beanspruchen und bekannt dafür sind, frech und anmaßend zu werden…..nur bei uns nicht! Mit sanfter Stimme und einer streichelnden Hand waren die Biester sehr süß zu uns. Aggressiv werden die Hirsche nur, wenn Fressen mit im Spiel ist.

Die Sikahirsche sind die heimlichen Herrscher von Nara und alleine dafür sollte man mal einen Tag in der Stadt verbringen. Diese ist übrigens sehr hübsch und könnte ebenfalls gut als Startpunkt einer Japantour herhalten.

Hier halten alle Fahrzeuge für die Hirsche…aber nur wenn der Zebrastreifen genutzt wird!

Hallo Mensch, ich sehe Begehrliches in Deinen Händen!

Aufgrund der Wetterlage hatten wir im Vorfeld schon Etliches von der Liste gestrichen, klar war…..wenigstens der große Buddha im Todai-Ji Tempel wollte bewundert werden.

Obwohl wieder Herrscharen von Schulklassen die Stadt bevölkerten ( gefühlt befinden sich Japans Schulkinder 24/7 auf Wandertag, wann lernen die Gören eigentlich mal????) kam es uns doch etwas ruhiger vor, vermutlich scheute der eine oder andere die Regentortur.

Der Todai-ji Tempel gilt als eines der großen Höhepunkte einer jeder Japanreise. Die Anlage gehört zum Weltkulturerbe, der Haupttempel ist das größte, aus Holz gebaute Gebäude weltweit und der Bronzebuddha im Inneren ist immerhin der größte von Japan. Der Tempel wurde bereits 741 erbaut, brannte mehrfach ab und wurde auch architektonisch verändert, Das jetzige Gebäude ist aus dem 17Jh. und kleiner als der Ursprungsbau.

Da Superlativen auch bei Regen gelten, lasse ich mal ein paar Bilder sprechen.

Zwischenzeitlich sah das Wetter besser aus und frohes Mutes schlenderten wir im Wald vom Todai-ji in Richtung Kasuga Taisha Schrein. Unterwegs gab es einen grünen Tee und Gebäck mit Pudding in Sikahirschform.

Wir hätten uns gerne den besagten Schrein von innen angesehen, doch leider verhinderte der Regen weiteres Sightseeing . So waren wir nur glücklich, außerhalb des Schreines eine geschützte Bank zu finden und dem Nass beim herunterpladdern zu lauschen und zuzusehen.

Die Bilder des Schreins von außen erspare ich dem Bericht, die Natur (der Wald)  und die Steinlaternen sind schon sehr sehenswert, wir waren allerdings für den Tag so dermaßen satt und abgefressen, dass wir uns schleunigst auf den Weg zum Bahnhof machten. Um aber überhaupt dorthin zu gelangen, musste schnellstmöglich einer der Standard 3€ Schirme gemopst werden, die es in Japan an jeder Ecke, aber nicht im Wald am Kasuga-Taisha Schrein,zu kaufen gibt. Unsere Regenjacken waren bis auf die Haut durch und Mathias fror erbärmlich bei 20 Grad. Ich hatte den Schirm aus Kamakura dabei, mir gings nen bissel besser.

Zurück in Shin-Osaka verschwanden wir erstmal aufs Zimmer und trockneten uns und unsere Sachen ….vollkommen durchweichte Schuhe, Socken, Jacken kann man 36 Stunden vor Abflug nicht wirklich gebrauchen.

Unseren Abend verbrachten wir in Namba, dem zentralen Shopping-Entertainment Viertel von Osaka und Gott sei Dank, es regnete an diesem Abend nicht. Für  diese Bilder verweise ich auf folgenden Bericht: Japan 2018; XVI: Osaka, last but not least

 

Japan 2018,XIV: Miyajima 宮島 die Schrein Insel

Nach zwei bewegenden Tagen in Hiroshima warfen wir uns wieder in das allgemeine Sightseeinggetummel. Unser Ziel war Miyajima, die Schreininsel ( wörtlich übersetzt) mit dem am häufigsten fotografierten Motiv in Japan, dem berühmten Torii des Itsukushima Schreins, welches  im Wasser, vor der Insel steht.

Wir frühstückten morgens ausgiebig und schauten aufs trübe Wetter. Die Vorhersage der nächsten Tage war wenig berauschend, der berühmte Taifunregen ab Juni schickte seine Vorboten voraus.

Mit einer alten Straßenbahn fuhren wir zur JR Line und von dort zur Fähre. Die JR Fähre konnte ebenfalls über unseren Pass „bezahlt“ werden….das Ding ist wirklich Gold wert.

IHiroshima und Miyajima sind berühmt  für Austern  und wir konnten  sehen, woher diese stammen. Die Fähre fährt direkt an den Austernbänken vorbei.

Bereits bei der zehnminütigen Überfahrt konnten wir das Torii zum ersten Mal  bewundern.

Nach unserer Ankunft gaben wir schnell unser Gepäck im Hotel ab und begaben uns zum Schrein.

Auf der Insel läuft zahmes Rotwild herum, die Tierchen sind fast alle handzahm, verfressen  und gern kleine Diebe. Mehr als einmal haben wir Bambi beim Ausräumen eines Buggies erlebt…..von der Plastiktüte über Brot und Pommes wird alles vertilgt! Mathias rettete mehrere Kitze und nahm ihnen die Plastiktüten wieder ab.

Da es  früh am Morgen war, hielt sich der Andrang von Touristengruppen noch in Grenzen. Wir bewunderten demzufolge ziemlich enspannt das Tor und freuten uns, dass gerade Hochwasser war.

Leider gehört zum Torii auch ein Schrein und notgedrunen schauten wir uns diesen auch von innen an. Ich habe noch nicht nachgezählt, schätze aber das wir bereits um die 20-30 Schreine und Tempel gesehen haben.

In Miyajima wird gerne geheiratet, ist die teuerste Location landesweit. Wir freuten uns wie die Schneekönige, dass wir sowohl an einer Zeremonie als auch beim darauffolgenden Fotoshooting dabei sein konnten.  Ganz  nach DSGVO mit Einverständnis der Hauptakteure wurde uns dieser Schreinbesuch versüßt.

Übrigens erhalten alle Gäste der Zeremonie nach dem Ja-Wort ein Glas Sake und trinken auf das Wohl. Die Braut sieht ein wenig spooky aus, der Schleier ist gewöhnungsbedürftig.

Nach den offiziellen Fotos kam das Paarshooting, vorher wurde der Schleier gelüftet und zum Vorschein kam nun eine Art Geisha, die 20 Jahre älter als der frisch angetraute Göttergatte aussah.

Tempelmüde und an Kultur nur noch wenig interessiert setzten wir  uns auf eine Bank und warteten am Schrein nur noch auf Ebbe. Bei Tiefwasser rennen alle zum Torii und auch diese Szenerie wollten wir uns nicht entgehen lassen. Die ersten die durchs knöchelhohe Wasser tapsten, waren übrigens die Bambis, vermutlich das einzige Rotwild weltweit, dass gerne im Meer baden geht. 

Mich interessierte der Daisho-in Tempel, der erst seit Kurzem von den Touristen entdeckt wurde. Die Jitzo Figuren sind es, die den Tempel mit Menschen aus aller Welt füllen. Wer auf Fotos von den Gebäuden wartet, der wird jetzt entäuscht, ich kann nur noch mit folgenden Fotos aufwarten:Die Rotmützenbande machte uns richtig viel Spass und weitere Genossen, die Buddha in all seinem Formen darstellten, steigerten unsere kindliche Freude. 

Der absolute Knaller sind allerdings diese Herren, die alle mit der Strickliesel eingekleidet wurden:

Das Miyajima tolle Meeresfrüchte produziert, hatte ich bereits geschrieben und so war klar, dass wir unser Mittag a uf Austern bestehen soll.

Das Zeug schmeckte echt hervorragend, wir waren begeistert und wußten bereits um 14:00 Uhr wohin die Reise uns kulinarisch um 19:00 Uhr führen würde.

