Australien III, 2006: South Australia & Victoria

Das Gute an Reisen in ein Land, in dem man bereits häufiger gewesen ist, ist das langsame, gemächliche Vorsichhintrödeln….der Fokus liegt eher auf kleinere Sightseeing Spots, Dinge abseits der großen Highlights und für die man vorher keine Zeit hatte. Nachdem ich bereits 17 Wochen in Australien verbracht hatte, zog es mich nochmals in meine zwei Lieblingsstaaten im Süden des 5. Kontinents. Ich hatte mit Singapore Airlines einen arschteuren Flug gebucht und flog rund sechs Monate nach meiner Weltreise wieder nach Down Under.

Der Flug war nicht nur teuer gewesen, er beinhaltete auch einen Zwischenstop in Singapur von 13 Stunden. Diesen plante ich auf Sentosa Island zu verbringen, verheißungsvoll die Aussicht auf Strand und indonesisches Flair. Da ich im Rahmen meiner Weltreise auch in Singapur gewesen war, konnte ich mich noch gut an das Verkehrssystem erinnern und MARTA brachte mich ganz formidabel und schnell an den Strand. Ich schloß mein Handgepäck ein und vergammelte den Tag auf der Liege,  die auf den Bildern gezeigte  Aussicht begleitete mich! Der Beginn meines Urlaubs hätte schlechter sein können 🙂 . Am Abend checkte ich total verbrannt und frisch geduscht wieder in den Flieger ein und verquatschte den gesamten Flug nach Adelaide mit Ann, einer Britin, die bereits seit 40 Jahren in Australien wohnte. Sie war sooo herzlich, dass ich nach acht Stunden neben ihr nicht nur eine Esseneinladung bei ihr @home mein eigen nennen konnte, sondern auch die gesamte Flieger Crew kannte, die Ann mit ihrem Charme bezirzte.

Die ersten Tage wohnte ich in einem Einzelzimmer im Hostel von Glenelg. Der Bus brachte mich vom Flughafen direkt an den Strand, der Airport ist nicht weit außerhalb der Stadt. Ich war mir wirklich selbst genug, schlief und aß wann ich wollte und zum Abschied meinte der Rezeptionist nur “ von Dir haben wir überhaupt nichts mitbekommen“.

Zunächst machte ich Glenelg unsicher, freute mich über das frühsommerliche Wetter ( es war November) und inspizierte Adeleides Innenstadt. Ich zog nach drei Nächten in Glenelg ins weitaus lebhaftere YHA in Adelaide und damit auch in einen 4er Dorm.

Anbei ein paar Impressionen vom Strand:

In Glenelg kann auch die Buffalo besichtigt werden. Der Nachbau des berühmten Schiffes erinnert an die ersten Siedler, zumeist Strafgefangene. Das Schiff gehörte zur First Fleet, mit Derer der Kontinent erobert wurde.

Adeleide wurde meine Hombebase für rd. 14 Tage. Immer wieder kehrte ich zurück, gewann die Stadt trotz Ashes Fans ( großes Cricket Turnier mit den dazugehörigen Anhängern) echt lieb. Fotos der Stadt findet Ihr im Bericht nach meinen Tagen auf Kangaroo Island.

Mein erster größerer Ausflug führte mich nach Hahndorf. Nicht nur die Briten machen Australien schnell zu ihrer neuen Heimat, nein auch Deutsche zog es nach Down Under. Die Kultur wird, ähnlich wie in den Staaten, weitergelebt, Oktoberfeste und Volkstümliches zelebriert. Ich fand den Ort nicht wirklich deutsch,  er wirkte auf mich wie jedes Nest fernab der größeren Städte.

Dennoch, man sprach deutsch und die Australier rissen sich um Kaffee, Bienenstich und Streuselkuchen. Das „Hahn“ ist eines der besten Biere in Australien, es wurde mein favourite beer.

Kangaroo Island stand ebenfalls auf meiner Bucket List, ich hatte mich für eine 3 Tagestour entschieden, natürlich im Backpacker Style….d.h es wurde nachts in Swags geschlafen, zum Teil unter freiem Himmel.

Die Fährüberfahrt ab Cape Jervis war nichts für schwache Nerven, zwei Japanerinnen, die ebenfalls an meiner Tour teilnahmen, gingen Fische füttern. Vorher hatten wir aber noch die Gelegenheit bekommen, den wunderbaren Strand von Cape Jervis zu bewundern.

Kangaroo Island liebte ich sofort, herbe Wildnis….erinnerte ein wenig an Tasmanien, war mir aber sympathischer. Den ersten Abend waren wir zu Fünft, neben den zwei Japanerinnen gehörten noch eine Irin und ein Brite zu meiner Truppe. Wir schliefen in einer alten Scheune mitten im Nirgendwo. Immerhin,  es gab noch Plumpsklos und sogar Duschen. Allerdings verzichtete ich auf übertriebene Körperhygiene, was ich später bereute, denn das Camp in dieser Nacht war noch die Luxusvariante.