Da es anfing zu regnen, checkten wir gegen 14:30 Uhr in unser Hotel ein und schliefen erstmal zwei Stunden in unseren Futonbetten.Wir sind uns Beide einig, der Schlafcomfort war in den traditionellen Zimmern sehr gut.

Nachdem wir um 16:30 Uhr aus tiefem Schlummer erwacht waren, verbummelten wir unsere Zeit am netten Teetisch unseres Zimmers….Tagebuch und Blog wollen gepflegt werden.

Um 18:00 Und machten wir uns auf die Suche nach offenen Restaurants. Tatsächlich lebt die Insel vom Tagestourismus, gegen 18:00 Uhr schließen die meisten Läden und Restaurants. Auch die Suche nach dem Unseco Süßkrams, den Momichis geriet ins Wanken….natürlich wurden wir fündig und auch das eine offene Restaurant in der Shoppingmeile von Miyajima war ein absoluter Volltreffer.

Vorher trafen wir auf diese entzückenden Schüler, ein Tor und einen engagierten Fotografen, siehe Video:

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Es gab gegrillten Congi Eel bei uns eher unter Unagi bekannt als Vorspeise.

Unser Hauptgang bestand aus Gedämpften Austern auf Reis, in der Misosuppe schwammen Muscheln. Es war saulecker und mit rd. 15€ wohl als sehr günstig zu bezeichnen.

Als wir wieder auf der Straße standen erkannten wir zwei wichtige Dinge.

Erstens, die Insel gehörte wieder den Menschen von Miyajima und verzauberte uns, mit den stillen Straßen, den vielen Pagoden und Schreinen, sofort.

Zweitens, die Stative mussten schnell aufgebaut werden…..die blaue Stunde war in vollem Gange und so ein ultrawichtiges Torii will auch des nächtens abgelichtet zu werden.

Mit zunehmenden Temperaturen kommen die Taifunmücken, die Japan in den Monaten Juni- September zu schaffen machen. Auch wir sahen zu, dass wir wieder nach drinnen kamen, obwohl die laue Sommernacht zum Verweilen einlud.

 

 

Japan 2018, XIII: Hiroshima 広島, der Phoenix aus der Asche!

Wie beginnt man einen Bericht über eine Stadt,  die auf immer und ewig mit dem ersten Atombombenabwurf über zivilem Gebiet in Verbindung gebracht wird?

Allein wenn  ich den Namen  Hiroshima höre, läuft es mir eiskalt den Rücken herunter,  ich denke an die berühmten Songs von Wishful Thinking  und OMD, sehe  schwarz-weiß Bilder aus den letzten Tagen des 2. Weltkrieges und erinnere mich an den berühmten Anime Film „die letzten Glühwürmchen“ der über das Leiden zweier japanischer Kinder im Pazifikkrieg erzählt.

Ähnlich erging es mir in Yad Vashem, Auschwitz oder auch im Genozidmuseum in Phnom Penh oder dem Antikriegsmuseum in Saigon, man hat vorgefertigte Bilder im Kopf, Beklommenheit macht sich breit und man weiß bereits im Vorfeld, das es nicht schön wird, werden kann.

Angesichts der drei großen Spinner auf diesem Planeten und der atomaren Bedrohung im Allgemeinen, ist der Besuch von Hiroshima nochmals intensiver. Das ist nicht nur Vergangenheit und der Wahnsinn längst verstorbener Machthaber, nein ….Hiroshima kann sich wiederholen !!!!

Bereits nach Ankunft am Bahnhof Hiroshima musste ich das erste Mal schlucken. „ Welcome to Hiroshima“ stand in großen Buchstaben über meinem Kopf. Wäre ich auch hier, wenn es den 6. August 1945 nicht gegeben hätte?

Was hätte Hiroshima unterschieden, zu den vielen anderen Städten mit rd. 1 Mio Einwohner in Japan? Vermutlich nichts oder nur die Nähe zu Miyajima, somit wäre die Stadt  für uns nur eine Durchgangsstation gewesen.

Die Architektur der Stadt ist als typisch für die  50-70er Jahre zu bezeichnen. Bereits der Weg vom Bahnhof zu Bic Camera (natürlich) und zum Electrotrain machte uns schwach, Unterführungen, Überführungen, viel Beton….

Auch unser Hotel, eine Empfehlung meiner Freundin Annegret, stammt aus dem Wiederaufbau und befindet sich rd. 400 m vom Hypocenter entfernt. In Bezug auf Atombomben wird nicht vom Epizentrum oder Einschlagsort gesprochen, da die Bombe in 600m Höhe explodierte.

Das Sunroute ist ein typisches Viersternehotel mit einer sagenhaften Lage und Ausblick. Da wir wieder das Vertreterschließfach hatten, war unser Ausblick nicht so sagenhaft, das Zimmer aber sehr gut und mit allem erdenklichen Schnickedöns.

Nachdem wir uns frisch gemacht hatten, liefen wir zunächst über einige Denkmäler zum Atombomdendom.

Dieses zeigt die Veränderung eines menschlichen Körpers nach dem Abwurf, wenn die Haut in Fetzen hängt, der Körper 4000Grad ausgesetzt wurde! Die Steine in der weißen Mauer sind Originalsteine, aus einem der Häuser von Hiroshima.

Die Industrial Promotion Hall ist eines der wenigen Gebäude, die nach dem Abwurf der Bombe nicht komplett zerstört war. Es sind ungefähr ein Dutzend Häuser im Hypocenter als Ruinen stehen geblieben. Ein Gebäude wurde komplett restauriert und steht in der Nähe des Museums, alle anderen wurden abgerissen.

Der Atombombendom ist als Mahnmal erhalten geblieben, die Bezeichnung der Ruine hat sich in den späten 50er Jahren durchgesetzt, die Einwohner von Hiroshima plädierten allerdings für den Abriss und waren mit der Entscheidung der Stadtverwaltung nicht einverstanden.

Da verständlicherweise nicht Jede/r mit diesem Detail der Geschichte vertraut ist, fange ich nochmal mit den Eckdaten an:

– Die USA befand sich mit Japan seit dem Angriff auf Pearl Harbour 1941 im Kriegszustand. Japan war alliiert mit den Deutschen und verfolgte aggressiv seine eigenen Interessen im pazifischen Raum.  Kampfhandlungen gab es nicht nur in Japan, sondern u.A. auch auf den Philippinen die US-amerikanisch verwaltet wurden. Die Japaner waren bekannt für ihr Durchhaltevermögen, Kamikazeangriffe und einem unbeugsamen Willen. In der Schlacht um Okinawa starben 200.000 Menschen, die Idee der Amerikaner war, den Krieg durch einen gezielten Schlag mit der Atombombe zu beenden.

-Am 6.8.1945 um 8:15Uhr, warf die US-amerikanische Armee die erste Atombombe über bewohntem Gebiet ab.  Diese war im Ursprung für Hamburg bestimmt gewesen, Deutschland hatte aber bereits am 8.5.1945 kapituliert.

-Die Atombombe wurde von den Amerikanern „Little Boy“genannt, das Flugzeug, mit dem der Abwurf durchgeführt wurde, wurde nach der Mutter des Piloten benannt, die Enola Gay hieß.

-Kritische Stimmen sind sich einig, der Abwurf der Atombombe hat die Kapitulation von Japan nur beschleunigt, dass sich Japan auch ohne diesem Desaster  ergeben hätte, steht ohne Zweifel fest.

-Heutige Atombomben besitzen 120-260x mehr Sprengkraft als Little Boy, im ersten Jahr des Abwurfs starben 70.000 Menschen direkt, und weitere 70.000 Menschen im Nachgang. Bis heute sind noch Opfer des Abwurfs zu verzeichnen. Die Temperatur auf dem Boden unterhalb des Hypocenters lag zw. 4000- 5000 Grad Celsius. Im Umkreis von einem Quadratkilometer unterhalb des Hypocenters gab es nicht einen einzigen Überlebenden.

-Es ist keine messbare, erhöhte Radioaktivität in Hiroshima zu verzeichnen, anders als in Fukushima blieb das Gebiet bewohnbar, da Little Boy  so hoch in der Luft explodiert ist und Uran bei Weitem nicht so gefährlich ist wie Plutonium. In Nagasaki explodierte die Bombe übrigens 1200m hoch.

-Bereits zwei Tage nach der Explosion öffnete die total zerstörte Bank in Hiroshima wieder, bis November 1945 war das Stromnetz wieder hergestellt.

-Die US Armee legte einen Schweigebann bis 1952 über den Atombombenabwurf, da die Angst, dass sich Japan auf die Seite der Sowjetunion schlagen würde, zu groß war.

-Bis heute gibt es keine Opferentschädigung, die USA haben Japan, ähnlich wie Deutschland, beim Wiederaufbau unterstützt, Reparationszahlungen gab es aber nicht.

Am Atombombendom haben wir uns mir einem Opfer der zweiten Generation unterhalten. Seine Mutter war mit ihm schwanger als die Bombe fiel. Die alte Dame ist 100 Jahre alt und hat  schwere Krebserkrankungen überlebt. Die Familie hat sich am 6.8.1945 quasi halbiert. Er hat es sich zur Aufgabe gemacht, dass Wissen um diesen Tag an die Touristen von Hiroshima weiterzugeben. Zusammengefasst in Ordnern am Atombombendom  und in vielen Sprachen verfügbar, kann man sich mit den Ereignissen beschäftigen. Mir hat gut gefallen, dass Herr Mito Kosei auch kritisch mit der japanischen Seite umgegangen ist und nicht nur die Opferrolle eingenommen hat. Die Zusammenfassung hat uns mehr gebracht als der Besuch des Museums, auch wenn dort etliche Exponate zusammengetragen wurden.

Nachdem wir den Atombombendom aus allen Wnkeln abgelichtet hatten, war es Zeit sich dem Peace Park, dem Friedenspark zu widmen.

Peace Bell:

Die Bilder befinden sich in folgender Reihenfolge:

Peace Memorial Park mit Cenograph ( Namen der identifizierten Opfer wurden hier verewigt, Peace Flame ( die Flamme wird so lange am Leben erhalten, bis es keine Atomwaffen mehr gibt), Children Peace Memorial ( in Gedenken an Sadako Sasaki) Die  Peace Memorial Hall und Exponate aus dem Peace Memorial Museum.

Am späten Nachmittag waren wir Zwei so platt, dass wir uns erstmal in unsere Wohlfühloase, in unser Zimmer, zurückzogen. Wir waren dankbar, dass wir noch einen Tag in Hiroshima hatten und nicht zum nächsten Highlight hetzen mussten.

In der blauen Stunde machten wir uns mit Stativ und Kamera auf den Weg um Nachtaufnahmen von Hiroshima zu machen „wie kann eine Ruine so schön aussehen?“ fragte sich nicht nur Mathias im Nachgang.

Erst spät gingen wir an diesem Abend essen, es gab Okonomiyaki Hiroshima Style. Ich wählte die Seafood de Luxe Variante, Mathias genoss die „japanische Pizza“ mit Austern.

Wir schliefen aus und stiegen lässig in den zweiten Tag in Hiroshima ein. Der Wetterbericht sagte für unsere letzten Urlaubstage nichts Gutes voraus und wir wollten den sonnigen Tag im Peace Park verbringen.

Zunächst genossen wir das sehr gute Frühstück und den sensationellen Blick aus der 17.Etage.

Gut zu sehen ist der Atombombendom, der Peace Park und das Museum. Die Stadt ist komplett wieder aufgebaut, sehr grün und mit hoher Lebensqualität.

Wir besuchten am Vormittag die Burg von Hiroshima ( Karpfenburg) die bereits 1958 originalgetreu wieder aufgebaut war. Die Originalanlage war von 1589,  wurde aber in der Meiji Restauration mehrfach baulich verändert.

Im Inneren ist heute ein Museum zur Stadtgeschichte untergebracht, nach dem aufwühlenden Vortag verzichteten wir auf weiteren Input.

Bis zum späten Nachmittag schlugen wir unser Lager im Friedenspark auf, hörten uns ein Sonntagskonzert an und lasen uns durch unsere Kindle. Mathias verbiss sich in Dracula und ich in Shantaram, beides Klassiker, wenn man so will.

Da gegen 16:00 Uhr der kleine Hunger bei uns anklopfte, wechselten wir die Location und bummelten durch die Shoppingmeile von Hiroshima. Wir kosteten die regionale und unter Weltkulturerbe stehende Regionaspezialität: Bohnenpaste, eingebacken in ein Küchlein, dass wie ein Ahornblatt aussieht-sehr lecker!

Nach süß kommt salzig , wir zogen unser Dinner vor und probierten Hiroshima Steak und japanischen Kartoffelsalat, der übrigens sehr lecker ist.

Den restlichen Abend vertrödelten wir auf unserem Zimmer, Mathias bastelte ein Hiroshima Video aus unseren Fotos, unterlegt mit dem berühmten Song von Wishful Thinking. Da ich finde, dass sein Werk sehr gelungen ist, anbei die Verlinkung  :1EAAE4E6-DFC8-4352-8999-0CF458E88BE1

 

 

 

 

 

 

 

Japan 2018, XII: Himeji 姫路 & Kurashiki 倉敷

Unsere Abreise aus Kōyasan war abenteuerlich. Mit dem Bus ging es nach Koyasanstation und mit der Cable Car nach Gokurakubashi. Dort stiegen wir in den Lokalzug nach Hashimoto und  dann in einen Expresszug bis Shininmamiya,  mit einem Rapid nach Osaka, von dort mit der Metro nach Shin Osaka. In Osaka irrten wir erstmal über den Bahnsteig und hätten somit fast den Shinkansen in Shin-Osaka verpasst…..Das Alles spielte sich zw. 8:15-12:32 Uhr ab…..Wahnsinn! Die japanische Bahn ist ein Meisterwerk.

Die längste Teilstrecke war bis Shininmamiya, ich schaute mir einige Bilder im www über Koyasan an und las mich ein wenig durch den Reiseführer. Aufeinmal hatte ich einen Stapel Kunstpostkarten in meinen Schoß. Eine ältere Japanerin schenkte mir diese als sie ausstieg und meinte nur ganz lieb „Koyasan, dou itashimashite„              (Koyasan, bitte schön) und verließ den Zug. Ich war vollkommen platt! Selten habe ich etwas offeneres, herzlicheres erlebt als die Japaner. Die Begegnung, vermutlich weil sie so unverhofft kam, beschäftigte mich sehr, insbesondere nach einem Zwischenfall mit meinen chinesischen Freunden am Nachmittag.

Vollkommen fertig kamen wir in unserem Hotel an, welches rd. 300m von der berühmten Burg entfernt lag. Gott sei Dank konnten wir einchecken, es erwartete uns das übliche Vertreterschließfach mit traumhafter Dachterasse und Aussicht.

Als einzigen Sightseeingspot hatten wir uns die Burg ausgeguckt, angesichts des Wetterumschwungs von gestern  auf heute  ( weit über 20 Grad mehr ) fühlten wir uns nicht zu mehr in der Lage.

Auf der Brücke über dem Burggraben legte ich mich erstmal unsanft auf den Pinsel, seitdem habe ich einen dicken blauen Knöchel. Gott sei Dank ist nicht mehr passiert. Ich hatte meine Sonnenbrille auf und habe nicht gesehen, dass die Brücke in Laufrichtungen unterteilt war. Die durchgehende Schwelle war aus dem gleichen Holz wie die Brücke! Ultragefährlich, Mathias versicherte mir später, dass er auch nicht die Unterteilung gesehen hätte.

Die Burg ist tatsächlich traumhaft, eine Märchenburg mit ganz fürchterlich vielen Reisegruppen und Chinesen.