Uns wurde angeraten, des nächtens den Swag immer einzurollen sofern man diesen verlässt, nur dann ist man sicher, dass sich keine Schlange in die Kuschelhöhle einnistet. Swags sind übrigens eine durchdachte Idee, Schlafsack mit integrierter Matratze und Zeltplane drumherum, echt gemütlich- geschlafen habe ich damals dennoch nicht sonderlich gut.Am nächsten Morgen vergrößerte sich unsere Gruppe erheblich. Unter Anderem habe ich ein amerikanisches Paar im Gedächtnis, die damals mit Safariklamotten und Buschmesser umherrannten…..der Rest von uns schüttelte nur das Köpfchen.

K.I. ist nach Tasmanien und Melville die drittgrößte Insel Australiens, man sollte mindestens drei Tage mitbringen um wenigstens den größten Teil  kennenlernen zu können. Die Insel ist 145 km lang und 59 km bereit. Immerhin, über 500 km Küstenlinie nennt Kangaroo Island sein eigen.

Unserer erstes Ziel am zweiten Tag war die Seelöwenkolonie, Seal Bay CP und das erste Tier, welches wir bewundern durften….EINE SCHLANGE die sich über den Weg schlängelte. In jedem Australienurlaub hatte ich das Vergnügen auf die Viecher zu treffen.

Die Seelöwen waren  super….in ihrem natürlichen Habitat, man darf nur mit Ranger an den Strand und muss gehörigen Abstand halten. Es machte Spaß die Tierchen zu bobachten, nur die Bilder sind damals nicht wirklich toll geworden….es war die letzte Reise mit der Digi Cam von 2004. Schwimmen ist laut Wikipedia an dieser Küste nicht empfehlenswert- Haie tummeln sich vor der Küste…..sie lieben Seelöwen

Nachdem wir die Löwen ausgiebig bewundert hatten, fuhren wir weiter nach Little Sahara um in den gewaltigen Sanddünen ein wenig sandboarding zu machen. Ein paar Mutige sprangen auch in die Fluten.Wir schliefen im Flinders-Chase Nationalpark und unser zweites Camp war noch rudimentärer als die erste Übernachtung.

In dieser Nacht hatten wir keine schützenden Wände um uns herum, ja nicht mal vor dem Plumpsklo. Bevor wir aber am Lagerfeuer das selbstgekochte Essen verspeisten, bewunderten wir die Fairy Penguins, die auch auf dieser Insel in Kolonien brüten. Ich kannte die kleinen Kumpels bereits von Phillips Island und finde sie dennoch immer wieder soooo niedlich. Wir mußten die Kameras mit roter Folie abkleben, damit sich die kleinen Gesellen nicht erschrecken- die Bildausbeute daher maumau, aber besser als nichts….

Nach einer durchwachten Nacht erkundeten wir am nächsten Tag zunächst die Umgebung, in der wir geschlafen hatten. Känguruhs und viele wilde Koalas ließen sich nicht lange bitten. Ich habe nur noch in den Grampians oder im Otway Nationalpark mehr wilde Koalas gesehen. Für Tierliebhaber ist der Flinders Chase Nationalpark mit seinen bizarren Felsformationen ein El-Dorado.

Unser nächstes Ziel führte uns zu den Remarkable Rocks mit super Aussicht auf die arg schöne Küste. Wir konnten nicht genug bekommen, die Natur einigartig. Kein Wunder, dass die Insel bei Australiern als Ferienziel ganz oben auf der Liste steht.

Zu guter Letzt erkundeten wir eine Höhle ( Admirals Arch?) mit offenem Zugang zum Meer- wieder eine Postkartenaussicht.Zurück in meiner Homebase legte ich einen Sightseeing,-u. Shoppingtag ein und genoss das niedliche Städtchen. Meines Erachtens verdienen nur Sydney und Melbourne den Begriff Stadt-alles Andere sind Nester.

Adelaide bereitete sich auf Weihnachten vor und auch ich ließ mich anstecken und kaufte Geschenke ein. Mein liebster Platz in der Stadt war der Central Market. Dort gab es das beste Essen und unglaublich viel Flair. Ähnlich wie der Victoria Market in Melbourne, der ebenfalls ein Lieblingsplatz von mir ist.

Noch ein paar Adelaide Impressionen:

Ich nahm an einer orgnisierten Tour zu Wolf Blass teil, wollte wissen wo einer meiner Lieblingsweine ( Jacob’s Creek ) herkommt. Ein schöner Ausflug ins Barossa Valley, deutsches Erbe in Australien inklusive. Nachdem ich auch das größte Schaukelpferd der Welt bewundert hatte, machte ich mich bereit für einen wunderbaren Ausflug in die Flinder’s Ranges, Wilpena Pound.

Um eine lange Geschichte kurz zu halten. Die Tour war mühselig, anstrengend und weitab vom Schuß….und sie war es so wert! Ich war oft im Outback, doch diese drei Tage sind eines meiner absoluten Höhepunkte in Oz.