Wir konnten dennoch recht gut das Meisterwerk für uns entdecken, nur im Inneren ging nichts mehr.

Als ich versuchte, zwei Japanerinnen am Weiterrennen zu hindern und sie nett bat, doch zu warten, bis Mathias sein Bild gemacht hat , kam eine Chinesin und meine nur ganz patzig „ das ist nicht Euer Platz“ unsere Antwort „nein, aber auch nicht Deiner“. Den Japanerinnen war das Ganze so peinlich, sie sind natürlich gerne stehen geblieben und unsere Bitte war überhaupt kein Problem….für Chinesen ist Rücksichtnahme im wahrsten Sinne des Wortes ein Fremdwort. Ich reagiere allmählich wirklich allergisch und intolerant, wenn ich auf Deppenzepter und dem Geschnatter der Reisegruppen treffe. Und was mir weiterhin immer ein Rätsel bleiben wird, warum muss zu jedem Foto ein Peace Zeichen gemacht werden?

Hier ein paar Bildchen vom Inneren der Burg, eher schlicht gehalten.

Blick auf die Anlage

Wir schlenderten im Anschluss noch ein wenig durch die Gärten, da hier aber andere Temperaturen herrschen, war der Rasen sehr trocken, die Blumen verblüht. Es war für uns zu heiß und wir hatten keine Lust mehr durch den Garten zu schlendern. 

Auf dem Weg zum Hotel überfielen wir einen Supermarkt und deckten uns mit Sahimi, Tempura und Nigiris ein. Man kann es spätes Lunch oder frühes Abendessen nennen, wir verließen an diesem Tag das Hotel nicht mehr, genossen nur nochmal den wunderschönen Blick auf die Burg von Himeji  bei Dunkelheit und von unserer Dachterasse.

Gut ausgeschlafen genossen wir am nächsten Morgen das japanische Frühstück im Hotel und krochen mit unseren Sachen wieder zum Bahnhof, Die Reiseroute war harmlos, lediglich einmal umsteigen in Okayama.

Da wir auf dem Bahnsteig noch ein wenig Zeit hatten, beobachteten wir die durchrauschenden Shinkansen. Ein 16 Abteiler knallt binnen 6-8 Sekunden DURCH EINEN BAHNHOF! Auf freier Strecke bekommen die Hochgeschwindigkeitszüge gerne mal 300km/h. Ich könnte den Zügen stundenlang zusehen.

Bereits um 10:00 Uhr erreichten wir Kurashiki, die alte Textilhandelsstadt aus der Edo Zeit mit seinem erhaltenen Altstadtkern, dem Bikan. Es sind Duzende von alten Lagerhäusern erhalten geblieben, die Straßenzüge haben mich an Hoi An  oder Louang Prabang erinnert. Wir freuten uns, dass wir über Nacht blieben und damit die Chance hatten, dem Rummel der Tagestouristen zu entgehen.

Wir liefen rund vier Stunden durch die Gegend, erkundeten die Sehenswürdigkeiten und kosteten diese kulinarische lokale Nascherei, sehr lecker übrigens.

Gegrillte  braune Bohnenpaste mit Sesam, yummy

Auf dem Weg zu unserer Unterkunft fanden wir einen sehr gepflegten Bambuswald. Dieser wurde zweimal besucht….einmal in gleißend hellem Sonnenlicht, und des nächtens.

Unser Hostel ist ein komplett designtes Schmuckkästchen, welches gerade in einer bekannten japanischen Zeitpunkt präsentiert wurde. Dementsprechend stolz sind hier Alle, die Exemplare der Zeitung liegen „for free“ herum und man hat den Eindruck, als ob das Hostel der Szenehotspot der gesamten Stadt ist, Wer selbst mal schauen will, Cuore Hostel Kurashiki. Total empfehlenswert….

Wir blieben den Nachmittag über auf unserem Zimmer und schlenderten nochmals durch die Stadt, als das Licht ein wenig lieblicher wurde. Leider liefen mit uns gefühlt drei deutsche Reisegruppen mit, die wohl in Kurashiki ihr Zwischenlager aufschlugen. Nichts für uns, wir entkamen über eine Seitenstraße und befanden uns in der überdachten Einkaufsmeile der Stadt. Auf der Suche nach etwas Beißbaren wurden wir sehr authentisch glücklich. Eine japanische Tapasbude, wollen wir sie einfach mal so nennen, wurde unser Ziel.

Die Karte bestand aus allerlei Leckereien und wir fraßen uns durch die Hälfte durch. Das wir damit auch die höchste Essensrechnung der Reise produzierten  ( mit 50€ immer noch ok) war uns wirklich egal.

Hier eine leine Auswahl….das war quasi der erste Gang!

Nach unserem feudalen Mahl landeten wir noch in der Pachinkohöhle von Kurashiki und hielten es dort keine fünf Minuten aus. Der Krach ist so ohrenbetäubend, kaum vorstellbar, wie man  seine Freizeit  in diesen Etablissements verbringen kann.

 

 

 

Japan 2018, XI: Kōyasan 高野山, Urlaub im Tempel

Der Auflug nach Koyasan, auf den heiligen Berg Koya, mit Übernachtung in einem Tempel war mir ein großen Anliegen. Lange hatte ich nach dem passenden Tempel für uns gesucht, zu teuer sollte die Unterkunft nicht werden, ich wollte es authentisch haben und keinen Kommerztempel mit Reisegruppen. Meine Wahl fiel auf den Saizenin Tempel, die Bewertungen waren gut, insbesondere das Shojin-Ryori ( Mönchskost) wurde sehr gelobt.

Unsere Anreise nach Koyasan war schon ambitioniert. Im März hatte ein Taifun die Hauptstrecke zw. Osaka und Koyasan zerstört, wir wurden über die Dörfer geschickt und hatten mehr Glück als Verstand an diesem Morgen. Mitten im Berufsverkehr standen wir mit den Pendlern Körper an Körper im Zug nach Osaka. Da wir früher dran waren, nahmen wir die Loop Line bereits um 7:13 Uhr….das rettete uns am Ende den Tag. Wir hätten niemals einen Gleiswechsel in drei Minuten in Osaka hinbekommen. Der gesamte Bahnhof war schwarz vor Menschen.

Subway von Marutamachi nach Kyoto und dann wie folgt:

Der spannenste Teil war die Cable Car und für diese hatten wr nicht mal Tickets. In Koyasan mussten wir die Tickets für den Koya Express nachweisen, lustigerweise hatten wir nur Platzkarten, aber kein Ticket gekauft! Bis wir das Durcheinander verstanden hatten….oh Mann, der Groschen fiel in  Centstücke.

Auf dem Berg angekommen verstanden wir im wahrsten Sinne nur Bahnhof! Das Bussystem erschien uns nicht einleuchtend, Gott sei Dank half der Busfahrer weiter und las mit Lupe den Busplan,  Himmel hilf! Er fuhr ohne Schieleisen seinen Bus die Serpentinen ins Dorf Koya hinauf, ich war schon unglücklicher als ich nen Bus verlassen musste.

Koyasan wurde durch den Mönch Kobo Daishi gegründet und ist 1200 Jahre als. Mr.Daishi ging am 21.3.835 in die ewige Meditation ( schön ausgedrückt, wir würden sagen „er starb“) und soll bis heute Erlösung und Heilung den Gläubigen bringen, Daishi gilt als Vater der japanischen Kultur, die erste Schule in Japan wurde von ihm gegründet. Es gibt heute noch 117 Tempelanlagen, Viele  wurden in großen Feuern zerstört. Frauen dürfen seit 1872 auf den heiligen Berg. Heute bieten ungefähr 50 Tempel Unterkünfte ( Shukobo) und  Shojin-Ryori ( vegane Mönchskost) an.

Kōyasan ist seit 2004 Weltkulturerbe.

Der Saizenin entpuppte sich als sehr schöner Tempel mit Pilgerübernachtung ( Shukobo). Die Tempelanlage wurde durch einen Priester, namens Myojyaku, gegründet und brannte in 1115 vollkommen ab. Ein Adeliger namens Sensyo baute die Anlage wieder auf, das Datum habe ich nicht herausbekommen. Interessant könnte für den Leser sein, dass bis heute eine tiefe Verbindung zum heiligen Shinran und zum Gründer von Panasonic  Konosuke Matsushita gepflegt wird.

Wir wurden superfreundlich empfangen, die Schuhe mußten während des gesamten Aufenthaltes vor der Tür lüften, wir bekamen Schlappen und fürs Klo gibts mal wieder Toilettenpantoffeln.

Anbei ein paar Tempelimpressionen, unser Zimmer war wirklich erstklassig!

Neben den Tempeln gilt der uralte Friedhof als das große Highlight von Koya. Da wir irgendwie keine Lust mehr auf Tempel verspürten, sahen wir nur noch welche im Dauerregen von außen und konzentrierten uns auf den Friedhof.

Koyasan:

Der Friedhof, namens Okunoin, ist das eigentliche Highlight vom heiligen Berg. Die Gräber sind zum Teil 1200Jahre alt, die Gräber wurden zum Teil beschrieben,  es war sehr interessant zwischen den alten Steinen und dem Moos zu streunen. Das Wetter hätte übrigens nichf besser sein können.

Hier ein paar Impressionen, wir kamen nicht durch das Areal, er ist viel zu groß. Wir hatten allerdings viel Spaß auf dem Gelände mit den uralten Gräbern. Im neueren Teil kann man die Firmengräber suchen gehen ( ich fand Panasonic) und noch einige andere japanische Firmen, bizarr.

Nach rd. 7 km in den Beinen  und einem Macha-Schokokuchen im Magen, kamen wir wieder im Saizenin an und verschnauften vor dem kulinarischen Highlight ein wenig auf unserem Zimmer. Wir konnten uns grünen Tee aufkochen und schwupps war es 17:20 und unser Shoji-Ryori wurde von den Mönchen des Hauses serviert. Die hier gezeigte Nahrung ist übrigens Weltkulturerbe, da nur natürliche Zutaten, keine Farbmittel, keine Würzmittel  erwendet werden.

Wir speisten auf unserem Zimmer und das Essen wurde wirklich zelebriert. Mathias  hatte japanische Musik im Ipad geladen und somit waren wir auch musikalisch gut unterwegs.

Der Abend verlief ruhig auf unserem Zimmer. Mathias war noch im Onsen, gemeinsam jagten wir eine japanische Thekla, da totmachen in einem buddhistischen Tempel nun wirklich nicht geht. Ich erinnere mich gerne an eine Begegnung in Tibet, als Mathias im Bus Mücken gejagt und getötet hat. Der Blick von Tenzing und unserem Fahrer war unbezahlbar. Die beiden Tibeter haben die Mücken gefangen, sich stechen lassen und wieder befreit!

Nach unserer Karmarettung und aufgrund der Tatsache, das bereits um 6:30 Uhr zum Morgengebet geladen wurde, gingen wir um 21:15 Uhr in die Futon  Heia. Als Einschlafmantra hörten wir uns das berühmte tibetische Om Mani Padme Um an und versanken in leichte und unruhige Träume

Unsere Nacht war so lala, die Räume waren zwar warm, der Gang auf die Toiletten (bei einem alten Tempel natürlich außerhalb) wurde zur Tortur…..es war saukalt in den Bergen und die Gänge des Holzhauses waren natürlich nicht beheizt.

Kurz vor 6:00 klingelte der Wecker, wir machten Katzenwäsche, packten unseren Kram und schlurften in Pantoffeln zum Morgengebet. Aus den Nachbartempeln hörten wir bereits die Gesänge und auch unsere zwei Mönche gaben Alles. Bilder gibt es von der Zeremonie nicht da fotografieren untersagt war im Tempel    ( ist in fast allen Tempeln Japans so).

Weg zum Tempel

Blick,vom Tempel zum Haupthaus:

Nach 30 Minuten innerer Einkehr gab es für uns nochmals Shyon-Ryori Kost, eigentlich ein Abklatsch vom gestrigen Dinner. So lecker wie wir es bei den zwei Mahlzeiten auch fanden ( ich  könnte allerdings auf den in Sirup getränkten Tofu mit Gemüse verzichten, schmeckte wie nasser süßer Schwamm  und erinnerte an Sponge Bob), umsteigen auf die Kost möchte Keine/r von uns Zwei.

Um 7:45 sagten wir dem Tempel  Lebewohl und trotteten mit unserem Kram die Hauptstraß entlanf. Uns erwartete ein harter Reisetag nach Himeji.

 

 

 

 

 

 

Japan 2018, X: Kyoto 京都市 Tag 5, Sagano und Arashiyama


Unseren letzten Tag in der Stadt widmeten wir hauptsächlich einem „Geheimtip“…..weit wech vom Weltkulturerbe. Wir fuhren mit der JR Linie nach Sagano und liefen von dort nach Arashiyama. Der Zug war schon gut voll, in Saga Arashiyama liefen die Massen aber nach links, wir nach rechts …..UND waren allein. Den berühmten und sehr überlaufenden Bambuswald wollten wir uns nachmittags erst „antun“. Unser Ziel lag sonnige 1,6km entfernt und ist nur per Pedes oder Taxi erreichbar.

Wir erliefen uns den Tempel Otagi Nebutsu-Ji aus dem 8.Jh. Bilder von Toris, Sanoms oder Tempelbauten wird hier aber Keine/r sehen. Berühmt ist der Tempel aufgrund der 1200-1500 Rakons…..Steinfiguren, die verstorbene Seelen und ihre Eigenschaften und Hobbies symbolisieren. Jede Figur ist einzigartig, die neueren Datum haben schon mal nen Fotoapparat oder Walkman in der Hand. Wir hatten riesigen Spaß mit unseren neuen Freunden und eroberten die Anlage. Wir waren die meiste Zeit allein…..es war ein Traum!

Der Weg war an diesem Tag das Ziel. Wir liefen zum Schwestertempel Adashino Nebutsu-Ji und erkundeten ganz nebenbei ein sehr schönes, ursprüngliches  und musterrestauriertes Dorf am Wegesrand.

Der Nenbutsu-Ji ist eigentlich ein Friedhof. Neben regulären Gräbern sind vor Allem Statuen zu bewundern, die ebenfalls für die Seelen Verstorbener aufgestellt wurden. Die Anlage ist nicht ganz so  spektakulär, dennoch sehenswert. 

Gegen 13:00 Unr waren wir auf dem Rummelplatz Arashiyama angelangt, Auf dem Weg dorthin sahen wir durch Zufall einen Bambushain und gingen Spaßes halber hinein. Der Andrang an Touris war ok, der Hain sah auch eher ungepflegt aus und erinnerte wenig an die Bilder aus dem www.

In Erwartung auf was ganz Tolles aßen wir Gyoza und zwei Spieße zu Mittag und fragten nach dem Bambuswald, Der Getränkeverkäufer zeigte in eine Gasse, in der Horden an Menschen drängelten……uns schwante nichts Gutes. Wir trotteten hinterher….ja, da war Bambus aber das was wir sahen hatte Nichts mit den  einschlägigen Fotos aus den Reiseführern zu tun. Wir liefen und sahen kleine Gänge im Wald abgehen, zumeist mit dem Schild „private property“ oder es kamen Rikschas entgegen, Zugang für Fußgänger verboten. Irgendwann waren wir wieder an den Bahnlinien  und uns wurde klar….wir waren  bereits im Arashiyama Bambuswald und zwar vor den Gyozas….! Auf dem Weg zurück fanden wir eine Lücke zw. Mülltonnen und nem Tempel.