Der normale Linienbus brachte mich in sechs Stunden von Adelaide nach Port Augusta. Wir fuhren an der Spear Creek Cattle Station vorbei, es wurden Erinnerungen an 1999 und meiner ersten Tour durch Oz wach. Damals schliefen wir, auf dem Weg zum Ayers Rock,  auf der Farm und schauten uns das Schafescheren an.

In Port Augusta wurde  ich von Paul in Empfang genommen. Mit mir machte noch ein Deutscher ( Falk) die Tour mit und Pauls erster Satz, nach dem obligatorischen „How is it goin‘?“ war „it’s over, when it’s over mates“…oder besser gesagt, wir machen hier open end….und so war es dann auch. Wir  lernten nicht nur die Flinders Ranges, Wilpena Pound und Umgebung kennen,  sondern besuchten auch das Lieblingspub von Paul und saßen bei ihm auf der Couch. Das Hostel von Quorn gehörte Falk und mir ganz alleine, es gab nicht mal nen Rezeptionisten. Wir konnten schalten und walten. Die Tage waren grandios, meine schönste und tourimäßig unversauteste Aussiezeit. Ich kann es Jeder/m nur ans Herz legen. Authentisches Australien, grandiose Natur, Geisterstädte und rauhbeinige Australier die sich in Ihrem Strine quasi badeten. Ich bin den Aussiedialekt gewöhnt aber hier zogs mir damals die Schuhe aus…..

Unser Hostel in Quorn: Die nächsten drei Tage fuhren wir mit dem Jeep durchs Gelände, sahen jede Menge Wildlife und Natur. Wir wanderten auf die Wilpena Pound, die natürlich von unten nicht ganz so beeindruckend aussieht. Sofern ich die Erlaubnis von Jason Ardell von Flickr erhalte, kann ich Euch auch ein Foto von oben präsentieren, meine Anfrage läuft ( 01.03.2018).

Kommen wir zunächst zum Wildlife, das ist selbsterklärend:

 

 

 

 

 

 

 

Wir bewunderten Höhlenmalereien der Aborigines:

Wo man hinschaute, überall grandiose Outback Natur- I love it:

Ghostgums ( Geistereukalyptus)

road to nowhere?

Bunyeroo Valley ( Flinders Ranges) Wilpena Pound im Hintergrund

Marsch auf die Wilpena Pound ( anstrengend wars) : Blick in das Amphitheater, wie gesagt…..es ist nicht so spektakulär wie aus einem Flugzeug

Ein paat Tage später sah ich in Melbourne die Ausstellung “ Die Welt von oben“ und fotografierte die Wilpena Pound von „oben“ ab.

Noch mehr Outbackfeeling:

Willkommen in der Alligator Gorge, immer schön den Blick nach unten senken- Schlangengefahr!Wir besuchten auch Melrose- ein Städtchen mit süßem, intakten Cafe´in einer alten Schmiede….der Rest des Ortes war Ghosttown mit eigener Atmosphäre.

Ich trank außerdem mein geliebtes Hahnbier im ältesten Pub der Flinders Ranges und bewunderte die kargen Blumen des Outbacks.

Paul verabschiedete uns nach drei Tagen sehr herzlich und nach einer weiteren Übernachtung in Adelaide flog ich mit meiner Lieblingsairline ( Virgin Blue) in meine zweite Heimat -MELBOURNE! Die ersten drei Nächte verbrachte ich bei Eileen, zog dann in ein Pub um und wohnte am Ende bei Rory, der damaligen Liebelei. Ich war bereits 2x in Melbourne gewesen, kannte also die gängigen Sightseeing Spots und ließ es gemächlich angehen. Hier ein paar Impressionen, warum ich die Stadt so mag.

Gemütliche Wohnviertel:Rememberance Shrine und Botanischer Garten

Blick auf den Yarra River und dem Geschäftsviertel von Melbourne

Southbank

Flinders Street und Federation Square

Das Wetter war damals sehr wechselhaft, von 14-39 Grad war alles dabei. Ich saß zum Teil mit Winterjacke bei Rory im Wohnzimmer, fuhr eines Tages bei 39 Grad nach Williamstown ans Meer. Als ich dort ankam hatte das Wetter umgeschlagen und ich kehrte sofort um 14 Grad, windig und ätzend!

Buschfeuer in Gippsland machten das Atmen schwer, zunehmend war es rauchig und diesig in der Stadt.

Eine letzte schöne Erinnerung von dieser Reise hat mit Weihnachten zu tun. Ich verbrachte viel Zeit am Federation Square und an der Kathedrale. Dort traten abends Chöre auf, das Lukas Evangelium war illuminiert in Szene gesetzt und mit einem Eis in der Hand und im Sommerkleidchen war dies doch ein ganz besonderes Feeling.

Ich kehrte 2008 nochmals nach Melbourne zurück. Von dieser Reise erzählt der nächste Australien Bericht.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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