Und dann hatten wir wirklich richtig Glück. Einer der Seitenpfade war offen, wir konnten hineinspähen, Niemand verjagte uns…..und siehe da, es sah nun doch nach nen bissel mehr aus:

Wir fuhren zurück nach Kyoto und durchstreiften am frühen Abend das Kaufhaus Isetan. Insbesondere die Lebensmittelabteilung hatte es uns angetan. Leider war das Fotografieren verboten….

Kyot hat auch eine Ramen Street und mit ein wenig Suche fanden wir unseren Fresstempel für den letzten Abend in dieser schönen Stadt.

Diese Ramensuppe wird zur besten Suppe unseres Urlaubs deklariert:

 

 

 

Japan 2018, IX: Kyoto 京都市 Tag 3-4

Wir hatten uns angewöhnt, püntklich um 8:00Uhr zu frühstücken und uns danach in das Getümmel der Großstadt zu werfen. Beim Frühstück versuchten wir die günstigste Fortbewegunsmethode zu ergründen,  um nicht unsinnig im Bus abzuhängen.

Wir fuhren mit der U-Bahn und nutzten beide Linien gut aus um zum  Nanzen-ji Tempel zu gelangen. Lustigerweise hat uns das Aquädukt auf dem Tempelgelände so sehr in seinen Bann gezogen, dass wir den berühmten Steingarten einfach ausgelassen haben. Sehenswert war auch das Sanmon aus Holz ( Tor) welches besichtigt werden kann. Auch wir krochen in dem Gebäude von 1626 herum und genossen  den Blick über Higashiyama.

Auf dem Gelände sind wir mit vielen Kindern und Schulklassen ins Gespräch gekommen. Die Japaner sind so herzlich und aufgeschlossen, es  ist uns echt eine große Freude. Wir stehen so oft für Fotos und Interviews zur Verfügung und bekommen immer ein Lächeln, sogar kleine Geschenke wie Tee, zurück.

Am Nanzen-ji beginnt der berühmte Philosophenpfad, der sich 1, 8 km an einem Bächlein entlangschlängelt. Nett anzusehen, in der Kirschblüte bestimmt atemberaubend. 

Der Philosophenpfad endet am Ginkaku-ji…..der Silberpavillion ohne Silber. Der Tempel sollte das Gegenstück zum Kinkaku-ji werden, die  Villa wurde aber nie versilbert. Die Tempelanlage gilt als herausragendes Beispiel der japanischen Gartenkunst und auch wir staunten nicht schlecht. Der Ginkagu-ji war Privatrefugium des Shoguns Yoshimasa (1358-1408) der im späteren Lebensalter weise wurde und verfügte, dass die Anlage nach seinem Tod ein Zen Tempel werden sollte. Der Garten bietet vor Allem Schmetterlinge ein hervorragendes Habitat und Mathias war ganz schnell mit seiner Kamera dabei.

Mit dem Bus ging es zur Kyotostation, die wir uns ausgiebig anschauten. Dieser Bahnhof ist der Kracher. Da Sonntag war, wurden Konzerte abgehalten, der Bahnhof ist fester Bestandteil der kulturellen Szene Kyotos. Da kann sich Berlin  mal wieder ne Scheibe abschneiden!

Der Kyototower, wir ersparten uns den Blick von oben

Bevor wir uns auf den Weg zum Fushimi Inari Tempel und damit zum Höhepunkt des Tages machten, nahmen wir noch einen Tempel  in Bahnhofsnähe mit. Dieser ist ebenfalls nicht überlaufen und ist dennoch Weltkulturerbe.

Der Toji Tempel kann mit Japans höchster Pagode aufwarten, die 55m hoch ist. Der Tempel ist steinalt, wurde bereits im Jahr 794 gegründet.

Mit der JR Line ( wir konnten mit unseren Pässen fahren) fuhren wir nach Inari. Die Bahn war nicht voll und insgeheim hofften wir auf relative Leere…..oder an den Hinweis aus allen Reiseführern, je höher, desto weniger Menschen. Um 17:00 Uhr hatten wir noch den Anspruch bis gaaaaaanz nach oben zu laufen, quasi alle 30.000 Toritore zu durchqueren.

Als wir am Tempelkomplex ankamen, wurden unsere Träume jäh zerstört. Alle Tempelbesucher vom Kiyomizu-dera waren nun auch am Fushimi Inari.

Wir bewunderten zunächst den Hauptschrein. Der Inari ist der Fuchsgott, der für reiche Reisernte und Sake in Aktion tritt. 

Im Anschluß bewältigten wir mit den Massen die Tori Tore und glaubten nicht mehr an die Hinweise aus den Reiseführern. Bei uns blieb es bis  zum bitteren Ende säuisch voll, neben den Touris mischten auch kleine Blutsauger mit. Vernünftige Bilder konnten wir erst in einen Seitengang machen, der weniger frequentiert war. Erschwerend kam hinzu, dass das Licht im Wald bescheiden war, die Gänge bereits ziemlich dunkel waren. Wir experimentierten mit den Kameras und produzierten nen Haufen Ausschuß.  Anbei Handybilder, Bilder aus Mathias Kamera und meine jpegs aus der Canon. Auf die raws sind wir Beide gespannt, es war ein sauschwieriges Unterfangen.

Der Torieingang

Das uns die Mozzies zerfraßen und es tatsächlich um 18:30 stockduster wird, machten wir uns wieder auf den Weg zurück zum Bahnhof. Wir cancelten 5000 Tore und liefen durch das Dorf, welches sich mittenmang des Schreines breit gemacht hat….oder auch umgekehrt, ein Schrein der wächst, es gibt Tausende von Altären, die Füchse sind hier im wahrsten Sinne des Wortes los.

Mit der JR Line waren wir zügig in Kyoto und mit einem flotten Gang zu Fresco erstanden wir für satte 24 €eine gehörige Portion Sashimi. Das Zeug wird ab 19:00 um 30% reduziert und ist wirklich saulecker.

Am nächsten Morgen kümmerten wir uns um die letzten zwei wirklich notwendigen Tempel/ Schreinanlagen. Mag sein, dass man mir widerspricht, aber nach 14 Tagen im Land wird man ein wenig müde und mag insbesondere Tempelanlagen nicht mehr sehen.

Wir fuhren  zunächst zur Kyoto Station und von dort mit dem Bus zum Ryoan-ji Tempel. In keinem Japanbericht fehlt diese Anlage, man sieht immer diesen bizarren Steingarten und Menschen die auf die Unseco-Steinbrocken im geharkten Kies starren.

Wir starrten heute mit….

Angeblich soll man bei jedem Besuch etwas Anderes, Wichtiges sehen und jedes Mal einen Perspektivenwechsel vornehmen. Mathias Vorschlag, einen Fotoworkshop abzuhalten, alle Teilnehmer nebeneinander sitzend und von links nach rechts aufrutschend fand ich super, allerdings möchte ich die fertien Werke nicht begutachten müssen-gähn.

Unser nächstes Ziel war schon eher etwas für uns und viele Andere……der Kinkagu-ji -Goldpavillion. Auch hier hatte ein gläubiger Shogun seine Residenz als Tempel abwandeln lassen….um 1408 herum.

Der Blick ist großartig und muß im Winter noch fantastischer rüberkommen.

Nach einem kurzen Boxenstop im Hotel fuhren wir nochmals zum Nishikimarkt und fraßen uns durch das Angebot. Octopus mit Ei im Kopf, gefüllte Kalmare und vieles Andere. Wir ershoppten uns unsere kleine Welt, bestehend aus eingelegten Radieschen, Trockenfrüchten und Gewürzen. 

Sigentlich hatte ich vorgehabt, auch den fünften Tag noch in diesen Bericht zu packen. Da wir aber einen Ausflug nach Arashiyama und Sagano machten und  erst am NaMi wieder in Kyoto waren, gibts einen gesonderten Beitrag.

 

 

Japan 2018, VIII: Kyoto 京都市 Tag 1-2

Pünktlich um 8:00 Uhr fuhren wir über Nagoya nach Kyoto. Vorher amüsierten wir uns über die Massen, die mit uns brav in Takayama auf das „boarding“ warteten. Zwanzig Minuten vor Abfahrt, durften wir auf den Bahnsteig und das richtige Abteil suchen. Da wir ohne Reservierung bis Nagoya unterwegs waren und ehrlicherweise nicht drei Stunden stehen wollten, waren wir mehr als pünktlich am Bahnhof um brav mit den anderen Herdentierchen zu warten. Die Sorge war unbegründet, die Reisegruppen waren sowieso mit Reservierung unterwegs.

Anbei eine Impression aus dem Zug

In Nagoya stiegen wir in den Shinkansen, Mathias lud sich eine Geschwindigkeitsapp herunter, die immerhin 265 km/ h anzeigte….da bremste der Zug aber bereits wieder, um uns in Kyoto auszuspucken.

Ich wartete im Isetan Café, bei Käsekuchen und Kaffee auf Mathias der nochmals Big Camera aufsuchte.  Nach erfolgreichem Geschäft fuhren wir mit der Metro zu unserem Hostel, das wieder recht zentral an einer Metrostation lag. Kyoto besitzt einige wenige Subwaylinien, das Meiste wird leider über Busse bewältigt, die gerne im Stau stehen. Während uns Tokio sehr einfach vorkam, überforderte uns Kyoto an diesem ersten Tag ein wenig. Das konnte aber auch an der schwülen Hitze liegen, die die Stadt  und uns lähmte, weit über 30 Grad mit Gewitterneigung, keine Luft zum atmen.

Einchecken ging noch nicht, wir tranken nur ein Wässerchen und verschwanden in Richtung Nijo-jo Castle.

Ich bin ehrlich,  ich hatte mehr Respekt vor Kyoto als vor Tokio. 1600 Tempel, Kaiserpalast und Burg…..wie soll das in 4,5 Tagen bewältigt werden? Hinzu kam, dass wir ja neben den Highlights auch ein paar weniger besuchte Ecken unsicher machen wollten. Schwerwiegend kommt hinzu, Kyoto ist weitläufig und es fehlt in großen Teilen die Subway. Ich hatte mich im Vorfeld gut vorbereitet, einige Tempel ausgesucht und versucht, diese mit den absoluten Highlights zu kombinierem.

Bereits auf dem Weg zum Castle bemerkten wir die Weitläufigkeit und waren bereits angefressen, als wir dort ankamen. Acht Blocks geradeaus, zwei Blocks nach links hatten für den ersten Nachmittag gereicht.  Mit uns wollten noch rund 500 Schüler, zwanzig  Reisegruppen und ca. 30 Individualtouristen ins Nijo- Jo und um es kurz zu machen……wir hatten nur in den Gärten wirklich Spaß. Das Castle sagte uns im Inneren überhaupt nicht zu, wir trabten wie die Schafe mit dem Rest der Herde mit  und beobachten die blökenden chinesischen und italienischen Schafe, die sich übelst beschimpften.

Hier ein paar Eindrücke….habe versucht, die Menschenmassen auf den Fotos zu vermeiden.

Nach dem Besuch des Castles wollten wir zum Nishikimarkt laufen. Da dieser aber um 17:00 Uhr schließt , verwarfen wir die Idee auf halber Strecke und überlegten uns, dass evtl. Arashiyama eine Alternative für den späten Nachmittag ist. Wir waren wirklich willig, leider die Verkehrssysteme von Kyoto nicht! Nach einer kleinen Irrfahrt landeten wir wieder an unserer Heimatstation und checkten  um 17:30 Uhr ein.

Das Bird Hostel ist eine Perle, nette Betreiber, super Ausstattung.Unser Zimmer besser als in so manchem Hotel, insgesamt alles sehr stylisch und absolut empfehlenswert.

Am Abend liefen wir lediglich fünf Häuser nach rechts und landeten in einem kleinen Restaurant mit Hausmannskost. Mathias hatte Tonkatsu Chicken und ich Beef auf ner Teppanplatte…..sehr lecker.

Am nächsten Morgen erfreuten wir uns an  einem sehr guten Frühstücksbuffet und versuchten einen neuen Start mit Kyoto. Leider kam mein Rotz wieder durch, ich hatte diesen wohl nicht ganz ausgeheilt und aus den 30 Grad von gestern, wurden 17 Grad, kalter Wind und Regeneigung heute. Es hieß also Jacke an, Jacke aus, Jacke an, Jacke aus……nur gut für Rotz und Co.

Unser erstes Ziel war der Nishikimarkt. Wir fuhren zwei Stationen mit der U- Bahn und erfreuten uns am exotischen Essen. Da der Markt so schön war, beschlossen wir, in den nächsten Tagen  dort einzukehren.

Wir schauten uns im Anschluß den Schrein hinter dem Markt an und schlenderten zum Fluß in Richtung Yanaka Schrein.

Wir mussten durch Gion und schon war Schluß mit  meiner romantischen Träumerei von bezaubernden Gassen, durch Nebelschwaden huschende Geishas ( hier Geiko genannt) und  ein wenig Romantik in der heutigen Zeit. Knallharter Chinatourismus erwartete uns, Verkehrspolizisten die verzweifelt versuchten den Massen Herr zu werden. Wir rannten in die nächstbeste Gasse und trafen auf folgenden Kumpel:

Die berühmte Künstlerin Yayoi Kusama hatte bis zum 03.5.2018 die Ausstellung „ Pumpkins forever“  in Kyoto und dieser übrige gebliebene Kürbis verschönert nun Gion.

Anbei auch ein Foto, wie es in Gion aussehen sollte:

Am Yanaka Schrein  war bereits Rummelplatzatmosphäre, viele Mädchen liefen im Kimono herum, überwiegend  Japanerinnen aber auch viele Chinesinnen und leider auch Mädels europäischer Machart.

Im Anschluß schlenderten wir durch die belebten Straßen von Gion zum Kodai-ji Tempel.  Dieser wurde 1605 von der Witwe Toyotomi Hideyashi in Gedenken an ihren Göttergatten errichtet,

Dort erwartete uns meditative Ruhe, es war fast leer und genau die richtige Wahl im Wahnsinn der Stadt.

Zen Gärten, die eher zum Schmunzeln anregen. Das rechte Häufchen soll den Fuji darstellen.

Wer erkennt dem Drachen?

Das der Kodai-Ji auch mit einem eigenen Bambuswald prahlen kann, machte ihn für uns noch attraktiver.

Draußen erwartete uns Jubel, Trubel, Heiterkeit…..künstliche Parkplätze für Reisegruppen, aber auch ein schöner Blick zur Yanaka Pagode, die mit dem Schrein nichts zu tun hat und nur der Überrest eines abgebrannten Tempels ist.

Wir hatten an diesem Tag ein riesengroßes Glück. Leider kann ich noch keine Fotos zeigen, wir hatten aber das Erlebis eine echte Geiko im Dienste der Unterhaltungskünste zu erleben. Da der Mensch, der Unterhaltung benötigte, ziemlich relaxt war, konnten wir tatsächlich Fotos von ihr schießen (  noch in raw)  und auch die Geisha war uns freundlich gesinnt.

In jedem Reiseführer steht, dass man Geishas/ Geikos in Kyoto so gut wie nie zu Gesicht bekommt. Es  besteht nur die Möglichkeit an ortganisierten Teezeremonien teilzunehmen, ggfs. den Damen in Gion auflauern, wenn sie schnellen Schrittes zu ihrem Auftrag eilen..

Am Kiyomizu- dera Tempel war es so voll, erinnerte mich an einen wimmelnden  Ameisenhaufen und ich nahm  mir vor abends zu googleln, ob die Chinesen evtl. Ferien haben. Schlimmer kann es zur Kirschblüte auch nicht sein.

Wir verzogen uns zunächst in ein Restaurant, aßen eine gute Ramen Suppe und entdeckten eine echte Kyoter Süßigkeit für uns. Nudel-Eier-Täschchen mit Füllung. Halten nicht lange ( max. eine Woche) und sind unwiderstehlich.

Am Kiyumizu-dera wird bis 2020 gebaut, er ist rd. 1000 Jahre alt und war für uns wenig beeindruckend, da eindeutig zu voll. Die berühmte Terasse des Tempels ist nicht begehbar und somit war der Spaß für uns schnell zu Ende.

Da es regnerisch und kälter wurde, machten wir uns über die berühmte Pontocho zum Bahnhof Karazuma Oike. Auf dem Weg fiel uns ein schickes Restaurant auf, die Crispy Wagyu auf der Karte hatten, es kribbelte und kurze Zeit später genossen wir in der berühmtesten Gasse kurz fritiertes Rindfleisch, medium mit Rettich, Wasabi und in Sojasoße getunkt…..zum Niederknien.

Ermattet kamen wir um 19:30 im Hostel an und waren nicht nur mit Kyoto ausgesöhnt sondern auch zufrieden, die Beine hochzulegen.

Japan 2018, VII: Shirakawa-go 白川 郷, ein ganzes Dorf ist Weltkulturerbe

Das Wetter hielt sich wieder minutenscharf an seine Wetterfrösche. Diese hatten 24 Std. Regen für die Region vorhergesagt und genau so war es dann auch. Wir fanden im Verlauf des Tages keine Bezeichnung mehr für den Zustand, dem wir uns aussetzten, evtl. sollte der Wetterbegriff „Wasser von oben, von links, von rechts und von unten“ eingeführt werden.

Wir kamen noch trockenen Fußes in den Bus, der uns ins Shokawa Tal, nach Shirakawa- go und genauer gesagt in das Dorf Ogimachi, brachte. Unterwegs wurde das Wetter regnerischer und in Shirakawago schüttete es aus allen Kannen. Allerdings waren wir innerlich vorbereitet gewesen und freuten uns sogar über das Nass von oben, da die Bilder saftiger und weniger flirrend werden. Da wir mit Pentax fotografieren und diese wasserfest sind, waren wir die lucky looser an diesem Tag. Aber auch die hier gezeigten Bilder meiner Bridge sind ok…..natürlich ging nicht Alles, bissel Vorsicht war nötig.

Wir trotteten nicht die Hauptstraße entlang, sondern schlugen uns sofort in die Reisfelder und bewunderten die ersten Gasshō- Zukuri Häuser. Ogimuchi in Shirakawa als auch Ainokura und  Suganuma haben 1995 den World Heritage Status der Unseco erhalten, leider ist Ogimachi das am schnellsten erreichbare Dorf und somit auch sehr überlaufen. Teile des Ortes, jenseits des Flusses,  wurden dem Tourismus geopfert, während der Dorfkern noch intakt scheint.

Als wir an der Gabelung zum viewpoint ankamen, sagten wir spontan „ lieber jetzt, heute Nachmittag sitzen die Wolken noch tiefer“ und liefen die 10 Minuten zum berühmten Lookout von Shirakawago. Die Sicht ins Tal war ok, selbst mit der profanen Bearbeitung vom Ipad,  ist die Schönheit des Tales zu sehen.

Als wir wieder im Tal waren, regnete es nicht nur heftiger sondern die chinesischen Reisebusse waren aufeinmal da! Wir wunderten  uns, konnten wir doch nicht wissen, dass jenseits des Flusses ein großer Parkplatz  für Reisegruppen angelegt worden war. Aufgrund des Regens flüchteten wir in eins der Bauernhäuser, die zum Teil für Besichtigungen offen stehen, aber immer noch als Wohnhaus genutzt werden.

Für eine geringe Gebühr ( 300 Yen) konnten wir am Feuer sitzen und grünen Tee trinken. Die Gebäude sind sehr groß, umfassen mehrere Stockwerke. „ Beheizt“ wird das gesamte Haus durch einen einzigen Ofen, der mächtig rußt. Auch jetzt, im Sommer, bei min. 22 Grad Außentemperatur, war es im Inneren des Hauses eher kalt-der Ofen lief. Es gibt keinerlei Glasscheiben, nur Reispapier vor den Fenstern. Die Winter können bis zu Minus Dreißig Grad kalt werden. Kein schöner Gedanke, hier im Tal einen Schneesturm zu erleben. Vermutlich hält man es dann nur im Onsen aus.

Nach zwei wärmenden Tassen Tee gings wieder in den Regen, der noch  heftiger geworden war. Wir schafften bloss ein paar Bildchen und versackten dann bei einer typischen, japanischen Mama die Hausmannskost im eigenen Heim anbot. Dieses war zwar kein Gassho-Zukukri Haus,  das Curry mit Hida Rind geht aber in  unsere japanische Reisegeschichte  ein. Vorher hatten wir nochmal zwei Spieße Hida Rind genossen und fühlten uns wie die Made im Speck. Auch hier hatten wir einen Einblick in das Familienleben und in die Räumlichkeiten. Es war alles super sauber aber beengt, vorm Badezimmer standen die obligatorischen Kloschuhe, die Wohnräume sind karg.

Nach dem Essen versuchten wir weiterhin den Chinesen auszuweichen, die mit Deppenzepter und viel Getöse den Ort für sich vereinnahmt hatten. Meine negative Grundhaltung zum chinesichen Volk flammt seit Japan wieder extrem auf……nur 10% der Chinesen haben einen Reisepass und benehmen sich widerlich. Das sind 150 Mio Menschen, die alles platt walzen, was sich in ihrem Dunstkreis befindet. Es ist angsteinflößend! Am Nachmittag habe ich übrigens auch das allererste versiffte Klo in Japan gesehen, ich muss nicht erwähnen, dass dieses zum Busbahnhof der Reisegruppen gehörte!

Wie dem auch sei, wir konnten den Massen aus dem Weg gehen und fanden noch die eine ode andere schöne Ecke in Ogumuchi. Wir erkundeten auch ein wenig den Wald, dort war es gefühlt aber noch feuchter.

Am späteren Nachmittag sahen wir eine Hängebrücke und uns ging die Glübirne übers Köpfchen auf. Auf der anderen Seite verlief nicht nur das Dorf sondern auch ein absolutes Touristenkzentrum mit allem pipapo. Wir ließen es uns nicht nehmen und trotteten  mit den Massen mit. Bei schönen Wetter muss der Blick von der Brücke in die Berge atemberaubend sein. Bei uns trifft die Bezeichnung „ solala“ es wohl ein wenig besser. Von der anderen Uferseite konnte man aber das Geschehen auf der Brücke  besser  beobachten…..der Strom der Besucher war unaufhörlich, riss bis zu unserer Abfahrt nicht ab.

Wir liefen gegen 15:30 zu dem lokalen Busbahnhof und hatten wieder mal so richtig Glück. Wir hatten Tickets für den 17:20 Bus nach Takayama. Der Bus vorher war online ausverkauft gewesen. Mathias fragte am Verkaufsschalter nach, ob wir den Bus tauschen könnten. Das Mädel am Counter war unwillig….dann kam der Busfahrer vom 16:15 Bus und managte die Umbuchung. Mit über einer Stunde Zeitersparnis kamen wir wieder im trockenen Takayama an und warem dem Busfahrer sehr, sehr, dankbar.

Nach einer kurzen Trockenphase im Hotel, Mathias fönte Socken und Schuhe, machten wir uns auf zur Futtertränke. Wir wollten keine Suppen, keine Gyoza, keine Okonomyaki und auch kein Hida Fleisch ChiChi. Fündig wurden wir in einer kleinen Sushibude. Wir gaben am Ende 24€ pro Person aus, hatten nur Spezialrollen und Tempura, teuer war es wirklich nicht.Highlight war sicherlich das Hida Beef, siehe letztes Bild….also doch noch ein wenig ChiChi zum Abschied.

Tempura:

Lobsterrolle

Crispy Eel, mein optisches und geschmackliches HighlightBei uns unter Dragonroll bekannt

Lachsrolle

Hida Beef